Lachen im Kino

Sonntag 15:00 im Kino – da ist man zwar nicht ganz allein, es geht aber auch keiner in der Masse unter. Man registriert jeden, der reinkommt. Man bekommt auch mit, wo die insgesamt 5-6 Zuseher sich dann jeweils hingesetzt haben.

Ein ca. 10jähriger kommt mit seiner Oma, die beiden landen drei Reihen schräg hinter uns. Es wird dunkel, die Werbung beginnt. Cineplexx selbst wirbt für seinen Streaming-Dienst Cineplexx2Go. In die darauffolgende Stille fragt die Oma laut und für jeden im Saal gut hörbar: Das versteh ich jetzt nicht. Kriegt man da eine Videocassette von denen?

Ich konnte körperlich spüren, wie der Kleine neben ihr im Sitz versunken ist. Und ich konnte sehen, wie’s die paar Leute vor uns vor Lachen geschüttelt hat. Es geht halt nix über eine gute Komödie im Kino. 😉

Immer noch INTJ

Vor rund acht Jahren hab ich mich das erste Mal zu einem online-Persönlichkeitstest nach dem Myers/Briggs-Schema hinreißen lassen - siehe „Ich bin Mastermind, Reformer und Denker“ aus dem Jahr 2007.

Mein Problem mit diesen Persönlichkeitstests, die auf Selbsteinschätzung beruhen: Meiner Befürchtung nach verfälscht das Wunschbild, das man von sich selbst hat, die Beantwortung der Fragen. Daher hatte damalige Ergebnis INTJ für mich auch mehr die Qualität von Partnerschafts-Tests in Frauenmagazinen.

Durchaus interessant finde ich, daß auch acht Jahre später bei einem anderen Testanbieter das gleiche Ergebnis rauskommt (ergänzt um -T für „turbulent“, als INTJ-T):

Diagramm für INTJ-T

Entweder also es ist halbwegs richtig - oder ich hab mir die ganze Zeit über gemerkt, bei welchen Fragen ich damals geschummelt hab. 🙂

Beim Lesen der Beschreibung von INTJ-Personen bin ich dann über einen Schlüsselsatz gestoßen, bei dem ich laut lachen mußte. Der könnt nicht nur von mir sein, der ist von mir. Sowas hab ich tatsächlich schon mal gesagt:

„You are not entitled to your opinion. You are entitled to your informed opinion. No one is entitled to be ignorant.“

– Harlan Ellison

Berühmte INTJ-Personen sind übrigens neben Wladimir Putin, John F. Kennedy und Richard Gere auch die fiktionalen Charaktere Professor Moriarty (aus Sherlock Homes) und Gandalf (aus Herr der Ringe).

Warum es kein ABBA-Comeback gibt :)

Ich liebe das Benny Anderssons Orkester (BAO). Daß einer der erfolgreichsten (und damit auch: reichsten) Menschen der Pop-Geschichte einfach auf Image und Coolness kackt und mit dem Maurerklavier Auftritte wie diesen hier hinlegt, find ich liebenswert. Außerdem mag ich Helen Sjöholm, die als Sängerin der Band Dinge wie Sommaren du fick oder Du är min man singen darf. (Beide Aufnahmen hab ich aus dieser YouTube-Liste, die noch viele andere nette Titel enthält.)

Was das BAO auch hin und wieder macht: Sie spielen alte ABBA-Songs. Tantiemen werden sie dafür ja kaum zahlen müssen. 🙂 Und wenn man die Aufnahmen davon sieht versteht man, warum Agnetha, Benny, Björn und Frida auch die höchsten Summen für ein Comeback abgelehnt haben. Hier ist Kisses of Fire von ABBA bei einem Auftritt 1979. Benny haut links in die Tasten. Der gleiche Song 2011 von BAO mit Helen Sjöholm und Tommy Körberg als Sängern und wieder Benny am Keyboard. Genau so und nicht anders würde ein ABBA-Konzert heute aussehen - inklusive des Publikums, auf das man, bitteschön, einen besonderen Blick werfen sollte bei diesem Auftritt. Knacks!

Ich kann gut verstehen, daß die vier Schweden lieber in den grellen Glitzerkostümen der ’70er in Erinnerung bleiben möchten und nicht als Seniorentanzband. 😉

Geburtstagsschnitzerl

Wieder ein Geburtstag, wieder eine Gelegenheit, das im Urlaub erlernte „Doğum günün kutlu olsun“ anzubringen. Mein Bruder wars diesmal, der gealtert ist.

Gelegenheit zur Packerlübergabe (ich hab sogar meinen Teil zu einem Produkt aus Cupertino beigetragen - und mir 3x die Hände gewaschen anschließend) hatten wir bei einem Schnitzel auf der Terrasse in Linz. Sehr feines Wetter … und statt der Geburtstagstorte einen Kuchen, den mein Bruder selbst mitbringen mußte. 🙂

Erstmals in diesem Jahr gabs bei dieser Gelegenheit Wespen. Schau an. Lang nicht mehr gehabt.

Nachdem mein Bruder sich irgendwann wieder in seine Wohnung verdrückt hat (die nach Meinung mancher hier gar nicht seine Wohnung ist), ging langsam auch das verlängerte Wochenende in Linz zu Ende. Schade drum. Wir hattens sehr gemütlich. 😉

Zwergerl schaun

Weils so ausgelutscht scheint, macht mans kaum mehr: An einem schönen Tag rauf auf den Pöstlingberg fahren, wenn man schon mal in Linz ist.
Wir habens heute gemacht. Volles Programm:
Rauf gings stilecht mit der Pöstlingbergbahn. Oben führte der erste Weg zur Aussichtsplattform – genial schöner Blick über Linz und bis zu den Alpen. Danach zogs uns in die Kirche – und zwar deswegen, weil keiner von uns wußte, wie das mir seit 39 (räusper) Jahren als „Pöstlingbergkirche“ bekannte Gotteshaus tatsächlich heißt. Die Lösung: „Basilika zu den sieben Schmerzen Mariä“. Da bleiben wir doch für die Zukunft lieber bei „Pöstlingbergkirche“ und gönnten uns auf den Schreck Kaffee und Kuchen.
Direkt neben der Aussichtsplattform gibt’s nämlich jetzt ein Café, das ich noch nicht kannte. Die erste Veränderung am Pöstlingberg seit 500 Jahren. Das Publikum war gräßlich (irgendwas zwischen NEOS und Junge ÖVP), die Auswahl bescheiden, die Preise saftig und die Torten trocken. Dafür durften wir einen wunderschönen Blick über die Landeshauptstadt genießen, der für alles entschädigte. (Außerdem war das Klo sauber, das ist auch was wert.)
Pflicht am Pöstlingberg: die Grottenbahn. Drei Runden mit dem Drachen oben, dann runter in den Märchenkeller. Wir waren begeistert! Die Zwergerl haben nichts von ihrem Charme verloren. Sogar den Zwergenkönig haben wir gesehen!
Ein kleiner Spaziergang rund um die Anlage herum (inklusive Wildtierfütterung durch die kleine Anni und ihren bauchfreien Papa) hat den Nachmittag abgeschlossen.
Sehr fein wars! Perfektes Wetter und perfekte Zwerge! 🙂
O Pöstlingberg, du Landeshort,
Du Perle der Provinz,
Du Segensquell und Gnadenort,
Akropolis von Linz!
Es trocknet der Schönwetterwind
Die Felder und den Steg,
Nimm Hut und Shawl, mein schönes Kind,
Und mach dich auf den Weg.

Es schleppt sich in des Jahres Lauf
Viel Sünd´ dahin und Leid,
Komm, tragen einmal wir hinauf
Ein Stückchen Seligkeit.

Frühstück in Linz

Frühstück gibt’s diesmal in Linz. Das Hundetier weckt uns auf. Sie ist schon viel ruhiger geworden, nicht mehr so wild und ungestüm wie früher. Wir bekommen nur mehr einen leicht blutenden Kratzer am Kinn und eine Verletzung an der großen Zehe ab. Auf zu Honigsemmerl und Mohnstrudel! 😉

Lügenpresse

Nicht einmal ein Viertel der Österreicher vertraut Journalisten. Damit liegt diese Berufsgruppe irgendwo am unteren Ende der Skala bei den Autoverkäufern. Außerdem ist der österreichische Wert im europäischen Vergleich besonders schlecht. Woher das nur kommen mag?

Zwei große Bouldevardzeitungen zeigten dieser Tage, was sie können. (Interessanterweise werden Scans beider Artikel ausgerechnet in der Facebook-Haßgruppe gegen den Mariahilferstraßen-Umbau veröffentlicht. Das zeigt, daß sie ihr Zielpublikum erreicht haben.)

Da ist einerseits die Zeitung „Österreich“, die ein Loblieb auf Johanna Mikl-Leitner singt. Ein neues Konzept für Sicherheit auf der MaHü, ein Sieben-Punkte-Programm habe sie offengelegt, heißt es. Implizit wird damit unterstellt: Die Kriminalität dort ist so hoch, daß man ein ganzes Bündel eigener Maßnahmen benötigt. Ich bin stutzig geworden, weil von erhöhter Kriminalität bisher nie etwas zu hören war. Drei Frauen haben in einem Geschäft Handtaschen gestohlen - für eine Einkaufsstraße mit rund 260.000 Kunden wöchtenlich ist das nicht so aufregend, daß es ein Sieben-Punkte-Programm rechtfertigt.

Gottseidank kann man im Internet nachlesen, was die Innenministerin wirklich gesagt hat - und aus welchem Anlaß. Im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage nämlich hatte die FPÖ behauptet, die (roten und grünen) Bezirksvorsteher würden gegen Polizeistreifen in der Fußgängerzone protestieren. Sie wollte wissen, mit welchen Mitteln das Innenministerium zukünftig die „Sicherheit der Wirtschaftstreibenden“ garantieren wolle. Mikl-Leitner hat in ihrer knappen Anfragebeantwortung die blauen Behauptungen ins Reich der Phantasie verwiesen und darüber hinaus aufgezählt, welche Maßnahmen die Polizei sowieso für Sicherheit und Prävention setzt. „Österreich“ macht aus der Aufzählung von Standardmaßnahmen (Streife fahren, Beratungstätigkeit) ein aufregendes Maßnahmenbündel für die Zukunft und trifft dabei genau den Nerv der dankbaren FPÖ-Wählerschaft auf Facebook. SMS Warnungen, mensch [sic] ich will nicht wissen was der ganze unnötige Scheiß wieder kostet., geifert dort einer. Trotzdem kläre ich hier auf: Die SMS-Warnungen werden seit 2006 an die Kaufleute der Wiener Einkaufsstraßen verschickt, die Kosten dafür trägt die Wirtschaftskammer. Die mysteriöse Beratungsstelle in der Andreasgasse entpuppt sich als das altbekannte „kriminalpolizeiliche Beratungszentrum Wien“, zu dem die Polizei seit Jahren die Besucher diverser Seniorenmessen karrt.

So weit, so „Österreich“. Aber auch die „Krone“ kanns. In einem Artikel über Minister Kurz schwenkt der Autor unmotiviert auf die Grünen und präsentiert eine Liste von Verboten, die die Grünen angeblich durchsetzen wollten. Kaugummiautomaten, Fiaker, heliumgefüllte Luftballons, Ölheizungen, PC-Spiele, Rauchen an Straßenbahnhaltestellen, … all das wollen die Wiener Grünen laut „Krone“ verbieten. Allein: Die Suchmaschine meines Vertrauens findet dazu nichts. Ja, ein Rauchverbot an Straßenbahnhaltestellen wurde tatsächlich verlangt - von der Ärztekammer. Ja, ein Verbot von Ölheizungen wurde diskutiert - von österreichischen Unternehmern. Ja, ein Verbot von Fiakerfahrten in der City wurde gefordert - von der FPÖ für Hitzetage mit über 30°.

Natürlich interessiert das alles niemanden, der die „Krone“ liest - und erst recht niemanden, der in der Facebook-Haßgruppe kommentiert. Die Realität wird sowieso überbewertet. Verbotspartei!, schreit man da und ist sofort mit Erklärungen zur Hand, in denen die Bilderberger und das Geld vom Rothschild eine Rolle spielen. Herr, laß es Alufolien regnen …

Wundert noch jemanden, warum der Journalismus so hoch geschätzt wird in Österreich?

Was bleibt vom Urlaub?

Wie schon im letzten Jahr gibts eine Reihe von Urlaubserinnerungen, die ins Böxli kommen, obwohl ich ihnen keinen eigenen Artikel gewidmet habe:

  • Familie Möhrchen. Nie hat sie so viele Kinder umgeworfen wie heuer. (Und die Abreise war auch nicht übel. *LOL*)
  • Taliban. Taliban sind freundliche Menschen, egal ob „mit ohne T-Shirt“ oder mit einem markigen Servus!.
  • Alberich.
  • Die Königin von Saba.
  • Ghettofaust! (Ich hab die Händ eingschmiert.)
  • Ein Dinosaurier muß in erster Linie eins sein: elegant.
  • Hosanna in excelsis. Benedictus qui venit in nomine Domini.
  • M. ging von Blumen Wuttig nach Lütow und hat dort das Café übernommen.
  • Es ist ein kleines Hotel. Und die Kameras funktionieren auch noch.
  • Na? Russisch gelernt?
  • Man ist hier kein schlechter Mensch.

Daß man sichs halt merkt fürs nächste Jahr. 🙂

Grau

Wieder angekommen. Was ist in Wien anders als im Urlaub?

  • Grau. Im Büro ist alles grau. Der Schreibtisch, der PC, der Teppichboden, die Besprechungsräume, die Sessel, die Kästen, die Raumtrenner, … Wo sind das saftige Grün der Wiesen rund um den Friesenhof, das Gold des Strandes, das Blau des Meeres, das Rosarot des Café am Deich?
  • Wäääh! Das Essen hier in der Kantine ist nochmal um 2 Stufen schlechter geworden. Zumindest im Vergleich zu dem, was ich so die letzten drei Wochen gewohnt war. (Ehrlich jetzt: Wie kann man simple Wurstfleckerl aber sowas von versauen?)
  • 38° tagsüber, 29° kurz nach dem Aufstehen in der Wohnung - obwohl natürlich die ganze Nacht über alle Fenster offen waren. Auf Usedom hatten wir zivilisierte Temperaturen, die nicht einmal 30° erreicht haben - dazu angenehmen Wind. Einschlafen am Abend war nie ein Problem. In Wien käm ich ohne mein mobiles Klimagerät nicht mehr über den Tag und kann ewig lang nicht einschlafen.
  • Wiener. Das ist schon ein anderer Menschenschlag hier. Freundlichkeit? Herzlichkeit? Gut, aber aus. Da menschelts auf der Insel schon viel mehr.
  • Lärm auch spät am Abend. Die Nachbarin über mir trampelt wie eine Elefantenkuh, während sie mit dem MP3-Player in der Hand indianische Fruchtbarkeitstänze in ihrer Wohnung veranstaltet. Im Haus gegenüber brüllt ein Fernseher. Unten vor dem Café telefonieren die Menschen in einer Lautstärke, als müßten ihre Gesprächspartner am Balkan sie ohne Handy verstehen können. In Trassenheide war in der Nacht gelegentlich der Wind in den Bäumen zu hören, sonst nichts.

Den Direktflug Wien-Usedom gibts nicht mehr heuer. Sonst wär ich am Samstag glatt zum Flughafen gefahren. 🙂

Wien Westbahnhof

Es ist 6:28, wie uns der Schlafwagen am Westbahnhof in Wien ausspuckt. Und es ist heiß. Sehr heiß.
Sehr, sehr schade, daß nun alles vorbei ist. Wir hatten drei ganz besonders schöne Wochen.