Nationalratswahl 2013: Was bedeutet das Ergebnis?

Das Wahlergebnis … Da ist ein bißchen etwas Positives dabei … und viel Unappetitliches. Aber sehen wirs uns an. 🙂

(Grundlage ist das Endergebnis vom 3. Oktober mit Briefwahlstimmen und Wahlkarten die aktuelle Hochrechnung inklusive der Wahlkarten und Briefwähler, nicht das vorläufige amtliche Endergebnis ohne diese beiden Faktoren.)

Positiv ist jedenfalls:

  • Österreich bleibt (gerade noch) regierbar. Eine Zweierkoalition geht sich bei gutem Willen aus, die Unterstützung von Extremisten ist nicht notwendig. Ganz knapp vorbeigeschrammt an italienischen Verhältnissen also.
  • Die Grünen fahren das beste Ergebnis ihres Bestehens ein. Noch nie zuvor kam die seit 1986 im Nationalrat vertretene Partei auf 24 Mandate 23 Mandate bzw. über 12%. Und: Die Grünen haben mehr Mandate dazugewonnen als die FPÖ (Grüne +4, FPÖ +2).

Das wars dann aber auch schon. Die Liste der Punkte, die zu denken geben:

  • Einzelne Millionäre können in Österreich Stimmen kaufen. Lust auf eine eigene Partei? Programm und inhaltliche Arbeit sind nicht notwendig. Mit einem Sugar-Daddy im Hintergrund kommt man auf verläßliche 9 Mandate 10 Mandate. (Er muß nicht mal kandidieren: Haselsteiner z.B. hat sich für die NEOS-Plakate nur fotografieren lassen. Wer daraus ableitete, man könne ihn bei den NEOS auch wählen - Pech. Man muß nicht alles ernst nehmen, was einem so eine Partei verkauft.)
  • Rund 30% der Wähler stimmen für Parteien, die im öffentlichen Auftritt in erster Linie „dagegen“ sind, ohne sich inhaltlich für etwas festzulegen.
  • Die Tatsache, daß Österreich im internationalen Vergleich hervorragend durch die Wirtschaftskrise gesegelt ist, wird den Regierungsparteien nicht zugute gehalten. Ich frage mich, welche Erwartungshaltung hier unter den Wählern besteht.
  • Zum ersten Mal ist in Österreich eine „Zahnarztpartei“ im Parlament, die soziale Gegensätze verstärken, den Neoliberalismus nach Österreich bringen und die Umverteilungsspirale von unten nach oben noch weiter beschleunigen möchte. (Allerdings bezweifle ich, daß die NEOS von den Wählern genau deswegen gewählt wurden, ganz im Gegenteil: Auf ihren eigenen Plakaten stand davon natürlich nichts, und öffentlich erklären mußten sie sich auch nie. Siehe dazu dieser hervorragende Artikel.)
  • Weiterhin sechs Parteien im Parlament. Beunruhigend nahe an italienischen Verhältnissen, so gesehen. Nicht gut.

Mal sehen, wie das Endergebnis aussehen wird und was uns dann bei der Regierungsbildung noch erwartet.

Kreuzerl machen

Bürgerpflicht erledigt, Kreuz gemacht. Jetzt heißts hoffen und bangen. Es ist eine gefährliche Wahl. Noch nie traten so viele extreme Gruppen an, die die wichtigsten Errungenschaften der Zweiten Republik abschaffen oder deutlich schwächen möchten. 🙁

Nationalratswahl 2013: Hobbywähler

Unglaubliche 50% der Wähler entscheiden sich laut Market-Institut erst in der letzten Woche vor der Wahl, wen sie wählen werden bzw. ob sie überhaupt wählen werden. Das geht aus diesem Artikel auf dasfaschblatt.at hervor. Noch nie war dieser Wert so hoch.

Was das bedeutet, hat der User „Hintergrund“ in einem Posting treffend auf den Punkt gebracht:

So wie es heutzutage Hobbypolitiker wie z.B. Haselsteiner gibt, die schon über verschiedene Listen ihr Glück versucht haben und die vorübergehend ein paar Mille in den Wahlkampf werfen, um ihr Ego zu befriedigen und sich auf Plakaten bewundern zu können, wird auch die Gruppe der Hobbywähler immer größer, die sich 5 Jahre nicht für Politik interessieren und nicht mitbekommen was im Land abgeht, aber eine Woche vor der Wahl sich für den entscheiden, der am meisten Geld in die Wahlschlacht geworfen hat und mit unrealistischen Wahlversprechen am präsentesten ist.

So erhält ein Land jene Politiker, die es „verdient“.

Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Eines vielleicht nur: Wenn man sich auch noch vor Augen hält, daß 30% der Wahlberechtigten von keiner einzigen Partei die Ziele und Inhalte kennen (siehe hier), fragt man sich wirklich, ob es nicht sinnvoller wär, der Bundespräsident würde am SO einfach würfeln.

I ♥ Barilla

Ganz ehrlich: Die Spaghetti vom Spar mit dem Pesto von Barilla hätts heute sowieso gegeben. Weils die seit Jahren jeden Freitag gibt. Das ist Tradition. Und ich hätt mich so oder so besonders drüber gefreut, weil sie jetzt urlaubs- bzw. krankheitsbedingt 2x hintereinander ausgefallen sind.

Heute esse ich ein Nudelchen mehr als sonst: Die „Sorry-Nudel“ für die 15.000 Mitarbeiter des Barilla-Konzerns, die derzeit einem aus heiterem Himmel über sie hereingebrochenen, völlig absurden Shitstorm (natürlich mit Boykottaufruf) ausgesetzt sind.

Wieso Shitstorm? Was ist geschehen? Nun, Guido Barilla, einer der Eigentümer des Familienunternehmens, wurde in einem Radiointerview gefragt, ob er sich nicht auch vorstellen könnte, in der Werbung Regenbogenfamilien - also gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern - einzusetzen. (Das Thema wurde gerade von der italienischen Politik hochgespült, und Barilla ist berüchtigt für seine kitschige „Mama kocht für Papa und Kinder“-Werbung.) Seine Antwort drauf:

Nein, Barilla werde das nicht tun, weil man das klassiche, konservative Familienbild unterstütze. Zwar sei er grundsätzlich für die Rechte von Schwulen und Lesben und unterstütze auch die gleichgeschlechtliche Ehe. Eine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare gehe ihm aber zu weit.

Auf die Nachfrage des Journalisten, ob eine solche Fixierung auf eine klassisch heterosexuelle Familie nicht auch Kunden kosten könnte, meint er: Wenn Schwule die Pasta und die Werbelinie mögen, werden sie die Pasta essen. Wenn nicht, dann nicht.

So weit, so gut. Lassen wirs nochmal vorsichtig sacken. Er hat gesagt: für die Rechte von Lesben und Schwulen, volle Unterstützung für gleichgeschlechtliche Ehe (in Italien gibt es nicht mal eine registrierte Partnerschaft), Adoption aber kann er sich nicht vorstellen. Und er hat gesagt: Ja, wenn jemandem weder Produkt noch Werbelinie von Barilla gefallen, wird er wohl eine andere Pasta kaufen. No na.

Welcher Strick wurde ihm daraus gedreht?

Heute liest man auf Facebook, Twitter und in Blogs: Der Chef des Barilla-Konzerns hat keinen Respekt vor Schwulen. Er will nicht, daß Schwule Barilla-Produkte essen und fordert sie auf, zu anderen Marken zu greifen.

Nochmal, zum Mitschreiben: In einem der letzten Länder der EU, das noch nicht einmal irgendeine Form von eingetragener Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare vorsieht, lehnt sich ein Unternehmer aus dem Fenster und unterstützt die Ehe für Schwule und Lesben. Gleichzeitig hat er die unermeßliche Frechheit zu sagen, daß ein entsprechender Werbespot nicht zum Image seiner Produktlinie passen würde und daß für ihn persönlich auch das Adoptionsrecht zu weit geht. Zum Dank dafür wird er über Nacht zum homophoben Monster erklärt, das Schwulen angeblich nahelegt, die Produkte seiner Firma nicht zu kaufen. Shitstorm, Boykottaufruf. Weltweit.

Schöne neue Welt.

Ich bedank mich jetzt mit extra Barilla-Konsum dafür, daß er sich im katholisch-konservativen Italien für die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt hat. Gut gemacht, Guido! Hoch die Pesto-Gläser!

30 Jahre GNU: Happy Birthday!

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich hier Richard M. Stallman zu seinem Geburtstag gratuliert. Heute wird es Zeit, sein Baby zu feiern: Vor 30 Jahren hat er mit dieser Nachricht das GNU-Projekt aus der Taufe gehoben.

GNU („GNU’s not Unix“) sollte eine vollständige Alternative zum damals dominierenden Betriebssystem Unix werden. Der einzige Unterschied: Unix war ein kommerzielles, proprietäres Produkt. GNU sollte den gleichen Funktionsumfang bieten, aber als freie Software.

Zwar hat sich GNU anders entwickelt, als Stallman es damals geplant hatte. Es hat sich aber entwickelt und ist der gemeinsame Vorfahre (fast) aller freien Betriebssysteme, die heute als „Linux“ vermarktet werden. Von Ubuntu auf meinem Laptop über Maemo am Handy bis hin zu einer eigens zusammengestellten GNU/Linux Variante am Netzwerk-Server … alles hatte seinen Ursprung am 27.9.1983.

Alles Gute zum Geburtstag also, liebes GNU. Ich freu mich auf Deine neuesten Sprößlinge, das Sailfish OS fürs Handy und Plasma Active fürs Tablet. 🙂

Nationalratswahl 2013: Hilfe für Unentschlossene

Marco Schreuder ist Abgeordneter zum österreichischen Bundesrat und hier auf diesem Blog bereits einmal positiv aufgefallen.

Er tuts wieder, diesmal mit einer klaren Botschaft an unentschlossene Wähler. Sein Blog-Eintrag „Unentschlossen? Warum ein X bei den Grünen?“ ist für sich allein schon mal lesenswert. Natürlich schreibt er aus der Perspektive eines grünen Kandidaten und wirbt um eine Stimme für die Grünen. Ich nehm mir jetzt einfach mal die Frechheit heraus, seine Grundgedanken herauszulösen. Sie sind nämlich auch dann gültig, wenn man nicht gerade für eine bestimmte Partei wahlkämpft. Hier also, angereichert mit meiner persönlichen Gewürzmischung, die wichtigsten Punkte:

  1. Geh hin, Teufel noch eins! Gib eine gültige Stimme ab! Nicht zu wählen oder ungültig zu wählen mag kurzfristig so befriedigend sein wie der Tritt gegen den Herd, wenn der Reis angebrannt ist. Besser wirds davon nicht, am Ende tun einem noch die Zehen weh. Irgendjemand wird dieses Land regieren in den nächsten 5 Jahren, ob mit oder ohne Deine Stimme. Versuch zumindest, das Schlimmste zu verhindern, wenn Dich schon nichts wirklich überzeugt.
  2. Häng Dich nicht auf einem Thema auf. Marco beschreibt das so schön aus seiner eigenen Erfahrung: Manchmal kommen in einem Wahlkampf Menschen zu mir, die mir sagen: ‘Die Grünen kann ich deshalb nicht wählen’ und nennen ein Thema. Eines! Und reden nur über dieses. Da muß ich mich selbst an der Nase nehmen. 🙂 Kann ich die Grünen tatsächlich deshalb nicht wählen, weil sie eine meiner Meinung nach völlig verquere Ansicht zu Gender-Fragen haben? Ist das mein Thema für die nächsten fünf Jahre? Um nochmal Marco wörtlich zu zitieren: Aber ist es nicht doch klüger eine Wahlentscheidung andersrum zu denken? Was ist mir wichtig, was ist meiner Meinung nach für die Entwicklung Österreichs, Europas und des Planeten am Wichtigsten und wer setzt sich dafür ein? […] Wenn man nämlich so denkt – und ich tue das – kann man auch recht entspannt damit leben, dass man mit dem einen oder anderen Punkt im Wahlprogramm nicht übereinstimmt. Das, worum es geht, ist einfach viel viel wichtiger. Also: Schön brav das große Ganze sehen und nicht die Nadel im Heuhaufen suchen. Den einen Punkt, der mich stört, find ich bei jeder Partei. Das kürzt sich weg.
  3. Scheiß auf den Wahlkampf, echt! Bei Marco liest sich das noch eine Spur freundlicher, aber ich persönlich sag: Wer seine Wahlentscheidung aufgrund des ganzen Kasperltheaters trifft, das in den letzten Wochen vor der Wahl abgezogen wird, der hat schon verloren. Da werden vom politischen Gegner Mücken zu Elefanten aufgeblasen und Parteien entdecken plötzliche Themen für sich, die sie nie angegriffen haben und nach der Wahl auch gleich wieder vergessen werden. Nein, den Wahlkampf muß der Wähler möglichst mit geschlossenen Augen und Ohren durchtauchen. Die fünf Jahre zuvor sind es, die zu beurteilen sind. Da bekommt man doch mit, was (sich) die einzelnen Parteien geleistet haben. Ein Lehrer beurteilt im Abschlußzeugnis auch nicht die Leistung der letzten zwei Wochen (schon gar nicht das Versprechen, daß nächstes Jahr alles besser wird), sondern die des ganzen Schuljahres.

Marco schließt mit einem klaren Aufruf dazu, grün zu wählen. Ich bin da schon bescheidener. Vernünftig wählen, das ist mein großes Anliegen. Keine Proteststimme. Stattdessen die Kräfte stärken, die in den letzten Jahren schon konstruktiv für dieses Land gearbeitet haben. Immerhin: Eine demokratische Wahl ist kein Strategiespiel mit Undo-Funktion. Jede einzelne Stimme beeinflußt unwiderruflich das Leben von 8,5 Millionen Menschen in diesem Land und sollte entsprechend sorgfältig und verantwortungsvoll überlegt sein.

Video: Sailfish OS am echten Jolla Phone

Gestern ist ein neues Video auf YouTube aufgetaucht: Marc Dillon zeigt die neueste Version des Sailfish Betriebssystems auf der neuesten Jolla-Hardware.

Grundsätzlich gibts nicht wahnsinnig viel Neues, wir wurden ja laufend mit Infos versorgt in den letzten Monaten. Was mir aufgefallen ist:

  • Es gibt tatsächlich keine LPM-Anzeige am Bildschirm. Keine Uhr, keine sonstigen Infos, nichts. Seltsam für mich, weil ich das mittlerweile wirklich seit Jahren gewohnt bin. Jedes Symbian-Smartphone kann das, auch das N9 hat eine konfigurierbare Anzeige im Standby-Modus. Daran werd ich mich gewöhnen müssen.
  • Das Ambience-Konzept wurde nochmals erweitert. Man setzt damit jetzt nicht nur das Thema (Hintergrund, Schriftfarbe, …), sondern auch bestimmte Profileinstellungen.
  • Einhändige Bedienung funktioniert trotz des im Vergleich zum N9 nochmal größeren Displays hervorragend. Marc Dillon bleibt ja gar nichts anderes übrig, als das UI einhändig zu bedienen … und er hat drauf gschaut, daß das wunderbar funktioniert.
  • Es flutscht! Nachdem erste Infos zur Hardware im Netz aufgetaucht waren, haben Pessimisten davor gewarnt, daß das Telefon unter Umständen zu langsam sein könnte. Ich persönlich hab das für unwahrscheinlich gehalten, schließlich hat die Software schon auf einem alten N950 gezeigt, wie gut sie optimiert ist. Das Video bestätigt mich.

Es wird immer spannender. Als Nächstes würd ich gern mal eins der Standard-Programme sehen: Mail-Client? Browser? Kamera? …

Sind die Deutschen die besseren Menschen? :)

Zeit hab ich ja im Moment, also gabs gestern den Wahlmarathon zur deutschen Bundestagswahl. Volle Kanne, stundenlang.

Irgendwann mal war ich verwirrt. Da waren Politiker, Spitzenkandidaten im Fernsehen zu sehen, alle an einem Tisch. Und sie waren manierlich, höflich, charmant. Jeder einzelne von ihnen konnte ganze Sätze formulieren. Keiner unterbrach den anderen. Jeder beantwortete die Fragen der Moderatoren oder sagte klar Das kann ich jetzt nicht beantworten, ohne leere Phrasen zu dreschen. Es gab keine Beleidigungen, keine Peinlichkeiten, keine Untergriffe.

Dafuq?! Was ist denn mit denen los? Was haben denn die Piefkes für komische Politiker?!

Kann sich irgendjemand vorstellen, daß so etwas in Österreich funktioniert? Daß z.B. Strache und Stronach an einem Tisch sitzen, ohne peinlich herumzustottern, sich Unflätigkeiten an den Kopf zu werfen und möglichst jede inhaltliche Aussage zu vermeiden? Völlig undenkbar.

Ach ja, Strache und Stronach: Das ist noch ein Unterschied zwischen Deutschland und Österreich. Es gibt diesen Typ von Partei dort nicht. Das Billige, Populistische, die aggressive Bierzeltbewegung der Unterschicht ist im deutschen Bundestag nie angekommen. Bei uns wird sie in Summe von rund 25% der Wähler unterstützt. Woher kommt das?

Ich hab keine Antworten. Aber ich hab zusätzliche Fakten ausgegraben, die zumindest in den Zusammenhang passen.

Sehen wir uns zum Beispiel an, was das für Menschen sind, die an der Spitze der politischen Bewegungen stehen. Was können die eigentlich? Welche Bildung haben sie? Voilà, die Spitzenkandidaten der im deutschen Bundestag vertretenen Parteien mit ihrer jeweils höchsten abgeschlossenen Ausbildung:

Name Lehre Matura Universität oder FH
Merkel    
Steinbrück    
Gysi ¹    
Trittin ¹    

¹) Die Linken und die Grünen hatten bis zu acht angebliche „Spitzen“-Kandidaten, die keiner kennt. Man muß nicht jeden Blödsinn mitmachen auf einem kleinen Blog. 😉

Sodale, und jetzt sehen wir uns das mal für Österreich an:

Name Lehre Matura Universität oder FH
Faymann    
Spindelegger    
Strache    
Glawischnig-Piesczek    
Buchner    
Stronach    

(Alle Angaben, sowohl für Deutschland als auch für Österreich, habe ich ungeprüft aus Wikipedia übernommen.)

Ist Merkel eine bessere Bundeskanzlerin als Faymann, weil sie Physik studiert hat? Ich weiß es nicht. Das Thema ihrer Diplomarbeit (Der Einfluß der räumlichen Korrelation auf die Reaktionsgeschwindigkeit bei bimolekularen Elementarreaktionen in dichten Medien) war doch recht weit weg von Euro-Rettungsschirmen. Was ich aber klar sehe: Je höher das Bildungsniveau, desto zivilisierter, sachlicher und angenehmer empfinde ich den Diskussionsstil. Gibt es dazu wissenschaftliche Studien? Sind Menschen mit akademischer Ausbildung tendenziell konstruktivere Diskussionspartner, weil die im Wissenschaftsbetrieb anders gar nicht überlebt hätten? Wenn wer was dazu findet - es tät mich interessieren. Vorläufig bleibt die trockene Feststellung: Deutsche Spitzenpolitiker haben ein um Größenordnungen höheres Bildungsniveau als österreichische.

Das ist allerdings keine Antwort auf irgendetwas. Eher ergibt sich daraus gleich die nächste Frage: Warum ist das so? Warum zieht es in Deutschland gut ausgebildete Menschen in die Politik, während in Österreich gerade mal ein Drittel der Spitzenkandidaten ein mit den deutschen Kollegen vergleichbares Bildungsniveau aufweist?

Eine mögliche Antwort könnte im finanziellen Anreiz liegen. Ein Politiker, der es in Deutschland bis in den Bundestag schafft, erhält derzeit rund € 12.250,- brutto. Davon muß er nur rund € 8.250,- versteuern, der Rest ist offiziell als steuerfreie Pauschalabgeltung für eventuelle Aufwendungen aus seiner Abgeordnetentätigkeit vorgesehen. (Bürokosten, Fahrtkosten, Repräsentation, …) Ob er diese Aufwendungen tatsächlich hat, muß er nicht nachweisen, das Geld bekommt er in jedem Fall.

Sein österreichischer Kollege darf nach dem Bundesbezügegesetz mit € 8.160,- brutto rechnen. Diese sind voll zu versteuern. Eventuelle Ausgaben für Büro, Fahrtkosten usw. müssen gesondert nachgewiesen werden; es werden aber maximal € 490,- pro Monat ersetzt.

Das bedeutet: Ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Abgabensysteme gibt es eine Netto-Differenz von rund € 4.000,- monatlich, die die österreichische Bevölkerung „drauflegen“ müßte, um ähnlich gut qualifizierte Politiker zu beschäftigen wie die Deutschen. Der Wettlauf um die besten Köpfe findet dabei natürlich nicht zwischen deutschem Bundestag und österreichischem Nationalrat statt. Es ist - wie fast immer - ein Kampf zwischen den Unternehmen und den Bürgern dieses Landes. Wenn irgendwo ein besonders vielversprechendes Talent auftaucht, zahlt ihm die österreichische Bevölkerung € 8.160,- brutto für einen den Job im Parlament. Raiffeisen, OMV, Wienerberger oder Uniqa müssen nur minimal drauflegen (€ 200,-, € 300,-) und haben sie oder ihn schon bei sich - um geschätzte und gerundete € 8.500,-. In Deutschland müßte ein potentieller privater Arbeitgeber stattdessen dem jungen Talent zusätzlich zumindest den Entfall der unversteuerten Pauschalabgeltung vergüten. Statt (wie in Österreich) € 8.500,- muß ein privater Arbeitgeber in Deutschland seinem neuen Mitarbeiter also dann in Summe (Daumen mal Pi) € 16.200,- brutto zahlen, um ihn zum Verlassen des Bundestages zu überreden.

Heißt: Die deutsche Politik holt ihren Nachwuchs aus dem Pool all jener, die von Privatunternehmen weniger als € 16.200,- monatlich geboten bekommen. Die österreichische hingegegen muß sich zufrieden geben mit denen, die unter € 8.500,- verdienen würden am Markt. Das ist natürlich nach wie vor viel Geld - vor allem dann, wenn man verhältnismäßig schlecht ausgebildet ist.

Meine Theorie ist jetzt mal: Die Deutschen leisten sich höhere Gehälter für ihre Politiker. Dafür bekommen sie auch tatsächlich deutlich besser ausgebildetes Personal und müssen sich nicht mit TV-Diskussionen abquälen, die wie Sozialpornos auf ATV wirken und unterhalb jeder Geschmacksgrenze sind.

Oder hat jemand eine bessere Erklärung? Ist es vielleicht nur deswegen so, weil der Bierverbrauch pro Kopf in Österreich deutlich höher ist als in Deutschland? 🙂

Nationalratswahl 2013: Wahlhelfer der Wiener Zeitung

Mein Unbehagen mit den Fragestellungen der Wahlkabine habe ich schon vor einem Monat hier zum Ausdruck gebracht. Zwar schien mir mein Ergebnis dort im Groben nicht falsch, aber irgendwie wurden nicht die Themen angesprochen, die ich in der momentanen Situation Österreichs für wichtig halte.

Wieder hilft die Wiener Zeitung mit ihrem Wahlhelfer aus. Die Ergebnisse ändern zwar nichts am ersten Platz, also an der grundsätzlichen Wahlempfehlung, fühlen sich für mich aber doch insgesamt richtiger an. Außerdem sind die Fragen nicht ganz so irrelevant. Man empfiehlt mir:

Partei Wiener Zeitung Wahlkabine
Grüne 18% 24%
SPÖ 15% 11%
KPÖ 14% 22%
Piraten 13% 18%
FPÖ 13% 0%
NEOS 11% 14%
BZÖ 9% 4%
ÖVP 6% 0%
Team Stronach 8%

Vorweg: Das Team Stronach konnte die Fragen der Wiener Zeitung selbst nicht beantworten. Es gibt also im Wahlhelfer keine Empfehlungswerte für diese Partei. (Das sagt durchaus etwas über deren „inhaltliche” Positionierung aus.)

Die Reihenfolge bleibt für die meisten Parteien gleich: Grüne vor KPÖ, Piraten, NEOS, BZÖ und ÖVP. Große Änderungen gibts bei SPÖ und FPÖ: Die Sozialdemokraten machen einen großen Sprung vom fünften (lt. Wahlkabine) auf den zweiten Platz, die FPÖ rettet sich vom letzten auf den fünften Platz und damit noch vor NEOS, BZÖ und ÖVP.

Insgesamt entspricht dieses Ergebnis eher meinem Bauchgefühl. Die SPÖ steht mir näher, als die Wahlkabine dies vermitteln wollte. Dafür kann ich mit Piraten und NEOS weniger anfangen, als ich es laut Wahlkabine sollte. Außerdem bin ich nicht ganz so weit links, wie die Wahlkabine mir nahelegen wollte: Dort hätte ich die „rechten“ Kräfte (also FPÖ, BZÖ, ÖVP, NEOS und TS) auf 26% dezimiert. Beim Wahlhelfer bleiben dem rechten Lager immerhin 39%. Wiener Zeitung sei Dank. 🙂

Bin gespannt, ob dieser Wahlhelfer (und/oder die Wahlkabine) auch bei meiner verehrten Leserschaft die (hoffentlich bereits getroffene) Wahlentscheidung unterstützt. Bei der letzten Nationalratswahl war das, soweit ich mich erinnern kann, ja nicht immer so. Da gabs Leute, die trotz großer Übereinstimmung mit den Parteien A und B dann doch eine Partei C gewählt haben …

(Was ich übrigens auch schon mal gemacht hab. Da gabs von der Wahlkabine eine Empfehlung auf Landesebene, die ich absolut nicht nachvollziehen konnte.)

Bye, bye, Velden!

Jetzt sitzen wir am Bahnhof von Velden und warten nicht nur auf den Zug, sondern auch immer noch auf den angekündigten Regen, der nicht und nicht kommen will. 🙂
Drei volle Tage lang hat das Wetter jetzt gehalten für uns. Weil wir so brav sind und es uns verdient haben! 🙂