Nokia: Symbian will nicht sterben

Gerade erst hat Nokia seinen Quartalsbericht Q3/2012veröffentlicht. Wie immer seit Elops Strategiewechsel zu Windows Phone: Verluste, Verluste, Verluste.

Ein Detail finde ich aber besonders interessant in dem ganzen Dokument:

During the third quarter 2012 we shipped 6.3 million Smart Devices units, of which approximately 2.9 million were Lumia products.

Das heißt: Unter den 6,3 Millionen Smartphones, die Nokia im dritten Quartal 2012 verkauft hat, waren nur 2,9 Millionen Windows Phone Geräte. Zwingende Schlußfolgerung: Die restlichen 3,4 Millionen Geräte waren Symbian-Modelle, vielleicht auch noch das eine oder andere N9 mit Maemo/MeeGo.

Beachtenswert dabei erstens: Der letzte Q3-Report vor Stephen Elops ruinösem „Burning Platform“-Memo war Q3/2010. Damals wurden noch 26,5 Millionen Smartphones abgesetzt. Bravo, Mr. Elop! Von 26,5 auf 6,3 Millionen, das ist allein Ihr Verdienst.

Viel spannender noch: In den letzten 12 Monaten wurden ganze sieben Lumia-Modelle mit attraktiver und aktueller Hardware-Ausstattung präsentiert. Auf der Symbian-Seite kam als einziges Modell das Nokia 808 neu dazu, alle anderen derzeit erhältlichen Symbian-Handys wurden Mitte 2011 vorgestellt und sind hardwaremäßig entsprechend veraltet. Die Lumia-Serie wird intensiv beworben, zu Kampfpreisen angeboten und teilweise sogar mit kostenloser Zusatz-Hardware wie dem Bluetooth-Lautsprechersystem Nokia 360 (im Wert von rund € 150,-) verschleudert. Nach Symbian-Geräten muß man schon aktiv suchen. So hat z.B. keiner der österreichischen Carrier ein aktuelles Symbian-Handy im Programm. Wer ein Nokia 808 will, muß es im freien Handel zum Listenpreis von rund € 500,- kaufen. Trotzdem, trotz der Modellvielfalt, trotz der attraktiven Preisgestaltung, trotz allem stellt die Lumia-Reihe ein Jahr nach ihrer Markteinführung weniger als die Hälfte der in Q3/2012 verkauften Smartphones bei Nokia.

Ein Schmankerl zum Schluß: Im zweiten Quartal 2012 wurden noch 4 Millionen Lumia-Handys verkauft. Der Trend ist also stark rückläufig. Einzige Konstante bleibt das Verhältnis Lumia zu Symbian: Auch in Q2/2012 standen den 4 Millionen Lumias über 6 Millionen verkaufte Symbian- und MeeGo-Geräte gegenüber.

Im Original „Burning Platform“-Memo von Elop hieß es 2011 zur Einstimmung auf den Strategiewechsel: He decided to jump. It was unexpected. Kurz nach 2/11 tauchte im Internet die an Windows Phone angepaßte Version auf: He decided to give up, he shot himself. It was unexpected. Scheint als hätte das Internet den richtigen Riecher gehabt.

Alles OK also für Symbians Zukunft? Natürlich nicht. Von 26,5 Millionen Stück in Q3/2010 zurück auf 3,4 Millionen in Q3/2012, das ist kein erfreulicher Trend. Da ist ein Ende absehbar. Die Zahlen bestätigen nur, daß der ausschließliche Fokus auf Windows Phone und das öffentlich verkündete Ende von Symbian der Fehler schlechthin war. Anfang 2011 war Symbian die Cash Cow. Noch Ende 2012 kaufen die Konsumenten lieber Symbian als Windows Phone. Das Betriebssystem abzustellen, an dem das Schicksal des ganzen Unternehmens hing, war nicht unbedingt der schlaueste Zug, den ein CEO jemals gemacht hat. Bravo, Mr. Elop.

2 Replies to “Nokia: Symbian will nicht sterben”

  1. Ich bin einer von den 3,4 Millionen… Es ist schon beachtlich, was trotz des ungeheuren Werbe Aufwandes da passiert…doch ich denke, die Leute warten auf WP8.

    Aber wenn mein heiliges 808er seinen Geist aufgibt, was dann?
    Jolla vielleicht ?

    Mich würde es nicht überraschen, wenn das neue Team sogar bei Nokia lohnfertigen ließe.
    Dann klönte ich ja markentreu bleiben. 😉

    1. Kein Mensch wartet auf ein Betriebssystem

      So Technikhuschen wie wir, die extra auf ein neues Betriebssystem warten, sind eine verschwindende Minderheit. Die Leute kaufen ein neues Telefon, wenn ihre Vertragsbindung ausläuft. Da stehen sie dann im A1-Shop und entscheiden sich zwischen diesen Geräten. Glaubst Du, daß da dann jemand im 3. Quartal 2012 gesagt hat: „Ooooch, nö, laß mal, das Lumia 800 kauf ich mir jetzt noch nicht, ich warte, ob A1 vielleicht irgendwann ein WP8-Gerät von Nokia rausbringt?“ Sicher nicht. Die haben schon ein Lumia gekauft, wenn sie ein Lumia wollten (ich schätz nur 0,5% der Konsumenten kennen die Update-Problematik). Offenbar wollten aber die meisten dann doch lieber ein HTC Desire.

      Das Problem ist ja aber: Wer mal im Lock-In eines bestimmten Betriebssystems ist, der wechselt nachher nicht mehr so leicht. Ein iPhone User wird auch dann kaum zu Android oder WP8 wechseln, wenn ihm die Schwächen des iPhones mittlerweile am Oasch gehen. Immerhin: Er hat die Musiksammlung auf iTunes, er hat seine vielen Programme gekauft, er kennt sich halbwegs aus … Der Wechsel ist schwer, dafür sorgen Apple genauso wie Andoid-Anbieter.

      Die einzigen potentiellen WP8-Konsumenten sind die jetzigen WP7-Kunden. Das sind finstere Aussichten.

      Ich schau mal, was aus Jolla wird. 😉

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