Ich, der Server-Admin

Der 26. Mai war ein Feiertag. Da kann man schon mal auf blöde Ideen kommen, wenn einem fad ist. Ich zum Beispiel habe beschlossen, mir einen Computer zu kaufen. Keinen „echten“ Computer zum Angreifen, nein, einen virtuellen Rechner. Der existiert nur als für mich reservierte Speicher- und Rechenkapazität in einem verteilten Rechenzentrum, hat Internet-Anschluß mit einer fixen IP-Adresse und läßt mich drauf rumspielen, wie ich will.

Brauch ichs? Nein. Ist es lustig? Ja! Ich hatte in den letzten Jahren immer mal wieder dumme Ideen, die man nur mit einem Server mit fixer IP-Adresse realisieren hätte können. Jetzt ist er da, der Server. Und jetzt wart ich auf die nächste dumme idee. :)

Erste Aufgabe war, den Rechner halbwegs vernünftig zu konfigurieren. Will heißen: so abzusichern, daß er nicht über Nacht die halbe Welt mit Spam zuschüttet oder andere böse Dinge treibt. Und das ist der Hauptgrund für diesen Artikel: Ich will ja später ungefähr wissen, was ich alles getan habe. (Ein weiterer Grund für diesen Artikel ist, daß ich einfach Werbung für den Provider World4you machen muß. Aber dazu später.)

Schritt für Schritt konfigurieren

Praktischerweise kann ich den Server mit einer ganzen Reihe von Betriebssystemen aufsetzen. Darunter befindet sich auch Ubuntu 14.04. Das ist eine LTS-Version, die ich auf zwei anderen Rechnern bereits installiert habe und daher gut kenne. Nichts liegt daher näher, als Ubuntu 14.04 als Betriebssystem zu installieren. (Wobei installieren fast das falsche Wort dafür ist: Man drückt auf der Webseite von World4you auf einen Knopf und schon ist der Rechner neu aufgesetzt. Wenn das nur bei meinem Laptop auch so schnell ginge. *gg*)

Gleich zu Beginn steht der Rechner mit einem relativ offen konfigurierten SSH-Server da (root-Zugang ist z.B. möglich). Eine Reihe von typischen Services (für Mail, Web, Datenbanken, …) läuft. Eine Firewall habe ich aber nicht gefunden.

Schritt Nummer eins daher: Zwei Tools installieren, die ich für alles Weitere benötige. Nano, meinen Lieblingseditor zum Anpassen der Konfigurationsdateien, sowie ufw zur einfachen Konfiguration der Firewall.

Gleich als nächstes wird ufw eingerichtet und aktiviert: SSH habe ich vorläufig als einziges Service zugelassen und gleichzeitig mit ufw limit ssh limitiert.

Der nächste Schritt ist eine Vorbereitung zum Abschalten des Root-Logins via SSH. Wenn root nicht mehr darf, muß jemand anderer dürfen. Also wird ein neuer User angelegt.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, den OpenSSH-Daemon einzuschränken: Zuerst erzeuge ich auf meinem Rechner ein Schlüsselpaar und übertrage den öffentlichen Schlüssel auf den Server. Danach sage ich dem SSH-Server: Login als nur mehr über das Schlüsselpaar, nicht mehr mit Passwort; und: root muß draußen bleiben, nur mehr der soeben angelegte „Arbeitsuser“ darf rein. (Falls das jemandem übertrieben erscheint: In den Logfiles hab ich Login-Versuche von fremden Rechnern im Sekundentakt. Es zahlt sich schon aus, diese Türe möglichst fest zu schließen.)

Zuletzt werden alle Services angehalten, die ich derzeit nicht aktiv nutze. Jede von außen erreichbare Funktion ist ein mögliches Ziel für Angreifer. Der Webserver, die Datenbank, der Mail-Server, der Domain-Server … alle werden sie heruntergefahren. Nur SSH bleibt - irgendwie muß ich den Rechner ja erreichen.

Der Anbieter World4you

Ich gebs ja zu: Einen sehr ausführlichen Marktvergleich hab ich nicht angestellt. Aber ich bin mir mittlerweile sicher, den passenden Anbieter für mein kleines Experiment gefunden zu haben. Bei World4You konnte ich mir mein Paket „vServer Small“ am Feiertag online zusammenklicken, in wenigen Augenblicken war der Rechner für mich aktiviert und zugänglich. € 6,90 pro Monat sind kein Vermögen. Mag sein, daß man es irgendwo auf der Welt um 2 Euro billiger findet. World4You sitzt aber nicht irgendwo auf der Welt, sondern in Linz. Und wenn ich mein Geld schon für sinnlosen Schnickschnack raushau, dann soll es doch lieber zuhause in der EU (und noch besser: in Linz) bleiben und nicht zu einem amerikanischen Unternehmen wandern. (Übrigens: Auch bei einem anderen großen österreichischen ITK-Unternehmen habe ich mich über vServer-Angebote informiert. Unter der entsprechenden Produktseite finden sich keine Preise, keine Leistungsbeschreibungen, einzig ein Link mit der Aufforderung Angebot einholen!. Wenn ich dort am Donnerstag geklickt hätte - ob ich dann ebenfalls schon wenige Minuten später „live“ gewesen wäre? *gg*)

Sehr fein auch der Support: Obwohl ich mit meiner soeben angemeldeten Small-Kiste sicher nicht zu den VIP-Kunden gehöre, wurde eine heute von mir gestellte Anfrage in exakt 5 Minuten schriftlich beantwortet. Sehr höflich und umfassend noch dazu. Doch, ich glaub das hab ich gut ausgesucht.

Das (neue?) Jolla C

Eins muß man ihnen lassen: Kreativ sind sie, die Finnen. Offiziell haben sie sich ja aus dem Hardwaregeschäft zurückgezogen, um den Lizenznehmern ihres Betriebssystems keine Konkurrenz zu machen. Die wiederum denken im Moment nicht im Traum daran, Europa zu beliefern. Wie also kommen die Jolla-Käufer und Fans der ersten Stunde, unter denen sich tatsächlich auch jede Menge geschickter Entwickler befinden, zu einer halbwegs aktuellen Hardware mit SailfishOS?

Die Gschicht rennt jetzt so: Es gibt ein „Community Device Program“. In erster Linie ist das natürlich eine Sache für Programmierer und die Community. Man bekommt im Rahmen des Programms Zugang zu Supportmaterial, darf zu „Internationalen Community Events“ kommen … und ganz nebenbei erhält man auch ein funkelnagelneues Handy, das heute als „Jolla C“ vorgestellt wurde und natürlich nur in einer limitierten Stückzahl erhältlich ist, damit Programmierer Zugang zu Hardware mit SailfishOS bekommen. Mehr ist das nicht. 😉

Ich hab mich selbstverständlich sofort angemeldet. Immer schon wollte ich zu einem Sailfish Community Event nach Helsinki. Daß ich da jetzt so ein neues Handy oben drauf bekomm … Mein Gott! So ein Pech! Wichtig ist nur, daß es nicht frei in den Handel kommt. Denn den Lizenznehmern Konkurrenz machen, das wollen wir nicht. 🙂

Warum hab ich in der Überschrift das Wort „neue“ eingeklammert und befragezeichnet? Naja: Erstens ist es keine Neuentwicklung. Es ist das Intex Aqua Fish, das genau in dieser Konfiguration, aber eben unter einem anderen Markennamen, exklusiv in Indien verkauft wird. Die ganze Aktion von Jolla wird ja überhaupt nur deswegen notwendig, weil Intex nicht nach Europa exportiert. Die Sicht, daß Jolla Intex-Hardware unter eigenem Namen vertreibt, ist so aber auch nicht ganz richtig: Tatsächlich ist dieses Telefon eines von mehreren Referenzmodellen, die Jolla für SailfishOS zusammengestellt hat, damit Hersteller schneller auf den Zug aufspringen können. Jolla also hat das Telefon entworfen, hat es Intex angeboten, Intex verkauft es in Indien als „Aqua Fish“ - und Jolla macht in Europa ein „Community Device Program“ draus.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum man nicht wirklich von einem neuen Telefon sprechen kann: Intex wollte Hardware für das untere Preissegment. Das Aqua Fish ist genau das - und damit muß nun auch das Jolla C leben. Grob gesagt entspricht es leistungsmäßig dem Samsung Galaxy S5 aus dem Jahr 2014. Das mag enttäuschend klingen, man darf aber nicht vergessen: SailfishOS schiebt ganz anders an als Android. Vor allem aber leben Jolla-Benutzer heute mit einer noch älteren Hardware. Sehen wir uns die wichtigsten Eckdaten des ersten Jolla Phone, des neuen Jolla C und eines heute aktuellen Samsung Galaxy S7 im Vergleich an:

  Jolla Phone Jolla C Samsung Galaxy S7
Displaygröße 4,5″ 5″ 5,1″
Auflösung 540 x 960 720 x 1280 1440 × 2560
RAM 1GB 2GB 4GB
CPU 2×1,4GHz 4×1,3GHz 4×1,6GHz plus 4×2,6GHz
Dual-SIM nein ja eigenes Modell
UKW Radio nein ja keine Info
interner Massenspeicher 16GB 16GB 32GB
Einführungspreis € 400,- € 163,- € 591,-

Es ist die letzte Zeile der Tabelle, die die interessanteste Information enthält. Ein Nachfolger für mein Jolla um weniger als die Hälfte der € 400,-, die das erste SailfishOS-Telefon gekostet hat - da darf man sich nicht den Tiger erwarten, der im Samsung-Flaggschiff steckt. Dafür verdoppelt das „Jolla C“ die Leistungsdaten, die sich beim Vorgängermodell als Bremse erwiesen haben: Die CPU-Kerne und vor allem den Arbeitsspeicher. Insofern haben die Finnen doch sehr treffsicher auf ihre Zielgruppe hin gearbeitet: Wer einfach das schickste und modernste Smartphone will, der knabbert die ohnehin limitierte Auflage nicht an. Wer aber sein altersschwaches Jolla-Phone gegen einen doppelt so schnellen Nachfolger austauschen möchte, der ist mit nur € 163,- wirklich mehr als gut bedient.

Im Juli solls kommen. Diesmal aber wirklich. 😉

Uffa – grad nochmal gut gegangen für Österreich

Fast eine Stunde lang waren die Server der großen Nachrichtenportale des Landes überlastet. Angekündigte Live-Ticker oder gar Videostreams brachen unter der Last der Anfragen zusammen und mußten durch statische Seiten ersetzt werden.

Ausgerechnet Kronen Zeitung und BBC brachten dann als erste halbwegs glaubwürdige Quellen unters Volk, was Innenminister Werner Sobotka erst eine gute halbe Stunde später offiziell verkündete: Alexander Van der Bellen ist Bundespräsident. Mit nur 31.026 Stimmen Vorsprung hat er den gestern noch leicht in Führung gelegenen Rechtspopulisten Norbert Hofer überholt. 50,3% der Wähler haben für den neuen Präsidenten gestimmt. Breiter Rückhalt in der Bevölkerung sieht anders aus.

Gerade deshalb ist dieser Wahlsieg kein Anlaß zum Jubeln. Es ist dieses Gefühl, das man hat, wenn Einbrecher zwar die Wohnung verwürstet, aber weder die wertvollen Goldmünzen noch die Dokumente gefunden haben. Man feiert nicht, weil die aufgebrochene Türe und die zertrümmerten Möbel kein Grund zum Feiern sind. Man ist nur erleichtert, weil das Allerschlimmste verhindert werden konnte.

Ich bin immer noch fassungslos, wie die Hälfte der Österreicher einem Rattenfänger wie Hofer auf den Leim gehen konnte - siehe dazu „Der Intelligenztest für Österreich“. Was mich bei der Analyse der Detailergebnisse tröstet:

In meiner unmittelbaren Umgebung ist dieser Intelligenztest viel positiver ausgefallen, als das Bundesergebnis es vermuten ließe. Wien wählt zu 63% Van der Bellen, mein Heimatbezirk Hernals zu 69%. In einzelnen Wiener Bezirken fällt Norbert Hofer sogar unter die 20%-Marke. Genauso die Lage in Linz: Auch hier stimmen 63% für Van der Bellen, im Bezirk Froschberg überdurchschnittliche 70%.

Interessant wird nun, ob und wie intensiv die FPÖ (die als einzige Norbert Hofer noch unterstützt hat) die Wahl anfechten wird. Ihr Generalsekretär Norbert Kickl hat ja bereits am Tag vor der Wahl eine Verschwörung gewittert: In einer Presseaussendung hat er behauptet, daß Helfershelfer des gegenwärtigen Politsystems hier vielleicht die Gelegenheit nutzen könnten, dem Wählerwillen zugunsten des Systemrepräsentanten [sic!] Van der Bellen ‚nachzuhelfen‘. Am Wahlabend noch hat dann Parteichef Strache nachgelegt. Er zweifelte auf Facebook vorsorglich jede Mehrheit für Van der Bellen bei den Wahlkarten an: So ein diametrales [sic!] Ergebnis gegen den allgemeinen Wahltrend kann es bei den Wahlkarten nicht geben! Doch, kann es. Gibt es auch regelmäßig, weil die FPÖ-Wähler seit Jahren nicht checken, wie das mit den Wahlkarten funktioniert.

Wie auch immer: Formfehler gibt es bei jeder Wahl, und Van der Bellens knapper Vorsprung von nur 31.000 Stimmen zwingt die FPÖ geradezu zur Anfechtung. Irgendetwas wird sich schon finden. Mal sehen, wer dann im Juli vereidigt wird. Noch ist die Gefahr nicht ganz gebannt.

Schrödingers Bundespräsident

Mit dem Bundespräsidenten ist es so wie mit Schrödingers Katze, sagt M. heute. Solang wir den Deckel draufhalten, ist es sowohl Van der Bellen als auch Hofer.

M. weiß das aus der Big Bang Theory. Ich weiß: Egal wie Schrödingers Gedankenexperiment ausgeht, seine Katze ist in ihrer Kiste jedenfalls verdammt schlecht gelaunt.

Und das bin ich auch. Also nicht so sehr schlecht gelaunt als vielmehr entsetzt. Völlig unabhängig davon, welches Ergebnis uns die letzten Wahlkarten bringen werden: 50% der Österreicher sind beim Intelligenztest durchgefallen. (Die ausführliche Analyse des Bildungsniveaus der Hofer-Wähler verkneif ich mir jetzt.)

Nur ums nochmal klarzustellen: Eine Bundespräsidentenwahl ist eine Persönlichkeitswahl. Tages- oder sachpolitische Fragen (mit denen vor allem Hofer im Wahlkampf hausieren gegangen ist) sollten keine Rolle spielen. Stattdessen geht es in erster Linie darum, wer geeignet erscheint, die Republik zu vertreten. Insofern fällt bei mir eine Beißhemmung weg, die mir mein Glaube an Pluralismus und Meinungsfreiheit ansonsten auferlegt. Ja, man kann ideologisch aus verschiedenen Ecken kommen, politisch unterschiedlicher Meinung sein. Das hat manchmal etwas mit mangelnder Intelligenz zu tun (wenn man z.B. Ursachen gesellschaftlicher Entwicklungen nicht kennt oder die Folgen politischer Entwicklungen nicht einzuschätzen vermag). Meist ist es aber einfach nur eine andere Meinung aufgrund unterschiedlich gewichteter Werte. Auch ÖVP-Wähler sind Menschen, selbst wenn mans auf den ersten Blick nicht so erkennt.

Anders ist das bei dieser Bundespräsidentenwahl: Ein Kandidat aus dem Lager derer, die Österreich für eine geschichtswidrige Fiktion halten, ist als Repräsentant eben dieses Landes denkunmöglich. Ausgeschlossen. Ein Mann, der den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft mit Anfragen zu Chemtrails beschäftigt, kann nicht mit ausländischen Staatsgästen allein gelassen werden. Ausgeschlossen. Das ist alles keine Frage von politischen Standpunkten und Ideologie, von links oder rechts. Das ist das Abchecken der absoluten Grundvoraussetzungen. Ein Spediteur stellt ja auch keinen Fahrer ein, der keinen Führerschein hat. Ein intelligenter Spediteur tut das nicht.

Huuuuundsi!

Sooo lieb! Geburtstagsgrillerei war bei Herrn Wolfgang und Herrn Rainer. Und was gabs gleich zu Beginn? Hundekuscheln! Die beiden Mäuschens haben großen Wert darauf gelegt, daß ich mich wie in Linz fühle: Die eine mußte ununterbrochen am Bauch gekrault werden und hat sofort wieder meine Hand mit der Pfote zu sich geholt, sobald ich auch nur einen kurzen Moment damit aufgehört habe. Der andere ist gleich aufs Ganze gegangen, hat mich mit den Vorderpfoten auf der Bank fixiert und mir feuchte Küsse aufs Gesicht gedrückt. Das ist Liebe!

Weil Liebe dann halt doch auch durch dan Magen geht, gabs nach einiger Zeit Geschirr- und Terrassenwechsel. Die leichte Knoblauchbrot-/Caprese-Kombination wurde ersetzt durch frisch gegrillte Zuccini, Mais, Würschtl und vor allem beneidenswert perfekte, zartrosa Steaks. Mjamm. Dazu der berühmte Eapfüsolod und ein Hugo (Huuugo!) - damit kann man sich alles schönsaufen. Sogar die Wahlberichterstattung. (Natürlich konnten wir die Finger nicht von den Handys lassen.)

Seit langem wieder: Feenstaub zum Dessert! Mit Liebe und Schweineschmalz handgemachte Schokosauce (eigentlich wars ja gar keine Schokosauce), erfrischendes Eis und gesundes Obst. Perfektes Dessert! 🙂

Sehr bunt der Themenmix von schwedischen Kameraassistentinnen (großartig!) zu türkischer Grammatik und der gerechten Karma-Bitch mit ihrer Karotte. Sehr nett! (Bis auf den Taxler am Heimweg. Lahme Ente.) Vieles Dankeschön, teşekkür ederim!

Gott ist mir übel

Im Grunde essen wir ja sowieso immer das gleiche beim Plachutta. Ich bin der festen Überzeugung, daß die dort auch schon die Bestellung mit eingeben, wenn sie meine Reservierung in den Computer tippen. (Apropos Reservierung und Computer: Schon seit einiger Zeit bekommt man gleich nach dem Telefonat nicht nur eine Bestätigungs-SMS zugesandt, sondern auch einen Link zu einem Kalendereintrag. Mir war nie bewußt, daß man über diesen Kalendereintrag auch erfährt, wie lange der Tisch freigehalten wird: drei Stunden nämlich. Was glauben die, was wir dort so lang tun? Miteinand reden?)
Wo war ich? Was wollt ich schreiben? Ach ja: Wir haben im Prinzip heut Abend nichts anderes gegessen als sonst. Trotzdem war uns schon bei der Hauptspeis auf eine unheilvolle Weise schlecht. „Vergiftet sein“ nennen wir das, wenn man das Gefühl hat, daß die letzten Fleischstückchen absolut gar keinen Platz mehr haben im Magen und stattdessen in der Speiseröhre auf die Weiterverarbeitung warten. (Und noch ein „Apropos“-Klammereinschub anläßlich der Fleischstückchen: Die waren so fein, die hätt auch die Frau Kysira gegessen. Für dieses Fleisch mußte kein Tier sterben. Das hat am Teller noch gelebt. *gg*)

Trotz dieser Warnzeichen haben wir weitergemacht im Traditionsprogramm und noch das Dessert angehängt. So schnell geben wir nicht auf.

Tja. Und jetzt ist uns schlecht. Um viel Geld. Aber gschmeckt hats doch. Wie immer. 🙂

Tolino: Software-Update 1.8

Wie fein! Selten ist ein Software-Update für ein elektronisches Spielzeug zeitlich so passend erschienen wie die neue Betriebssystem-Version 1.8 für meinen Tolino eBook-Reader.

Langsam füllt sich nämlich mein Speicher und ich habe gelegentlich Mühe, das eine oder andere Buch wiederzufinden. Hier setzt das Update an und bietet in der Bibliotheksansicht neue Registerkarten mit verschiedenen Sortierungen. Fertig gelesene Bücher kann ich auf Wunsch komplett ausblenden.

Noch einmal erweitert wurde die Möglichkeit, im eBook zu blättern. Eine neue Geste für schnelles Vor- und Zurückblättern ergänzt die vorhandenen Funktionen in diesem Bereich.

Als Zugabe gibts neue Schriftarten und angeblich auch die Möglichkeit, eigene Schriftarten nachzuinstallieren. (Mit war nicht klar, daß das bisher nicht gegangen ist; ich habs einfach nie versucht.) Endlich also Bücher komplett in Comic Sans MS lesen! 🙂

Ich bin sehr zufrieden!

Wahl 2016: Der Intelligenztest für Österreich

Beim Eurovision Song Contest hat Österreich Michał Szpak und seinen Song „Color Of Your Life“ gewählt. Morgen sind 6,3 Millionen Wahlberechtigte aufgeruften, eine weitere Entscheidung zu teffen. Eine Entscheidung, mit deren Konsequenzen wir alle mindestens sechs Jahre leben werden müssen:

Wer wird Bundespräsident? Wer erhält das Recht, im Alleingang die Bundesregierung auszuwechseln, gemeinsam mit einer ihm genehmen Pseudo-Regierung den Nationalrat aufzulösen und per Notverordnung zu regieren?

Zur Wahl stehen zwei Kandidaten:

Der eine, Norbert Hofer, ist einer Verbindung beigetreten, die in der Festschrift anläßlich ihrer Gründung verkündet, sie müsse sich dem gefährlichen Begriff Pluralismus entgegenstellen, es brauche Trutzburgen für diejenigen, die sich nicht der liberalen Gesellschaft […] ausliefern wollen. Besser noch: Obwohl dieser Kandidat seine Plakate mit dem Satz Aufstehen für Österreich schmückt, lehnt seine Verbindung die geschichtswidrige Fiktion einer österreichischen Nation ab, die seit 1945 […] in den Gehirnen der Österreicher festgepflanzt wurde.

Hofer bestreitet im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl, diese Meinungen zu teilen. Eh klar. Man sucht typischerweise die Nähe von Organisationen, deren Ziele und Ideologien man so überhaupt nicht teilt. Vielleicht hilft zur Einordnung: Hofer ist Autor des „Handbuchs freiheitlicher Politik“. Jörg Haider hat aus diesem Handbuch das Bekenntnis zur deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft gestrichen - es war ihm ideologisch zu extrem. Unter Hofer wurde dieses Bekenntnis wieder eingeführt. Ebenso enthält das Machwerk die ausdrückliche Forderung nach der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Überhaupt, Diskriminierung: Ein Sozialsystem, das alle Bürger vor dem Absturz schützt, findet Hofer nicht so gut. Wer Sozialleistungen bekommt und wer nicht, darüber will er bestimmen.

Es kommt aber noch besser: Eine zweite Welle von Wahlplakaten für Norbert Hofer bezeichnet ihn als Stimme der Vernunft. Diese Stimme der Vernunft hat 2007, als sie sich noch unbeobachtet fühlte von der breiten Öffentlichkeit, im österreichischen Nationalrat allen Ernstes eine parlamentarische Anfrage zum Thema Chemtrails eingebracht. Darin heißt es, die angeblichen Kondensstreifen von Flugzeugen seien in Wahrheit Chemikalien, von den Flugzeugen würde ionisiertes Bariumsalz und Aluminiumpulver über Österreich verstreut. (Wie jedes Kind weiß, erzeugen diese (wörtlich) ein diffuses elektrisches Feld […] mit energiestarken niedrigen Frequenzen. Wozu hat das Gesundheitsministerium damals die Grippeschutzmasken gekauft? Aluhüte hätts gebraucht! Aluhüte! Es mag beruhigend sein, daß dieser Chemtrails-Verschwörungstheoretiker mit einer Pistole herumläuft. Ich schieße einfach gerne, sagt er.)

Seinen Wahlkampf bestreitet er großteils mit den Phrasen, die er auf NLP-Seminaren gelernt hat. Dazu kommen Drohungen für den Fall seines Sieges (Sie werden sich noch wundern, was alles gehen wird!) sowie Lügen, Lügen und Lügen über seinen Gegenkandidaten. Was für mich aber am allerschlimmsten ist: Hofer lebt, so wie die ihn unterstützende FPÖ, vom Haß. Hofer betreibt bewußt und aus Kalkül die Spaltung des Landes. Statt für Zusammenhalt, Vernunft und gemeinsame Stärke steht er für Konflikte und den unkontrollierten Egoismus einer Ellenbogengesellschaft. Je mehr sich die Menschen gegenseitigig bekämpfen, desto leichter ist es für den autokratischen Machthaber.

Der Gegenkandidat: Alexander Van der Bellen ist Professor für Volkswirtschaft. Das spürt man, wenn er redet: Er hat Ahnung von den Dingen. Er drischt keine leere Phrasen, muß sich nicht auf die rhetorischen Tricks der NLP verlassen.

Im Gegensatz zu Hofer verfügt er über Lebenserfahrung und hat längst erkannt, wie wichtig es ist, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Das mag auch an seiner Familiengeschichte liegen: Die Eltern des kleinen Sascha mußten vor den Bolschewiki zuerst nach Estland, dann nach Deutschland und schließlich nach Wien fliehen. Als die Rote Armee vor der Stadt stand, ging die Flucht weiter nach Tirol. Mit Sicherheit liegt nichts Alexander Van der Bellen ferner als politischer Extremismus à la Hofer und vom Zaun gebrochene gesellschaftliche Konflikte.

Das trägt Früchte: So gut wie alle politischen Kräfte in Österreich haben ihm im Lauf der letzten Wochen ihre Unterstützung zugesichert, von der Katholischen Frauenbewegung bis hin zu den roten Gewerkschaften. Wichtiger noch: Die österreichische Intelligenz steht geschlossen hinter ihm. Wirtschaftstreibende, Künstler, Forscher, Journalisten … Alle erklären offen, Van der Bellen zu wählen - den Kandidaten, der Österreich nicht infrage stellt; der nicht an Chemtrails glaubt; der nicht jederzeit aus Spaß mit der Waffe um sich schießt; der Pluralismus nicht als Gefahr diskreditiert.

Leser aus dem Ausland (die hier mit 61% übrigens in der Mehrheit sind) mögen sich fragen, warum diese Wahl überhaupt stattfindet. Wenn die Aufgabe des Bundespräsidenten ist, die Republik nach außen zu vertreten - wie kann jemand Bundespräsident sein, der diese Republik für eine geschichtswidrige Fiktion hält? Wie kann man ernsthaft ausländische Staatsgäste von jemandem empfangen lassen, der sich dann mit ihnen über Chemtrails und andere Verschwörungstheorien unterhält? Ist die Wahl nicht längst entschieden, wenn alle relevanten gesellschaftlichen Kräfte Van der Bellen unterstützen, niemand aber Norbert Hofer?

Ganz im Gegenteil: Nichts spielt Hofer so sehr in die Hände wie die Unterstützung der (ohnehin nicht sehr dicht gesäten) österreichischen Eliten. Im Gemeindebau, am Arbeitsamt, an den auch tagsüber voll besetzten Stammtischen mit hohem Alkoholkonsum gilt es mittlerweile als Makel, gebildet oder gar intelligent zu sein. Wer sich informiert, wer nachdenkt, wer neugierig bleibt und sich weiterbildet … mit dem will man bei den Verlierern nichts mehr zu tun haben. „Obergscheit“ ist so einer. Norbert Hofer hat das perfekt auf den Punkt gebracht in einer TV-Diskussion. Sie haben die Hautevolee hinter sich und ich die Menschen!”, sagte er dort. Sprich: Wer nach dem Arbeitsamt zum Wirtn geht und sich den Rest des Tages betrinkt, der ist ein Mensch. Wer hingegen ein erfolgreiches Unternehmen führt oder an Universitäten forscht und lehrt, der ist das nicht. (Welches Wort hat man im ideologischen Umfeld der FPÖ für solche Zweibeiner, die doch keine Menschen sind? Und was macht man mit ihnen?)

So funktioniert das in Österreich. Und deshalb hat Norbert Hofer trotz seiner Chemtails, seiner Waffe und seiner großdeutschen Phantasien die besseren Chancen. Er reiht Österreich ein in das neue Osteuropa zwischen Erdoğan, Orbán und Szydło.

ESC 2016: Die Charts und der vierte Sieger

Der Eurovision Song Contest 2016 war vom Ergebnis her deutlich anders als seine Vorgänger. Manche sagen, er hatte drei Sieger: Australien als Jury-Liebling, Russland als Sieger des Publikums und schließlich die Ukraine als kleinster gemeinsamer Nenner.

Seit heute weiß ich: Es sind vier Sieger. Wie schon 2014 und 2015 habe ich mir die European iTunes Song Charts angesehen und die Platzierungen der ESC-Teilnehmer herausgesucht. Große Überraschung Nummer 1: Im Gegensatz zu den Jahren davor liegt keiner der ESC-Songs auf dem ersten Platz. Große Überraschung Nummer 2: Die beste Platzierung kann weder Australien noch Russland noch die Ukraine verbuchen. Es ist der Beitrag aus Schweden („If I Were Sorry“), den die Europäer am häufigsten downloaden. Damit ist Frans der vierte und eigentliche Sieger des ungewöhnlichen Song Contest 2016. (Telefonanrufe hin, Jurys her: Was am Schluß zählt, ist der kommerzielle Erfolg.)

Platz Land Interpret
Song
5 Schweden Frans
„If I Were Sorry“
7 Ukraine Jamala
„1944“
8 Australien Dami Im
„Sound Of Silence“
13 Russland Sergei Lasarew
„You Are The Only One“
18 Frankreich Amir
„J’ai cherché“
29 Spanien Barei
„Say Yay!“
31 Polen Michał Szpak
„Color Of Your Life“
32 Österreich Zoë
„Loin d’ici“
33 Belgien Laura Tesoro
„What’s The Pressure“
34 Bulgarien Poli Genova
„If Love Was A Crime“
44 Italien Francesca Michielin
„No Degree Of Separation“
48 Niederlande Douwe Bob
„Slow Down“
55 Zypern Minus One
„Alter Ego“
67 Vereinigtes Königreich Joe and Jake
„You’re Not Alone“
75 Ungarn Freddie
„Pioneer“
84 Litauen Donny Montell
„I’ve Been Waiting for This Night“
95 Deutschland Jamie-Lee
„Ghost“
110 Israel Hovi Star
„Made Of Stars“
191 Armenien Iveta Mukuchyan
„LoveWave“
212 Tschechien Gabriela Gunčíková
„I Stand“

(Auffällig die schlechten Verkaufszahlen für den armenischen Beitrag, der doch im Televoting so weit vorne lag.)

Überraschend gut schlägt sich Jamalas „1944“, von dem ich geglaubt habe, daß es überhaupt niemand kauft. Auch hier das gleiche Bild wie im Televoting: Es sind die osteuropäischen Staaten, denen sie ihren Charterfolg verdankt. In Russland liegt sie auf Platz 2 der Download-Charts, in einigen westeuropäischen Staaten schafft sie es nicht einmal in die besten 50. (In England: Platz 63; in Italien: Platz 54; in Irland: Platz 45; …)

Einen sehr respektablen 32. Platz gibt’s für Zoës „Loin d’ici“. Vor allem in Estland, Weißrussland und Schweden wird der Song gern gekauft, aber auch die Niederländer laden ihn auffallend oft herunter.

So wie Conchita den Song Contest 2015 für einen erneuten Charterfolg nutzen konnte, läßt „Heroes“ auch für Måns Zelmerlöw wieder die Kassen klingeln: Der Song ist 94 Wochen nach seinem Einstieg in die Download-Charts wieder auf Platz 39. Seine neue Single „Fire In The Rain“ steigt auf Platz 65 neu ein. Mal sehen, ob das noch bergauf geht.

Auch außerhalb Europas können die ESC-Teilnehmer Punkten. Die Reihenfolge ist in etwa die gleiche: Schweden liegt mit „If I Were Sorry“ auf Platz 15, Australien mit „Sound of Silence“ auf 17 und die Ukraine mit dem Siegerlied „1944“ immerhin auf Platz 20 der weltweit am häufigsten heruntergeladenen Songs. (Zoë aus Österreich hats im weltweiten Ranking auf Platz 52 geschafft.)

Ein Loch unterm Baum

Und das macht die kleine Prinzessin, wenn ich zu lange in Wien bin und sie mit meinen Eltern allein lasse:

Sie gräbt Löcher unter die Bäume im Garten.

Ja, es stimmt, die Liebe zu Erdarbeiten hat man bei ihr früher schon gesehen. Damals waren das aber noch einfache Löcher in der Wiese. Jetzt setzt sie am Baumstamm an und gräbt hinunter. Irgendwann wirds heißen: „Baum fällt!“

Sauviech, süßes. 🙂