Warum Hunde nicht auf dem Rücken schlafen

Soviel ich weiß, schlafen Hunde nicht auf dem Rücken. Kurz mal am Rücken liegen, ja. Aber tief und fest einschlafen? Eine ganze Folge von „So denkt Österreich“ lang? Seit ich dieses Wochenende in Linz war, weiß ich auch, warum sie es nicht tun: Es sieht erbärmlich aus. Zum Fremdschämen. Ich hab mich königlich amüsiert. 😉

Meine Mutter hatte sich zum Fernsehen in Kuscheldecken eingewickelt und auf die Couch gelegt. Das Tier, hundemüde, wollte das offenbar auch mal ausprobieren: Reingezwängt also zwischen Frauchen auf der einen und Couch-Lehne auf der anderen Seite, Kopf nach hinten gestreckt und - schnaaarch. Die Kiefer klappen auseinander, die Haxerln finden sich in anatomisch gänzlich unmöglichen Stellungen wieder (Bin ich der einzige, den diese Position der Vorderpfoten an ein Brathendl erinnert?) … von der Geräuschkulisse ganz zu schweigen.

Zur Verteidigung unseres armen Hascherls muß man sagen: Die wenigsten Menschen sehen vorteilhafter aus, wenn man sie im Tiefschlaf fotografiert. Menschen sagen dann aber: „Wenn du dieses Foto nicht sofort löschst …!“ Das kann sie nicht. Tja. 😉

Foodporn für Conny

Ich muß diesen Eintrag schreiben - nur für Conny. Aus gleich zwei Gründen nämlich. Da komm ich gar nicht drum rum.

Wir haben uns neulich erst über die nur ganz leicht dekadente Unsitte unterhalten, daß Leute heutzutage jedes nicht bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Essen zur Heldentat erklären, es 15 Mal fotografieren und ins Internet stellen. Jede Nudel bekommt da ihre eigene Facebook-Fanpage. Hätten meine Mutter, meine Großmütter, die Generationen davor ein ähnliches Gedöns ums gleiche Essen gemacht - die Familie wäre vor hunderten von Jahren schon kläglich verhungert, weil die Dame des Hauses das Aquarell vom Tafelspitz nicht und nicht fertig bekommt. Das war Grund eins. Ich muß jetzt einfach mitmachen im Internet-Nudel-Klub. *LOL*

Grund zwei ist unsere gemeinsame Vorliebe für Falafel, eingebettet in des Fräulein Connys generelle Lust am Tierproduktfreien.

Und das kam dann in meinem Kopf am gestrigen Abend zusammen. (Conny, Du mußt ein ordentliches hıçkırık gehabt haben.) Das Setting: Meine Eltern hatten beschlossen, sich die Nacht im Linzer Bermuda-Dreieck um die Ohren zu schlagen. Ich war zum Hundesitten abkommandiert. Für mein Abendessen war die Küche bestens gerüstet: Käse, Wurst, Pasteten, Semmerl vom Brandl, Avocados, Toast, Schwarzbrot, Essiggurkerl, Streichwurst, Eier, Frankfurter, pikant eingelegte Kirschpapkrika, … Ich hätt mir den Speiszimmertisch auf volle Länge ausziehen und ein Buffet anrichten können. Außerdem gabs noch: Falafel. Spar „Veggie by NENI“-Falafel, um genau zu sein.

„Falafel?“, fragt der Leser jetzt neugierig. Ja, Falafel. Und ja, das paßt so überhaupt nicht in die Vorratshaltung meiner Eltern. Meine Mutter hat das Ding beim Spar gesehen und mitgehen lassen, weil ich irgendwann erzählt hab, daß ich mir im Zug nach Linz ein Falafel-Sandwich servieren hab lassen. Das hat damals eine längere Erklärung meinerseits erfordert (der Versuch mit Sowas wie Hummus, nur als frittierte Bällchen war auch nicht hilfreich) und ist deshalb offenbar in Erinnerung geblieben.

So, und da stand ich nun am Abend mit einer extra für mich gekauften Portion Falafel, die allein schon der Ehre wegen weg mußte. Nur: Wie? Die von meiner Mutter in Unkenntnis des Nahrungsmittels vorgesehene Form des Verzehrs (einfach so, mit nix, ausm Packerl) scheidet bei diesen doch eher trockenen Dingern grundsätzlich aus. Wer die Trümmer vom Spar kennt, der weiß auch: Die sind darüber hinaus ziemlich pikant gewürzt. Nein, es mußte also irgendetwas her, was dem von mir so geschätzten Falafel-Sandwich oder Falafel-Dürüm nahe kommt. Was Frisches dazu. Was Saftiges. Was Gschmeidiges.

Bergbaron, Gorgonzola, Salami und Schinkenwurst blieben daher unangetastet im Kühlschrank. Zum Einsatz kamen ein letzter Rest vom grünen Salat, die eingelegten Kirschpaprika (deren pikante Marinade als Salatdressing herhalten mußte - Zeit verschwendet wird da nicht unnötig) sowie ein paar Löffelchen von der butterweichen Avocado. Falafel-Bällchen in der Mikrowelle warm gemacht: Mjam mjam mjam!

So ganz Conny-kompatibel wars doch nicht. Die Peppersweet-Kirschpaprika sind mit Frischkäse gefüllt. Fürs Foto hab ich sie alle so gelegt, daß man davon nichts sieht und die Frau Conny sich ein veganes Erlebnis zumindest vorstellen kann. Auch bei den Falafelbällchen selbst hab ich nicht auf die Zutatenliste geschaut. Ob da irgendwo tierisches Fett verwendet wurde? Spar Veggie ist vegetarisch, aber nicht zwingend vegan.

Naja, mir wars wurscht. Ich bin ja nicht veg-, weder -etarisch noch -an, mir muß es nur schmecken. Was es getan hat. Und ich hab mich abghaut über den völlig fertigen Hund, der überhaupt nimmermehr begriffen hat, was da jetzt passiert. Sie ist es ja gewohnt, daß ich mal zum Kühlschrank geh und mir einen Marzipankartoffel raushol oder mir ein Wurstbrot mach. Aber: Mehrere Zutaten zusammentun, Salat waschen, Avocado auslöffeln, Falafel warm machen - da hat sogar der Hund bemerkt, daß irgendwas Ungewöhnliches im Gange ist, wenn ich das mach. Schlaues Tier! 🙂

Bit far awell

Neben dem bereits legendären in a few minutes we will arrive St. Pölten haben die ÖBB jetzt einen zweiten Schatz in ihrem Englisch-Büchlein: We bit far awell. Ich hab zwei Anläufe gebraucht um zu verstehen, was gemeint war. (Wenn mans geschrieben vor sich sieht, ist es wahrscheinlich leichter.)

Der König steht vorm Schwabl

Warum er sich nicht reintraut, wissen wir nicht. Jedenfalls steht der einzige Schneemann, den ich diesen Winter gesehen habe, in der Schönbrunner Straße vorm Schwabl. Und er wird wohl der König seiner Art sein. Jedenfalls trägt er eine Krone und kommt sicher vom Schloß Schönbrunn.

König hin oder her: Gut sieht er nicht aus. Ich hab ihn sicherheitshalber fotografiert. Wer weiß, wann der Wettermann die Revolution ansagt. *LOL*

Im Schwabl dann eine rührende Szene: Kurz nach unserem Eintreffen hat ein Mann, der gerade gezahlt hatte, den Kellner mit Lobpreisungen überhäuft. Es sei ihm, so wörtlich, das Herzerl übergegangen vor lauter Freud über das gute Essen. Lange hat er erzählt von den vielen Wiener Restaurants, die er von Berufs wegen besuchen muß und die sich alle für etwas Besseres halten. Quälende Lifestyle-Küche - dabei fehlts an den Grundlagen dort. Beim Schwabl (den er offenbar neu kennengelernt hat heute) wollte er sofort das gesamte Küchenpersonal beglückwünschen: zartestes Fleisch (kann ich bestätigen, hatte ich auch), a richtig guada Saft, a angenehm große Portion, nicht zu viel, vor allem aber auch nicht zu wenig … gehobene Gasthausküche, wie man es kaum mehr kennt. Der Kellner (Herr „Fraaanz with the Jaegermeisters“) schien fast ein bißchen unangenehm berührt, weil die Lobpreisungen gar nicht aufhören wollten. Ich hingegen muß festellen: Recht hatte er. Mein weißes Scherzel und die Prinzregententorte waren beide vom Feinsten, ohne daß nur ein einziges der Worte „an“, „auf“ oder „bei“ auf der Karten gestanden wäre. Kompliment!

Der Abend endete mit einer Folge der auf Agatha Christies „Partners in Crime“ basierenden Serie „Detektei Blunt“. Täter überführt, alles in Ordnung. 😉

Bosheit und Dummheit

Was sich da am rechten Rand unserer Gesellschaft zusammenbraut, ist eine einzigartig gefährliche Mischung von Bösartigkeit und Dummheit. Das läßt sich nirgendwo so schön beobachten wie in den sogenannten „sozialen“ Netzwerken. Zwar konnten mich die Zuckerbergs und Dorseys dieser Welt noch nicht davon überzeugen, mit ihnen Verträge abzuschließen. Ich komme also nicht in die dreckigen Kellerlöcher hinein, in denen sich der rechte Pöbel unbeobachtet fühlt und so richtig zur Sache kommt. Aber: Ich werde hin und wieder auf ganz entsetzliche „Vorfälle“ aufmerksam gemacht, die in öffentlichen Facebook-Gruppen verbreitet und dort -zigtausendfach geteilt werden. Auf diese öffentliche Gruppen kann auch ich zugreifen. Und es wird mir schlecht dabei.

Seit 2015 kämpft ja der Abschaum nicht mehr gegen Homosexuelle, Feministen, die Kirche, die EU, Juden oder Obdachlose. Nein, seit letztem Jahr stecken diese Kreaturen ihre gesamte Engerie in die Hetze gegen den Islam. (Was, ganz nebenbei, zu höchst verwunderlichen Ergebnissen führt: Die gleichen Leute, die gestern noch Obdachlose als Sozialschmarotzer und „Volksschädlinge“ verachtet und ihnen mit Springerstiefeln die Schädel zu Brei getreten haben, sehen in diesen ärmsten Existenzen nun plötzlich die Märtyrer des sogenannten „deutschen Volkes“, Opfer des angeblich für die Verpflegung muslimischer Zuwanderer ausgehöhlten Sozialsystems. Die gleichen Leute, die gestern noch schwule Männer blutig geprügelt und Feministinnen mit Vergewaltigung bedroht haben, kämpfen nun im Namen der Frauen- und Schwulenrechte gegen den Islam. Und sie sind so leer im Kopf, daß ihnen der Widerspruch gar nicht auffällt.)

Diese Konzentration des stumpfen Hasses auf nun nur mehr einen Feind läßt eine völlig neue Art von Propaganda blühen. Weil es nun mal einfach nicht genug Schreckensgeschichten über Moslems gibt, mit denen man seinen heiligen Krieg rechtfertigen könnte, werden diese (mal mehr, mal weniger kunstvoll) auf dem Reißbrett konstruiert. Da sitzen Menschen am PC, die offenbar nichts anderes zu tun haben, als Raubersgschichten zu erfinden. Zu Hilfe kommen ihnen dabei die freie Verfügbarkeit unendlich vieler Fotos und Videos im Internet sowie die guten Ergebnisse, die man auch schon mit einfacher Bild- und Videobearbeitung am PC erzielt. Keine Geschichte ist zu unglaubwürdig, um erfolgreich verbreitet zu werden:

  • Die Kärntnerin, die von einem muslimischen Asylwerber überfallen und beraubt wurde;
  • Die muslimische Familie, die in einem Streichelzoo vor den Augen der entsetzten Besucher Ziegen geschlachtet und gleich gegessen haben;
  • Ebenfalls muslimische Flüchtlinge, die Pferde am Reiterhof verspeisten;
  • Die vor Freude über die Pariser Anschläge jubelnden und feiernden Moslems in London;
  • Die tagelange Gruppenvergewaltigung eines deutschen Mädchens durch muslimische Jugendliche;
  • Die systematische Kündigung von Mietern, um Platz für muslimische Flüchtlinge zu machen;
  • Die Aufforderung an Mieter städtischer Gemeindebauten, in ihren Wohnungen kein Schweinefleisch mehr zuzubereiten, um die religiösen Gefühle muslimischer Nachbarn nicht zu verletzen;
  • Die Demonstrationen von muslimischen Flüchtlingen mit Plakaten, auf denen sie „Frauen zum Ficken“ in ihren Unterkünften fordern;
  • Die Behauptung, muslimische Flüchtlinge würden (deutsche Variante) in Supermärkten über ein geheimes Gutscheinsystem gratis einkaufen oder (österreichische Variante) über eine geheime Aktion der Caritas in jedem Elektrogeschäft kostenlose Smartphones erhalten;
  • Die regelmäßige Veröffentlichung von Fotos beliebiger muslimischer Menschen aus unseren Städten gemeinsam mit Fotos von IS-Terroristen, die als „Beweis“ gelten, daß es sich bei den zwei abgebildeten Menschen um die gleiche Person handelt (immerhin sehen ja beide südländisch aus, nicht wahr?);
  • Die -zigtrillionen Euro, die jeder Moslem (egal ob Flüchtling oder nicht) aus den Sozialsystem schöpft, während der arbeitslose FPÖ-Wähler von seiner eigenen Hände Arbeit - äh, ja, also zumindest viel, viel weniger bekommt;
  • Wegen der Moslems hat nicht nur der Nikolo Hausverbot in unseren Kindergärten, nein, man entläßt auch jede Kindergärtnerin, die den Kindern von Weihnachten erzählt.
  • Immer wieder: Jedes einzelne Fotos einer verprügelten Frau, das jemals im Internet veröffentlicht wurde, zeigt jetzt plötzlich eine „von einer Gruppe Moslems vergewaltigte und mißhandelte Deutsche“.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Ich habe nur die Beispiel aufgeführt, auf die ich persönlich aufmerksam gemacht wurde und bei denen sich sehr schnell herausgestellt hat, daß sie einfach frei erfunden sind. (Wenn auf einem Foto von einer Demonstration die Transparente „weißer als weiß“ erscheinen und die in Comic Sans „aufgemalten“ Sprüche nicht dem Faltenwurf dieser Transparente folgen, hat man eigentlich genug gesehen.)

Die eine Frage ist: Was sind das für kranke, haßerfüllte Menschen, die sich solche Dinge ausdenken und dann extra noch passende Bilder und Videos fälschen? Sind das wirklich nur ein paar Verrückte, die vergessen haben, ihre Medizin zu nehmen? Oder steckt dahinter das bösartige Kalkül einer politischen Bewegung, die die Wählerschaft so lange durch Hetze und Lügen in den Extremismus treiben will, bis sie eine reelle Chance auf die Macht im Land hat? Ich glaube (leider) an Letzteres. Der plötzliche gemeinsame Schwenk, das orchestrierte Vorgehen in dieser Sache, das ist kein zufälliges Zusammenspiel einiger Deppen. Da haben sich einige sehr bösartige Menschen schon was überlegt dabei. In welchen Parteizentralen die sitzen (AfD? NPD? FPÖ? …?), darüber kann man spekulieren. Sicher ist nur, daß der Trick hat schon einmal funktioniert hat: Jörg Haider hat seine FPÖ von 5% auf 27% gebracht, indem er einfach nur einen zuvor nicht existierenden Haß gegen Ausländer zuerst erzeugt und ihn danach instrumentalisiert hat. Er hatte kein darüber hinaus gehendes politisches Programm. Seine Strategie war die Spaltung der Gesellschaft und der offen zur Schau gestellte Haß, sein Ziel die persönliche Macht. Wir befinden uns auch jetzt wieder in der ersten Phase von Haiders Strategie: Haß säen, wo keiner war. Muslime verunglimpfen, die seit 50 Jahren friedlich unter uns leben, unsere Kollegen und Freunde sind. Der zweite Schritt wird wieder gelingen: Die Gesellschaft tief zu spalten und den Haß in Wählerstimmen umzuwandeln.

Daneben stellt sich natürlich die andere Frage nach dem Geisteszustand jener, die diese Falschmeldungen glauben, „liken“ und an ihre 2.865 engsten Facebook-Freunde weiterleiten, sodaß sich die Gerüchte schneller verbreiten, als der Staatsanwalt den PC einschalten. Das ist nämlich genau das Pack, das jede recherchierende und medienrechtlich verantwortliche Redaktion als „Lügenpresse“ bezeichnet. Wenn dann aber auf Facebook quasi als Quellenangabe steht, daß „meine Arbeitskollegin diese Geschichte von einer Nachbarin erzählt bekommen hat, deren Freund Polizist ist“, dann wird das zur unumstößlichen, in Stein gemeißelten Wahrheit. Immerhin „will ja auch dieser Polizist nicht namentlich genannt werden, weil er damit seinen Job riskieren würde“. Wenn dann auch noch sowohl die Pressestelle der Polizei als auch die „Lügenpressehaltdiefresse“ übereinstimmend berichten, daß das Gerücht frei erfunden ist - na hallo!? Was mehr will man denn noch als endgültigen Beweis, daß es eben doch stimmt?

Man kann diesen Menschen nicht in erster Linie vorwerfen, daß sie ein verqueres, von Angst und Haß zerfressenes Weltbild haben, wenn sie sich ausschließlich über die einschlägigen Facebook-Gruppen mit diesen Falschmeldungen informieren. Man kann ihnen aber sehr wohl vorwerfen, daß sie sich ausschließlich über diese Kanäle informieren und völlig unkritisch alles glauben, was ihnen dort vorgesetzt wird - auch wenn es noch so offensichtlich gefälscht ist. Natürlich sind auch ORF, Kronen Zeitung die Wiener Bezirksblätter nicht immer nur die Horte der Wahrheit und des objektiven Journalismus. Aber mehr gelogen als auf Facebook wird dort sicher nicht … und informiert ist nur, wer eine Geschichte von möglichst vielen Seiten erzählt bekommen hat. Informiert sein wollen die Facebook-Fans von Pegida, FPÖ, AfD, den Identitären, NPD, etc. aber wahrscheinlich gar nicht. Das macht nicht so viel Spaß wie sich als Meute gemeinsam stark zu fühlen.

Dummheit ist gefährlich. Bösartigkeit ist gefährlich. In den „sozialen“ Netzwerken verschmelzen beide zu einer bestialisch stinkenden Bühe, aus dem die rechten Feinde unserer seit nunmehr 70 Jahren doch recht friedlichen Gesellschaft die Kraft zu neuer Gewalt und Zerstörung schöpfen. Es wäre höchst an der Zeit, hier energisch einzuschreiten.

SSH aufs Ubuntu Phone

Am Jolla ist es eine einfache Übung: In der Systemsteuerung den Entwicklermodus aktivieren, das Häkchen beim Remotezugriff setzen, dort gleich ein Passwort eingeben - fertig. Der SSH-Zugriff ist sofort mit dem gewählten Passwort möglich, zusätzlich wird automatisch das Terminal installiert.

Mit einem Ubuntu Phone (hier getestet mit Ubuntu 15.04) ist das alles ein bißchen komplizierter und will erst durchschaut werden: Diverse Anleitungen im Web beziehen sich nämich auf frühere Versionen des Betriebssystems und sind nicht mehr gültig.

Bei mir haben folgende Schritte zum Erfolg geführt. Ich notier sie mir hier, falls ich sie wieder einmal brauch:

  1. Auch bei Ubuntu muß man in der Systemsteuerung den Entwicklermodus aktivieren. Der verlangt allerdings, daß man das Telefon insgesamt mit einer PIN oder einem Passwort sichert. Heißt für mich: Ab sofort bei jedem „Aufwecken“ des Geräts eine PIN eingeben.
  2. Das Terminal-Programm aus dem Ubuntu-Store manuell installieren. Das Terminal verlangt ein Passwort auch für den Standarduser „phablet“ - wenig überraschend ist das die PIN, die ich bei der Freischaltung des Entwicklermodus gewählt habe.
  3. Im Terminal sudo service ssh start eintippen. („service“ ist ein Ubuntu-spezifischer Befehl, der sowohl Upstart-Jobs als auch System V Init Scripts kontrolliert.)
  4. Sich wundern, warum trotzdem nichts funktioniert und der SSH-Daemon nach dem nächsten Neustart wieder deaktiviert ist.
  5. Langsam verstehen, daß die Entwickler von Ubuntu nicht die reguläre Konfiguration des SSH-Daemons starten, sondern über die Datei /etc/init/ssh.override eine Version, die sich nie automatisch startet und kein Login per Username/Passwort zuläßt.
  6. Den öffentlichen Schlüssel aus dem SSH-Verzeichnis meines PCs auf das Handy kopieren (in die Datei /home/phablet/.ssh/authorized_keys).
  7. SSH verwenden und vorläufig akzeptieren, daß der Daemon nach jedem Neustart des Telefons von der Kommandozeile gestartet werden muß.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich /etc/init/ssh.override gefahrlos löschen kann, sodaß stattdessen die reguläre /etc/init/ssh verwendet wird. Dazu kenne ich weder Upstart gut genug noch weiß ich, wie Ubuntu bei Systemupdates mit solchen Dingen umgeht. Zu 90% wird das funktionieren und ich nehme an, daß SSH dann immer automatisch startet und auch ein Login mit Username/Passwort akzeptiert.

Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich alles verstanden habe, was ich da tu. Ginge es eventuell auch ohne Entwicklermodus? Könnte man auch ohne Löschen von Dateien Ubuntu dazu bringen, sshd automatisch zu starten? Ist im Prinzip egal, ich habe einen Weg gefunden, der für mich funktioniert. Und man muß sich ja selbst die Chance geben, morgen nochmal ein bißchen klüger zu werden. 🙂

Nicht ganz zum Thema SSH, aber irgendwie zum Thema Terminal-Zugriff paßt die Sache mit dem root-Passwort: Irgendwie haben die alten Tricks vom Desktop nicht funktioniert. Ich kann für den User root kein Passwort setzen. Man kommt trotzdem in eine root Shell, indem man einfach sudo bash eingibt. Solangs funktioniert …

Mein Ubuntu Phone: BQ Aquaris E5 HD

Der Jahresbeginn ist ja traditionell die Zeit, in der ein bißchen Geld übrig bleibt. Man geht also kurz nach Spanien shoppen und kauft sich bei BQ ein Aquaris E5 HD in der „Ubuntu Edition“. Heute - gleichzeitig also mit dem neuen Jolla Update - hab ich es bekommen. Smartphone-Stress! 🙂

(Nettes Detail am Rande: Der Paketdienst hat beschlossen, das Päckchen für mich in einem Geschäft zu hinterlegen, das „Sportnahrung“ für Fettverbrennung, Muskelaufbau und einen höheren Testosteronspiegel verkauft. Ich werde zu diesem Handy nie ein unverkrampftes Verhältnis aufbauen können. *gg*)

Es ging mir dabei nicht so sehr ums Telefon an sich. (Das nämlich hat einige unverständliche Schwächen - kein LTE zum Beispiel.) Wichtiger war mir, endlich einmal das neben SailfishOS zweite freie Betriebssystem am Markt ausprobieren, Ubuntu Phone nämlich. Dieses OS ist bei seiner ersten kommerziellen Vorstellung im Februar 2015 von der Fachpresse sehr zurückhaltend aufgenommen worden. Damals hat aber eigentlich jeder darauf hingewiesen, daß die verhältnismäßig schwache Hardware des BQ 4.5 mit verantwortlich sein dürfte für den eher mauen Eindruck, den das System hinterlassen hat.

Ein Jahr später: Ein kurzfristig von Meizu angebotenes Ubuntu-Handy ist nicht mehr regulär verfügbar. BQ hat mit dem Nachfolgemodell des E 4.5, dem E 5, aber ein Gerät am Markt, bei dem Preis und Rechenleistung stimmen. (Der Preis vor allem dann, wenn man es eigentlich nicht verwenden, sondern nur damit spielen will.)

Tja. Und während mein Jolla sein Update herunterlädt und installiert, spiele ich mich erstmals mit Ubuntu auf einem Smartphone. Testbericht kann das hier natürlich keiner werden. Ich hab einfach nur ein bißchen rumgeklickt, mal hier reingeschaut, mal dort. Ich hab nichts, was mir nicht auf den ersten Blick klar war, im Internet zu erforschen versucht. Ich war einfach nur das kleine Kind vor dem Touchscreen. Ein paar Eindrücke habe ich trotzdem - und sie sind allesamt negativ. Das ist völlig normal und immer so, wenn ich mit einem völlig neuen Betriebssystem konfrontiert werde. Es stoßen einem halt zunächst die Dinge auf, die nicht so funktionieren wie gewohnt. Weil das aber vielleicht allen so geht, halte ich es für nicht ganz unsinnig, diese ersten Stolpersteine auch zu dokumentieren:

  • Das User Interface ist sehr viel bunter und verspielter, als ich es vom Jolla gewohnt bin. Es hat was von Android. Andererseits gibt es aber dort, wo es möglich ist, durchaus Ähnlichkeiten mit dem Ubuntu, das ich am Desktop laufen habe. Ein klein bißchen Vertrautheit ist gar nicht so übel.
  • Die Steuerung geht mir noch nicht so leicht von der Hand, wie ich es erhofft hätte. Links blende ich eine Leiste mit den wichtigsten Programmen ein - sieht aus wie am Ubuntu Desktop. Von rechts „wische“ ich die offenen Programme ins Bild. Die sind allerdings in einem hübschen 3D-Effekt hintereinander geschachtelt. Das sieht gut aus, macht es aber schwer, ein geöffnetes Programm zielsicher anzunavigieren. Der Hauptscreen ist mit etwas zugepolstert, was sich „Scopes“ nennt. Eine gute Idee im Prinzip, aber noch unausgegoren. Zu unausgegoren für den prominenten Platz in der Mitte des User Interface. Trotzdem: Das werd ich lernen, an der Bedienung wirds nicht scheitern.
  • Laut Papierform müßte das E5 deutlich schneller arbeiten als das betagte Jolla Phone. Wahrscheinlich tut es das sogar, objektiv gesehen. Trotzdem hab ich sehr häufig das Gefühl, daß das Handy jetzt gerade einfriert und gar nichts mehr tut. Das mag daran liegen, daß Ubuntu gerade in den „Scopes“ sehr viel Inhalt aus dem Netz hereinholt. Das mag auch daran liegen, daß Jolla im SailfishOS viele Nachdenkpausen hinter kleinen Animationen versteckt. Egal wie’s ist: Es wirkt so, als würde das Telefon mit dem Ubuntu-Betriebssystem deutlich stärker ruckeln.
  • Etwas überraschend war für mich der Mangel an Applikationen. Immerhin brüstet sich Ubuntu damit, eine sehr große Entwickler-Community zu haben. Im Vergleich zum Jolla-Phone fehlt natürlich die Android-Kompatibilität. A1 TV, Mein A1, die neue ÖBB-App, Babbel, BAWAG Telebanking … Das darf man natürlich gar nicht erst erwarten. Daß es aber kein Mail-Programm gibt, macht einen dann schon sprachlos. (Stimmt nicht ganz: Im Ubuntu Store hab ich ein als „Betaversion“ bezeichnetes Programm gefunden, in dessen Beschreibung steht: Ist in Entwicklung, Abstürze und sonstige Fehler sind zu erwarten. Will ich das auf meinen Mail-Account loslassen?) Auch andere Dinge kommen zumindest nicht von Ubuntu selbst: PDF-Ansicht, Office-Betrachter, Kalender, XMPP-Chat oder Exchange-Support … nichts. Vielleicht findet man etwas im Store, ich habs nicht ausprobiert.
  • Ich habe keine Möglichkeit gefunden, Autovervollständigung oder Korrekturvorschläge für die Tastatur zu aktivieren.

Was es allerdings gibt: ein Terminal. Das hab ich bereits installiert. Und ich hab mit Beruhigung festgestellt, daß auch eine SSH-Verbindung vom Desktop aufs Handy möglich sein soll. Das probier ich morgen aus. Damit bin ich dann glücklich. Die wahre Kraft eines Smartphones liegt ja unter dem User Interface, auf der Kommandozeile. 🙂

Jolla: Taalojärvi mit Regenbogen

Taalojärvi ist ein See, der gut 12 Autostunden nördlich von Helsinki liegt. Sehr nördlich. Von Taalojärvi aus gesehen ist der Polarkreis der sonnige Süden.

Taalojärvi ist auch der Codename der heute im „Early Access“-Programm veröffentlichten Version 2.0.1.7 des Sailfish-Betriebssystems von Jolla. Es ist das erste Update seit Oktober 2015, das erste Lebenszeichen nach den finanziellen Problemen, die dem Unternehmen ein Pause aufgezwungen haben. Das Foto mit dem Regenbogen, das das Update ankündigt, wurde wahrscheinlich nicht ganz ohne Grund ausgewählt.

In einem wie immer sehr ausführlichen Changelog führt Jolla knapp 500 Änderungen in etwas mehr als 100 Paketen auf. Diesmal sind es in erster Linie Fehlerbehebungen sowie (Sicherheits-)Updates aus den Upstream-Projekten. (Erfreulich, wenn so etwas auch noch 2016 für ein Telefon passiert, das 2013 auf den Markt gebracht wurde. Wann habe ich eigentlich das letzte Betriebssystem-Update für mein Samsung Handy erhalten?)

Was ist tatsächlich neu (und auch für mich irgendwie relevant)?

  • Die Android-Emulation wurde noch tiefer ins System integriert. Android-Programme können nun z.B. SMS-Nachrichten verschicken, was manche tun, um sich irgendwo zu registrieren. Die Multimedia-Steuerung am Lock-Screen funktioniert auch, wenn Android-Programme Musik wiedergeben. Außerdem „sehen“ Android-Programme nun auch die im Sailfish-Betriebssystem eingerichteten Konten, wenn es darum geht, Inhalte zu teilen.
  • Das Adreßbuch zeigt jetzt zu jedem Eintrag eine Liste der letzten Kontakte (bzw. Kontaktversuche) mit der jeweiligen Person an.
  • Die mit dem letzten Update neu hinzugekommenen Shortcuts am Event Screen lassen sich jetzt besser konfigurieren. (Das war im Oktober-Update nicht so glücklich gelöst.)
  • Verdeckte Eingabefelder für Passwörter kann man nun sichtbar machen. Keine unbemerkten Tippfehler mehr beim Eingeben eines WLAN-Schlüssels.
  • Mehr aus ideologischen Gründen interessant: Wer zur Installation von Programmen auf den Jolla-Store verzichten möchte und sich nur bei fremden Repositories bedient, der braucht auch keinen Jolla-Account dafür. (Ich gehe davon aus, daß ein Jolla-Account aber spätestens dann wieder nötig wird, wenn ein System-Update installiert werden soll.)

Außerdem wurden wieder neue Konto-Typen (z.B. Dropbox) eingeführt, die aber allesamt zu proprietären Services gehören und mich daher nicht so brennend interessieren.

In Summe eine schöne Überraschung, die mich da heute aus Finnland erreicht hat. Wenn keine zu groben Fehler auftreten bei den Kunden, die diese Version jetzt vorab installieren, wird sie in einigen Wochen allen Kunden zur Verfügung gestellt.

Köln: FPÖ 2015 für Straflosigkeit

Ein interessanter Aspekt der Silvesternacht in Köln ist, daß sie auch (und wieder einmal) den rechten Rand entlarvt. Wo andere politische Kräfte feste Grundsätze haben, gibt es bei FPÖ und Co. nur Populismus, plötzliche Richtungswechsel - und einen auffallenden Mangel an Erinnerungsvermögen der „besorgten Bürger“, der wahrscheinlich dem Wodka geschuldet ist. Ginge es nämlich nach dem, wofür die FPÖ noch vor gut einem halben Jahr öffentlich gekämpft hat, müßten die Sex-Täter von Köln großteils straffrei bleiben. Genau das könnte jetzt in Deutschland passieren:

Dummerweise hat sich nämlich die Ausforschung zumindest einiger Täter einfacher gestaltet, als die Öffentlichkeit es zunächst vermutet hatte. Nun diskutieren diejenigen, die sich mit solchen Verfahren auskennen, die Mühen der Ebene. Man wird ja bei Gericht nicht verurteilt, weil man wahrscheinlich in einer Gruppe gestanden ist, deren andere Mitglieder etwas getan haben, was die Zeitungen aufregt. Zum einen muß hinreichend bewiesen werden, daß der von der Polizei eingesammelte Verdächtige auch tatsächlich der Täter ist, den das Opfer erkannt zu haben glaubt. Soweit ist das gerichtlicher Alltag. Zum anderen aber muß überhaupt strafbar sein, was die Opfer als Angriff empfunden und worüber sich hunderttausende Facebook-User empört haben. Und in diesem zweiten Punkt wirds nun spannend:

Soweit es zu Diebstahl gekommen ist - kein Problem. Einige Vergewaltigungen wurden angezeigt - auch die sind mit Sicherheit strafrechtlich relevant. Wer an Köln denkt, hat aber nicht die gestohlene Handtasche im Kopf, sondern die sexuelle Erniedrigung. Frauen schilderten einen Spießrutenlauf durch eine Menge, aus der heraus sie an den Brüsten, Schenkeln, am Gesäß und auch unter dem Rock begrapscht wurden. Und hier melden sich nun Stimmen zu Wort, die sagen: Eigentlich wissen wir nicht so genau, was das im deutschen Strafrecht ist. In einem Interview mit der Zeit sagt der Kölner Rechtsanwalt Nikolaos Gazeas zu diesem Thema:

Ein Greifen an die bekleidete Brust oder in den Intimbereich kann den Tatbestand der sexuellen Nötigung erfüllen. Voraussetzung ist allerdings, so definiert es das Gesetz, dass diese Handlung „von einiger Erheblichkeit“ ist. Wann diese Grenze überschritten wird, ist immer eine Wertungsfrage und abhängig vom Einzelfall. Gerichte haben schon entschieden, dass eine Berührung des Vaginalbereichs oder der Brust über der Kleidung nicht darunter fällt.

Offenbar steht Gazeas mit dieser Einschätzung des Sexualstrafrechts nicht allein. Auch die deutsche Bundesregierung hat als unmittelbare Reaktion auf die Silvesternacht eine Verschärfung des Sexualstrafrechts angekündigt. Die Herrschaften werden wissen, warum … Für die Täter von Köln ändert das nichts, das Strafgesetz kann ja nicht rückwirkend verschärft werden.

Durchaus möglich also (nach deutscher Rechtslage), daß ein Täter der Silvesterübergriffe straffrei bleibt, sofern ihm „nur“ das Grapschen, nicht aber ein Diebstahl oder ein schwereres Sexualdelikt nachgewiesen werden können.

Und nun der Schwenk auf Österreich, die FPÖ und ihre Anhänger:

Die Rechtslage ist bei uns nämlich anders - wenn auch erst seit genau dieser Silvesternacht. Der neue §218 Abs.1a StGB (vulgo „Grapsch-Paragraph“) bestraft genau diese Art von Übergriffen. Er war im ersten Halbjahr 2015 Anlaß erbitterter Wortgefechte zwischen den Reichshälften … Auf der einen Seite die, die immer schon den Schutz der Frau vor sexuellen Übergriffen vertreten haben. Auf der anderen Seite jene, denen dieser Schutz egal ist, die dieses Thema seit Jahrzehnten ins Lächerliche zu ziehen versuchen, aber genau mit 1.1.2016 einen 180°-Schwenk hingelegt haben. Erst durch die Resonanz, die Köln auf Facebook gefunden hat, haben FPÖ und Co. erkannt, daß man auch aus dem Bild der von Ausländern geschundenen deutschen Frau politisches Kapital schlagen kann. (Es glaubt ja niemand ernsthaft, daß der rechte Mob die gleiche Begeisterung für Frauenrechte an den Tag legt, wenn die Freiwillige Feuerwehr von Unterhinterneusiedl im Dorfwirtshaus den Kellnerinnen unter den Rock greift.)

Äußerungen aus der politischen Diskusssion von damals:

FPÖ-Chef Strache in der ORF Pressestunde: Auch mir ist schon sexuelle Belästigung passiert. […] In der Regel sagt man dann sehr klar und deutlich, dass man das nicht wünscht. Dann hat man in der Regel auch eine Ruhe. Ein neues Gesetz brauche es nicht. (Erinnert das jemanden an „eine Armlänge“?)

MMag. Dr. Wilfried Grießer, FPÖ-Kandidat zur Mödlinger Gemeinderatswahl 2015, in seiner Stellungnahme zum Strafrechtsänderungsgesetz 2015, durch das der oben erwähnte „Grapsch-Paragraph“ eingeführt wurde: Auf daß der Mann sich als Mann setzt, muß er die Frau zum Ding bzw. zur „Ware“ herabsetzen, um jene Libido zu generieren, die die Frau auch fordert und genießt. Mitunter lieben es Frauen nachgerade, von einem ,wildgewordenen’ Penis „überfallen“ zu werden; und hierzu die Zustimmung einzuholen, weil die Frau als das personale Wesen genommen ist, wäre genau der Verlust dieses Reizes. (Die FPÖ legt aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen immer wieder Wert auf die Feststellung, daß Dr. Grießer kein Mitglied der Partei ist. Was sie nicht daran gehindert hat, ihn für sich kandidieren zu lassen.)

Entsprechend machohaft waren die Wortmeldungen aus dem rechten Lager dann auch im Internet. Im besten Fall wurde das Thema als unnötige Zeitverschwendung belächelt (Während die einen über Po-Grapschen […] nachdenken, hat sich die FPÖ schon immer der Themen angenommen, welche die Bürger wirklich bewegen), viel öfter aber offen gegen den Schutz der Frauen Stimmung gemacht. Der eine wollte seine langjährige Frau durch eine solche Grapschattacke kennengelernt haben; für den anderen war der lässige Griff auf Busen und Po im Vorbeigehen Teil unserer (v.a. ländlichen) Kultur; für die meisten waren die Befürworter der Strafrechtsreform ohnehin nur häßliche Zicken, die neidig waren, weil sie selbst nicht angerührt wurden.

Wenig überraschend wurde der Schutz vor dem Grapschen dann am 8.7.2015 auch ohne die Stimmen der FPÖ beschlossen.

Durchaus überraschend ist, wie sehr die gleiche FPÖ und die gleichen rechtsextremen Spinner sich jetzt, nur ein halbes Jahr später, buchstäblich über Nacht zu Schutzheiligen begrapschter Busen entwickelt haben. Für mich gibt es dafür nur die zu Beginn aufgeführten Erklärungen: Der Wodka hat jede Erinnerung an die 6 Monate zurückliegenden eigenen Wortmeldungen vernichtet; mangels politischer Überzeugung gibt es bei denen, die sich noch erinnern können, keinen Grund, die damalige Linie beizubehalten; außerdem springt man aus blankem Populismus auf jedes Thema auf, das billige Quote bringt - ganz egal, was inhaltlich eigentlich dahinter steht. Merkt eh keiner.

Nicht vergessen also: Wenn ein Täter von Köln straffrei bleibt, weil das deutsche Gericht in seinem „Unter den Rock grapschen“ keine für den Tatbestand der sexuellen Nötigung ausreichende Intensität erkennt, dann geschieht das aufgrund einer Gesetzeslücke, für deren Fortbestand die FPÖ sich 2015 auch in Österreich eingesetzt hat.

Fedora: Endlich ohne Windows in Linz

Vorgenommen hatte ichs mir schon 100.000 Mal: Dem unsäglichen Windows 7 am Rechner meiner Eltern in Linz wollte ich entkommen, indem ich eine dieser praktischen GNU/Linux-Distributionen auf einen USB-Stick spiele und den Computer von dort boote. Gemacht hab ichs ewig lang nicht … immer war etwas anderes wichtiger.

Während der Weihnachtsfeiertage war endlich genug Zeit, einen ausreichend großen USB-Stick hatte ich auch dabei, also entschied ich mich nach kurzer Recherche für Fedora. Hauptkriterium für die Entscheidung war, daß Fedora eine sehr aktuelle Version des Gnome-Desktops mitbringt, in dessen schlichte Eleganz und Einfachheit ich mich schon lange verliebt habe. 🙂

Long story short: Ich genieße hier in Linz jetzt ein neues, einfach zu bedienendes (und für mich: gewohntes) Betriebssystem, ohne auch nur ein Bit auf der Festplatte verändert zu haben. USB-Stick raus und keiner hats gemerkt. Die üblichen Nachteile des Betriebssystems am Wechselmedium (vor allem die längere Boot-Zeit und die leicht gebremste Geschwindigkeit) nimmt man für das stark verbesserte Benutzererlebnis gern in Kauf. Keine -zigtausend kleinen Programmsymbole mehr in verschachtelten Menüs; kein vollgemüllter Desktop; keine unverständlichen Ordnerstrukturen; keine seltsamen Programme, die sich ungefragt für bestimmte Dateitypen zuständig erklären; keine aufdringlichen Mitteilungen, Fehlermeldungen und Warnungen am rechten unteren Bildschirmrand … stattdessen ein Betriebssystem, das einfach die Schnauze hält und mich machen läßt. Sweet!

Einziger Schönheitsfehler ist der hier beschriebene „Stolperer“ beim Hochfahren des Systems. Offenbar kümmert sich schon seit einigen Monaten niemand mehr um die Aktualisierung des Live-Installers. Wer das Problem aber kennt, kommt leicht drum rum.