Mir geht das Geld aus

So. Jetzt ist es so weit. Ich bin nicht mehr flüssig, Kolleginnen müssen mir verschämt Cent-Münzen zustecken, damit ich über die Runden komme.

Begonnen hat die Abwärtsspirale vor ungefähr einem Jahr. Aufgrund der angehäuften Ersparnisse hab ich aber lang nicht bemerkt, daß die wenigen Zugänge schon längst nicht mehr ausreichen, um die Abgänge zu kompensieren. Jetzt erst wird das Unheil sichtbar … und führt dazu, daß ich mir elementare Dinge wie Wäschewaschen nur mehr mit finanzieller Vorausplanung und der erwähnten Unterstützung von Kollegen leisten kann.

Was ist passiert? Das Jahr 2014 war für mich das Jahr der Abkehr vom Bargeld. Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich innerhalb so kurzer Zeit so viele (mehr oder weniger) häufige Bezahlvorgänge in die virtuelle Welt verschoben. Natürlich war die Kreditkarte zuvor schon der ständige Begleiter für die seltenen und verhaßten Großeinkäufe (Hemden, Socken, …). Natürlich hat der Billa sein Geld für frisches Gemüse und gesunden Fisch (wen hör ich da jetzt kichern? *gg*) immer schon via Bankomat bekommen. Aber viele andere Ausgaben waren früher eben noch dem Bargeld vorbehalten: der Hamburger Royal beim McDonald’s, die 22:00-Uhr-Pizza vom Lieferservice, die Mützchen-Festhalt-Taxifahrt nach 11 Stunden Arbeit im Büro, die täglichen € 4,11 in der Kantine für „New Orleans Gemüse Jambalaya mit Langkornreis“, … Anfang 2014 waren diese Dinge alle noch mit Scheinen und Wechselgeld verbunden. Heute, ein Jahr später, hole ich den bereits via Handy im Voraus bezahlten Burger im Vorübergehen vom McDonald’s ab, ohne mich dort anzustellen. MyTaxi wird ebenfalls bargeldlos mit dem Handy bezahlt. Die Pizza, die knusprige Ente oder den Burger mit Pommes - was immer der Lieferdienst in der Nacht noch bringt, ich habe es bei der Bestellung bereits von der Kreditkarte abbuchen lassen. Das tägliche Mittagessen in der Kantine bezahle ich, indem ich locker-lässig mein Tascherl mit der NFC-fähigen Bankomatkarte an das Lesegerät halte.

Wie führt das alles nun dazu, daß ich mir das Wäschewaschen nicht mehr leisten kann und wie ein junger Punk um Cent-Münzen betteln muß? Geb ich durch die innerhalb eines Jahres forcierte Bargeldabschaffung so viel mehr Geld aus, daß ich den Überblick über meine Finanzen verloren habe? Nicht wirklich, nein. Es ist nicht der Kontostand, der mir Probleme bereitet. Es ist der durch den Mangel an Bargeldgeschäften entstandene Mangel an Wechselgeld, insbesondere an 50-Cent-Münzen, der mir zunehmend zu schaffen macht. Die Waschküche verlangt nämlich genau diese eine Münzsorte, sonst gibts keinen Strom für Waschmaschine und Trockner. Früher wars kaum möglich, einen Arbeitstag zu verbringen, ohne daß ich mit Cent-Münzen gefüttert wurde. (Allein bei der Bezahlung des € 4,11-Mittagessens war immer ein 50erl im Wechselgeld.) Heute: Keine Barzahlung, kein Wechselgeld, keine Münzen für die Waschmaschine. Ich mußte tatsächlich eine Kollegin um ihre Münzvorräte erleichtern, sonst wär sich das Wäschewaschen heute nicht mehr ausgegangen. (OK, ganz so selbstlos war die Hilfe der Kollegin nicht: Ich sitze unmittelbar neben ihr, sie hätte unter der Verwendung „relativer Hemden“ am meisten gelitten.)

Natürlich sinds nicht nur die 50-Cent-Münzen, auch wenn mir der Effekt bei denen am stärksten auffällt. Immer öfter steh ich vor einem Getränkeautomaten und kann mir trotz gefüllter Geldtasche nichts leisten. Immer öfter fragt mich die Kollegin beim (noch) bargeldbetriebenen Frühstückswagerl vergeblich, ob ich die drei Cent nicht klein hätte.

Ich überleg grad, wie ich mit der neuen Situation umgeh. Soll ich mir allen Ernstes Münzrollen von der Bank besorgen? Das erscheint mir doch irgendwie affig. Oder soll ich mir fürs Jolla eine kleine Applikation schreiben, die für mich berechnet, wann ich wieder eine Barzahlung einzuschieben habe? Oder (und diese Option gefällt mir am besten) soll ich in die Offensive gehen und versuchen, die verbliebenen Bargeld-Räuber (wie die Waschküche) durch plastikbefeuerte Alternativen zu ersetzen? Man hört Gutes vom Hemdenservice der Putzereien. 🙂

Ein Klavier! Ein Klavier!

Eigentlich hätten wir ja schon Urlaubssperre. Heute aber mußte ein Klavier in den 4. Stock, und das nur ganz kurz vor unserem Schwabl-Slot … also saßen Conny und Daniel plötzlich beim Schwabl und wir mit ihnen. Ganz spontan. 🙂

Daß die beiden unsere exakte Tagesplanung leicht durcheinander gebracht haben (Schwabl ist normalerweise um 16:30, nicht um 15:00 Uhr), mußten sie sich mehrfach anhören. Durcheinander gebracht haben wir alle zusammen aber auch die im christlichen Abendland übliche, anständige Speisefolge … und damit den armen Kellner: Es gab zuerst Suppe, Vorspeise, Hauptspeise und Dessert mehr oder weniger auf einmal. Danach nochmal Dessert und zum Abschluß wieder eine Hauptspeise. (Und das war weder ein Fehler in der Küche noch im Service, nein, wir wollten das so.) Sowas kommt raus, wenn man eigentlich nur auf einen Kaffee mit Sojamilch gehen möchte. (Zu trinken gabs stattdessen maden suyu, bira und meyve suyu - gell, Conny? *gg*)

Neben detailreichen Schilderungen des Beamtendienstrechts und tiefenpsychologischen Analysen anderer Blogger gabs (endlich!) auch die Auflösung der Geschichte mit dem Polizeieinsatz. (Wie passend: Conny und ich hatten den Vormittag damit verbracht, die Frisur des Polizeikommissars Cem Kaya in „Auf Streife“ zu bewundern - was für sich allein genommen fast schon eine bloggenswerte Skurrilität darstellt.) Hui, dort spielt sich was ab! Da kann nicht mal mein verruchtes Café Oko mithalten. Wir werden immer gespannter auf die Terrasse. 🙂

In Summe konnten wir den Nachmittag mit Kunst, A1, McDonald’s, Gartenhäuschen, den Krankengeschichten der unverwüstlichen Frau H. und bösen Sticheleien gegen grünwählende Lehrerinnen so vergnüglich verlängern, daß wir den Schwabl erst ziemlich pünktlich zur Soll-Zeit wieder verlassen haben. Außerdem hatte Daniel sein erstes Mal bei Schwabl. Sehr schöne Sache, das. Gerne wieder.

Syrien: Muß denn Europa alle Flüchtlinge aufnehmen?

Ja Himmelherrschaft! Muß denn Europa wirklich alle Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen? Die sind ja sicher alle arm und so, aber wir können uns das auf Dauer auch nicht leisten, daß alle zu uns kommen. Nicht wahr?

So oder so ähnlich hört mans immer wieder in letzter Zeit, und je öfter mans hört, desto eher stimmt man zu. Wer viel in den Abwasserkanälen des Internet unterwegs ist, liest das dann auch noch garniert mit dem Vorwurf der Faulheit (Unsere Leute sind auch geblieben und haben das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut!) und natürlich der Abzockerei (Bei uns wird denen halt alles hinten reingeschoben!)

Ziemlich unvorbereitet getroffen hat mich heute eine Aufbereitung der Flüchtlingszahlen auf der Seite der Grünen im Europaparlament. Sie macht neugierig - und man kommt schnell drauf, daß die Zahlen falsch sind, mit denen dort operiert wird. Allerdings gibt es seriöses Zahlenmaterial im Web, und das bestätigt zumindest das von den Grünen gezeichnete Gesamtbild:

Die überwiegende Mehrheit der syrischen Flüchtlinge, rund zwei Drittel, bleibt in ihrem Heimatland. Sie fliehen vor den Kampfhandlungen in andere Landesteile, gehen aber nicht über die Grenze. Die, die außer Landes gehen, bleiben in den Auffanglagern der Nachbarstaaten: Die Türkei, der Libanon, der Irak und Jordanien schultern gemeinsam die Last von fast 4 Millionen Flüchtlingen, das ist etwa ein weiteres Drittel. Nur etwa 3,5% der Flüchtlinge zieht es in Regionen, die keine gemeinsame Grenze mit ihrer Heimat haben. Davon geht der größte Teil nach Ägypten (135.000 Menschen) und in die EU (253.859 Asylwerber seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011).

In bunt und zum Angreifen sieht das so aus:

Nur 2% der Flüchtlinge kommen nach Europa

Land Flüchtlinge
Syrien 6.500.000
Libanon 1.772.535
Türkei 1.174.690
Jordanien 629.128
EU 253.859
Irak 249.656
Ägypten 134.329

Fast 11 Millionen Menschen auf der Flucht, 253.859 davon in der EU. Wie war das nochmal? Muß denn Europa wirklich alle Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen?

Die Verteilung wirkt noch beeindruckender, wenn man die Bevölkerungszahl der einzelnen Staaten mit betrachtet. Im Libanon kommt ein Flüchtling auf 3 Einwohner. In Jordanien ist dieses Verhältnis 1:11, in der Türkei 1:66. Bei uns in der EU kommt ein syrischer Flüchtling auf 2.000 Einwohner. Wie um alles in der Welt entsteht das Bild, daß sich der gesamte Flüchtlingsstrom über die EU ergießt?

In den oben erwähnten Abwasserkanälen des Web hat eine besonders begnadete Tieffliegerin die Zahlen relativiert mit dem Einwand, die EU sei ja wohl auch viel weiter weg als Ägypten oder der Irak. Man könne hier also gar nicht vergleichen …

Nun, ein bißchen Allgemeinbildung schadet nie. Im konkreten Fall ist Geographie gefragt. Ein Blick auf die Landkarte verrät nämlich: Von der syrischen Westgrenze zum nächsten Flughafen auf EU-Territorium sinds gerade mal 200km Luftlinie übers Meer. Wer von der gleichen Ecke Syriens in den Irak möchte, muß hingegen 450km durch Bürgerkriegsgebiet. Auch vom südlichsten Zipfel Syriens nach Ägypten ist es weiter als diese 200km. Nein, die EU ist keinesfalls weit weg von Syrien. Wir sind quasi unmittelbare Nachbarn. Das sollte man sich vor Augen halten, wenn man Syrien gedanklich weit fort schiebt.

Juhuuu! Geburtstag!

Für den Fall, daß es jemand noch nicht mitbekommen hat: Ich bin gerade dabei, meinen Geburtstag zu feiern. 🙂

Heute hatte ich zum dritten Mal Gelegenheit dazu. Begonnen hats mit einem ausgesprochen feinen Essen beim Schwabl. Danach gabs Heimatlektüre aus den Alpen, so etwas wie einen Treppenlift (nur fast, leider *gg*) und die Rache für die Pfanne. 😉

Den krönenden Abschluß bildete der von Dr. Schnipsler kunstfertigst restaurierte Bär. Hut ab, muß man sagen. Ich kenne ja die Vorher-/Nachher-Bilder. *LOL*

Eine sehr schöne Sache ist so ein Geburtstag, da kann man sagen, was man will. Und ich habe noch nicht vor, ihn einfach so enden zu lassen. Da kommt noch was. *gg*

Plachutta: Schon wieder Geburtstag

Möchten Sie vielleicht eine kurze Pause machen? Da war sowas wie Besorgnis in den Augen des jungen Kellners, der den Tisch nach der Vorspeise abgeräumt hat. Ja, wollten wir tatsächlich: Wir hatten innerhalb weniger Minuten alle Weißbrotvorräte des Restaurants aufgebraucht (Jourgebäck und Toast) und dazu die nicht zu knapp bemessenen Vorspeisen vertilgt. *rülps*

Eingeweihte wissen jetzt: Ich hab schon wieder Geburtstag gefeiert. 😉 Zwecks dessen wurde ich, der Tradition entsprechend, zum Plachutta ausgeführt. Hollundersekt (wie immer), Gänseleberpastete (wie immer), Lungenbraten (wie immer), zwei große Flaschen Mineralwasser (wie immer) und als Dessert überraschenderweise Schwarzwälder-Mousse; die „wie immer“ Crème Brûlée war nämlich von der Karte verschwunden. Sapperlot.

Sehr fein wars und, weil wir so mitten drin gsessen sind im Getümmel, auch sehr unterhaltsam. Die Suppeneinlagen (Frittaten, Fleischstrudel,…) und Beilagen (Apfelkren, Semmelkren,…) mußten diesmal für britische Gäste übersetzt werden, die auch noch genau wissen wollten, was ein „Schulterscherzel“ ist. (Der Kellner war sehr geduldig; wir haben unseren des Deutschen nicht mächtigen Freunden in solchen Situationen immer nur gesagt: It’s meat. Gegebenenfalls kam ein hilfreiches An Austrian specialty hinzu.)

Ein bezauberndes älteres Ehepaar saß links von uns. Denen hat man angesehen, daß sie sich solche Abende nicht oft leisten können. Trotzdem haben sie’s richtig krachen lassen: Wenn schon, dann ordentlich! Das genaue Gegenteil war die Dame auf der anderen Seite: gelangweilte Hietzinger Dekadenz, zehn Jahre zu alt für die Haarfarbe und den muskulösen Begleiter im engen T-Shirt, der unbeholfen sein Schnitzel zersäbelte und ganz offensichtlich nicht in erster Linie als Gesprächspartner vorgesehen war. Sie bestand darauf, immer von mindestens einem Kellner unterhalten zu werden, bis der junge Begleiter seine Eiweißaufnahme abgeschlossen hatte. Daß das den Betrieb ganz gewaltig durcheinander brachte, schien sie als einzige nicht wahrzunehmen. 🙂

Sehr lustig wars, so wird gefeiert!

Schmeicheln im Jolla-Store: Flattr ist da!

Aus welchen Gründen auch immer: Jolla hat sich bisher strikt geweigert, im Jolla-Store eine konventionelle Bezahlfunktion einzubauen. Wer seine Programme dort zum Download anbietet, stellt sie grundsätzlich gratis zur Verfügung. Erst im Programm selbst kann man natürlich Links zu Spendenseiten einbauen.

Seit heute ist das geringfügig anders - und einmal mehr beweist Jolla, daß es hinter seinem Firmenslogan „#unlike“ steht. Eine traditionelle Bezahlfunktion à la Google oder Microsoft gibt es nämlich nach wie vor nicht. Stattdessen kooperieren die Finnen mit dem schwedischen Unternehmen Flattr, das sich auf die Überweisung von (typischerweise kleinen) Spenden im Internet spezialisiert hat. Ein knallgrüner „Flattr“-Button wird im Jolla-Store an immer gleicher Stelle über den Screenshots eines Programms eingeblendet, wenn der Programmierer das will.

Das englische Verb „flatter“ bedeutet schmeicheln, was dem Sinn des Spendens für kreative Leistungen im Web schon sehr nahe kommt. Gleichzeitig lehnt sich der Firmenname an das Wort „flat“ an, das wir aus der Flatrate kennen: Man hat bei Flattr nämlich so etwas wie eine Spenden-Flatrate. Ich stelle einen monatlichen Fixbetrag ein und kann unbesorgt so oft auf den „Spenden“-Button klicken, wie ich möchte. Von der Kreditkarte abgebucht wird nicht pro Klick, es bleibt beim Fixbetrag. Habe ich im Monat 1x gespendet, geht dieser Betrag zur Gänze an diesen einen Empfänger. War ich großzügiger und habe 20x geklickt, müssen sich 20 Empfänger mein Spendenbudget anteilsmäßig teilen.

Aus Sicht des Gesamt-Ökosystems ist diese Lösung wahrscheinlich die beste. Programmierer haben sich schon lange irgendeine Form der finanziellen Vergütung gewünscht, die in standardisierter Weise direkt beim Programmdownload eingebaut ist. Kritiker wollten unbedingt eine Kommerzialisierung des Nischensystems vermeiden. Flattr trägt den Anliegen beider Seiten Rechnung und hat noch eine Reihe weiterer Vorzüge:

  • Flattr wird als Marktführer unter den Spendendiensten im Micropayment-Bereich gehandelt. Viele User werden ihr Flattr-Konto also ohnehin bereits besitzen.
  • Jolla hat immer wieder versucht, in erster Linie mit finnischen oder doch zumindest mit skandinavischen Partnern zusammenzuarbeiten. Flattr als schwedisches Unternehmen paßt perfekt in diese Tradition.
  • Vergeßliche User können Spenden in Form von Abos verwalten. Jeden Monat einen Teil meines Spendenbudgets an einen bestimmten Entwickler, solange ich sein Programm verwende? Kein Problem.
  • Weil das System von Jolla komplett unabhängig ist (Jolla zweigt auch nichts von den Zahlungen ab), kann der Programmierer den gleichen Flattr-Button z.B. auf jeder Website verwenden, die mit dem Programm in Zusammenhang steht. Bereits heute nicht unüblich ist die Verlinkung der in öffentlichen Versionsverwaltungssystemen wie GitHub gepflegten Quelldateien mit einem Flattr-Account. Ebenfalls denkbar ist der Flattr-Button unter einem Blog-Artikel, in dem der Programmierer über ein Update berichtet. So laufen alle Zahlungen zusammen, nicht nur die von Jolla-Besitzern.

Das erste Programm, mit dem man die neue Funktion heute testen konnte, war der gute alte gPodder, den Thomas seit den alten Tablet-Tagen unermüdlich für Maemo und jetzt eben auch für Sailfish bereitstellt. Wenn ich jetzt sag, daß auch ich draufgeklickt hab, um die Sache auszuprobieren, dann mach ich den letzten Vorzug von Flattr zunichte:

  • Es bleibt alles anonym. Von der Bezahlung des Konsumenten an den Programmierer bekommt Jolla nichts mit, die sind nicht involviert. Der Programmierer erhält nur die Gesamtsumme, sieht aber nicht, wer gespendet hat und wieviel. Nur Flattr selbst behält zwangsläufig den Überblick - die müssen das Geld ja abbuchen.

Fein gelöst, liebe Sailors.

Geburtstagsbier

Zum Geburtstag gabs heut statt Prosecco nur Bier. Gebt dem Daniel die Schuld an der Sache, nicht mir.

Krawumm in Wien – Teil 2

Krawummst hats noch auf eine ganz andere Art in Wien heute: Ich hatte meinen ersten richtigen Autounfall (den Katzer am Auto des Nachbarn, den ich als Führerscheinneuling beim Rausfahren verursacht habe, nicht mitgezählt).

Also bevor sich jetzt jemand Sorgen macht: Ich bin nicht gefahren und mir ist auch nichts passiert. Ich war „nur“ Fahrgast im Taxi. Dieses war auf der linken Spur unterwegs, als ein ungefähr ½ Fahrzeuglänge rechts vor uns fahrender PKW ziemlich plötzlich auf die Idee kam, ungebremst nach links abzubiegen. Über unsere Schnauze drüber quasi. Nicht gut. Gar nicht gut.

Zwar hat der Taxilenker erstaunlich schnell reagiert, zwar passiert bei zwei mit annähernd gleicher Geschwindigkeit fahrenden Wagen bei dieser Art von Unfällen deutlich weniger als beim Aufprall auf ein stehendes oder entgegenkommendes Fahrzeug … trotzdem: Die wenigen Augenblicke, in denen man unkontrolliert über die dreispurige Straße schlittert und nicht weiß, was als Nächstes kommt, sind nicht schön. Dafür sind sie lang.

Wie gesagt: Mir war ja nichts passiert, den beiden beteiligten Lenkern auch nicht, nur beide Autos hatten unschön verformte Türen. Rückblickend nicht ganz so schlimm. Hätte ich nicht den Fehler begangen und dem Taxifahrer zugesagt zu warten, bis die Polizei kommt. Eilig hatte ichs ja nicht, aber der Taxler wurde nervös, weil sein junger Unfallgegner schon an einer Alternativvariante bastelte: In Wahrheit sei nämlich er es gewesen, der zum Abbiegen auf der äußerst linken Spur unterwegs gewesen war.

Dann kam die Polizei. Und darauf bezieht sich eigentlich das „Krawumm“ im Titel. Oida, bist du deeeppat heast? Da sieht man am frühen Nachmittag auf Sat 1 noch die freundlichen und immer hilfsbereiten Kölner Polizisten Cem Kaya und Co., die in ganzen deutschen Sätzen und mit guten Manieren auch die größten Flegel beamtshandeln. Und dann wird man beinhart mit der Wiener Realität konfrontiert: Vom „Freund und Helfer“ ist hierzulande nur mehr das „Und“ geblieben - und auch das nur, weils halt zwei waren. Unfreundlich, angepißt, verbal aggressiv und ohne auch nur die Grundzüge mitteleuropäischen Sozialverhaltens. Hätts uns jo net anrufn brauchn, I wü nix mehr hean jetzt, wonns es zwa z’dappat sats zum Autofoan waren die Freundlichkeiten in der Aufwärmrunde. Das kommt wahrscheinlich automatisch statt eines Grußes, den meine Eltern mir noch beigebracht hätten für so eine Situation.

Relativ gut behandelt wurde der junge, blonde (ich weiß nicht, warum ich die Haarfarbe jetzt erwähne) Unfallverursacher, der in Wiener Sprachfärbung seine Version erzählte. Mein türkischer Taxifahrer kam im Vergleich weniger gut weg: Es sei ja auf den ersten Blick offensichtlich, so der Beamte, daß bei dieser Art von Schaden seine Geschichte einfach nicht stimmen könne. (Erst als ich sie auf Zwischenfrage des zweiten Polizisten bestätigte, kamen dem Zweifel und er berichtigte seinen Kollegen: rechte Tür hier, linke Tür da … eigentlich ergab nur die Schilderung des Taxifahrers Sinn.)

Auch beim Angeben meiner eigenen Daten hatte ich das Gefühl, als wäre ich der Unfallverursacher und hätte betrunken die Oma des Polizisten überfahren: Nach dem Notieren der Ausweisdaten gabs statt eines neutralen „Und Ihre Adresse noch, bitte?“ ein im militärischen Befehlston hingeschnauztes Adresse! Türnummer!! Telefonnummer!, das manche Menschen bei Uniform-Rollenspielen vielleicht reizvoll finden. Im Umgang eines öffentlich Bediensteten mit einem Bürger, der einfach nur hilfreich sein wollte, ist dieses aggressive Verhalten eher unangebracht. Das anschließende ständige Herumkommandieren bezüglich meines momentanen, konkreteren Aufenthaltsortes (Weg von dort!, Net do stehn!) machte uns auch nicht zu besseren Freunden.

Ich hab dem Taxifahrer noch meine Daten gegeben, falls sich da versicherungstechnisch noch was ergibt. Dann hab ich das nächste Taxi gerufen, um doch noch heim zu kommen. Während ich gewartet hab, durfte ich noch zuhören, wie die Polizisten dem Taxifahrer beim Ausfüllen des Unfallberichts „zur Hand gingen“. Unwürdig.

Was lernen wir? Erstens: Wenn man das nächste Mal Unfallzeuge wird, einfach nichts gehört und gesehen haben. Ich hätt aussteigen und wegrennen können, der Taxler wußte ja nicht, wer ich war.

Zweitens: Dieses Wetter macht den Straßenverkehr nicht sicherer. Schon am Freitag wurde ich ja Zeuge einer Beinahe-Schlägerei, weil so eine Kretzn von Motorradfahrer grundlos durch Fahren von Schlangenlinien einen Autofahrer zum zweimaligen Spurwechsel genötigt, schließlich gestoppt und durch offene Fenster als „Dreckskanake“ beschimpft hat. Ebenfalls auf einer stark befahrenen 3spurigen Straße.

Drittens: So sind die Wiener eben. Die ändern sich auch 40 Jahre nach dem Mundl nicht mehr. Zuwanderung jetzt für eine lebenswertere Stadt!

Krawumm in Wien – Teil 1

Es gibt ja kaum etwas Schöneres und Befreienderes als ein heftiges Sommergewitter nach einem bleischweren, heißen Nachmittag. Wenn man sowieso schon mal vor hat, ins Wirtschaus zu gehen und dort im Schanigarten zu essen … spricht eigentlich irgendetwas dagegen, das Schauspiel erste Reihe fußfrei im Freien zu genießen? Eigentlich nicht. Na eben.

Während also alle anderen Gäste beim Schwabl den Schanigarten verlassen haben und ins Lokal hinein geflüchtet sind und während der Kellner blitzartig alles abgeräumt hat, was der Wind umwerfen oder verblasen könnte, sind wir seelenruhig sitzen geblieben; unterm Schirm natürlich, auf den der Regen lautstark geprasselt hat und von dem das Wasser an den Seiten in Strömen abgelaufen ist. Krawumm und Donnergroll.

Weil es trotz allem kurzarmkompatibel warm geblieben ist, hat uns auch der gelegentlich heftige Wind wenig gestört. Er hat nur dazu geführt, daß der Chef die Markise über dem Gehsteig einfahren mußte, die zuvor noch eine trotz Regens fast 100%ig trockene Passage vom Gastraum in den Schanigarten garantiert hat. Ergebnis: Der arme Kellner mußte mit Erdäpfelcremesuppe, Eierschwammerln und Marillenknödeln immer durch den Regenguß. Er hat uns auch ein bißchen leid getan, wie er da jedes Mal zögerlich gen Himmel geblickt hat mit unseren Tellern am Unterarm, bevor er beherzt losgesprintet ist. 🙂

Die Marillenknödel hab ich übrigens genau diesem Sommergewitter zu verdanken: Eigentlich war ja noch genau eine Portion Erdbeer-Tiramisu da. Weils aber völlig klar war, daß wir noch länger nicht unter dem schützenden Schirm hervor konnten, hab ich mich für die mit 20 Minuten Wartezeit gekennzeichneten Knödel entschieden. Einmal mußte das ja sein. 🙂

Jolla – Connecting People :)

Wie lustig war das denn!? Den Thomas kenn ich seit ungefähr 7 Jahren. Wobei eben: So richtig gekannt hab ich ihn bis heute nicht. Wir hatten die gleiche Maemo-Tablets und -Telefone von Nokia, haben uns daher in den gleichen Ecken des Internet herumgetrieben. Ich hab die von Thomas geschriebenen Programme verwendet, hab hier in diesem Blog deshalb mehrfach über ihn geschrieben und ihm zum „I Love Free Software“-Day auch mal die Kosten für ein Glas Bier überwiesen. (Die Free Software Foundation Europe will das so.) Ein paar Mails sind aus unterschiedlichsten Anlässen hin und her gegangen, das wars dann aber auch.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hab ich herausgefunden, daß Thomas hin und wieder ausgerechnet in unserem Bürogebäude zu tun hat. Wir haben uns vorgenommen, einander bei Gelegenheit dort in der Kantine zu treffen und - heut hats geklappt. Sehr unterhaltsam wars: Thomas gehört nämlich zu den Menschen, die das Betriebssystem meines Jolla-Telefons schreiben. Daß er Programmcode nach Finnland exportiert, war mir grundsätzlich bekannt (irgendwas mit Computern *gg*). Ich hatte nur keine Ahnung, wie viel er da macht. Reschpeckt, junger Mann! Zwar hat er keine Betriebsgeheimnisse ausgepackt (das nächste Mal geh ich mit ihm wohl irgendwo hin, wo’s viel Bier gibt), für mich waren die Schilderungen über das Innenleben meines geliebten GNU/Linux-Telefons aber trotzdem spannend und unterhaltsam wie ein Kriminalroman. Gelegentlich mußte ich einfach auch laut lachen bei einigen Äußerungen, die er da mit staubtrockenem Humor rausgeschoben hat … So hab ich mir Jolla immer vorgestellt. Im allerbesten Sinn. 😉

Sehr viel Spaß hats gemacht. „Jolla - Connecting People“ wär der passende Spruch für diesen Abend gewesen … ich weiß nur nicht, ob die Finnen den Vorschlag annehmen. *LOL*