Peenemünde, U-Boot-Shop: Maiks literarisches Denkmal

Wenn ich um 21:47 beim Lesen im Bett laut zu wiehern beginne, dann brauchts schon mehr als einen vergnüglichen Krimi. Elke Pupke hat mit „Tödliches Geheimnis auf Usedom“ diesen Krimi geliefert, konnte aber nicht wissen, wie sehr mich ihre Darstellung einer Bustour nach Peenemünde erheitern würde.

Ja, Peenemünde. Bei Stammlesern dieses Blogs klingelts: Seit 23.7.2004 ziehts uns alle Jahre wieder dorthin. Dabei ist ein Besuch bei Maik im U-Boot-Shop Pflicht. Nicht nur der Kaffeehäferl und Ansichtskarten wegen (das Sortiment ist in alle den Jahren fast unverändert geblieben), sondern vor allem wegen der guten Unterhaltung und der unglaublichen Informationsdichte. Ein Jahr Peenemünder Stadtchronik geht sich zwischen Schon wieder ein Jahr rum? und dem Wechselgeld aus. Bei mir liest sich das so:

Maik […] bietet im U-Boot-Shop nach wie vor Kaffeehäferl und Express-Führungen durch den Ort feil. In wenigen Minuten wurden wir auf den aktuellen Stand gebracht; unterhaltsam und launig wie immer.

Oder auch so:

[…] und wer in Peenemünde ist, muß im dortigen U-Boot-Shop vorbei. Erstens der vielen netten Souvenirs wegen (Kaffeetassen fürs Büro, Käpplis, T-Shirts und eine sehr, sehr interessante Chronik von Peenemünde), vor allem aber wegen Maik, der den Laden dort schupft. Der weiß nämlich immer spannende Neuigkeiten. […]

Wir hören Neues von der Bahnhofstraße, Beunruhigendes über die Zukunft der Deiche und vor allem unglaublich Komisches von den Touristen hier.

Wer hier nach Maik sucht, findet weitere Beispiele.

So. Und was hat das jetzt mit Elke Pupke, dem tödlichen Geheimnis auf Usedom und meinem Wiehern im Bett zu tun? Auf Seite 158 beschreibt die Autorin den Ausflug einer Reisegruppe nach Peenemünde. Die Reiseleiterin Anne bedauert, daß sich ein Besuch im dortigen Museum aus zeitlichen Gründen nicht ausgeht, empfiehlt interessierten Touristen aber die Besichtigung des U-Boots mit dem Nachsatz: … und der junge Mann dort im U-Boot-Shop kann Ihnen alles darüber berichten. - „Ach“, denk ich mir, „die meint doch nicht am Ende etwa …?“ Doch. Meint sie. Die nachfolgenden Absätze zerstreuen jeden Zweifel. Ich zitiere auszugsweise:

… der besagte junge Mann kommt kaum dazu, den Gästen etwas zu erklären, weil er sich so eifrig mit Anne und Sophie unterhält. Sogar Kaffee bietet er ihnen an und die Schilderung der neuesten Ereignisse in Peenemünde aus erster Hand.

»Der ist ja nett«, stellt Sophie fest, als sie zurück zum Bus gehen, »und er quatscht fast genauso viel wie du.«

»Ja«, bestätigt ihre Freundin, »ich glaube, ich muss die Pause nächstes Mal etwas länger machen, damit er mir alles erzählen kann, was hier noch geplant ist.«

Wenn das nicht eine geradezu fotorealistische Beschreibung von unserem Maik ist! Das kam beim Lesen dermaßen unvorbereitet (der Roman spielt im Süden der Insel, der Abstecher nach Peenemünde hat mich also überrumpelt), daß ich tatsächlich laut aufgelacht hab über die treffende Schilderung. Vor allem wars ein sehr nettes Gefühl, jemanden in einem Buch wiederzufinden, den man persönlich kennt und mit dem man schöne Erinnerungen verbindet. Herzlichen Dank, Frau Pupke!

(Übrigens: Elke Pupke arbeitet als Reiseleiterin auf Usedom. Ich freß einen Besen, wenn die geschilderte Szene nicht auf einer tatsächlichen Begegnung zwischen den beiden basiert. Vor allem der Satz … ich muss die Pause nächstes Mal etwas länger machen … *LOL*)

Weil mir Frau Pupke nun gestern so eine außergewöhnliche Freude gemacht hat, darf ich gleich ein bißchen Werbung nachschieben. Das „tödliche Geheimnis auf Usedom“ ist nicht das erste Buch, das ich von ihr lese. Ich habe im Dezember mit „Die Toten von Bansin begonnen, gleich danach Das Mordhaus am Wald gelesen und bin eben jetzt mitten drin in ihrem dritten Krimi. Alle Fälle spielen im Seebad Bansin, im einzigen der drei Kaiserbäder, in dem wir noch nie waren. Sie werden von einer kleinen Runde von Freunden gelöst, in der vor allem die drei Frauen Sophie, Berta (mein Liebling!) und Anne im Vordergrund stehen. Die Autorin mischt Krimi und Lokalkolorit in einem Maß, das mir ausgesprochen gut gefällt. Es gibt Augenblicke, da interessiert mich die Lösung des Falls schon gar nicht mehr, da will ich mich einfach nur außerhalb der Hauptsaison an den Stammtisch des „Kehr wieder“ setzen und die alten Geschichten hören. 🙂

Und noch was: Der Usedom-Krimi ist nicht das erste Mal, daß Maik literarisch in Erscheinung tritt. Nur mehr gebraucht zu erwerben, aber immerhin erhältlich ist sein Reiseführer „www.peenemuende.info: Geschichte, Natur, Gastronomie, Gewerbe“, den wir natürlich ebenfalls besitzen. (Ich finds grad ein bißchen unheimlich, während ich das tippe … *gg*)

Wenn Wien die Welt wäre …

Die britische Organisation Oxfam hat vor einigen Tagen ihren Report zur Ungleichverteilung des Vermögens auf der Welt veröffentlich. Die reichsten 1% besitzen etwa die die Hälfte des Weltvermögens. Extremer noch: Die reichsten 80 Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Und die Schere geht immer weiter auf.

Erwartungsgemäß werden solche Berichte nicht zur Kenntnis genommen. Die Medien berichten lieber über Dinge, die schon morgen garantiert niemanden mehr interessieren. Vielleicht liegt das mangelnde öffentliche Interesse ja aber auch daran, daß die Größenordnungen so unvorstellbar sind?

Ich habe versucht, die Absurdität der Verteilung auf eine einfache Analogie herunterzubrechen: Die Einwohner der Stadt Wien müssen als Statisten die Weltbevölkerung repräsentieren. Das Vermögen wird in Wohnfläche bemessen. Was kommt raus? Wir müssen alle umziehen. Die gesamte Osthälfte der Stadt mit den großen Flächenbezirken 21 und 22, aber auch mit der City und den meisten Bezirken innerhalb des Gürtels wird geräumt. Nur 17.300 Menschen werden per Los gezogen und dürfen dort in Luxusdomizile mit durchschnittlich 11.500m² Nutzfläche einziehen. In der Grafik ist dieser Teil der Stadt grün. (Passend: Bei nur 87 Einwohnern pro km² herrscht dort wohl eher ländliche Atmosphäre.)

Rund 329.000 Menschen ziehen in den westlichen Teil um. In den Bezirken 3, 10, 23, 13 und 14 sowie 17-20 läßt es sich bei dieser geringen Bevölkerungsdichte ebenfalls noch schön wohnen: Durchschnittlich 585m² stehen jeder Person zur Verfügung. Das Häuschen im Grünen ist für eine Familie damit jedenfalls drin. In der Grafik sind diese Stadtteile gelb.

Von den 1.731.000 Einwohnern Wiens hat aber jetzt noch nicht einmal ein Viertel eine neue Unterkunft erhalten. 80% stehen noch da und warten auf ihr neues Zuhause. Für diese rund 1.385.000 Menschen muß die Gegend rund um den Westbahnhof reichen. In den Bezirken 5, 12, 15 und 16 stehen ihnen 16m² pro Person zur Verfügung. Pro km² steigen sich in diesem Teil der Stadt mehr als 60.000 Menschen auf die Zehen. Die vier Bezirke sind in der Grafik rot.

Das war die Ausgangslage im Jahr 2014. Wäre die weltweit vorhandene Ungleichverteilung von Vermögen tatsächlich auf einem so engen Raum wie Wien für alle erlebbar - niemand hätte den fast 1,4 Millionen Bewohnern der Armenviertel rund um den Westbahnhof erklären können, warum sie in so kleinen Schachtelwohnungen leben müssen, wo doch 50% der Stadt fast ungenutzte Parkanlage sind. Die Situation wäre schon viel früher explodiert.

Tatsächlich explodiert aber - derzeit - noch gar nichts. Die ärmeren 80% gehen nicht einmal vereinzelt und vorsichtig in den Bezirken der Reichen spazieren. Ganz im Gegenteil: Jahr für Jahr fordern die reichsten 1% einen immer größeren Anteil der Stadtfläche für sich ein. Bis 2020 werden diese 17.000 Wiener auch den 19. Bezirk komplett für sich erobert und die ihnen zur Verfügung stehende Fläche auf 13.000m² pro Person erhöht haben, sagt Oxfam. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, vor allem auch deshalb, weil es die Profiteure des Systems sind, die die Zügel der Politik und der Medien in der Hand haben. Sie sind es, die den übrigen 99% Pseudo-Probleme vorgaukeln, um sie von ihren prekären Wohnverhältnissen und den großen Grünanlagen außerhalb ihrer Ghettos abzulenken.

Selten, ganz selten kommt es vor, daß Menschen aus dem reichen Teil der Stadt sich mit Lösungsvorschlägen an die Menschen in der roten Zone wenden. Einer von ihnen ist Götz Werner, Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm und so etwas wie ein Pop-Star unter den Unternehmern. Im Zusammenhang mit Berichten über die Oxfam-Studie wurde im Netz auf ein Interview verwiesen, das er der Wiener Zeitung schon 2013 gegeben hat, das aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat: „Man sieht es ein, oder es knallt“ Götz Werner tritt seit Jahren leidenschaftlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Weg aus der Krise ein. Lesenswert allemal.

Ob nun Grundeinkommen, Vermögenssteuer, Revolution oder Enteignungen der geeignete Weg sind, muß sich zeigen. Sicher ist: So gehts nicht weiter. Gerade ein kapitalistisches System kann nicht existieren, wenn der Großteil der Menschen immer ärmer wird und immer weniger konsumieren kann. Es wird Zeit, daß die Wiener sich wieder gleichmäßig über die Stadt verteilen.

Jolla: Limette und Prachtnelke

Lime und Nadeshiko Pink nennt Jolla die zwei neuen „Other Halves“, die vorgestern bei mir im Briefkasten lagen. Limette also und Prachtnelkenrosa. (Wer dort immer die Namen erfindet?)

Beim Aufstecken werden, wie üblich, ein neues Hintergrundbild sowie passende Klingeltöne heruntergeladen. Beides gibts hier zum Ansehen bzw. Anhören.

Während das Hintergrundbild für „Nadeshiko Pink“ ein bißchen gar unruhig geraten ist und die Lesbarkeit vor allem am Lock Screen beeinträchtigt, ist „Lime“ rundherum gelungen. Nicht nur die Farben (etwas grünlicher als auf der Jolla-Seite, also wirklich mehr Limette als Zitrone), sondern auch der kräftige Soundmix machen es zu einem ernsthaften Konkurrenten für meinen bisherigen Liebling „Keira Black“. (Kein Wunder, wenn man sich die Beschreibung dazu durchliest: The Other Half Lime makes you move. It is the perfect companion for your active lifestyle. Attach this cover with its refreshing ambience and you’ll never skip a beat. Exakt für mich gemacht! *LOL*)

Langsam muß ich mir eine eigene Lade für „Other Halves“ freiräumen. Die Tastatur kommt ja auch noch, die hab ich ja auch vorbestellt. 😉

16kg nicht geschleppt

Auch wenn es nur 170m sind von mir zum nächsten Supermarkt, auch wenn ich diese 170m sowieso gehen muß, weil der Weg von der Straßenbahnhaltestelle zur Wohnung am Supermarkt vorbei führt: Ich hasse die Einkauferei! (Das gilt fürs Gwand genauso wie für die Dinge des täglichen Bedarfs, die man beim Billa erwerben kann.)

Jetzt bin ich dem Idealzustand wieder ein Stück näher: Billa Hauszustellung heißt das Zauberwort. Im Web klicke ich mich durchs bekannte Angebot, einen Tag später steht ein kräftiger Herr mit zwei großen Kisten vor der Tür und und lädt die Ware bei mir ab. Soeben erstmals ausprobiert, sehr fein!

Natürlich ist das nichts für den „Ich hab schon wieder keine Milch mehr!“-Einkauf. Die Bestellung muß in der Regel am Vortag abgeschickt werden (Ausnahme: Zustellung nach 18:00 Uhr), der Mindestbestellwert liegt mit € 25,- deutlich über dem Preis eines Milchpackerls. Trotzdem: Ideal ist dieser Lieferservice für die Dinge, die ich ungern in größeren Mengen heim schleppe und die ein Teil meines Gehirns daher auch regelmäßig zu vergessen versucht. (Klopapier z.B. - nichts ist unangenehmer, als es sitzend auf die Einkaufsliste zu schreiben.)

Daß Billa für die Zustellung € 5,99 je begonnenen 50kg verlangt, ist nur auf den ersten Blick abschreckend. Einerseits ist mir der persönliche Komfort alle paar Wochen (so schnell geht mir das Klopapier dann auch wieder nicht aus) ein paar Taler wert. Zweitens und vor allem aber leiste ich mir im online-Shop einen Luxus, den ich mir im Gehetze des nachbürolichen Einkaufs vor Ort bisher niemals erlaubt habe: Ich vergleiche Preise. Da wirds beim Geschirrspülmittel schon mal die günstigere Eigenmarke, beim Waschmittel schlage ich beim Vierfachen meiner bisher üblichen Packungsgröße zu. (Ich muß das Zeug ja nicht schleppen. *LOL*) Ob ich damit (bei einem Gesamtwarenwert von € 61,65) die € 5,99 Liefergebühr reingeholt hab? Mehrfach sogar. Ich hab nachgerechnet. 😉

In Summe bin ich also - man merkts - durchaus angetan davon bedient zu werden. Einige kleine Hinweise auf Dinge, die man wissen sollte:

  • Der Webshop ist im Prinzip eine Zumutung und erinnert an Gehversuche des eCommerce aus dem letzten Jahrzehnt. Das betrifft die optische Gestaltung ebenso wie die Geschwindigkeit oder den Ablauf der Bestelleingabe. (Oder kann mir einer der Verantwortlichen erklären, warum ich bei jeder einzelnen Bestellung zuerst die Postleitzahl des Liefergebietes eingeben muß, obwohl ich bereits eingeloggt bin und meine Zustelladresse hinterlegt ist?) Hier heißt es: Geduld haben und üben.
  • Eh klar: Die 50kg-Grenze möglichst ausnutzen. Je mehr man kauft, umso mehr verteilt sich die Zustellgebühr auf die vielen Waren. (Außerdem macht es grundsätzlich mehr Spaß, die wirklich schweren Dinge nicht selbst tragen zu müssen.) Übermut tut aber auch nicht gut: Der freundliche Zusteller will seine Klappkisten nämlich wieder mitnehmen, es muß also zügig ausgeräumt werden. Laut AGB wäre er nichtmal verpflichtet, die Schwelle zur Wohnungstür zu überschreiten, was im Extremfall bedeuten kann: 50kg an Waschmittel, Konserven und Shampoo husch, husch im Vorzimmer ausräumen und nachher erst dekorativ auf Bad und Küche verteilen. Mein Zusteller hat das alles nicht so eng gesehen und war mir behilflich; es waren ja auch nur 16kg, keine 50kg. Trotzdem: Planung muß sein. Zumindest eine Ablagefläche sollte zum schnellen Ausräumen bereit stehen. 🙂 (Der Vorteil dieses Ablaufs gegenüber einer Pappschachtel, die einfach vor die Tür gestellt wird: Man kann die Lieferung beim Ausräumen auf Fehler überprüfen und der Zusteller geht erst, nachdem man das getan hat. Laut AGB nimmt er reklamierte Ware zurück, was auch bei der erst nach der Lieferung erfolgten Kreditkarten-Abbuchung berücksichtigt werden sollte. Mal sehen, wie das in der Praxis ist, wenn ich wirklich mal ausgelaufene Joghurtbecher in der Kiste finde.)
  • Es gibt von Billa ein Programm fürs Smartphone (die Android-Version läuft hervorragend auf meinem Jolla), das im Prinzip das gleiche macht wie der Webshop … fast. Was das Telefon nämlich zusätzlich kann: über die Kamera den Strichcode auf Packungen einscannen und direkt in den Warenkorb legen. Wenn also das Waschmittel aufgebraucht ist: Handy dranhalten und schon stehts auf der Einkaufsliste. Magic!
  • Die Zeitfenster für die Lieferung könnten flexibler sein. Vier Blöcke zu je drei Stunden stehen zur Auswahl. Wer berufstätig ist, kann nur den Block von 18:00-21:00 Uhr wählen und hoffen, daß er rechtzeitig aus dem Büro kommt … was sich ja selten mit Sicherheit planen läßt. Ich würd mich wohler fühlen, wenn ich ein 2-Stunden-Fenster von 19:00 bis 21:00 Uhr zur Auswahl hätte.

Trotz des Verbesserungspotentials: Ich glaub, ich mach das jetzt öfter. Das heute war erst mal eine Testbestellung mit unzerstörbaren und haltbaren Waren. Das nächste Mal wird wohl so etwas wie Milch, Brot, Butter oder gar Obst auch dabei sein. Mal sehen, wie das so ist mit der versprochenen Kühlkette und der Qualität der Äpfel, wenn jemand anderer sie für mich aus der Kiste holt.

Shoppen kann ja doch richtig Spaß machen. *LOL*

Silvesteressen

Ich (in der Küche): Da stinkts irgendwie.
Er: Ja, gell? Ich weiß auch nicht … So abgestanden irgendwie, so muffig …
Ich: … nach Kanal oder fauligem Abwasser.
Er: Achso, das meinst du! (Deutet auf einen Kochtopf.) Das ist dein Broccoli.

Bon appétit et bonne année!