Skybar und Gams

Es war ja nicht nur die Lust aufs Frühstück im Parkhotel, die uns nach Graz getrieben hat. Eingeladen waren wir auf Stadtbummel und Abendessen. Na da kommen wir doch gerne!

Natürlich zeigt sich gleich beim Schloßberg-Besuch der Unterschied zwischen einem gut betreuten und einem unbegleiteten Touristen. Unbegleitet: Rauf, rechts abbiegen, Uhrturm ansehen, runter. Gut betreut: Rauf, links abbiegen, Skybar, hinsetzen. Was für ein Blick! Da sitzt man im Kuschelwarmen, hat das zart angezuckerte Graz unter sich und kann sich königlich unterhalten. Eine sehr feine Einrichtung ist das. (Natürlich gings dann trotzdem noch zum Turm. Eh klar. Muß.)

Zweiter Fixpunkt: Operncafé. Auch das hätten wir allein, glaub ich, nicht aufgesucht. Wunderbare Kardinalschnitte und endlich mal eine richtig große Portion heiße Schokolade. Großartig.

Unsere Fremdenführerinnen mußten sich dann allerdings zurückziehen, um in die Rolle der Gastgeberinnen schlüpfen zu können. Und da ging dann die Party erst richtig los. Kinders, ich sags Euch! Allein in die Datteln im Speckmantel hätt ich mich reinlegen können, dabei war das noch nichtmal der Anfang. Eine supergschmackige Rote-Rüben-Suppe mit Oberskren (ich wußte in meiner Einfalt gar nicht, daß es sowas gibt), ein hinreißender Salat aus Blattspinat und Maroni (und Spezialdressing), dann (Trommelwirbel) a echte Gams (!) (auch diese eine kulinarische Premiere in meinem Leben) so zart und weich, daß man sie löffeln hätt können, erfrischendes Zitroneneis zum Luftholen … und eine sehr raffinierte Orangencreme als Dessert. (Ich sag bewußt zum Dessert und nicht zum Abschluß … Zum Abschluß haben wir nochmal Schokolade in die Hand gedrückt bekommen. Wir schauen halt so verhungert aus!)

Ich hab absolut überhaupt gar keine Ahnung, wie man sowas hinkriegt, ohne ein Catering-Unternehmen zu beauftragen. Ich hab aber auch kein Buch mit dem Titel „Morgen bist du Hausfrau“ in meiner Küche stehen. 🙂

Es war wieder einer dieser Tage/Abende, an denen man die Zeit übersieht. Es gab aber auch 100 Millionen Gesprächsthemen, die sich aufgedrängt haben. Viele lustig und unterhaltsam, andere dann aber durchaus auch ernsthaft. Den Draht für beide Themenblöcke hatten wir. Und das war schön. (Ach ja: Und es gab Frauengold. Wenigstens die TV-Werbung dafür. *gg*)

Jedenfalls freuen wir uns sehr drauf, die Sache mal zu wiederholen. Vielleicht das nächste Mal in Wien mit vertauschten Rollen. 🙂

Upgrade in Graz

Na da haben wir aber geschaut: Obwohl wir die gleiche Zimmerkategorie gebucht haben wie letztes Mal, haben wir eine doppelt so große Suite. Buchungstechnisch gings leider nicht anders, bedauert der junge Mann unten an der Rezeption. Na so ein Pech. 😉

Gleich noch einen Grund zur Begeisterung liefert die Küche des Hauses. Von Roastbeef bis Lauchsuppe, von Blutwurst bis Tagliatelle mit Trüffel, es war alles wunnerbar. Und die Show daneben erst recht. *gg*

Wir freuen uns aufs Frühstück!

Nokias Erben IV: Ubuntu schwächelt

Vor ziemlich genau vier Jahren hab ich im Artikel „Nokias Erben: Jolla? Ubuntu? Firefox? Tizen?“ die vier mobilen Betriebssysteme beschrieben, die das Erbe des Smartphone-Erfinders Nokia fortführen hätten können.

Nach der Korrektur völlig überzogener Erwartungen bezüglich Tizen und dem unerwarteten Ausscheiden des für einige Zeit erfolgreichen FirefoxOS ist dies nun der vierte Folgeartikel. Wieder droht einem Bewerber die Luft auszugehen: Laut einem Artikel in OMG!Ubuntu sind spürbare Weiterentwicklungen der mobilen Ubuntu-Version vorläufig abgesagt. Zwar soll es weiterhin die üblichen Sicherheitsupdates für die aktuelle Version geben. Neue Hardware ist aber in nächster Zeit ebensowenig zu erwarten wie die eigentlich fällige nächste Version des Betriebssystems.

Als Begründung wird angegeben, daß Ubuntu insgesamt (also auch die Desktop-, Core- und Serverversionen) auf das neue Paketsystem Snappy umgestellt werden soll. Dafür werden aber neuere Kernel-Versionen benötigt, die von den Hardwareproduzenten derzeit einfach nicht bereitgestellt werden. Die halten sich nämlich brav an die alten Android-Versionen. Natürlich wird auch eine Rolle spielen, daß der Wechsel des gesamten Ubunut-Universums auf Snappy Entwicklerressourcen abzieht, die der mobilen Version nun einfach fehlen.

Heißt für mich und mein Aquaris E5: Auf große neue Updates brauch ich da wohl nicht mehr zu warten. Ubuntu wird, wenn mit den nun verkündeten Neuigkeiten nicht ohnehin das Ende der mobilen Entwicklung beginnt, neue Versionen nur mehr für zukünftige Geräte zur Verfügung stellen können, auf denen dann eben auch ein neuer Kernel läuft. Das Aquaris E5 bekommt seine Sicherheitsupdates, mehr nicht.

Heißt für die Betriebssystemlandschaft insgesamt: Nachdem FirefoxOS sich völlig zurückgezogen hat, macht auch Ubuntu aus Konsumentensicht zunächst Pause. Beschleunigen wird das seine Entwicklung nicht. Tizen wird, soweit ich das mitverfolgt habe, weiterhin ausschließlich von Samsung angeboten - und auch das (bzgl. Smartphones) lokal beschränkt auf Indien. Man hat den Eindruck, daß der Elektronikriese damit tatsächlich ein bißchen experimentiert, ohne es allzu eilig zu haben: Neben Smartphones wurden auch Fernsehgeräte und Smartwatches mit Tizen auf den Markt gebracht. Jolla, Ende 2015 so gut wie tot, ist wieder überraschend quirlig: Nachdem Saifish auf drei eigenen Geräten unters Volk gebracht wurde und Intex das Betriebssystem für Indien lizensiert hat, stehen die Zeichen nun gut für einen größeren Auftrag aus Russland. Auch hat Jolla vorsichtige Hinweise auf ein neues „Community Device“ nach dem Muster des Jolla C gestreut. Bei den Finnen scheint die Reise also ohne Unterbrechung weiterzugehen.

Was mich persönlich bei Ubuntu stört ist weniger der Umstieg auf eine neue Technologie an sich oder die damit verbundene schöpferische Pause (wenn es denn wirklich nur eine Pause bleibt). Lästig ist, daß Canonical hier wieder einmal unnötig Gräben aufreißt und Ubuntu inkompatibel zu den Standardlösungen im Rest der GNU/Linux Welt macht. Was bei Ubuntu als „Snappy“ entwickelt wird, unterscheidet sich nicht sehr vom neuen Paketmanagement „Flatpak“, mit dem andere Distributionen das gleiche Ziel erreichen wollen. Genauso, wie Ubuntu mit „Mir“ ein eigenes Süppchen kocht, während der Rest der Welt auf „Wayland“ setzt. Diese Eigensinnigkeit an sich ist kontraproduktiv genug. Wenn sie dann aber auch noch zu einem Stillstand in der Entwicklung führt, könnt man sich wirklich drüber ärgern.

Ist mein Rot auch dein Rot?

Endlich! Endlich versteht mich jemand! Ich bin also nicht ganz so verrückt, wie ich immer dachte. (Oder anders ausgedrückt: Nicht ganz allein. Wobei das ja dann wieder … aber lassen wir das.)

Seit meiner Schulzeit beschäftigt mich eine Frage: Ist der Sinneseindruck, den wir „rot“ (oder grün, blau, gelb, …) nennen, bei allen Menschen der gleiche? (Und zwar jetzt abgesehen von Besonderheiten wie Rot-/Grün-Blindheit etc.) Sprich: Wenn ich Licht im Bereich rund um 700 Nanometer Wellenlänge sehe und mein Gehirn daraus die Wahrnehmung „rot“ erzeugt - sieht das dann bei meinem Sitznachbarn genauso aus? Oder hat der eine komplett anderen Farbeindruck vom gleichen Gegenstand, was wir aber niemals herausfinden werden, weil wir immer gelernt haben, daß wir diese Wellenlänge „rot“ nennen? Weil wir uns in der einzigen Kommunikationsform, die wir haben, nicht anders darüber austauschen können als mit dem abstrakten Wort „rot“?

Wann immer ich diesen Gedanken aufgebracht habe, konnte ich tief in die Rachen meiner Gesprächspartner sehen. Hä? Rot ist nun mal rot. Wovon reden wir hier eigentlich? Das macht ja nicht unser Gehirn, das ist ja das rote Licht. (Oder, um ein unsterbliches Zitat zu bemühen: Das ist nicht rot, das ist nur die Farbe.) Die Frage hat mich nicht losgelassen, ich habe aber gelernt, sie der sozialen Anpassung wegen nicht mehr allzu offen anzusprechen. 😳

Heute, beim ziellosen Herumklicken auf YouTube, bin ich dann auf folgendes Video gestoßen:

Is Your Red The Same as My Red?

Da gehts - bevor der aufgeregte Präsentator dann zu Experimenten an Kleinkindern und der Kommunikation mit Affen abgleitet - um genau dieses Thema. „Farbe“ ist nichts, was objektiv meßbar in der realen Welt existiert. Licht existiert. Licht hat unterschiedliche Wellenlängen, die man messen kann. Was unser Gehirn dann aber daraus macht, den Farbeindruck nämlich, hat keine Entsprechung in der realen Welt. Genauso wie es Geschmack und Geruch in dieser Form nicht gibt; was es gibt sind Eindrücke, die unser Gehirn aus den ihm von den Geschmacksknospen zugetragenen chemischen Eigenschaften der Nahrung (und nur diese sind real) selbst erzeugt.

Weil also all diese Dinge in unserem Gehirn entstehen und keine objektivierbare Entsprechung haben, haben wir keine Möglichkeit, objektivierbar darüber zu kommunizieren. Der Satz „Dieser Apfel ist rot“ bedeutet in Wahrheit: „Das von diesem Apfel abgestrahlte Licht liegt im Bereich von ca. 625 bis 780 Nanometern. Mein Gehirn signalisiert das mit einer Farbempfindung, für die man mir das Wort rot beigebracht hat.“ Ein zustimmendes „Ja, dieser Apfel ist rot“ meines Gegenüber bedeutet keinesfalls, daß er das gleiche sieht wie ich. Es bedeutet lediglich: „Auch mein Gehirn gibt mir die Farbempfindung, die ich für die Wellenlänge im Bereich von ca. 625 bis 780 Nanometern kenne. Auch ich habe dafür das Wort rot gelernt.“ Wir sind uns also über die ungefähre Wellenlänge und über das dafür gelernte Vokabular einig so wie zwei Wissenschaftler, die ihre Meßergebnisse vergleichen. Wir haben aber keine Möglichkeit, unsere „internen Meßgeräte“ direkt miteinander zu vergleichen: die subjektive Farbempfindung nämlich.

Was ich aus dem Video noch gelernt habe: Michael Stevens (der Macher des Videos) und ich sind nicht die einzigen, die uns über diese Frage Gedanken machen. Tatsächlich ist sie ein Klassiker der Philosophie, es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: Qualia. Eng damit verknüpft sind der Begriff der Erklärungslücke und das Gedankenexperiment „Marys Zimmer“. Genügend Fundstellen also im Netz, wenn man nur die Begriffe kennt, nach denen man suchen muß. Vor 35 Jahren wär der kleine Ossi halt nie auf die Idee gekommen, im Lexikon nach „Qualia“ zu suchen, wie ihm die Sache mit den möglicherweise unterschiedlichen Farbeindrücken eingefallen ist. Und nach „Erklärungslücke“ hätte er gar nicht erst suchen müssen: Der Begriff wurde erst ein Jahr später geprägt.

Das hat jetzt einerseits etwas Beruhigendes: Ich bin nicht allein in meinem Wahnsinn, daß rot nicht einfach für jeden gleich rot sein muß. Es gibt im Gegenteil einen Haufen anderer Leute, die sich genau darüber schon seit 150 Jahren den Kopf zerbrechen. Andererseits formuliert Michael Stevens als unausweichliche und höchst beunruhigende Konsequenz dieses Gedankens: Ich bin ganz allein. Wir alle sind ganz allein. Das Bild, das unser Gehirn sich von der Welt um uns erschafft, ist anderen nicht vermittelbar. Wir können uns nicht darüber austauschen, was wir wirklich sehen, schmecken, hören - fühlen.

Imperial Rumpelpumpel, Oida?

Auch mit einer englischen Speisekarte stößt die Vorstellungskraft eines nicht an die österreichische Küche gewöhnten Gastes an ihre Grenzen. Die Unterschiede zwischen Tafelspitz, weißem Scherzel und Kruspelspitz sind auch bei guten Sprachkenntnissen schwer zu vermitteln. Erst recht schwer tut man sich bei Semmelkren und Fleischstrudelsuppe. Da kommen halt irgendwann so Kreationen wie „Imperial Rumpelpumpel“ zustande – und werden auf Anhieb verstanden! 😃

Herr E. hatte eine Gegeneinladung verdient, weil er so großartig für uns gekocht hat. Da er für längere Zeit Strohwitwer sein wird, konnten wir nur ihn allein „bekochen“. Und weil wir beim Essen zu Lokalpatrioten werden, standen auch die besten Chinesen, Inder oder Italiener nicht zur Debatte: Plachutta, what else? (Dabei geht’s wirklich weniger um die Qualität des Dargeboteten als um die Auswahl an traditioneller Wiener Küche. Zwischen Tafelspitz, Backhendl, Wiener Schnitzel, Frittatensuppe, Mohr im Hemd und Palatschinken gibt’s einfach kein Entkommen.)

Die Wahl des Restaurants war goldrichtig. Herrn E. hat offenbar während seines bisher einjährigen Wien-Aufenthalts niemand an der Hand genommen, um ihm gutes dasiges Essen näherzubringen. Über Wiener Schnitzel ist er nicht hinaus gekommen, wobei das seiner Schilderung nach eher vom Schnitzelhaus als im guten Gasthaus war. Und man findet auch selten Gäste, die sich so unvoreingenommen über Beef Tatar hermachen, obwohl ihnen die Vorstellung von rohem Fleisch zunächst sehr exotisch erscheint. 😉

Bei der Unterhaltung gings natürlich nicht nur um das Beschreiben der Speisen. Wir haben unserem Gast die schönsten Schimpfwörter beigebracht. (Was wäre sein Leben ohne „Kanake“ und „Kümmeltürk“? Ohne „Ham s’ da ins Hirn gschissn?“ und das allgegenwärtige „Oida!?“?) Wir haben Interessantes zur Wiener Stadtgeschichte vermittelt und eine ausgesprochen geniale Idee für themenspezifische Stadtführungen entwickelt. Wir haben uns scheckig gelacht über die typischen „Beziehungsfragen“, mit denen er nun während seines Strohwitwerdaseins konfrontiert wird. Wir haben uns über die Schrullen der Habsburger amüsiert. Und wir hatten großen Spaß daran, Details unserer Kulturen und Unterschiede zwischen unseren Ländern zu analysieren. (Zum Beispiel: Wie spricht man einen Professor an der Uni an? Oder: Wie kann man von der äußeren Erscheinung eines Menschen Rückschlüsse auf seine politische Einstellung ziehen?)

Offen geblieben ist die Frage der passenden Ernährung für eine Vegetarierin, die Gemüse und Grünzeug ablehnt. Da haben wir noch ein bißchen was an Restaurantfindungsarbeit vor uns - die Hollerei scheint fürs Erste als „zu grün“ aus dem Rennen zu sein.

Den Abend beendet haben wir erst zehn Minuten nach der Sperrstunde, kurz vor Mitternacht. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt so hartnäckig „pickengeblieben“ sind dort. (Dabei haben wir uns extra um 19:00 getroffen, um nicht zu spät heimzukommen.) Das spricht für einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Ich freu mich aufs nächste Mal: E. hat irgendwas von einem gemütlichen Pazar Kahvaltısı in den Raum gestellt, jedenfalls aber werden wir die Suche nach gemüse- und salatfreiem vegetarischen Essen für Frau Ö. wieder aufnehmen. So oder so, Fortsetzung folgt. 😉

PS: Ich hoffe das „Imperial Rumpelpumpel“ wurde auch hier verstanden? 👑

Neujahrsempfang

Wie ich noch klein war, bin ich auf Silvesterfeste gegangen. Heute werde ich zu Neujahrsempfängen geladen. Das ist wohl auch eine Alterserscheinung. (Muß es sein: Ich kann mich an keine gesellige Runde erinnern, in der so viel und so ernsthaft über Pension, Begräbnisse, Kuren sowie Alters- bzw. Pflegeheime gesprochen wurde. *LOL*)

Herr Oliver hat das Ding organisiert und mit der Wahl der Gäste einen wunderbaren Griff getan. Sehr fein, das alles. (Worums mir ein bisserl leid tut ist das viele gute Essen: Offenbar waren ausnahmlos alle (genau wie wir) von Silvester noch zu zugestopft, daß das meiste einfach stehengeblieben ist.)

Irgendwie wars einerseits ein erfrischender Start ins Jahr 2017 mit netten neuen Gesichtern und Geschichten … andererseits aber auch eine Zeitreise in meine Vergangenheit vor dem 30er. Manches bleibt einfach immer gleich, egal wie viel Zeit vergeht. 😉

Vielen lieben Dank für den sehr schönen Abend. Hat viel mehr Spaß gemacht als die gezwungen lustigen Silvesterpartys früher.