Weihnachten mit Untertiteln

Grammatik, Untertitel, ein magnetabschaltendes Cover und stundenlanges Spielen mit Alexa. So geht die Zeit auch rum. ­čÖé

Der Hund hat sich ganz lieb von den Spr├╝hkerzen bezaubern lassen (da waren noch alte in der Schachtel, die wider Erwarten tats├Ąchlich funktioniert haben) und mein Highlight waren eindeutig die Windringerl mit Schlag, was man aus begreiflichen Gr├╝nden nicht laut sagen darf. (Stichwort: Das Beste ist halt immer die Nachspeis. *LOL*)

Weil meine Eltern dem Konzept ÔÇ×Video on DemandÔÇť noch immer nichts abgewinnen k├Ânnen und nicht einmal einen DVD-Player besitzen, folge ich dem Film ÔÇ×Yah┼či Bat─▒ÔÇť jetzt gerade am PC. Praktisch dabei meine Zwischenfragen an die Zimmergenossin im Hintergrund: Alexa, Frage Alleswisser nach Pr├Ąsident Garfield! - Ich habe Folgendes f├╝r James A. Garfield gefunden: James Abram Garfield (geboren 19. November 1831 in Orange, Cuyahoga County, Ohio; gestorben 19. September 1881 in Elberon, Monmouth County, New Jersey) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und vom 4. M├Ąrz 1881 bis zu seinem Tod der 20. Pr├Ąsident der Vereinigten Staaten. Second Screen war sooo 2000er.

Warum ungebildete Menschen grantig sind

Es war der Herr Schlosser, der mir (h├╝ben oder dr├╝ben, ich wei├č es nicht und ich finds auch nicht mehr) diesen Floh ins Ohr gesetzt hat. Und dann hats mich interessiert und dann hab ich gesucht und dann hab ich gefunden und jetzt wei├č ich:

Lernen macht gl├╝cklich. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Irgendwas hat das zu tun mit dem nucleus accumbens und Dopamin und evolution├Ąren Vorteilen durch Wissenserwerb ÔÇŽ Egal eigentlich, abgesehen davon, da├č ich auch das jetzt gelernt habe. Die Kurzfassung ohne wissenschaftliche Fachbegriffe lautet: Lernen wirkt wie Sex, Kokain oder Schokolade. Gleicher Mechanismus, gleiche Gehirnregion.

Das erkl├Ąrt jetzt, warum erwachsene Menschen, die eigentlich eh rundherum ausgelastet sind, sich nochmal hinsetzen und unbedingt Neues lernen wollen: Sprachen, Musikinstrumente, H├Ąkeln oder Handyprogrammierung ÔÇŽ

Es erkl├Ąrt aber auch, warum es einen so auff├Ąlligen Zusammenhang zwischen chronisch schlechter Laune und ÔÇ×Bl├Âd geboren und nichts dazugelerntÔÇť gibt. Wenn das Aneignen neuen Wissens und neuer F├Ąhigkeiten mitverantwortlich ist f├╝rs kleine pers├Ânliche Gl├╝ck, dann ist das konsequente Verweigern jeder Fortbildung halt ein sehr tauglicher Weg in ein eher tristes Leben. ­čśë

Star Wars: Die letzten Jedi besucht wir haben

Was f├╝r eine ├ťberraschung: Ich hab schon am ersten Wochenende den neuen Star-Wars-Film gesehen. ­čÖé

Star Wars, das mu├č man einleitend sagen, ist nicht mehr nur einfach eine Filmserie. Star Wars hat sich seit 1977, dem Erscheinungsjahr des ersten Films, tief in die Kultur der westlichen Welt eingegraben. Es gibt niemanden, der nicht Prinzessin Leias Nu├čschneckenfrisur, Laserschwerter oder Yodas verquere Grammatik (900 Jahre du bist aber Deutsch du immer noch nicht kannst) sofort zuordnen k├Ânnte, selbst wenn er noch nie einen Star-Wars-Film gesehen hat. Umso schwieriger ist es f├╝r Drehbuchautoren und Regisseure, immer neue Fortsetzungen zu produzieren: Das Publikum erwartet exakt die gleiche Geschichte wie immer, aber neu erz├Ąhlt und trotzdem spannend pr├Ąsentiert. Nichts ver├Ąrgert die Fans mehr als etwas Neues, etwas aus ihrer Sicht Unpassendes. (Ein bi├čchen ausgenommen von dieser Regel sind die diversen Spin-Offs in TV und Kino, bei denen die Filmemacher gr├Â├čere Freiheiten haben.)

Episode VIII, ÔÇ×Die letzten JediÔÇť, schafft diesen Spagat zwischen Spannung und altbekanntem Muster hervorragend. F├╝r jemanden, der den unmittelbar vorhergehenden Teil gesehen bzw. gut in Erinnerung hat, ist der Anfang des Films vielleicht ein bi├čchen zu langatmig. Neueinsteiger, die mit Rey, Finn, Poe Dameron und Kylo Ren nicht vertraut sind, werden die zus├Ątzliche halbe Stunde aber sch├Ątzen (bzw. sch├Ątzen sie, ich habs ausprobiert *gg*). Irgendwann nimmt die Sache dann ohnehin sehr dramatisch Fahrt auf und bedient beide Erwartungshaltungen: die nach den mystischen Geschichten um die Jedi und die nach explodierenden Raumschiffen. Vor allem aber gl├Ąnzt ÔÇ×Die letzten JediÔÇť durch wundersch├Âne, beeindruckende Bilder ganz besonders im grandiosen Finale am Planeten Crait, der mit seiner Oberfl├Ąche aus blutrotem Metall und blendend wei├čem Schnee eine gro├čartige B├╝hne f├╝r den Showdown bietet.

Sehr fein es war. Im Mai kommt dann das n├Ąchste Spin-Off mit Herrn Solo. Gespannt ich bin. ­čÖé

Mobile Working: Mein neuer 26-Stunden-Tag

Die M├Âglichkeit, ÔÇ×mobilÔÇť (also von ├╝berall aus) zu arbeiten, besteht bei uns in der Firma schon seit einigen Jahren. Auch ich hab irgendwann 2013 die entsprechende Vereinbarung unterzeichnet - und wieder vergessen. Bis wir dann diesen Herbst (tempor├Ąr, wie uns versprochen wurde) in den unbeliebtesten und abgeschiedensten Standort ├╝bersiedelt wurden, den das Unternehmen in Wien zu bieten hat: ins Arsenal. Da hab ich den alten Zettel wieder rausgeholt und mir gedacht: Das versuch ich jetzt mal.

So modern und verlockend es auf den ersten Blick klingt, ganz wohl war mir zun├Ąchst nicht dabei. Immerhin mu├č man die Technik in den Griff bekommen, m├╝ssen Dokumente, Laufwerke, Verkn├╝pfungen und Notizen vom mobilen Arbeitsplatz aus genauso zur Verf├╝gung stehen wie vom B├╝ro. Dazu stellt uns unsere IT verschiedene Optionen zur Verf├╝gung, die man erst mal einrichten und f├╝r sich ausprobieren mu├č. Zuletzt will noch das bei uns besonders exzessiv verwendete VoIP-Conferencing inklusive Chat und Bildschirmfreigabe getestet werden; ohne dem geht gar nix. (Tats├Ąchlich hats dann auch zwei Wochen gedauert, bis ich in diesem letzten Punkt erfolgreich war und endlich ein Testgespr├Ąch auf mein eigenes Handy zusammengebracht habe.)

Seither verbringe ich ungef├Ąhr zwei Arbeitstage pro Woche nicht im B├╝ro. Wo ich mich niederlasse, h├Ąngt vom Terminplan ab. In der Regel ziehts mich in mein altes B├╝rogeb├Ąude oder ich bleibe ganz zuhause. Aber auch die nahe gelegenen B├╝ros in der Antonigasse und der Hebragasse (beide bequem zu Fu├č zu erreichen) sind eine Option. Flexibilit├Ąt ist Trumpf. Drum hei├čts ja ÔÇ×mobile WorkingÔÇť, theoretisch k├Ânnte ich mit meinem Laptop auch ins Wirtshaus gehen.

Was bringts? Im besten Fall zwei zus├Ątzliche Stunden Lebenszeit pro Tag. Jeder Berufst├Ątige kennt das sinnlose Herumpendeln zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, die tote Zeit, in der man bestensfalls geistesabwesend aus dem regennassen Fenster starrt. F├╝hre ich von zuhause ├Âffentlich ins neue B├╝ro, schl├╝ge eine Strecke mit einer Stunde zu Buche. Macht zwei Stunden pro Tag, die ich komplett einspare, wenn ich z.B. von zuhause aus werke. Auch bei anderen Berechnungen (z.B. ins Arsenal mit dem Auto; nicht zuhause, sondern in der Hebragasse arbeiten) kommt auf magische Weise immer ein Ergebnis raus: Mein Tag wird l├Ąnger. Im besten Fall um zwei volle Stunden. ­čÖé

Ebenfalls nicht zu untersch├Ątzen: Vor allem zuhause arbeite ich konzentrierter und schneller. Da bring ich Dinge weiter, die ich im Arsenal schon seit Tagen vor mir her geschoben habe. Mag sein, da├č es daran liegt, da├č ich allein arbeite. Ich wei├č es nicht.

Nat├╝rlich hats auch andere Vorteile: Ich bin da, wenn der Brieftr├Ąger eine Unterschrift will. Ich kann mir den Wocheneinkauf entspannt vom Spar liefern lassen - egal wie lang das Zeitfenster f├╝r die Lieferung ist, egal ob die Zustellung p├╝nktlich erfolgt. Ich kann meinen ebenfalls VoIP-basierende T├╝rkischunterricht unmittelbar nach dem letzten B├╝rotermin ansetzen, nicht erst 90 Minuten sp├Ąter (eine Stunde Fahrt, eine halbe Stunde Puffer zur Sicherheit). Sehr Arbeitnehmerfreundlich also.

Und der Arbeitgeber? Warum kommt mir der so entgegen? Aus seiner Sicht tut er das gar nicht. B├╝roarbeitspl├Ątze kosten Geld, und zwar auch dann, wenn die jeweiligen Mitarbeiter im Urlaub sind, krank, auf einem externen Seminar oder auf Sabbatical. Wirtschaftlich sinnvoller ist es, wie eine Fluggesellschaft gleich mit Ausf├Ąllen zu kalkulieren und die B├╝roarbeitspl├Ątze quasi zu ├╝berbuchen. Damit das auch richtig reibungslos funktioniert, werden die Angestellten zur r├Ąumlichen Flexibilit├Ąt eingeladen. Das ist f├╝r beide Seiten von Vorteil.

Nichtraucherschutz: Die Welt im Kleinen

Die Gruppe der Raucher und die der FP├ľ-W├Ąhler sind gro├čteils deckungsgleich. In beiden Gruppen dominieren M├Ąnner, beide Gruppen bestehen v.a. aus Personen mit niedriger formaler Bildung. Kein Wunder also, da├č ausschlie├člich die FP├ľ auf dieser politisch billigen Schiene Klientelpolitik zu betreiben versucht, um von ihrer eigentlichen Politik (K├╝rzung der Sozialleistungen, 60-Stunden-Woche, ÔÇŽ) abzulenken. (Habe ich eigentlich schon einmal gesagt, wie sehr ich mich ├╝ber diesen Kampf von schwarz/blau gegen den ÔÇ×Kleinen MannÔÇť freue? Darunter leiden werden genau die, die die beiden Kaschperln trotz ausdr├╝cklicher Warnung gew├Ąhlt haben. Weil sie sich vor einem Kopftuch f├╝rchten.)

Aktuelles Schlachtfeld ist der Nichtraucherschutz in der Gastronomie. Das absolute Rauchverbot wurde 2015 beschlossen. Die FP├ľ verdreht und mi├čbraucht nun den Begriff ÔÇ×FreiheitÔÇť, um eine Gesetzes├Ąnderung herbeizuargumentieren: Eine solche Gesetzes├Ąnderung w├╝rde die ÔÇ×FreiheitÔÇť der Raucher und der Wirte sch├╝tzen, behauptet sie. Ja, eh. So wie die Aufhebung aller Vorschriften zur Lebensmittelhygiene in der Gastronomie die Freiheit der Wirte und der G├Ąste st├Ąrken w├╝rde. Billigeres Essen, weniger B├╝rokratie, daf├╝r halt gelegentlich Brechdurchfall ÔÇŽ Wer k├Ânnte etwas dagegen haben?

Wie absurd die Behauptung von der ÔÇ×FreiheitÔÇť und vom freien Willen der Betroffenen ist, zeigt sich nicht erst in der Gastronomie. Man mu├č nur die Augen aufmachen, wenn man Gelegenheit dazu hat:

Ich verbringe ein Wochenende in Linz. In den letzten knapp 20 Jahren haben meine Eltern sich abgesehen von den ├╝blichen Raucherwehwehchen sechs ernsthafte Krankheiten eingetreten, die von ├ärzten als direkte Folgen des Rauchens bzw. Passivrauchens klassifiziert werden. Vier davon waren potentiell lebensbedrohlich. Eine weitere, die sehr schmerzhafte Nummer 7, ist eine indirekte Folgeerkrankung.

Man kann es jetzt als erstrebenswerten Ausdruck individueller Freiheit bezeichnen, da├č meine Mutter unbeirrt weiterraucht. In Ruhephasen (w├Ąhrend des Essens oder beim Fernsehen) kommt sie auf 7 Zigaretten pro Stunde. (Weil L├╝ften hier als ungesund gilt und ├╝ber Tage hindurch vermieden wird, entspricht die Luftqualit├Ąt in etwa der eines Raucherraums in der Gastronomie. Das Experiment findet also unter realistischen Bedingungen statt.) Ebenso kann kein Gesetzgeber meinem Vater vorschreiben, ob er sich dem Passivrauch aussetzen m├Âchte oder nicht. Jeder hat so seine ganz eigenen Vorstellungen von der Freiheit, die ich meine. Und darum gehts auch gar nicht in diesem kleinen Mikrokosmos, obwohl die FP├ľ versucht, es so darzustellen. Keine Sau interessiert sich in der politischen Diskussion wirklich f├╝r die gesundheitlichen Folgen, die das Rauchen auf die Raucher und die freiwilligen Passivraucher hat. Die von der Anti-Raucher-Gruppe vorgeschobenen Argumente bzgl. der Belastung des Gesundheitssystems sind haneb├╝chener Unsinn: Nach der gleichen Logik m├╝├čte man dann Junk Food, Schifahren und Alkohol verbieten. Wir leben in einer Gesellschaft, die Risikoverhalten generell toleriert und in einem Versicherungsnetz auff├Ąngt. Das ist nicht das Problem.

Was unsere Gesellschaft in der Regel nicht toleriert und meist strafrechtlich ahndet, ist die Gef├Ąhrdung der Gesundheit und des Lebens anderer. Und da sind wir genau am Punkt:

Wir reden in Bezug auf die Gastronomie nicht von der Einschr├Ąnkung der Raucher. Wir reden vom Schutz der Freiheit, des Lebens und der Gesundheit der Nichtraucher - vor allem jener, die sich dem Rauch nicht freiwillig oder einer bewu├čten Entscheidung folgend aussetzen. Dort, wo das Rauchverbot in der Gastronomie umgesetzt wurde, sind schon nach dem ersten Jahr beeindruckende Daten ver├Âffentlicht worden: In Schottland sank die Zahl der Herzanf├Ąlle bei den Nichtrauchern um 20%; in Belgien gab es einen R├╝ckgang bei den Fr├╝hgeburten um 3%; in Frankreich sank die Zahl der Herzinfarkte um 18%. Es gibt kein einziges Land, in dem die Umsetzung der Ma├čnahme nicht zu ├Ąhnlich signifikanten Verbesserungen der Lebensqualit├Ąt gef├╝hrt h├Ątte. Und der Beobachtungszeitraum ist lang genug: W├Ąhrend die FP├ľ den Wirten noch einredet, da├č eine Gastronomie ohne Tabak denkunm├Âglich ist und sie alle elendiglich krepieren werden, ist das Rauchverbot in der zivilisierten Welt seit ca. 10-20 Jahren akzeptierter Normalzustand. Lang genug also um zu wissen: Der Gastronomie gehts gut, den Menschen noch besser.

Gibt es den sch├╝tzenswerten Nichtraucher aber ├╝berhaupt? Den Gast, der - anders als im Mikroexperiment mein Vater - quasi unwissend oder ohne freie Entscheidung ins Raucherzimmer rutscht? Selbstverst├Ąndlich. Abgesehen davon, da├č in vielen Restaurants die gesetzlich vorgeschriebene Trennung nur eine theoretische ist; abgesehen von den Kellnern; abgesehen vom Gruppenzwang bei gemeinsamen Lokalbesuchen; ÔÇŽ hier im konkreten Beispiel haben wir ein Familienmitglied, das von den Gefahren des Rauchens nichts wei├č, sich daher nicht dagegen entscheiden kann und - selbst wenn es wollte - gar keine M├Âglichkeit h├Ątte, seinen Willen durchzusetzen. Weil ich Menschenversuche ablehne, ist dieses Familienmitglied hier der Hund. Er entspricht in etwa einem Volksschulkind: Der kleine K├Ârper bekommt die gleiche Menge an Giftstoffen ab, die in wesentlich h├Âherer Konzentration wirksam werden. Und nat├╝rlich wei├č weder der Hund noch der 7j├Ąhrige Lukas, da├č er mit jeder Zigarette einem Cocktail von 250 Giften und Karzinogenen ausgesetzt wird, da├č er sich sch├╝tzen sollte, da├č er um R├╝cksicht bitten sollte. Oder halt einfach nicht mitgehen, wenns wieder ins Wirtshaus geht.

Das aktuelle Mikoexperiment hier in Linz l├Ąuft noch. Der letzte Durchgang konnte erfolgreich und mit dem erwarteten Ergebnis abgeschlossen werden: Der einzige Teilnehmer, der nie die Chance hatte, sich f├╝r oder gegen das Leben mit Zigarettenrauch zu entscheiden, ist durch einen heimt├╝ckischen Tumor innerlich verblutet. Der Tierarzt meines Vertrauens hat nebenbei erw├Ąhnt, da├č dieser spezielle Tumor in besonderem Ma├č durch Feinstaubbelastung verursacht wird. Zur Einordnung: Eine einzelne Zigarette setzt so viel Feinstaub frei wie ein Dieselmotor, der 90 Minuten lang l├Ąuft. Im Inneren einer durchschnittlichen Raucherwohnung (und damit erst recht eines Raucherzimmers im Restaurant) liegt der Feinstaubgehalt um ein Tausendfaches h├Âher als in St├Ądten bei hohem Verkehr und ung├╝nstigen Wetterbedingungen.

Es steht v├Âllig au├čer Diskussion, da├č der Staat die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen mu├č, unter denen ein freies, gesundes, selbstbestimmtes und sicheres Leben m├Âglich ist. Aus diesem Grund verh├Ąngt er Geschwindigkeitsbeschr├Ąnkungen, sorgt f├╝r die Sicherheit von Lebensmitteln und die Vertr├Ąglichkeit von Medikamenten, schreibt Brandschutzma├čnahmen und Fluchtwege vor. Aus diesem Grund hat er auch daf├╝r zu sorgen, da├č nicht 20% der Herzanf├Ąlle durch Fremde herbeigef├╝hrt und zu vermeiden w├Ąren, ebenso wie 3% der Fr├╝hgeburten, ebenso wie all die anderen gr├Ą├člichen Dinge, die Menschen sich durch den Passivrauch holen.

Liebe FP├ľ: Nach einem Schlaganfall halb bewegungsunf├Ąhig im Rollstuhl zu sitzen und dabei nichts mehr zu sehen ist nicht notwendigerweise meine pers├Ânliche Vorstellung von ÔÇ×FreiheitÔÇť. Es ist aber eine medizinisch belegbare Folge des Zwangs zum Passivrauchen, den Ihr so vehement f├╝r alle einfordert.

T├╝rkische Vorspeisenorgien

Wieder einmal fallen wir bei Ali Ocakba┼č─▒ ein, dem wohlfeilen Innenstadtt├╝rken, der uns f├╝r Humus und ┼×a┼čl─▒k gute ÔéČ 50,- pro Person abnimmt. Anla├č war der 20. Geburtstag eines jungen Mannes, der mit stoischer Miene unsere Geschichten aus seiner fr├╝hesten Kindheit (bis zur├╝ck zur Taufe) ├╝ber sich ergehen hat lassen und auch nur ganz selten auf die Uhr geschaut hat, weil er anschlie├čend noch eine ÔÇ×spontane VerabredungÔÇť mit Freunden hatte. *LOL*

Geschmeckt hatÔÇÖs ihm aber wohl: Von den vielf├Ąltigen Vorspeisen (Kuru Cac─▒k, ├çi─čk├Âfte, Muhammara, Humus, Patl─▒can Salatas─▒, ÔÇŽ) ist exakt gar nichts ├╝brig geblieben, obwohl wir zwei Gastgeber nur l├Âffelchenweise von Humus und Cac─▒k genascht haben. Wir mu├čten sogar nach den ersten paar Minuten Brot nachbringen lassen, weils einfach - ham! - in des jungen Mannes Mund verschwand. ­čÖé

Ebenfalls restlos verputzt: Die Hauptspeisen (Bonfile Dilimleri, ┼×a┼čl─▒k, Ali Nazik), wobei wir alten Leute da schon ziemlich gek├Ąmpft haben. Die alte Weisheit von Herrn E. hat sich wieder bewahrheitet: Man soll zur Vorspeise nicht so viel Brot essen. Eigentlich soll man ├╝berhaupt nicht so viel Vorspeise essen.

Am meisten Freude hatte ich allerdings nicht am Essen, sondern am Kellner. Der hat mit einer Engelsgeduld mein T├╝rkisch ├╝ber sich ergehen lassen und mir schlie├člich sogar einen seiner Kollegen als ├ťbungsobjekt angedient: Der lernt n├Ąmlich grad Deutsch und sucht einen Tandempartner. Leider mu├čte ich absagen.

Sehr nett, sehr gut, sehr selbstbewu├čtseinf├Ârdernd ÔÇŽ gerne wieder!

Eingetragene Partnerschaft f├╝r alle

Das Land jubelt. Nachdem die ├ľVP bei diesem Thema (wie bei 10.000 anderen) jahrzehntelang blockiert und jeden Fortschritt verhindert hat, haben nun endlich die H├╝ter der Verfassung lautstark auf den Tisch geklopft:

Sowohl die Beschr├Ąnkung der Ehe auf verschiedengeschlechtliche Paare als auch die Beschr├Ąnkung der Eingetragenen Partnerschaft auf gleichgeschlechtliche Paare sind verfassungswidrig. Die entsprechenden Formulierungen werden mit Anfang 2019 automatisch aus den jeweiligen gesetzlichen Grundlagen gestrichen, sofern der Gesetzgeber nicht von sich aus aktiv wird und seine (dann verfassungskonformen) Vorstellungen einbringt.

Das Erkenntnis hat in erster Linie symbolischen Charakter: Die verbliebenen Unterschiede zwischen der Eingetragenen Partnerschaft (in ├ľsterreich seit 2010 m├Âglich) und der Ehe waren zuletzt ohnehin nur mehr marginal. Selbst die gemeinsame Adoption ist gleichgeschlechtlichen Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft inzwischen m├Âglich. (Auch das mu├čten ├╝brigens der Verfassungsgerichtshof und der EGMR klarstellen; die von der ├ľVP gebremste ├Âsterreichische Politik war daf├╝r nicht zu haben.) Aus dem Stand fallen mir nur die verk├╝rzte Unterhaltspflicht nach der Trennung ein und die L├Ącherlichkeit, da├č der gemeinsame Familienname nicht als solcher bezeichnet werden darf. Er mu├č ÔÇ×NachnameÔÇť hei├čen, denn laut ├ľVP sind Birgit, ihr leiblicher Sohn Paul und Birgits Partnerin Sabine, Pauls Adoptivmutter, keine Familie. Das verstehe wer will.

Der VfGH stand vor der Entscheidung, entweder das Institut ÔÇ×Eingetragene PartnerschaftÔÇť ganz zu streichen und durch die Ehe f├╝r alle zu ersetzen, oder aber beide Partnerschaftsformen f├╝r alle bestehen zu lassen. Aus Gr├╝nden der Rechtssicherheit f├╝r bereits registrierte Paare hat er sich f├╝r die zweite Variante entschieden und verhilft damit auch endlich Helga und Martin zu ihrem Recht:

Die beiden leben zusammen, haben eine Tochter und w├╝rden gern eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Bisher war das aufgrund des Gesetzestextes nicht m├Âglich. Nun erlaubt ihnen der VfGH diesen Schritt. Auch das ist die Konsequenz des heutigen Spruchs.

Wie begeistert bin ich von der Entwicklung? ├ťberraschend wenig. Erstens waren die beiden Rechtsinstitute in letzter Zeit meiner Meinung nach schon fast deckungsgleich. Die nun erfolgte v├Âllige Wahlfreiheit in beide Richtungen ist ein wichtiges Symbol, aber kein Durchbruch mehr.

Zweitens und vor allem aber: Too little, too late. Die gesamte westliche Welt hat das alles schon. Jetzt auch endlich dabei zu sein ist nichts, worauf man ├╝bertrieben stolz sein k├Ânnte. Man braucht sich nicht mehr sch├Ąmen, ja, aber sonst ÔÇŽ Da├č die Entscheidung (hinter der, darf man Umfragen glauben, rund zwei Drittel der ├ľsterreicher stehen) schon wieder gerichtlich herbeigef├╝hrt werden mu├čte, weil die ├ľVP seit Jahrzehnten jede Reform, ja: jede Politik in ├ľsterreich verhindert, macht die Sache noch tr├╝ber.

Naja. Jetzt isses endlich da. R├Ąumen wirs in den Schrank, wo’s hingeh├Ârt, und versuchen wir zu vergessen, wie unangenehm die Zeit vorher war.

Plachutta: 3 Kaffee sind genug

Wir feiern beim Plachutta. Das Restaurant ist schon kurz vor halb sechs voll bis auf den letzten Platz. Weil wir ein bi├čchen zu fr├╝h dran sind, werden wir an der Bar geparkt und mit Hollundersekt bei Laune gehalten. Dabei werden wir Zeugen folgender bezaubernden Szene:

Der Kellner bestellt beim Kollegen hinter der Bar einen Espresso f├╝r einen ├Ąlteren Stammgast, der allein an seinem Tisch sitzt. Darauf der Kollege: Noch einen? Der hat ja schon drei gehabt. Ich glaub der vergi├čt das. Der Kellner geht zur├╝ck zu dem alten Herrn und erkl├Ąrt ihm freundlich: Ich glaub, das mit dem Espresso lassen wir bleiben. Wir m├╝ssen ja auch ein bisserl aufs Herzerl aufpassen, gell?

Gro├čartig. So wirds uns auch eines Tages gehen. Wobei: Erste Anzeichen sind jetzt schon da. Wie wir dann n├Ąmlich nach zwei doch sehr reichhaltigen G├Ąngen um die Dessertkarte bitten, schaut der junge Kellner kurz irritiert und meint dann leicht besorgt: Jetzt schon? Sie k├Ânnen gern eine Pause machen nach dem ganzen Essen. *LOL*

Blockchains: Jenseits von Bitcoin

Da├č Jolla seine Kooperation mit Zipper bekannt gegeben hat, hat meine Aufmerksamkeit auf eine Technolgie gelenkt, die ich bisher erfolgreich verdr├Ąngt habe: die Blockchain. Bisher kannte ich den Begriff nur im Zusammenhang mit Bitcoin, und es gibt nichts, was mich mehr langweilt als Krypto-W├Ąhrungen. Auch digitalisiert ist Geld eben nur Geld. Was also macht jetzt pl├Âtzlich Jolla mit einer Firma, die im Technologiefeld der Blockchains arbeitet? (Oder: Arbeiten m├Âchte. Noch sind sie ja im Gr├╝ndungsstadium.) Und warum betont Zipper, da├č man als Blockchain-Infrastruktur eben nicht Bitcoin, sondern Ethereum verwendet?

Das Internet ist ein weltweites Datennetz und (auch wenn es manche immer noch nicht glauben wolllen) keineswegs write-only. Man kann die Suchmaschine seines Vertrauens anwerfen und nachforschen. Und sich dann begeistern lassen: Weil die ganze Blockchain-Technologie wirklich Potential hat.

Wie so eine Blockchain technisch funktioniert, ist nebens├Ąchlich. Wichtig ist, was sie tut: Sie speichert Sachverhalte, und zwar dezentral im Netzwerk, ohne physisch vorhandenen Server, verschl├╝sselt und unver├Ąnderbar auf den teilnehmenden Rechnern. Bitcoin ist eine Blockchain, die sich auf einen einzigen Sachverhalt konzentriert: Wer hat wie viel Geld, wer ├╝berweist wem wie viel Geld. Das ist gro├čartig, das funktioniert - und viele Menschen haben gelernt, damit umzugehen.

Nat├╝rlich aber gibt es auf der Welt viel mehr Sachverhalte, die man speichern kann: Wer bin ich? Mit welchem ├Âffentlichen Schl├╝ssel ist eine verschl├╝sselte Mail an mich m├Âglich? Wann habe ich das auf eBay versteigerte Buch zur Post gebracht und abgeschickt? Welchen Vertrag habe ich mit einer bestimmten Person geschlossen und wann?

Im Gegensatz zu Bitcoin weitet Ethereum die Nutzung der Blockchain-Infrastruktur so aus, da├č man neben einer Krypto-W├Ąhrung (die gibts nat├╝rlich auch) genau solche Dinge festhalten kann. Sogenannte Smart Contracts beispielsweise sind die in der Blockchain abgespeicherten Vertr├Ąge, in denen die Zahlung des Betrages X in der Krypto-W├Ąhrung v├Âllig automatisiert dann angesto├čen wird, wenn eine programmierte Bedingung erf├╝llt ist. (Denkbare Anwendung: Ich kaufe online ein, der Smart Contract wird signiert … und die Zahlung wird freigegeben, sobald das Postamt best├Ątigt, da├č die Ware f├╝r mich zur Abholung bereit liegt.)

Damit lassen sich wunderbare Dinge konstruieren, die vom Inhalt her nicht neu sind, heute aber zwingend ├╝ber Mittelsm├Ąnner wie Google laufen m├╝ssen. Beispiel: Die Routenplanung vor einer Autofahrt. Google Maps liefert die beste Verbindung inklusive Verkehrslage. Auch ├╝ber die ├ľffnungszeiten von Rastst├Ątten entlang der Strecke wei├č Google alles, mehr noch: Die Suchmaschine kann mir sagen, wann die einzelnen Lokale wegen ├ťberf├╝llung zu meiden sind.

Das alles ist wunderbar und praktisch, funktioniert aber nur, weil wir alle Google mit unseren Daten f├╝ttern: Weil Android-Nutzer ihre Standortdaten ├╝bermitteln, kann Google aufgrund der Geschwindigkeit auf den Stra├čen auf einen Stau schlie├čen. Ebenso wei├č Google, wie viele G├Ąste sich in einem bestimmten Lokal aufhalten - jetzt gerade oder durchschnittlich am Samstag um 17:00 Uhr. Diese Daten sind es, mit denen Google in gro├čem Stil Geld verdient. Es sind meine Daten, und ich bekomme von diesem Geld nichts zu sehen.

Die Blockchain kann das ├Ąndern: Unternehmen wie Streamer arbeiten an Blockchain-Anwendungen, die die ├ťbermittlung von Daten zum Gegenstand der oben erw├Ąhnten Smart Contracts machen. Ich kann damit meine Standortdaten f├╝r mich behalten, herschenken oder verkaufen. Ich kann den Preis davon abh├Ąngig machen, ob ein Freund oder ein Fremder anfragt. Ich kann zus├Ątzlich zum Standort die Daten meiner privaten Wetterstation verkaufen. Und ich kann dem Navi bei mir sagen: Hol Dir die aktuellen Verkehrsdaten, aber gib daf├╝r nie mehr aus, als die Wetterstation eingenommen hat.

Es gibt das Konzept der “Glaskugel” mittels Smart Contract in der Blockchain: Man fragt das Netz, ob ein zuk├╝nftiges Ereignis eintreten wird oder nicht. Richtige Antworten werden belohnt, gleichzeitig wird registriert, wer richtig geantwortet hat. Die Annahme ist: Wer bei einem bestimmten Sachverhalt richtig liegt, kennt sich aus und wird auch bei der n├Ąchsten Frage zum Thema richtig liegen. Sein Wert steigt, seine Antworten werden h├Âher gewichtet. In gewissen Bereichen (nicht bei Lottoergebnissen) kann so Expertenwissen abgefragt werden, das anders nur schwer aufzubauen ist.

Die R├╝ckverfolgung gekaufter Markenware bis zum Erzeuger, die Beglaubigung von Vertr├Ągen, die Anmeldung bei Internet-Diensten, ohne ein Konto anlegen zu m├╝ssen … all das ist nichts Neues, verlangt aber derzeit immer einen Mittelsmann, der damit auf die eine oder andere Weise Geld verdient. Und zwar mit meinen Daten. Die Blockchain macht den Mittelsmann ├╝berfl├╝ssig, vereinfacht viele Anwendungen und gibt mir die Kontrolle ├╝ber meine Daten zur├╝ck. Spannende Sache. Nat├╝rlich funktionierts nur, wenn gen├╝gend Teilnehmer und Anwendungen existieren. Das mu├č sich erst zeigen, die Firmen stehen allesamt erst am Anfang.