Twitter Trends aus dem Truthahn

Twitter hat 3.600 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar. Trotzdem scheitert das Unternehmen an einer Aufgabe, die jeder 1-Mann-Internetversand auf seinem Webshop hinbekommt: eine Liste zusammenzustellen, aus der man ein Land auswählen kann.

Wenn man nämlich die Türkei auswählen möchte, findet man sie nicht im deutschen User Interface von Twitter. Stattdessen springt einem zwischen Thailand und der Ukraine ein sehr seltsames Land ins Auge, das garantiert nie im Geographieunterricht erwähnt wurde und von dem (Lügenpresse!) auch nie in den Nachrichten die Rede ist: Truthahn!

Liste: Thailand, Truthahn, Ukraine

Ich hab Tränen gelacht gestern. Bisher war die Doppeldeutigkeit des englischen Wortes „Turkey“ für mich ja nur ein lästiges Hindernis, wenn ich die englischsprachigen Seiten des Internets nach Informationen über türkische Grammatik oder die Türkei durchsucht habe. Da ist schon ziemlich oft ein Truthahnrezept dazwischengerutscht bei den Suchergebnissen. Daß es aber auch einfach nur lustig werden kann, vor allem in einem Umfeld, in dem man mehr Professionalität erwartet, das weiß ich erst seit gestern.

10 Online-Hilfen zum Sprachenlernen

Seit Ende 2015 sitze ich wieder auf der Schulbank und versuche, eine neue Sprache zu lernen. Freiwillig. Türkisch hab ich mir ausgesucht und damit (ohne daß mir das ursprünglich bewußt war) das Schwerste, was ich mir bisher zugemutet habe. (Hätte mir damals während meiner Schulzeit jemand erklärt, wie leicht Französisch, Latein oder Russisch - Englisch sowieso, aber das war mir klar - eigentlich sind, hätte ich das wohl heftig abgestritten. Aber es hindert einen ja niemand, schlauer zu werden. *gg*)

Tja, und jetzt spule ich vorwärts. Eine neue Sprache lernen nicht 1982 (damals hab ich mit Französisch begonnen), sondern 2015-2017. Das Internet bietet jede Menge Hilfsmittel, von denen wir nicht einmal träumen konnten damals. Ich habe hier die zusammengestellt, die sich nach fast zwei Jahren als für mich am nützlichsten herausgestellt haben. (Unter anderem auch deshalb, weil ich seit geschätzten 5 Jahren keine Lesezeichen mehr anlege und gerade solche Angebote regelmäßig neu suchen muß.)

Babbel.com ist eines von nur zwei kostenpflichtigen Services in der Liste. Es eignet sich hervorragend dafür, den großen Zeh in die Sprache zu tauchen und danach auch noch selbständig weiterzulernen. Bis zum Niveau A2 kommt man damit angeblich bei Türkisch. Trainiert werden Grammatik (sehr verständlich!), Vokabeln, Hörverständnis und bis zu einem gewissen Grad auch die Aussprache. Babbel funktioniert am PC im Brower oder am Handy/Tablet als Programm. (Die Android-Version ist kompatibel mit SailfishOS.)

Ankiweb.net ist eines von vielen Vokabel-Trainigsprogrammen. Es läuft wahlweise im Browser oder als Programm für die verschiedensten Betriebssysteme. (Die Android-Version ist kompatibel mit SailfishOS.) Wie die meisten anderen derartigen Systeme arbeitet es nach dem System der „spaced repetition“, das mir schon in der Schule empfohlen wurde: Was neu gelernt oder wieder vergessen wurde, wird oft wiederholt. Vokabeln, die sitzen, werden nur ganz selten zur Bestätigung vorgelegt. Es gibt sicher Programme, die von Haus aus komfortabler und freundlicher erscheinen. Was mir an Anki gefällt: Datenstruktur und Aussehen der Lernkarten lassen sich völlig frei gestalten, ein Export der gesamten oder gefilterten Wortliste zur Weiterverarbeitung ist ein Kinderspiel. Außerdem habe ich es wirklich immer und überall zur Hand.

Tatoeba.org bietet Übersetzungen von ganzen Sätzen in verschiedene Sprachen. Den Sinn habe ich zuerst nicht ganz verstanden. Wie hoch ist schon die Wahrscheinlichkeit, daß gerade der von mir benötigte Satz dabei ist? Darauf kommts nicht an: Ich suche ein bestimmtes Wort, das ich in meine Anki-Datenbank eintragen möchte, und finde in Tatoeba jede Menge Beispielsätze mit Übersetzung. Auch diese Beispielsätze trage ich in Anki ein: Es reicht oft nicht, die Bedeutung eines Wortes zu verstehen. Auch seine Verwendung im Satz ist ausschlaggebend. Dafür ist Tatoeba höchst nützlich.

Forvo.com ist unerläßlich, wenn man viel selbständig lernt und sich auch neue Vokabeln zu einem großen Teil aus geschriebenen Texten anzueignen versucht. Auf Forvo findet man die Aussprache von Worten, Wortgruppen und manchmal ganzen Sätzen durch Muttersprachler. Der Unterschied zwischen „hala“ und „hâlâ“ bekommt man im Kurs zwar irgendwann von einem waschechten Türken vorgesprochen; wenn mans zuhause aber perfektionieren möchte, führt an Forvo kein Weg vorbei. Leider ist die Qualität der Audiofiles nicht immer berauschend, es ist aber das einzige derart umfangreiche Service dieser Art, das ich gefunden habe.

Wiktionary.org besuche ich kaum jemals als Wörterbuch im engeren Sinn. Sehr nützlich sind einzelne Sprachversionen (vor allem die Englische, auf die ich hier verlinkt habe) aber, um die Deklination bzw. Konjugation einzelner Worte nachzuschlagen. „In seinen Musicals“ heißt laut Wiktionary korrekt müzikallerinde und nicht etwa „ müzikallarında“, wie man es nach der Lautlehre erwarten würde. Ebenso unerwarteterweise heißt „Nehmen Sie?“ eben Alır mısınız?, nicht „Alar mısınız?“. All diese Informationen sind in Form von Regeln und Ausnahmen auch in den Lehrbüchern versteckt … dort aber gerade dann nicht auffindbar, wenn man beim Tippen einer Mail die korrekte Aoristform sucht.

Wiktionary.org Frequency List ist ein Eintrag im englischsprachigen Wiktionary. Für sehr viele Sprachen verlinkt er auf Listen der am häufigsten vorkommenden Vokabeln. Der Nachteil: In den allermeisten Fällen gibt es keine Angabe über die Methode oder wenigstens den analysierten Korpus. Nach dem Motto „besser als gar nichts“ ist das aber erträglich: Überraschenderweise habe ich solche Listen im Netz nämlich kaum gefunden. Dabei wären sie fürs Vokabellernen von großer Bedeutung: Auch wenn zum Beispiel das Deutsche inklusive der themenspezifischen Fachbegriffe über viele Millionen unterschiedlicher Vokabel verfügt, kann man doch 80% der Alltagssituationen mit nur knapp 1.500 davon meistern. Als Faustregel wird auch beim Erlernen einer Fremdsprache ein Vokabelschatz von etwa 1.000 Wörtern als ausreichend angesehen - solange es eben die 1.000 häufigsten Wörter sind und nicht Begriffe aus der Teilchenphysik. Spätestens zu dem Zeitpunkt, wie mich Anki beim Vokabellernen nach dem Begriff „Volkstanzturs“ gefragt hat, habe ich meine bisherige Taktik des Vokabelsammelns infrage gestellt. (Praktisch war, daß ich die bereits in Anki erfaßten Vokabeln mit einem dreizeiligen Bash-Script mit der Liste der 1.000 häufigsten Wörter laut Wiktionary abgleichen und nur die neuen übernehmen konnte.) „Volkstanzkurs“ heißt übrigens „halk oyunları kursu“. Den nutzlosen Scheiß merk ich mir jetzt natürlich. 🙁

ITalki.com und einige praktisch identische Plattformen sind nur technisch gesehen neue „Internet-Ressourcen“. Nach Babbel sind sie die zweiten kostenpflichtigen Angebote in dieser Übersicht. Was sich dahinter versteckt, ist der altbekannte Einzelunterricht. ITalki übernimmt dabei nur die Schaltung der Anzeigen für die Lehrer, die Verrechnung und diverse Zusatzdienste wie zum Beispiel die Beurteilung von Lehrern durch Schüler oder der Betrieb eines Forums, in dem Schüler einander helfen können. Der Unterricht selbst findet außerhalb der Plattform statt, Lehrer und Schüler müssen sich nur auf ein Videokonferenzsystem einigen. Das Prinzip funktioniert gut: Weil die gängigen Videokonferenzsysteme ein Teilen der Bildschirminhalte ermöglichen, kann der Lehrer in einem Textdokument wie auf einer Tafel mitschreiben und die Mitschrift dem Schüler nachher zukommen lassen. Auch die Präsentation anderer Inhalte (Tabellen aus Lehrbüchern etc.) bietet sich an. Die Preise sind abhängig von der Nachfrage nach der jeweiligen Sprache und natürlich vom Wohnort des Lehrers und damit von den Wechselkursen. Meistens zahlt es sich aber aus. Als Beispiel: Eine Unterrichtseinheit (meist 45 bis 50 Minuten) kostet bei Wiener Anbietern zwischen € 40,- und € 50,-. Bei iTalki ist eine volle Stunde (also wirklich 60 Minuten) um nur etwas mehr als € 10,- zu haben. (Der genaue Preis schwankt von Woche zu Woche, weil in Dollar abgerechnet wird.) Zeitsparender ist iTalki auch: Man spart sich die Fahrtzeit zwischen Kursort und Wohnung.

YouTube.com darf nicht fehlen. Man findet dort Videos in der Zielsprache (auch Kindervideos fürs Einsteigerniveau) genauso wie Musik zum Mitsingen und den einen oder anderen Sprachkurs. Ebenfalls nicht uninteressant: Vorträge übers Sprachenlernen an sich. Welche Lernmethoden haben sich gut bewährt, welche weniger?

TalkReal Blog steht hier nur stellvertretend für Seiten im Internet, auf denen - oft nur als Nebenprodukt oder zum Anlocken von Kunden - Tricks und Ideen rund ums Thema Sprachenlernen vorgestellt werden. Viele davon kann man zumindest einmal ausprobieren. Es muß sich nicht immer alles auf die Kombi „Vokabel lernen/Grammatik lernen“ beschränken.

Tandempartners vermittelt das, was man Sprachtandems nennt: Zwei Menschen, deren Muttersprache jeweils die Zielsprache des anderen ist, können einander dort finden. (Streng genommen also auch etwas, was es bereits 1982 gegeben hat - nur eben in der Vermittlung moderner und effizienter.) Ohne die regelmäßige Unterhaltung mit einem Muttersprachler ist es meiner Meinung nach unmöglich, eine Sprache wirklich zu beherrschen. Hörverständnis und das aktive Sprechen müssen trainiert werden. Im Idealfall ist der Tandempartner am gleichen Sprachniveau wie man selbst und beherrscht auch sonst keine andere Sprache - sonst ist es zu verführerisch, im Lauf des Gesprächs in jene Sprache auszuweichen, die beide am besten können. Unabhängig vom ursprünglichen lernziel.

Natürlich gibt es neben den hier beschriebenen Angeboten noch mehr: Fremdsprachige eBooks und Filme sind im Netz leicht zugänglich, bei entsprechenden Sprachkenntnissen stehen die Internetseiten aus den fremden Ländern selbst als Übungsmaterial zur Verfügung. Es ist mir auch schon passiert, daß aus einem Online-Chat zum Thema GNU/Linux plötzlich eine türkische Unterhaltung mit einem sehr geduldigen Gesprächspartner geworden ist.

Jede Menge Hilfe und Unterstützung also im Web für Lernende auf allen Niveaus. Die schlechte Nachricht zum Schluß: Tatsächlich lernen muß man trotzdem nach wie vor selbst. Keines der genannten Services reduziert den Aufwand, den man zum Erlernen der Fremdsprache investieren muß. Ich gehe aber davon aus, daß das Ergebnis einfach besser sein wird als früher, als es außer einem Schulbuch, einem Wörterbuch und einem mehr oder weniger talentierten Lehrer (selbst kein Muttersprachler) nichts gab.

Karma: 10.000!

Im September 2015 hab ich meiner treuen Leserschaft versprochen: Ich melde mich wieder, sobald mein Karma-Zähler auf together.jolla.com die 10.000er-Marke durchbrochen hat.

Das hat er heute. Freundlicherweise also genau an dem Tag, an dem meine beiden Jolla-Tablets angekommen sind. Ist das nicht ein netter Zufall? 🙂

Grain de Malice: Ich interessiere mich für Mode

Was ist passiert? Hab ich zu viel von Zoës närrischen Schwammerln abgekriegt? Ich interessiere mich für Mode!

Nein, ganz so tief gesunken bin ich noch nicht. Ich interessiere mich nicht für Mode, sondern für eine bestimmte Modekette. Sie heißt „Grain de Malice“ und ist offenbar gerade dabei, sich komplett aus dem deutschsprachigen Markt zurückzuziehen. Die Filialen in Österreich sind schon geschlossen, einen deutschsprachigen Webshop gibt es auch nicht mehr, die wenigen verbleibenden Geschäfte in Deutschland werben im Netz mit Abverkauf.

Wer trägt die Schuld daran? Wenn es nach der von mir so gern als Witzseite konsumierten Facebook-Haßgruppe „Gegen Mariahilferstraßenumbau“ geht, dann ist es Maria Vassilakou. Der Umbau der Mariahilferstraße zur Fußgängerzone hat das französische Mutterunternehmen zum Rückzug aus Deutschland und Österreich gezwungen! Das ist leider nur der Anfang. Danke Frau Vassilakou!, schreibt man dort. Im Vertrauen, liebe Selbsthilfegruppe: Der Umbau der „MaHü“ hat auch die Zielpunkt-Pleite verursacht. DENKT MAL DARÜBER NACH !!!!!!!!!!!!!einseinself!

RDFa à la twoday, Teil IV: Aufräumen

Es war 2012, wie ich diesem Blog zum letzten Mal einen größeren Umbau gegönnt habe. Ich hab mich auf alles gestürzt, was ich per RDFa an semantischen Metainformationen in die Vorlagen packen konnte. Schema.org, SIOC, FOAF, Dublin Core, nichts war mir zu teuer. Dabei hab ich mich auch noch brav ans Subset RDFa Lite gehalten, damit die Damen und Herren bei den Suchmaschinen auch nicht ins Schleudern kommen bei Auswerten der Daten.

Ausgesehen hat das damals gut, und alle zur Verfügung stehenden RDF(a) Prüfprogramme haben genau das erwartete Ergebnis ausgespuckt. Ich hab das Thema also als erledigt angesehen und wieder vergessen.

Was ein Fehler war: Vor ein paar Tagen hab ich mir angesehen, was die Prüftools der Suchmaschinen daraus machen. Bing! erkennt erwartungsgemäß gar nichts (die haben aber offenbar nur ein Mini-Set aus dem Schema.org-Vokabular in Verwendung), Yandex machts halbwegs richtig … und Google ist komplett überfordert mit der Mischung verschiedener Vokabulare.

Ich hab die letzten zwei Tage also damit verbracht, den Großteil des HTML-Codes dieser Seite wieder komplett neu zu schreiben. FOAF, DC, SIOC und andere Spezialitäten sind zunächst komplett draußen. Es gibt vorläufig nur mehr Ausdrücke von Schema.org. Yandex ist mein Freund, Bing! ignorier’ ich und ansonsten nähere ich mich Schritt für Schritt einem Markup, das auch Google versteht.

Irgendwie schon peinlich, daß verhältnismäßig einfache Dinge von so großen Konzernen so schlecht (und falsch) umgesetzt werden. Naja. Sonst hätt ich ja nix zu tun. 🙂

Mein erster 8000er

Es war 2009, wie ich mich zum ersten mal als Karma Whore geoutet habe hier auf diesem Blog. Der Anlaß damals war die gute Platz, den ich im Karma-Ranking der Maemo-Community geschafft hatte.

Heute hab ich einen ähnlichen Grund zum Feiern: Mein Karma-Zähler auf together.jolla.com (TJC) hat die Schallmauer von 8.000 Punkten durchbrochen. Damit liege ich zwar „nur“ auf Platz 32 von rund 8.400 Forumnutzern … über der 8.000er-Marke wird die Luft aber auch wirklich dünn, da gehts dann in großen Schritten weiter bis zu 34.000 Karma-Punkten. In diesen Top 30 vor mir tummeln sich vor allem Jolla-Mitarbeiter, Moderatoren und Programmierer.

Zwar hat mich das damalige Maemo-Ergebnis mehr gefreut: Im alten System wurden so gut wie alle Aktivitäten gewürdigt, Bug-Reports, Software, Wiki-Bearbeitungen, nützliche Foreneinträge … Das hatte mehr Aussagekraft. TJC berücksichtigt nur, wie nützlich andere Jolla-Benutzer meine schriftlichen Beiträge dort finden. Trotzdem: Um auf 8.000 Punkte zu kommen, muß ich schon mal eine sinnvolle Idee formuliert oder dem einen oder anderen geholfen haben. Gut zu wissen. 🙂

Ich meld mich bei 10.000 wieder.

Tolino E-Book Reader: Die Rückkehr der kleinen Buchhandlung

Es ist viele, viele Jahre her, da hats zum guten Ton gehört, Bücher in der Buchhandlung seines Vertrauens zu kaufen - bzw. eben zu bestellen, wenn sie nicht lagernd waren.

Irgendwann kam dann Mitternachtsshopping bei Amazon, Riesen wie Thalia lagen in viel attraktiveren Einkaufsstraßen … und obwohl mir das schlechte Gewissen immer dazwischennörgelte, die Bequemlichkeit gewann sehr schnell die Oberhand. Man wird ja auch nicht jünger und agiler. 🙂

Seit ich meinen E-Book-Reader (ausgerechnet von Thalia …) habe, wendet sich das Blatt wieder langsam: Auf den Homepages von immer mehr Buchhandlungen entdecke ich nicht nur den klassischen Webshop, sondern auch ein großes Angebot an E-Books. Wenns mir also drum geht, einen entspannenden Urlaubskrimi möglichst rasch zur Verfügung zu haben, ist Amazon derzeit komplett aus dem Rennen. Thalia hat noch gute Karten, aber kein Monopol mehr auf die Bequemlichkeit. Es fällt mir einfach wieder leichter, mein Geld beim kleinen Buchhändler zu auszugeben.

Einziger Nachteil: Verglichen mit dem Einkauf im Thalia E-Book-Shop ist der Kauf über diese kleinen Shops eine regelrechte Qual. Gerade probiert beim Buch-Monopolisten meiner ersten Wien-Jahre, der Buchhandlung Löwenherz: Nach der Überweisung per Kreditkarte passiert zunächst gar nichts. Dann immer noch nichts und auch einige Zeit später nichts. Erst nach guten 10 Minuten erhält man eine Mail mit einer 9seitigen PDF-Datei, in der irgendwo mittendrin der Download-Link versteckt ist. Direkter Download nach dem Kauf oder nachträglich über die Kundenkonto-Seite? Fehlanzeige.

Anyway: Es geht, und das ist ja schon mal was. Besser jedenfalls, als Amazon mein Geld hinterherzutragen. Daß es geht und (vor allem) daß ich auf meinem bei Thalia erworbenen E-Book-Reader Bücher von Löwenherz oder anderen Büchereien lesen kann, das verdanke ich dem offenen Standardformat EPUB. Hier hat es eine Industrie endlich wieder einmal geschafft, sich (fast) auf einen einheitlichen Standard zu einigen. Am Ende profitieren alle davon, wie’s scheint. (Fast übrigens deshalb, weil ausgerechnet Amazon diesen Industriestandard mit seinen Kindle-Geräten boykottiert. Auf ein Kindle dürfen nur Bücher von Amazon.)

Digital Natives, Digital Immigrants und Digital Foreigners

Je nachdem, ob man ein sogenannter „Digital Native“ ist oder ein „Digital Immigrant“, geht man angeblich anders mit der modernen Technik um - sagt jedenfalls der Volksmund.

Sicher ist: Wenn man ein „Digital Foreigner“ ist, dann spricht man anders über die Technik. Wunderbares Beispiel: Digital Foreigner M. (Name von der Redaktion geändert) erzählt mir begeistert von einem YouTube-Video, das ihr gezeigt wurde … ohne das Internet zu kennen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was YouTube ist. M.’s „verbaler Link“ zu diesem Video lautet also: Schnell, schau mal hin, vielleicht siehst Du’s noch. Gestern oder vorgestern müssen s’ das gezeigt haben auf YouTube.

Die Logik dahinter wird nach einer kurzen Nachdenkpause klar: Video ist Fernsehen, Fernsehsendungen findet man nach Sender (=YouTube) und Zeit (=gestern oder vorgestern).

Spannender noch als diese Kategorisierung eines Online-Videos als „Fernsehsendung von gestern“ hab ich den Verarbeitungsaufwand gefunden, den der Satz in meinem Gehirn ausgelöst hat. Ich konnte fast zusehen, wie die Zahnräder dort rattern, die Perspektive wechseln, eine andere Sichtweise finden und dort einrasten. Ein perfektes Beispiel für alle vom Brötchengeber bezahlten Kommunikationsseminare über „innere Landkarten“. 🙂

Ach ja, das Video. Ich verlinke darauf so:

Princess Leia loves her pacifier

(Allein schon der Name „Prinzessin Leia“ sagt eigentlich alles … *LOL*)

Warum Pornographie im Internet frei zugänglich bleiben muß

In regelmäßigen Abständen schwappen aus einschlägigen Kreisen auch bei uns die populistischen Forderungen hoch: Internetprovider sollen den Zugang zu Kinderpornographie sperren. Internetprovider sollen den Zugang zu Gewaltpornographie sperren. Im Idealfall: Internetprovider sollen den Zugang zu Pornographie überhaupt sperren.

Warum das alles hochgefährlich ist und warum man besser die freie Verfügbarkeit auch von schwer kriminellem Material hinnehmen sollte, statt es per Internetblockade zu bekämpfen, zeigt die Entwicklung der letzten Tage in England, die gerade völlig aus dem Ruder läuft:

In dem Land, in dem der politische Kurs wie kaum anderswo vom marktschreierischen Boulevard geprägt ist, wurde die Internetzensur 2013 eingeführt. Mit Mitteln, wie sie sonst nur aus China und aus arabischen Ländern bekannt sind, errichtete David Cameron das saubere Internet, führte den War on Porn. Die Strategie ist perfide: Welcher Politiker möchte in der öffentlichen Diskussion als Verteidiger pornographischer Inhalte auftreten? Selbst der edelste Verfechter einer freien Informationskultur streicht die Segel, wenn Blätter wie „The Sun“ dem Begriff „Pornographie“ dann das Wort „Kinder-“ voranstellen.

Cameron hat sein Zensursystem also durchgesetzt und die Filter installiert. Die Stimmen, die vor der Büchse der Pandora warnten, waren leise. Die Kritiker meinten nämlich: Sobald ein Zensursystem erst einmal eingerichtet und akzeptiert ist, ist seine schrittweise weitere Ausdehnung ein Kinderspiel. In wenigen Jahren schon könnten ganz andere Inhalte auf der schwarzen Liste stehen. Niemand hat auf diese Kritiker gehört.

Inzwischen hat die Dynamik der Entwicklung die schlimmsten Befürchtungen überholt: Mitte 2014, nur ein halbes Jahr nach Einführung des Filters, waren bereits 20% der 100.000 populärsten Internet-Angebote für die Briten gesperrt. Im November wurde der Zensurfilter von Seiten der Regierung offiziell auf terroristische und extremistische Inhalte ausgedehnt. Nicht daß ein solcher Beschluß notwendig gewesen wäre: Eine transparente Liste der gesperrten Seiten existiert ohnehin nicht. Man erkennt nur im Einzelfall, daß ein bestimmter Link nicht funktioniert.

Mittlerweile werden auch die Kritiker der Internetfilter mundtot gemacht: Der renommierte deutsche Chaos Computer Club zum Beispiel, der regelmäßig Sicherheitsfragen thematisiert und seit der guten alten Btx-Zeit Schlagzeilen macht, ist seit einigen Tagen aus dem Vereinigten Königreich nicht erreichbar. Seine Blockade sorgt nun international für Aufsehen und wirft erneut ein schiefes Licht auf die Politik Camerons.

Es haben sich innherhalb nur eines Jahres alle Befürchtungen bewahrheitet, die Kritiker der Internetzensur von Anfang an geäußert haben: Das System wird zunächst unter einem Vorwand installiert, der große öffentliche Unterstützung verspricht. Kaum ist es als Instrument verfügbar, werden aber nach und nach weitere Themen in die Zensur aufgenommen. Das schlimmste daran ist, daß niemand genau weiß, was gerade von den Filtern geblockt wird. Eine öffentliche Kontrolle ist also nur mit hohem Aufwand möglich.

Dabei wird den Gegnern der Zensur in Großbritannien immer lächelnd erklärt, daß die Sache ja gar nicht so schlimm ist: Tatsächlich besteht ja de Möglichkeit, den Filter für den eigenen Anschluß deaktivieren zu lassen. Natürlich. Genau das wird der Durschnittsengländer tun: an seinen Internet-Provider schreiben und bekannt geben, daß er gerne Pornographie und extremistische Terror-Propaganda konsumieren möchte. Und selbst wenn, sein Datenverkehr wird ja trotzdem weiterhin über die gleiche Infrastruktur geleitet. Ein versehentliches Blockieren wirklich gefährlicher Inhalte dann und wann - z.B. vor einer Wahl, einer Abstimmung - wer kann das schon ausschließen …?

Die tatsächlichen Probleme löst man nicht, indem man Serverzugänge sperrt. Wer sich nur ein bißchen mit der Materie beschäftigt, hat allein bei Lesen dieses Artikels mindestens drei Ideen gehabt, wie ein solcher Inhaltsfilter leicht zu umgehen ist. Man löst Probleme, indem man die Konsumenten dieser Inhalte identifiziert. Aber das weiß auch David Cameron. Dem geht es ja auch gar nicht darum, problematische Pornographie zurückzudrängen oder die Terrorgefahr einzuschränken. Er will mit diesem Filter nur eines erreichen: Er will das Internet für die Briten ein Stück kleiner machen und die Information kontrollierbarer. Heute beschränkt sich die Definition von „extremistischen Inhalten“ vielleicht noch auf islamistischen Terror und deutsche Meinungsfreiheit. Morgen schon dehnt sie sich auf Kapitalismuskritik und Umweltschutzthemen aus. Am Ende steht dann ein geschlossenes Mini-Web, das von der Regierung kontrolliert wird. Ganz wie in China.

Damit genau das nicht passiert - nicht bei uns und auch nicht anderswo - ist es wichtig, gegen jede Form von Inhaltsblockaden im Web aufzutreten. Egal ob es um angebliche Copyrightverstöße, Pornographie, politischen Extremismus oder sonstige Themen geht, deren Verbot zunächst berechtigt erscheint. Wichtig ist, das Instrument der Zensur erst gar nicht zuzulassen.

Marc Dillon zitiert mich :)

Jolla ist eine kleine Firma. Daher bleibt es nicht aus, daß man mit der Zeit manche der Mitarbeiter dieser Firma kennen und schätzen lernt. Da sind schon einige ganz großartige Menschen dabei. Vor allem Marc Dillon und Stefano Mosconi aus der Chefetage habens mir angetan.

Umso tiefer hängt also meine Kinnlade, wenn ausgerechnet Marc Dillon einen Text von mir via Twitter verbreitet. Wie das kam? Dazu muß ich etwas ausholen:

Im Forum talk.maemo.org treibt derzeit ein Troll sein Unwesen, der Jolla dafür kritisiert, nicht offen und transparent genug zu sein. Es sei eine Frechheit den Kunden gegenüber, keine detaillierten Verkaufszahlen zu nennen. Es sei ein Zeichen restriktiver Unternehmenskultur, daß Testhandys für Journalisten nicht einfach aus dem Pool ungeprüfter Entwicklergeräte entnommen werden dürfen, sondern die stabile Produktions-Software enthalten müssen. Vor allem aber - und darauf ist er über 20 Seiten lang herumgeritten - sei es geradezu unfaßbar, daß Geräte mit defekter Hardware einfach zur Reparatur zurückgenommen werden, statt daß man exakte Erklärungen über die betroffenen Teile, mögliche Ursachen im Produktionsprozess und vielleicht sogar noch ein Klebeset zur Heimreparatur anbietet. (Eh klar. Wer will schon, daß der Hersteller das Telefon einfach repariert …)

Irgendwann mußte ich mich einfach zu Wort melden. Ich halte es nun mal nicht aus, wenn irgendwo im Internet jemand Unrecht hat. Als Antwort auf die Geschichte mit der Reparatur wollte ich dem Typen klar machen, daß auch eine 100seitige Erklärung der Geschäftsleitung keinem Kunden etwas bringt und nur der Kundendienst helfen kann. Das Ende meines Postings von gestern war:

Marc Dillon might have grown a beard, but he’s still not Jesus. His words can’t heal. Only customer service can.

Gerade eben wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß der Absatz mittlerweile von Marc Dillon auf Twitter zitiert wurde:

Retweetet von Marc Dillon: Seen on TMO: @MarcDillonDotFi Dillon might have grown a beard, but he's still not Jesus. His words can't heal. Only customer service can.

Ich hab mich entschuldigt: Daß ich ihn nicht für Jesus halte bedeutet nicht, daß ich seine Göttlichkeit in Zweifel ziehe. *LOL*