Jolla: SailfishOS auf Xperia Smartphones

Mobile World Congress ist wieder einmal - die Zeit der großen Ankündigungen. Auch Jolla ist auf der großen Mobilfunk-Messe vertreten und stellt seine Zukunftspläne vor. Die wichtigsten Informationen zusammenzukratzen ist gar nicht so einfach:

  • China: Jolla hat ein Arbeitsübereinkommen mit einer chinesischen Investorengruppe unterzeichnet. Ziel ist die Entwicklung eines auf den chinesischen Markt zugeschnittenen Ökosystems, ähnlich wie man das bereits in Indien (unter anderem mit Intex) aufgezogen hat. Die Nachricht war Jolla eine eigene Presseaussendung wert. Tatsächlich ist der Vertrag vorläufig nur ein weiteres Stück Papier. Mal sehen, was daraus entsteht. (Die Finnen selbst schätzen, daß sie etwa ein knappes Jahr für die praktische Umsetzung benötigen.)
  • Lateinamerika: Ebenfalls im Stadium der Planung befindet sich die Zusammenarbeit mit der bolivianischen Firma Jalasoft. Diese will gemeinsam mit Jolla ein Smartphone für den lateinamerikanischen Raum herausbringen. Hier gibts zumindest schon einen Webauftritt: Accione soll das fertige Produkt irgendwann heißen. Betonung auf irgendwann, denn einen Zeitplan gibt es nicht. Auch ein zweites lateinamerikanisches Unternehmen, Sikur, setzt angeblich auf Sailfish OS. Details dazu gibt es aber nicht.
  • Russland: Relativ unbemerkt von der Presse lag am Jolla-Stand ein russisches Handy mit der Bezeichnung Inoi R7. Allen verfügbaren Informationen nach dürfte es sich dabei um ein Gerät handeln, das hardwaremäßig dem Intex Aqua Fish (bzw. eben dem Jolla C) entspricht und das speziell für den russischen Markt gebaut wurde. Konkreter wahrscheinlich: speziell für die russische Post. Die hat nämlich vor einiger Zeit in einer öffentlichen Ausschreibung 15.000 Geräte gesucht, die unter Sailfish OS laufen und technisch auf dem Stand des Jolla C sind.
  • Sony Xperia: Bevor die chinesische oder lateinamerikanische Zusammenarbeit Früchte trägt, will Jolla seinen Fans und Entwicklern ein weiteres Community-Device anbieten. Zuletzt haben die Finnen das Intex Aqua Fish unter dem Namen „Jolla C“ verkauft. Diesmal soll es das Sony Xperia X werden. Unter Ausnutzung von Sonys Open Device Program sind noch für das erste Halbjahr 2017 Xperia-Smartphones mit SailfishOS angekündigt. Allerdings ist nicht ganz klar, in welchem Umfang Jolla SailfishOS auf die Sony-Geräte bringen wird: Möglich ist die komplette Portierung inklusive der proprietären Teile wie Android-Unterstützung und Exchange. Ebenfalls denkbar ist die eingeschränkte Version, die auch im Rahmen der verschiedenen Community Ports verwendet wird. Jolla hat sich bisher dazu nicht geäußert, was grundsätzlich kein gutes Zeichen ist.

Sehr wohl ein gutes Zeichen ist aber die Menge der Neuigkeiten: Gleich mehrere neue internationale Partner, das Inoi R7 für Russland und die Aussicht auf ein im Vergleich zu Jolla Phone und zum Jolla C hochmodernes Sailfish-Telefon sind schon etwas Feines. Selbst wenn nur die Hälfte der Pläne praktisch umgesetzt wird, können wir uns doch 2017 auf einiges freuen. 🙂

ESC 2017: Die ersten Favoriten

Die Vorbereitungen zum Song Contest 2017 stehen unter keinem guten Stern. Das ukrainische Fernsehen hat offenbar Probleme damit, die Großveranstaltung rechtzeitig auf Schiene zu bringen. In den letzten Tagen haben Unregelmäßigkeiten bei der Ticketvergabe für Aufsehen gesorgt.

Ich laß mir die Vorfreude (noch) nicht vermiesen und nehme die Veröffentlichung des zehnten Wettbewerbsbeitrags zum Anlaß, meine erste Favoritenliste für heuer vorzustellen:

Rang Land Song
    Interpret  
1 Frankreich Requiem
    Alma  
    (La France, je t’embrasse, je te dis que je t’aime … von der ersten Minute an ein Ohrwurm.)  
2 Italien Occidentali’s Karma
    Francesco Gabbani  
    (Ein hinreißendes Schlitzohr mit einem Affen, eine Melodie in der richtigen Balance zwischen „Ohrwurm“ und „nicht zu langweilig“, ein schlauer Text und eine Choreographie, die auch ich mitmachen kann. (Und: Keine Ballade!))  
3 Georgien Keep The Faith
    Tako Gachechiladze  
    (Hochdramatische (und hochrepetitive) Powerballade. Nicht übel, aber halt leider diesmal ohne Bart.)  
4 Weißrussland Historyja majho žyccia
    NAVI  
    (Da werden Erinnerungen an das unbeschwerte Kuchenbacklied wach. Zwar tut das Ayayayaho! der Sängerin nach einiger Zeit weh in den Ohren, aber: Hey! Wenigstens keine Ballade.)  
5 Finnland Blackbird
    Norma John  
    (Düster und musicalhaft. Nicht der Knaller auf einer ESC-Party, hat aber was.)  
6 Spanien Do It for Your Lover
    Manel Navarro  
    (Tralala belalalanglos. Aber wenigstens keine Ballade. *gg*)  
7 Albanien Botë
    Lindita  
    (Irgendwo tief drin verbirgt sich schöner Balkan-Herzschmerz. Die entsetzliche Lindita ver-uuh-ooh-aah-t ihn aber auf höchst verstörende Weise.)  
8 Schweiz Apollo
    Timbelle  
    (Was ist nur mit der Schweiz los?)  
9 Deutschland Perfect Life
    Levina  
    (Der Charme Duisburgs trifft auf die wilde Exotik der Eifel.)  
10 Vereinigtes Königreich Never Give Up On You
    Lucie Jones  
    (Grundgütiger!)  

Dieser Moment …

… wo dich die Grippe mit Fieber ans Bett fesselt und dann in der Nacht die Gastherme ausfällt.

Die Heizung ist noch das kleinere Problem, aber kein warmes Wasser zu haben ist wirklich übel.

SailfishOS 2.1.0 Iijoki

Iijoki ist ein 370km langer Fluß, der etwa 7½ Autostunden nördlich von Helsinki in die Ostsee mündet. Iijoki heißt auch das neue Update 2.1.0 für SailfishOS, das Jolla heute im Rahmen des „Early Access“-Programms freigegeben hat.

Wieder handelt es sich um einen „großen“ Brocken, der die armen Finnen wahrscheinlich ins Schwitzen gebracht hat: Der technische Unterbau, das Entwicklerframework Qt, bekam ein Upgrade auf die Version 5.6 spendiert. Das betrifft so ziemlich alles, was auf dem Telefon läuft. Entsprechend problematisch ist das Testen. Auch was Download und Installation anbelangt sind die Betriebssystem-Updates „mit neuem Qt“ immer ein besonderes Geduldsspiel.

Sichtbarer für den Anwender sind Verbesserungen im Browser, bei der Kamera, bei PDF-Dokumenten, bei der Unterstützung von VPNs und natürlich im User Interface, wo Jolla nun rechtzeitig zum Beginn meiner Altersweitsichtigkeit extragroße Schriftarten anbietet. 🙂

Ein bißchen versteckter, aber dennoch erwähnenswert: Mit Iijoki bereitet sich SailfishOS auf die weit verbreitete ARM8 Architektur vor. Das Portieren des Betriebssystems auf neuere Android-Hardware wird dadurch erleichtert. Außerdem steht der neues Bluetooth-Stack Bluez 5 für Entwickler bereit. (Damit verbunden nähert sich wohl der Abschied vom 2013 auf den Markt gebrachten ersten Jolla Phone: Bluez 5 wird nur mehr vom Jolla C unterstützt.)

Dazu wieder jede Menge Fehlerbehebungen und (auffällig diesmal) eine Reihe von Aufmerksamkeiten, die man dem optischen Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche gewidmet hat. Hier wurden Details vereinheitlicht, die mir so gar nicht aufgefallen wären in der Vergangenheit.

Jedenfalls ist Jolla softwaretechnisch quicklebendig. Was die Hardware betrifft verdichten sich die Hinweise, daß man am Mobile World Congress in Barcelona etwas Neues zumindest für die Fans herzeigen kann, ein Community Device wie das Jolla C also. (An sich hat sich Jolla ja aus dem Hardware-Geschäft zurückgezogen. Da aber die bisherigen Lizenznehmer ausgerechnet Europa links liegen lassen bei ihren Hardwarelieferungen, wo immer noch die aktivste Entwicklergemeinde sitzt, greift Jolla auf den Trick mit den sogenannten çommunity Community Devices zurück.)