Die Wahlergebnisse in Oberösterreich: Bildung, anyone?

Oberösterreich hat gewählt. Unverständlich die zur Schau getragene Enttäuschung und Erschütterung allerorten: Kaum jemals zuvor waren Umfragen vor der Wahl so treffsicher. Man hätt sich drauf einstellen können: Seit ungefähr Anfang September sagen OGM, Gallup, GMK, Market, Spectra, Unique Research und wie sie alle heißen ziemlich einhellig dieses Ergebnis voraus. (Vielleicht wollte mans nicht glauben, aber das ist eine andere Geschichte.)

Wieder einmal wird diese Wahl zum Lehrstück darüber, worans in erster Linie mangelt in unserer Gesellschaft. Aber beginnen wir mit dem Positiven:

  • Es kommt nach zwölf Jahren zu einem Wechsel an der Spitze, die alte „Koalition“ (das Wort ist aufgrund des Proporzsystems in Oberösterreich eigentlich unangebracht) geht sich rechnerisch nicht mehr aus. Man kann zum schwarz/grünen „Arbeitsübereinkommen“ inhaltlich stehen, wie man will, aber es existiert in dieser Form seit 2003. Zum Vergleich: Auf Bundesebene wurde damals die Regierung Schüssel II angelobt. In einer Demokratie darf sich ruhig mal was ändern.
  • Die wirtschaftsliberalen NEOS scheitern - wie zuvor schon im Burgenland und in der Steiermark. Die Wähler verstehen offenbar immer weniger, wozu dieser 80er-Jahre-Thatcherismus noch gut sein soll. (Besonders widerwärtig: Sowohl in Oberösterreich als auch im laufenden Wiener Wahlkampf haben die NEOS versucht, durch „erfolgsabhängige Inseratenpreise“ die redaktionelle Berichterstattung der Medien zu manipulieren. Je besser das Wahlergebnis, desto höher die nachträgliche Bonuszahlung fürs Inserat.)
  • Die Grünen haben nicht nur zum zweiten Mal in Folge dazugewonnen (was für eine Regierungspartei eher ungewöhnlich ist), es wurde auch ihre Politik belohnt: Unter den häufigsten Wahlmotiven findet sich die bisher beste Arbeit und die beste Vorschläge für die Zukunft Oberösterreichs.

Wie siehts nun auf der negativen Seite aus? Was hab ich zu bemängeln?

  • 96% der FPÖ-Wähler wählten die blauen Pöbler, weil sie ihnen die beste Kompetenz in der Flüchtlingssituation attestierten. Mich schreckt dabei jetzt nicht in erster Linie, daß jemand die Linie der FPÖ für die beste bei diesem Thema hält. Mich schreckt, daß jemand das zur Grundlage seiner Wahlentscheidung bei einer Landtagswahl macht, bei der die politischen Weichen für die nächsten sechs Jahre gestellt werden. Der oberösterreichische Landtag kann weder das Asylrecht verschärfen noch die von freiheitlichen Wählern vielleicht gewünschten Grenzkontrollen im Osten und Süden der Republik durchsetzen. Der Landtag darf Themengebiete wie Jugendschutz, Kindergärten, Naturschutz, Raumplanung, Abfallbeseitigung, Fischerei sowie Schischul- und Bergführerwesen regeln. Was denken sich die Leute dabei? Waren die nie in der Schule?

Das wars dann auch schon. Natürlich ist es nicht schön, wenn eine Partei ihre Stimmenanzahl verdoppelt, deren Wahlkampf nur aus Lügen und Hetze besteht. Viel schlimmer aber finde ich, daß es Menschen gibt, die ihr Wahlrecht so sorglos wegwerfen und tatsächlich auf diese „Wirtshauskompetenz“ hereinfallen. Ich sags gern, daher sag ichs oft: Das Wahlrecht ist verbunden mit der Pflicht, sich zu informieren. Nicht jene Partei darf gewählt werden, deren Wahlkampf die größte Hetz ist und deren Schlachtreden einen das eigene Versagen im Leben als die Schuld anderer erscheinen lassen. Gewählt werden soll, wer in der letzten Legislaturperiode besonders konstruktiv aufgefallen ist und sich für die kommenden Jahre die sinnvollsten Konzepte ausgedacht hat.

Voraussetzung dafür ist, daß man über ein Minimum an Bildung verfügt - und daß in den Bildungsinstitutionen möglichst früh und flächig die Grundzüge des politischen Systems in Österreich gelehrt werden. Es darf einfach nicht passieren, daß jemand die in österreichische Pflichtschulausbildung absolviert und die Kompetenzen der Gebietskörperschaften nicht zumindest ungefähr kennt. Die Sache mit Oberösterreich und dem Flüchtlingsthema ist ja kein Einzelfall: Ich habe im Internet Wahlempfehlungen für den Wiener Gemeinderat (und sogar für den den Nationalrat!) gelesen, weil ein Bezirk irgendwo eine Bodenmarkierung auf der Straße anbringen hat lassen und sich jemand fürchterlich darüber geärgert hat. Das ist an sich schon himmelschreiender Unfug, wird aber endgültig zum Kasperltheater, wenn Bezirk, Gemeinderat und Nationalrat politisch unterschiedlich besetzt sind und man aus Ärger über die Bodenmarkierung just jene Partei für den Gemeinderat wählt, die sie auf Bezirksebene beschlossen hat.

Und daran scheiterts: an der Bildung. Kein Hauptschüler geht in Wien ins Berufsleben mit dem Wissen, was im Rathaus beschlossen wird und was in der Bezirksvertretung. Kein Lehrling in Oberösterreich weiß, welche Kompetenzen der Landtag hat. (Und wenn sie’s wissen, dann aus dem Internet und nicht aus der Schule.) Nicht einmal für einen AHS-Maturanten lege ich meine Hand ins Feuer: An unserer Schule wurde viel über Politik gesprochen. Das lag aber wohl eher am persönlichen Interesse der Schüler und einiger Lehrer. Ob das auch so im Lehrplan steht, wage ich zu bezweifeln. In einem Land, in dem völlig absurderweise schon mit 16 Jahren gewählt werden darf, muß die Schule diesen politischen Auftrag erfüllen. Bildung lautet also das zentrale politische Thema. Alles andere - Arbeitsmarkt, Sicherheit, Wohlstand und auch Asylrecht - folgen nach, weil eine Diskussion über diese Themen ohne Bildung nicht möglich ist. Wie sieht das die FPÖ?

Das Vermitteln der Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens, der umfassende Erwerb von Wissen, Kompetenzen und Fertigkeiten, das Fördern individueller Talente und Begabungen, die bestmögliche Ausbildung als Vorbereitung auf das Berufsleben sowie die Vermittlung von Werten und Traditionen unseres Gemeinwesens sind die Hauptaufgaben der staatlichen Schul- und Bildungspolitik.

Recht viel konkreter wird das freiheitliche Parteiprogramm in Sachen Bildung nicht. Lesen und schreiben soll man lernen, Werte und Traditionen (wessen?) soll man vermittelt bekommen und ansonsten soll eine Bildungseinrichtung gefälligst aufs Berufsleben vorbereiten! Da bleibt einem doch glatt der Mund offen stehen. Obwohl mans ja ahnen hätte können, wenn man sich Videos von FPÖ-Wahlkampfveranstaltungen ansieht: Bildung ist dort nie groß vertreten, auch nicht als Thema.

Hochzeitsfeier

Na also! Das gesellschaftliche Ereignis des Jahres, die königliche Hochzeit, geht nicht nur in passend-romantischem Rahmen, sondern auch bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne. (Das ist wichtig: Die letzten Tage in der Gegend um Usedom/Greifswald waren ja manchmal grau.)

Im Rittergut Bömitz geben der König und die Königin ihr großes Fest, und wir haben eine Möglichkeit gefunden uns aufzudrängen. Süß im wahrsten Sinne des Wortes. *LOL*

Alles Gute!

RDFa à la twoday, Teil IV: Aufräumen

Es war 2012, wie ich diesem Blog zum letzten Mal einen größeren Umbau gegönnt habe. Ich hab mich auf alles gestürzt, was ich per RDFa an semantischen Metainformationen in die Vorlagen packen konnte. Schema.org, SIOC, FOAF, Dublin Core, nichts war mir zu teuer. Dabei hab ich mich auch noch brav ans Subset RDFa Lite gehalten, damit die Damen und Herren bei den Suchmaschinen auch nicht ins Schleudern kommen bei Auswerten der Daten.

Ausgesehen hat das damals gut, und alle zur Verfügung stehenden RDF(a) Prüfprogramme haben genau das erwartete Ergebnis ausgespuckt. Ich hab das Thema also als erledigt angesehen und wieder vergessen.

Was ein Fehler war: Vor ein paar Tagen hab ich mir angesehen, was die Prüftools der Suchmaschinen daraus machen. Bing! erkennt erwartungsgemäß gar nichts (die haben aber offenbar nur ein Mini-Set aus dem Schema.org-Vokabular in Verwendung), Yandex machts halbwegs richtig … und Google ist komplett überfordert mit der Mischung verschiedener Vokabulare.

Ich hab die letzten zwei Tage also damit verbracht, den Großteil des HTML-Codes dieser Seite wieder komplett neu zu schreiben. FOAF, DC, SIOC und andere Spezialitäten sind zunächst komplett draußen. Es gibt vorläufig nur mehr Ausdrücke von Schema.org. Yandex ist mein Freund, Bing! ignorier’ ich und ansonsten nähere ich mich Schritt für Schritt einem Markup, das auch Google versteht.

Irgendwie schon peinlich, daß verhältnismäßig einfache Dinge von so großen Konzernen so schlecht (und falsch) umgesetzt werden. Naja. Sonst hätt ich ja nix zu tun. 🙂

Liest Viktor Orbán mein Blog?

Grad gestern erst hab ich herumphantasiert, was ich an Viktor Orbáns Stelle tun würde, nachdem der Herr Faymann mich so blöd angestiegen hat. Nur wenige Stunden später setzt Orbán genau das um:

Zwar hat er die Grenze nach Serbien (noch) nicht wieder geöffnet. Zwar führt er seine Sonderzüge nicht direkt nach Wien. Aber er hat die Erstaufnahmezentren an der Grenzen zu Serbien ratzfatz räumen lassen und führt keine Registrierung der Einwanderer mehr durch. Stattdessen schickt er die tausenden Paß-Syrer einfach alle an die österreichische Grenze und läßt sie kurz vor Nickelsdorf aussteigen. Soll der Faymann sich drum kümmern, der hat ja gerade noch große Töne gespuckt.

Wie viele Menschen da allein heute vor Österreichs Türen geführt wurden, weiß keiner so genau. Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) spricht von 2.000, ungarische NGOs von 8.000 Personen. Im Ergebnis ist es egal. Orbán hat mit einer drastischen Maßnahme gezeigt, was es bedeutet hätte, wenn er in den vergangenen Wochen auf die Zurufe aus Deutschland und Österreich gehört hätte.

Das einzige, was mir Sorgen macht: Hat er diese Idee selbst gehabt oder liest er mein Blog?

Ihr Auftritt, Herr Orbán!

Herr Orbán, Sie sind doch kein schlechter Kerl. Beweisen Sie doch, daß Ihnen die Kritik zu Herzen gegangen ist, die in den letzten Monaten in Deutschland und Österreich über Ihre Politik im Umgang mit Zuwanderern laut geworden ist!

Vor wenigen Stunden erst hat man in Berlin die Merkel mit Schau! Dort! Ein Vogerl! abgelenkt und hinter ihrem Rücken genau das gemacht, wofür Ungarn nun so lange geschumpfen worden ist: die Grenzen dicht nämlich. (Deutschland darf das, trotz Schengen, und man hat das in der Vergangenheit auch aus viel nichtigeren Anlässen heraus getan. Ungarn mußte es, eben wegen Schengen.)

Wir haben ja jetzt die Situation, daß sich unser geschätzter Bundeskanzler Faymann gegenüber seinem ungarischen Kollegen mehrfach so richtig nett und diplomatisch verhalten hat. Wie man halt so Freundschaften unter benachbarten EU-Partnern pflegt … Was er den Orbán nicht alles geschimpft hat, unser Faymann.

Und ich denk mir: So schlimm ist der Orbán nicht, so hartherzig und gefühllos. Das geht ihm schon auch nahe, was der Faymann sagt. Wär ich der Orbán … Ich würd jetzt reagieren. Genau jetzt. Auf alle EU-Verträge scheißen, genau so, wie Merkel und Faymann das immer von mir wollten (angeblich). Einfach mal menschlich sein: Die Grenze zu Serbien öffnen, auf jede Registrierung der Migranten pfeifen und die Leut in Sonderzügen bis Wien bringen. So geht nachbarschaftliche Zusammenarbeit. Auch mal machen, was der Faymann will, nicht?

(OK, aber ich bin nicht Herr Orbán, ich bin nur manchmal ein bißchen bösartig.)

Ich wär gespannt, wie dann die Hashtag-Events auf den Wiener Bahnhöfen weitergehen würden. Dort konnte man bisher unbeschwert den glücklichen Gesichtern im Zug nach Deutschland nachwinken im Wissen, sie nie wieder zu sehen. Wenn diese Menschen alle stattdessen einfach am Bahnhof bleiben und der Hauptbahnhof ein zweiter Keleti wird, mit tausenden protestierender Einwanderer, die sich einer Überstellung nach Traiskirchen oder sonstwohin widersetzen … Was dann passiert, kann ich nicht abschätzen. Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft: Auch unsere Regierung, die bisher immer wußte, was zu tun war (zumindest: was in Ungarn zu tun war), kann die Auswirkungen der von Deutschland heute gesetzten Maßnahme trotz einer Krisensitzung noch nicht abschätzen. Vielleicht sollte zur Abwechslung mal der Orbán dem Faymann Ratschläge erteilen?

Überraaaschung! :)

Ist das fein, wenn eine lang vorbereitete Überraschungsparty tatsächlich wie geplant klappt! 30 Gäste haben rund 1½ Monate lang dicht gehalten, keiner hat sich verplappert. Es gab einen runden Geburtstag zu feiern.

Gestern um 19:30 Uhr wars dann soweit: Unter einem Vorwand wurde Conny ins Razavi gelockt, wo wir alle auf sie gewartet haben. Überraschung! Ein wirklich gelungener Moment. Da sind sogar ein paar Tränchen geflossen … 🙂

Wir selbst haben uns königlich amüsiert. Zwar haben wir die meisten der Gäste nicht persönlich gekannt, aber von dem einen oder anderen haben wir doch auch schon interessante Gschichtln gehört. Da kamen dann also Gesichter und Geschichten zusammen an diesem Abend - und gerüchteweise soll es anderen Gästen mit uns genauso gegangen sein. Manche Schrullen aus unserem Leben scheint Conny erzählenswert gefunden zu haben. *LOL*

Dazu Musik wie für mich ausgesucht (sogar ABBA war dabei!), superfeines Essen … und Schönes zum Ansehen. Der einzige Wermutstropfen: Conny wollt’ und wollt’ nicht tanzen mit mir. Und auch sonst keiner aus ihrer Familie. 😉 Naja. Man kann nicht alles haben. Noch eine Portion Eapfükas und die Welt war wieder in Ordnung. *gg*

Mein erster 8000er

Es war 2009, wie ich mich zum ersten mal als Karma Whore geoutet habe hier auf diesem Blog. Der Anlaß damals war die gute Platz, den ich im Karma-Ranking der Maemo-Community geschafft hatte.

Heute hab ich einen ähnlichen Grund zum Feiern: Mein Karma-Zähler auf together.jolla.com (TJC) hat die Schallmauer von 8.000 Punkten durchbrochen. Damit liege ich zwar „nur“ auf Platz 32 von rund 8.400 Forumnutzern … über der 8.000er-Marke wird die Luft aber auch wirklich dünn, da gehts dann in großen Schritten weiter bis zu 34.000 Karma-Punkten. In diesen Top 30 vor mir tummeln sich vor allem Jolla-Mitarbeiter, Moderatoren und Programmierer.

Zwar hat mich das damalige Maemo-Ergebnis mehr gefreut: Im alten System wurden so gut wie alle Aktivitäten gewürdigt, Bug-Reports, Software, Wiki-Bearbeitungen, nützliche Foreneinträge … Das hatte mehr Aussagekraft. TJC berücksichtigt nur, wie nützlich andere Jolla-Benutzer meine schriftlichen Beiträge dort finden. Trotzdem: Um auf 8.000 Punkte zu kommen, muß ich schon mal eine sinnvolle Idee formuliert oder dem einen oder anderen geholfen haben. Gut zu wissen. 🙂

Ich meld mich bei 10.000 wieder.

Gnome 3.16

Noch ein Update! Nachdem gerade erst mein Jolla Phone ein neues Betriebssystem verpaßt bekommen hat, sieht nun auch mein Desktop-PC wieder leicht verändert aus: Meine Distribution Gentoo hat die von mir hauptsächlich verwendete Desktop-Umgebung Gnome in der Version 3.16 als stabil freigegeben, das Update hat sich also gestern Abend noch auf meiner Festplatte breitgemacht.

Als stabil freigegeben ist der wichtige Punkt im oberen Satz: Veröffentlicht wurde Gnome 3.16 bereits vor einem halben Jahr. Allerdings richtet sich so eine Veröffentlichung nicht in erster Linie an Endanwender, sondern an Distributionen. Diese müssen Abhängigkeiten auflösen, das System in ihrer speziellen Konfiguration testen und schließlich freigeben - was bei Gentoo eben erst jetzt passert ist. Aufgrund dieser langen Vorlaufzeit enthält Gnome 3.16 jetzt nichts, was mich wirklich überrascht. Man hat alles schon in den ersten Testberichten gelesen. Allerdings ist es ein Unterschied, ob man vom „optischen Feinschliff“ nur in einem Artikel liest oder ihn dann tatsächlich am eigenen Monitor erlebt. Kleine Details sowohl bei Animationen als auch bei der Darstellung helfen bei der Orientierung und machen den Desktop einfach freundlicher und übersichtlicher.

Ansonsten spielen sich die für den Benutzer sichbaren Änderungen eher innerhalb einzelner Basisprogramme ab. Der Bildbetrachter, das Kartenprogramm, der Dateimanager, die Virtualisierungsboxen … überall Neuerungen. Dazu kommt die Vorschau auf noch unfertige Programme, die künftige Versionen bereichern sollen. Systemweit ist für mich in erster Linie die optimierte Benachrichtigungsfunktion relevant.

Den Programmierern einfach glauben muß man, daß sich viele Änderungen unter der Haube abgespielt haben: So soll die Wayland-Unterstützung deutlich besser geworden sein, auch ins Toolkit GTK und in die Entwicklungswerkzeuge hat man neue Funktionen integriert.

Ganz klar zeigt die schrittweise Veränderung, wie konsequent die Gnome-Entwickler an ihrem Weg festhalten … und wie sehr sich das auszahlt. Waren die ersten Versionen der Gnome 3.x noch ein bißchen unrund und mehr eine Andeutung von Ideen, ist der Gnome Desktop heute einfach mein absoluter Liebling in der GNU/Linux-Welt. Vor allem im direkten Vergleich mit Ubuntus Unity auf meinem Laptop, das sich seit Jahren kaum verändert hat und wie eine Kreuzung aus Windows 95 und OSX aussieht, ist Gnome 3 eine wahre Erlösung. Gut gemacht! Ich freu mich auf 3.18. 😉

Sailfish 2.0: Eineheminlampi

Eineheminlampi heißt ein See ca. 4 Autostunden nordöstlich von Helsinki. Eineheminlampi ist auch der Codename des neuesten Sailfish-Updates, das technisch die Versionsnummer 1.1.9 trägt, aufgrund der vielen tiefgreifenden Änderungen im User Interface aber vom Marketing bereits als „Sailfish 2.0“ bezeichnet wird. Jolla hat das lang erwartete Update heute für die Kunden im „Early Access“-Programm freigegeben. (Tatsächlich haben eine ganze Menge von Jolla-Usern schon letzte Woche damit geprahlt, daß sie über einen zwar inoffiziellen, mittlerweile aber recht gut dokumentierten Weg an Eineheminlampi herangekommen sind. Es gibt also bereits Berichte und Screenshots zu dieser Release.)

Das vorbildliche Changelog (mit Verweisen zu den jeweils relevanten Einträgen im öffentlichen MER-Bugzilla) listet diesmal über 2.000 Fehlerbehebungen und neue Features in 150 alten und 6 neu hinzugekommenen Paketen. Mein Jolla wirkt jetzt tatsächlich wie in völlig neues Handy. Nicht nur sind ganz essentielle Elemente des User Interface bei Sailfish 2.0 anders (und wenigstens großteils besser) als zuvor, es wirkt auch alles flüssiger und schneller. Das kann natürlich raffinierte Täuschung sein und an den schicken neuen Animationen liegen, die nicht mehr so sehr nach 2013 riechen. Vielleicht hat man die Möglichkeit der mit 1.1.7 erstmals eingeführten neuen Toolchain aber auch einfach gut ausgenutzt, um echte Geschwindigkeitsvorteile zu erzielen.

Das große Highlight sind natürlich die Veränderungen in der Benutzerführung. Die zu beschreiben ist aber schwer. Dafür sind die Videos besser geeignet, die sicher in den nächsten Tagen auftauchen werden. (Eine noch sehr frühe Preview-Version vom MWC zeigt dieses Video. Ebensfalls aus der Zeit vor der heutigen offiziellen Veröffentlichung stammt dieser Artikel.)

Für mich interessant sind der endlich deutlich sinnvoller gestaltete Event Screen, die lange versprochene Nutzung von Ambiences als „Profile“ (stumm, extralaut, normal, …), die Umstellung des bei Videoaufnahmen verwendeten Codecs auf H.264, überhaupt das Upgrade des gesamten GStreamer-Frameworks auf die Version 1.0 und der Zugriff von Android-Applikationen in das normale Sailfish-Benachrichtigungssystem (LEDs und Signaltöne).

Weniger gelungen (und online auch schon heftig kritisiert) ist die ohnehin vorab angekündigte Abkehr von den Wischgesten auf den aktive Covers. Statt für die Funktionen „Pause/Play“ bzw. „Nächstes Lied“ einfach über das Cover zu wischen, muß man nun die entsprechende Symbole wie kleine Buttons antippen. Das mag am größeren Tablet noch klappen, führt am Telefon aber zu Fehlbedienungen und widerspricht dem UI-Konzept. Begründet hat Jolla diesen Schritt damit, daß die horizontalen Wischgesten nun dem Wechsel zwischen Home- und Event-Screen vorbehalten sind. Das ist kein überzeugendes Argument: Niemand sagt, daß man ausgerechnet von einem Cover aus den Schirm nach rechts oder links ziehen muß. Von den Rändern aus ginge das genauso gut. Mal sehen, ob sich daran noch etwas ändert.

Wie gesagt - ich bin sehr zufrieden und habe eher das Gefühl, mir ein neues Telefon runtergeladen zu haben als nur ein Betriebssystem Update. Jolla hat die seltsame Versionsnummer (1.1.9 für eine „2.0“-Version?) damit begründet, daß Eineheminlampi erst die erste Hälfte der für „Sailfish 2.0“ ursprünglich geplanten Änderungen beinhaltet. Na dann … Es bleibt spannend! 🙂

Auf zur Deep-Blue-Terrasse

Das Wetter hat nicht so ganz für mehr gereicht, ein bißchen spät wars auch schon … was also tun mit dem angebrochenen Nachmittag? Wir haben uns daran erinnert, daß Herr Blue ja immer die besten Ideen hat. Deshalb haben wir uns zwei davon in der Umsetzung angesehen:

Nummer eins war die Wiental-Terrasse bei der Pilgramgasse. Wo früher ein nur schmaler Asphaltstreifen zwischen U-Bahn und Plakatwänden für ein leichtes Unwohlsein bei Fußgängern und Radfahrern sorgte, spannt sich jetzt eine offene Fläche von der Häuserfront bis zum Wienfluß. Die Plakatwände, die die Nutzung der Grünfläche bisher verhindert haben, wurden entfernt. Über der U-Bahn-Trasse wurden Sitzgelegenheiten zwischen kleinen Schilfgrasflächen geschaffen. Das ist kein Prater und kein Türkenschanzpark, aber eine unglaubliche Aufwertung für die bisher dunkle und wenig attraktive Gegend.

Ein kleines Stück weiter stadtauswärts haben wir dann ein von der Idee her ähnliches Stück Parkersatz besucht: Die Nevillebrücke unterscheidet sich von der Wiental-Terrasse nur dadurch, daß sie eben schon da war und nicht erst gebaut werden mußte - und daß sie auch vom 6. Bezirk her direkt zugänglich ist. Sie wurde bereits 2013 zur heutigen Form umgebaut, sah damals aber noch recht trostlos aus. Mittlerweile haben sichs die Pflanzen gemütlich gemacht und lassen vergessen, daß die Fläche einmal eine ganz gewöhnliche Straßenbrücke war.

Gute Ideen hat er, der Herr Blue. Er versteckts nur immer so schamhaft. Mehr davon! 🙂