Jolla: Neues vom Mobile World Congress

Gute Nachrichten aus Spanien: Jolla gönnt sich auch nach der Markteinführung seines ersten Smartphones keine Pause und präsentiert im Vorfeld des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona gleich eine ganze Reihe von Neuigkeiten.

  • Das bisher theoretische Konzept, über die austauschbaren Rückcover auch Partnerunternehmen ins Boot zu holen, wird mit „Angry Birds“-Hersteller Rovio und einem Fetzngschäft erstmals kommerziell umgesetzt. (Die „Angry Birds“-Version ghört dann wohl bald mir. *gg*)
  • Jolla-Kunden erhalten integrierten, sicheren Cloud-Speicher auf younited, dem Angebot des Unternehmens F-Secure. (Die werben mit: We wanted to provide you with a place where privacy is guaranteed and your stuff remains yours. We say NO to the prying eyes of governments and we don’t sell your information to advertisers. Klingt wie für mich gemacht.)
  • Jolla und das international tätige IT-Dienstleistungsunternehmen Tieto gehen eine Partnerschaft ein. Tieto berät Dritthersteller bei der Verwendung von Sailfish OS.
  • Sailfish OS wird zur Verwendung auf weiteren Android-Geräten freigegeben.
  • Das Jolla-Telefon wird derzeit nur in Europa verkauft. Russland, Indien und Hongkong sollen als weitere Märkte in Kürze folgen.
  • Die nächste Version des Betriebssystems wird kurz nach dem MWC, wahrscheinlich in der ersten Märzwoche, zum Download bereit stehen.

Auffallend: Finnen helfen Finnen. Rovio, Tieto, F-Secure und das Fetzngschäft Makia sind finnische Unternehmen, so wie Jolla selbst. (Auch Jollas erstes Partnerunternehmen, der Mobilfunkter DNA, ist finnisch.) Ich wußte gar nicht, daß dieses kleine Land mit seinen nur 5 Millionen Einwohnern so viel zu bieten hat.

Weitere Infos in den drei Pressemitteilungen von Jolla hier, hier und hier.

ESC 2014: Die ersten Songs

Viel zu lange hab ich den nahenden Song Contest ignoriert. Ein Gespräch im Büro hat mich auf diesen Fehler aufmerksam gemacht. Daher also heute endlich die von allen Lesern lange erwartete Übersicht (inklusive subjektiver Wertung) der bisher bekannten Songs:

Die besten fünf sind:

Rang Land Interpret Song
1 Lettland Aarzemnieki Cake to Bake
2 Weißrussland TEO Cheesecake
3 Finnland Soft Engine Something Better
4 Ungarn Kallay Saunders András Running
5 Ukraine Maria Yaremchuk Tick Tock

Außerdem schon fix für Kopenhagen nominiert, aber nicht so ganz mein Geschmack:

Noch sind wir in der alljährlichen Phase des „Was find ich am wenigsten schlecht“. Aber ich kenn mich: Irgendwann wird einer der Songs, dem ich noch keine Beachtung schenke, zu meinem Liebling. Ansonsten bleib ich bei Lettland: Ein Lied übers Kuchenbacken ist nie verkehrt. 🙂

Open Data: Ein Schritt vor, zwei zurück

Drei Jahre, von 2010 bis 2013, hat der Kampf um die Freigabe der Fahrplandaten der Wiener Linien als Open Data gedauert. Jetzt geht das gleiche Spiel von vorne los. Diesmal sind es die ÖBB und in weiterer Folge die gesamte Verkehrsauskunft Österreich, die ihre Informationen der offenbar gefährlichen Öffentlichkeit vorenthalten wollen.

Ins Rollen gekommen ist der Stein diesmal wegen der Einigung zwischen Google und den ÖBB. Der US-amerikanische Großkonzern darf seit Dezember 2013 auf die Daten der zu 100% staatlichen ÖBB zugreifen und sie für seine kommerziellen Interessen verwerten. Den grünen Bundesrat Marco Schreuder, der auch schon in Sachen Wiener Linien aktiv war, interessierte dabei, ob es sich dabei um einen Exklusivvertrag handelt. Außerdem wollte er wissen, ob die Daten der ÖBB, aber auch der gemeinsamen Verkehrsauskunft Österreich, nicht doch endlich als Open Data zur Verfügung gestellt werden - wie die Regierungsparteien es vor der Wahl eigentlich angekündigt hatten (siehe Anfragebeantwortung auf Wahlmonitor.at). Seine parlamentarische Anfrage vom Dezember an Verkehrsministerin Doris Bures wurde diese Woche beantwortet. Kurze Zusammenfassung: „Ich bin als Verkehrsministerin nicht für die ÖBB zuständig. Fahrplandaten werden nur zu Forschungszwecken zugänglich gemacht.“ (Im Volltext findet sich die Anfragebeantwortung hier.)

Daß es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Deutschland. Dort hat sich die große Koalition im Regierungsübereinkommen auf Open Data als Ziel geeinigt:

Unser Ziel ist eine nachhaltige Mobilitätskultur und eine nutzerfreundliche Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Dazu fördern wir verkehrsträgerübergreifende Datenplattformen auf Open-Data-Basis, die über Mobilitätsangebote, Staus, Verspätungen und Fahrplandaten informieren. Mit der Vernetzung von Verkehrsinformationen und Ticketsystemen können den Menschen innovative digitale Mobilitätsdienste zur Verfügung gestellt werden.

Den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt ließe sich das auch in Österreich umsetzen. Selbst Betriebe, die pro forma eigenständig oder mit privater Beteiligung geführt werden, wären schnell mit im Boot: Man müßte nur die öffentlichen Förderungen von der Zurverfügungstellung der Daten abhängig machen. Punkt. Wie das inhaltsfreie Geschwurbel der Anfragebeantwortung von Doris Bures zeigt, fehlt es sowohl am Problembewußtsein als auch am politischen Willen. Die Daten ausgerechnet an Google weiterzugeben war dabei ein bösartig-raffinierter Schachzug der Staatsbahn: 95% der Endkunden sind damit zufriedengestellt. Einen öffentlichen Druck aufzubauen, wie es im Fall der Wiener Linien gelungen ist, wird kaum noch möglich sein.

Was Open Data bewirkt und wie sehr sich der Kampf dafür gerade im Fall der Wiener Linien ausgezahlt hat, zeigt die Software Citysailor, die ich erst vor wenigen Tagen hier erwähnt habe. Citysailor nutzt genau diesen seit kurzer Zeit zugänglichen Datenbestand. Es wurde für ein Betriebssystem geschrieben, dessen weltweite Verbreitung sich im unteren fünfstelligen Bereich bewegt. Außerdem ist es nur für Benutzer in Wien interessant. Ein absolutes Minderheitenprogramm also. Hätte vor der Freigabe der Fahrplandaten irgendjemand bei den Wiener Linien Budget in die Hand genommen, um die vielleicht 50 potentiellen Nutzer mit dieser Funktion zu versorgen? Ganz sicher nicht. Jetzt aber ist es jedem Programmierer möglich, eine entsprechende Lösung ins Netz zu stellen. Keine Zusatzkosten für den Steuerzahler, großer Nutzen für die Öffentlichkeit. Warum dieser Weg nicht auch bei den ÖBB gegangen werden soll, ist mir unverständlich.

Wir müssen alles anzünden!

OK, ich kann diesen Eintrag nicht schreiben, ohne vorher zu gestehen, was wir eigentlich geheim halten wollten: Wir schauen uns das „Herz von Österreich“ an. Seit der ersten Folge. Jeden Freitag zu den Nudeln.

Das tun wir nicht der Musik wegen, die trifft nur selten unseren Geschmack. Auch der Unterhaltungsfaktor ist im Vergleich zu anderen Casting-Shows mau: Puls 4 führt keine „leider nein“-Kandidaten am Nasenring durch die Arena. Wer uns einschalten macht ist unser Luki als Juror. Lukas Plöchl ist seit Jahren Teil unseres Lebens und hat mit seinem Schaffen Eingang in unsere Alltagssprache gefunden („Teeepf“, „Fruttn“ oder der ewige Klassiker „Guuugarutz/Zuckerguß“). So hängen wir nun auch bei „Herz von Österreich“ an seinen Lippen, wenn er jungen Künstlern Feedback gibt: Zweng is zweng und zvü is dann a wieda im Endeffekt zweng. Ach, Luki …

Ja, so viel also wortreich zur Einleitung und irgendwie auch zur Rechtfertigung. Gestern hat uns Luki aber erstmals ein Stück Kultur beschert, das nicht aus seiner eigenen Feder stammt und dennoch sofort Teil unseres aktiven Wortschatzes geworden ist: Sepp hat gesagt wir müssen alles anzünden ist die titelgebende Zeile aus dem genialen Song der Band PauT, die damit seit vier Jahren hausieren geht und daher fast schon so etwas wie ein One Hit Wonder ohne echten Hit geworden ist. Egal: Auf YouTube gibts das offizielle Video zu „Sepp hat gesagt wir müssen alles anzünden“, Amazon bietet den Song um 99 Cent zum Download an.

Luki war derjenige, der die fünf Niederösterreicher zu wählbaren Kandidaten in der nun eine Woche dauernden Publikumsabstimmung gemacht hat. Danke, Mr. Plöchl. (Details zum Abstimmungsmodus hier bei Puls 4.)

Sepp hat gesagt wir müssen jetzt Tee trinken.

Jolla: Meine Farben, mein CitySailor

Gleich zwei Neuigkeiten an einem Tag! Wenn das kein Grund zum Feiern ist! 🙂

Als Erstes entdecke ich im Jolla Store ganz zufällig das Programm CitySailor von Patrik Fimml. CitySailor dockt an die Open Data Schnittstelle der Wiener Linien an (ja, das Thema hatten wir hier schon öfter mal *gg*) und tut genau das, was ich von so einem Programm in erster Linie will: Es zeigt mir an, wie viele Minuten es noch bis zur Abfahrt der Straßenbahn an meiner Haltestelle sind. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an den Patrik: Da gehört schon was dazu, ausgerechnet fürs Jolla Phone ein Programm zu entwickeln, das nur in Wien zu benutzen ist. Ich für meinen Teil jedenfalls bin höchst entzückt.

Dann, beim Heimkommen, finde ich im Briefkasterl Post aus Finnland. Zwei weitere Rückcover für mein Jolla Phone! (Ja, ja, Überraschung ist das keine mehr, ich hab ja sogar aus der Bestellung einen eigenen Artikel gemacht vor lauter Begeisterung. *LOL*) Für den Moment bin ich „Aloe“. (calm and relaxing. Attach […] when you want to unwind.)

(Es ist ja schon auch seltsam, wie unterschiedlich man die Dinge sieht: Wie Nokia Ende der 1990er seine bunten Wechselcover auf den Markt geworfen hat, hab ich das für die peinlichste Bauernfängerei von da bis Texas gehalten. Wenn dagegen Jolla morgen wieder eine neue Farbe rausbringt, tipp ich meine Kreditkarte gleich wieder ein. Ist das Senilität oder nur mein ausgeprägtes Gutmenschentum?)

Ein Tag, zwei schöne Dinge … mein Jolla und ich, wir geh’n jetzt feiern: Eiskaffee und The Bing Bang Theory. 😉

VoteWatch – der Spickzettel zur Europawahl

Am 25. Mai ist bei uns die Wahl zum Europaparlament. Die Parteien beginnen langsam, sich in Stellung zu bringen … und trotzdem wird diese Wahl genauso seltsam ablaufen wie alle vorherigen Europawahlen: Demokratie-Monopoly, bei dem die Wähler irrtümlich annehmen, ihre Kreuze wären nur Spielstimmen statt echter politischer Währung. Mit VoteWatch und Wikipedia kann man das ändern - zumindest mal für sich selbst. VoteWatch hat darüber hinaus ein ganz eigenes Spiel zu bieten, das der Wahlkabine ähnelt.

Aber zunächst zurück zum „Demokratie-Monopoly“: Die Ursache dieses gefährlichen Mißverständnisses ist sicher, daß kein Mensch versteht, was da eigentlich gewählt wird und wer die politischen Kräfte sind. (Hand aufs Herz: Wer kennt die Kompetenzen des Parlaments? Wer weiß überhaupt, wie im Zusammenspiel zwischen Kommission, Rat und Parlament die gemeinsamen europäischen Rechtsnormen entstehen? Und weil wir gerade dabei sind: Wer kennt den Unterschied zwischen Verordnungen, Richtlinien und Beschlüssen?)

Am 25. Mai werden also 99% der Wahlberechtigten entweder gar nicht teilnehmen (was unter diesen Umständen die beste Lösung ist) oder aber ihre Stimme ausschließlich nach nationalen Kriterien vergeben. Die einen wollen der Regierung einen Denkzettel verpassen (als ob Faymann und Spindelegger die zukünftig 18 österreichischen Abgeordneten interessieren würden), die anderen meinen, Positionen in der heimischen Bildungspolitik sollten unbedingt auch in Straßburg und Brüssel diskutiert werden. Eh ja, ganz sicher.

Wer grundsätzlich das Gefühl hat, zu wenig über den politischen Entscheidungsfindungsprozess in Europa zu wissen, kann sich in Wikipedia von folgenden zwei Artikeln aus weiterklicken: Rechtsetzung der Europäischen Union und Ordentliches Gesetzgebungsverfahren geben einen ersten Überblick mit vielen zusätzlichen Links. Ohne dieses Grundwissen sollte man im Mai tatsächlich besser zuhause bleiben.

Ich persönlich habe vor einigen Tagen eine ganz andere Sache für mich entdeckt, die ich im Hinblick auf die Wahl für extrem spannend halte: VoteWatch. Die Seite dokumentiert penibelst die Arbeit sowohl aller EU-Parlamentarier als auch des Rates des Europäischen Union und macht alles über Datenbankabfragen zugänglich. Wie haben einzelne Abgeordnete bei gewissen Themen gestimmt? Wie hat eine Fraktion abgestimmt? Wie haben die Abgeordneten eines Landes abgestimmt? Welche Aktivitäten haben einzelne Mitglieder des Parlaments im Detail gesetzt? Welche Meinung hat Österreich im Rat bei bestimmten Einzelfragen vertreten? Alles da und grafisch hübsch aufbereitet. (Die Bedienung der Seite ist anfänglich nicht so ganz „intuitiv“, vor allem bei den Agenden des Rates. Aber man findet sich rein.)

Ich weiß gar nicht, ob es diese Transparenz auf nationaler Ebene gibt bei uns. Ich finds ja schon ziemlich praktisch: Sofern die am 25. Mai zur Wahl stehenden Kandidaten schon bisher Mitglieder des Parlaments waren und auf einer Liste stehen, die grundsätzlich von ihrer politischen Ausrichtung her für mich in Frage kommt, kann ich jedem einzelnen hinterherschnüffeln und überprüfen, was er bisher so angestellt hat - und ob ich wirklich möchte, daß er das in Zukunft in meinem Namen weiter tut.

Ein Beispiel, damit man sieht, wie sowas in der Praxis aussieht: Am 4.2.2014 hat das Parlament den „Bericht über den EU-Fahrplan zur Bekämpfung von Homophobie und Diskriminierung aus Gründen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität“ (hier im Volltext) von Ulrike Lunacek angenommen. (Ja, das ist der Entschließungsantrag, der laut FPÖ-Schmutzpropaganda angeblich Sonderrechte für Menschen mit originellen sexuellen Orientierungen enthält.) VoteWatch stellt am Beginn der Seite das Abstimmungsergebnis dar. Spannend sind dann die Filter:

In der Sektion „View details“ kann man sich zunächst die groben Übersichten auswählen. Mich interessieren hier die Stimmen pro Fraktion („Votes by political groups“) und pro Land („Votes by member states“). Weitere Filterkriterien werden in der ursprünglichen Ansicht „Votes by MEP“ angeboten. Da kann man nämlich in der darunterliegenden Sektion „Choose filters“ zum Beispiel die Ansicht auf alle österreichischen Abgeordneten einschränken und deren Abstimmungsverhalten einzeln anzeigen lassen.

Ein weiterer lohnender Einstiegspunkt ist die Übersichtsseite zu einzelnen Abgeordneten. Die erreicht man entweder über die allgemeine Suchfunktion oder - wenn man schon die Tabelle mit dem Abstimmungsverhalten der Österreicher vor sich hat - mit einem Klick auf den Namen. Fürs Beispiel einer der freundlichen Herrschaften aus der ÖVP, von dem wir jetzt wissen, daß er gegen den Vorschlag von Ulrike Lunacek gestimmt hat: Richard Seeber von der ÖVP. Eine nicht uninteressante Information ist die Fraktions- und Parteitreue: Zu 93% folgt er den Vorgaben seiner Fraktion, der EPP, zu 99% den Vorgaben der nationalen Partei, die ihn aufgestellt hat - der ÖVP. Unmittelbar darunter seine gesammelten Aktivitäten, auf der linken Seite sein Stimmverhalten chronologisch aufgelistet. Diese Seiten würde ich ansteuern, wenn ich mir die Kandidatenliste der von mir favorisierten Parteien durchsehe.

Gerade vor der Wahl nett ist VoteMatch, das ähnlich wie die diversen Wahlhilfen auf nationaler Ebene funktioniert. Man beantwortet Fragen zu politischen Themen und bekommt anschließend präsentiert, welche Abgeordneten einem inhaltlich am nächsten stehen. Leider ist dieses Feature derzeit tatsächlich nicht mehr als „nett“ und eigentlich nur ein Spiel: Die Fragen sind sehr willkürlich ausgewählt und decken nur ein kleines Spektrum ab. Trotzdem machts Spaß. 😉

I ♥ Free Software Day 2014

Der 14. Februar ist der Tag der Liebe. Wie schon 2012 und 2013 feiere ich auch dieses Jahr wieder den „I love Free Software-Tag“ der Free Software Foundation Europe.

Wir haben freier Software so viel zu verdanken, da ist es nur würdig und recht, sie einmal im Jahr auch so richtig zu feiern. Deshalb hängt schon seit gestern Abend wieder das zuckerlrosa „I ♥ Free Software“-Plakat unter unserer Kaffeemaschine (Kommunikationszentrum!). Deswegen erkläre ich wieder jedem, der mich unvorsichtigerweise danach fragt, was freie Software ist und warum sie unsere Welt um so viel besser macht. Und deswegen verlinke ich jetzt zur Feier des Tages auf den Free Software Song, den seine Majestät Richard M. Stallman höchstselbst 1991 bei einer Science Fiction Covention erstmals intoniert hat:

Free Software Song (Originalversion)

Für Daniel gibts noch die extra-spezial-Version zum Gsundwerden:

Free Software Song (Metal Version)

Es wird von meiner Stimmung abhängen, welche der beiden Varianten des Liedes ich heute im Büro singe … 😉

N9: Wie man es rettet, solange es noch geht

Meine Weisheit für die Internet-Gemeinde: Wer noch ein Nokia N9 verwendet, sollte besser jetzt gleich die notwendigen Dateien für eine Rettung des Systems durch Flashen auf seiner Festplatte speichern. Ich war soeben in der unangenehmen Lage, diese sehr heikle Operation durchführen zu müssen … und nein, es ist absolut nicht beruhigend, wenn alle offiziellen Nokia-Downloadserver nicht mehr verfügbar sind. Egal ob das eigene N9 noch funktioniert oder nicht: Alle im Folgenden angegebenen Dateien sicherheitshalber irgendwo abspeichern. Jetzt!

Schuld an meiner Misere war natürlich, wieder einmal, Microsoft und sein verflixtes Exchange. Um Firmenmails abrufen zu können, vor allem aber damit ich meine Termine immer aktuell im Kalender sehe, mußte ich die Exchange-Unterstützung aktivieren und ein Konto einrichten. Das hab ich schon vor langer Zeit hinter mich gebracht. Irgendwann hat unsere IT dann gemeint, es wäre notwendig, mobile Geräte mit Exchange-Verbindung zwangsweise mit einem Sicherheits-PIN zu versehen. Auch das hab ich brav mitgemacht letztes Jahr - es blieb mir ja auch kaum was anderes übrig.

Tja, und irgendwo gabs zwischen dem bösen Exchange-Server und einer wahrscheinlich schlampigen Implementierung des proprietären Exchange-Protokolls durch Nokia ein Problem. Das Telefon wollte vor einigen Wochen gleich beim Einschalten, daß ich den Sicherheits-PIN erneuere, konnte sich selbst aber offenbar an den alten nicht mehr erinnern. Ausgesperrt. Ich konnte mit dem N9 nichts mehr machen. Verschiedene Foreneinträge beweisen: Das Problem kommt zwar nicht oft vor, aber wenn, dann gibt es keine einfache Lösung. Der Sicherheits-PIN soll nun mal vor unberechtigtem Zugriff auf alle Handy-Daten schützen und tut dies mit gnadenloser Härte. Nicht einmal an die gespeicherten Fotos kommt man mehr heran, auch die USB-Verbindung streikt. Was also tun?

Daten sichern

AllboutN9.info beschreibt in diesem Artikel Schritt für Schritt, wie vorzugehen ist. Zunächst geht es darum, die Daten wieder zugänglich zu machen und auf den PC zu übertragen. Das funktioniert nicht, solange das N9 mit dem eigenen Bootloader und Kernel startet. Gottseidank gibt es hier Abhilfe aus den Entwicklungsdateien für das nie veröffentlichte N950. Diese Dateien finden sich allesamt im Abschnitt A des verlinkten Artikels. (Das zentrale Tool, der Flasher, wird als Debian-Paket zum Download angeboten. Das ist lästig für Leute, die nur die ausführbare Datei benötigen. Man kann die *.deb-Datei mit einem Archivmanager öffnen und findet den Flasher in data.tar.gz unter usr/bin/.)

Als Erinnerungshilfe für mich, falls AllboutN9 auch offline geht, hier das Kommando zum Laden des offenen N950-Kernels:

./flasher --load \
-k vmlinuz-2.6.32.20112201-11.2-adaptation-n950-bootloader \
-n initrd.img-rescue-2.6.32.20112201-11.2-n950 \
--boot

Nach dem Neustart erscheint eine gefährliche Warnmeldung am N9 („keine Originalsoftware, Garantieverletzung etc.“) und zwei Partitionen des Telefons werden (zumindest im aktuellen Gnome) automatisch eingebunden. Jetzt hat man alle Zeit der Welt, um die Fotos, die Musik und sonstige Dateien zu sichern.

Gerät flashen

Getan ist es damit nicht. Das N9 muß wieder mit der Original-Nokia-Software geflasht werden. Dabei werden alle Benutzerdaten gelöscht - und damit auch die alberne Sache mit dem Sicherheits-PIN. Wie das Flashen grundlegend funktioniert, wird im Groben hier auf T.M.O. beschrieben. Einzige Korrektur: Statt der dort angegebenen Methode

flasher -f -F main.bin -F emmc.bin --flash-only=mmc

soll laut der Info eines Nokia-Mitarbeiters gegen Ende des Threads dieses Kommando angewendet werden:

flasher -f -F main.bin -F emmc.bin -R

Woher aber bekommt man main.bin und emmc.bin? Die ursprünglichen Quellen sind versiegt. Ich habe beide Dateien (unter anderer Bezeichnung) für die in Österreich verkaufte Variante des N9 hier gefunden. Die Seite ist eine einzige Grauslichkeit und mit der schlimmsten Pop-Up-Werbung verseucht, aber die Dateien scheinen in Ordnung gewesen zu sein. Die „main.bin“ nennt sich dort kurz und prägnant „DFL61 HARMATTAN 40.2012.21-3 PR LEGACY 001-OEM1-958 ARM.bin“, die emmc.bin ist als „DFL61 HARMATTAN 40.2012.13-7.ALPS EMMC ALPS.bin“ zu haben. Die vielen anderen Dateien dort braucht kein Mensch.

Fürs Flashen muß das N9 mindestens zu 11% geladen sein. Falls nicht, legt der Flasher eine kurze Pause ein und wartet einfach, bis der USB-Port seine Arbeit getan hat. Das Kommando lautet also:

./flasher -f \
-F DFL61_HARMATTAN_40.2012.21-3_PR_LEGACY_001-OEM1-958_ARM.bin \
-F 030AF44E_DFL61_HARMATTAN_40.2012.13-7.ALPS_EMMC_ALPS.bin \
-R

Bei mir hats funktioniert. Ich hab wieder ein ganz jungfräuliches N9, dem ich erst sagen muß, daß wir in Österreich sind, wie spät es ist und daß es Deutsch mit mir reden kann. Eines weiß ich: Die heruntergeladenen Dateien geb ich nicht mehr her. Es ist durchaus anzunehmen, daß in einem halben Jahr mindestens eine davon nicht mehr aufzufinden ist im Netz. Und dann könnt ich mein N9 nur mehr als Briefbeschwerer verwenden.

Guten Morgen, Schuhe!

Das Haus auf der anderen Straßenseite hat was Künstlerisches. Es regt immer wieder zum Nachdenken an.

Ganz früher mal war da die Dreier-WG im dritten Stock, die ich liebevoll „meine Tamagotchis“ genannt habe: arme junge Menschen, die sich weder Kleidung noch Vorhänge leisten konnten und daher immer halbnackt durch die hell erleuchtete Wohnung geflitzt sind - gut sichtbar von meinem Fernsehplatz aus. Ich hab immer gesehen, was da grad los war, wer kochte, wer in der Dusche stand, wer am Abend spät heim kam … und hab mir meine eigenen Geschichten zu den oftmals verwirrenden Bildern ausgedacht in den Werbepausen.

Dann war da die dramatische Episode mit dem Hasensuizid, die ich ja auch fotografisch festgehalten habe. Ganz entsetzlich!

Heute in der Früh schließlich grüßt mich ein Paar Sportschuhe, das direkt gegenüber von meinem Schlafzimmerfenster geparkt hat. Guten Morgen, liebe Schuhe! Hattet Ihrs schön heut Nacht? 🙂

Jolla: Meine vierte „Other Half“ – und die Hardware-Dokumentation

Es ist heutzutage so schwer, sein Geld loszuwerden. Gottseidank hilft Jolla gleich am Monatsanfang aus und legt zwei neue „Other Halves“ in seinen Shop: schwarz und türkis sind sie (Jolla nennt das Keira black und Aloe), bestehen aus der bekannten Kombination Wechselcover/Klingelton/Hintergrundbild, sind für € 29,- zu haben und befinden sich bereits auf dem Weg zu mir. Beide. Damit hab ich alle vier Stück: Snow white, das exklusive Poppy red mit dem „The First One“-Schriftzug und die beiden gerade bestellten Exemplare. Juppidie.

Viel interessanter (wenn auch leider gratis) ist allerdings das ebenfalls heute neu veröffentlichte „Other Half Developer Kit“: Es enthält die genauen technischen Spezifikationen der Schnittstellen, Beispieldateien für passende Ambiences und vor allem die lange ersehnten offiziellen CAD-Dateien (im STL- und STEP-Format) für den eigentlichen Fertigungsprozess. Damit ist das Herstellen neuer Covers kein Problem mehr, weder für engagierte Bastler am 3D-Drucker noch für Unternehmen, die an Handy-Zubehör Geld verdienen.

Was wäre der logische nächste Schritt? Eine passende Software besorgen, mein individuelles Cover gestalten und bei einem 3D-Printshop ausdrucken lassen? 🙂