Schönbrunn II

Die Brunnen sind immer noch trocken (bis auf den Neptunbrunnen - da schwimmen schon die Entlein), aber es gibt deutlich mehr Touristen als beim letzten Mal. Die zusätzlichen Touristen bringen auch höhere Temperaturen: 28° (in Worten: achtundzwanzig Grad!) Ende April sind einfach unerträglich. Wie soll das noch weitergehen?

(Das lachsfarbene Faschblatt, das sonst grünselig-betroffen den Klimawandel bejammert, widmet dem Hitzekollaps übrigens eine eigene Jubelseite und grölt in prolliger Badeschlapfen-Manier: 31,5 Grad in Salzburg/Freisaal – Das ist der perfekte Start ins Wochenende.)

Anyway: Ich flüchte aus der Wohnung auf ein schattiges Plätzchen im Park, weil der Wind dort die Temperaturen leichter ertragen läßt … und weil Temperaturen und Touristen in Summe dann wieder eine nette Kombination ergeben. 🙂

Nokia: Wackelt Elop?

Zum ersten Mal tummeln sich im Netz leise Gerüchte, wonach Stephen Elops Sessel bei Nokia wackelt. Stephen Elop, das ist der Mann, der mit seinem „Burning Platform Memo“ und dem Strategiewechsel von Qt (MeeGo/Symbian) zu Windows Phone in etwas über einem Jahr 60% (!) des Unternehmenswertes vernichtet hat. Das ist der Mann, der es geschafft hat, daß die vor seinem Strategiewechsel profitable und wachsende Smartphone-Sparte auf ein Drittel geschrumpft ist (10 Millionen statt 30 Millionen Stück pro Quartal) und das Unternehmen herbe Verluste schreibt.

Überraschend ist, daß diese Gerüchte erst jetzt auftauchen. Elop hat bisher keinen einzigen Erfolg zu verbuchen. Die wenigen Dinge, mit denen Nokia noch positive Aufmerksamkeit erregen konnte (das N9 und PureView), sind lange vor seiner Zeit entstanden. Sein eigenes Baby, die Lumia-Reihe, bewegt sich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Die finanzielle Situation des Unternehmens ist katastrophal.

Noch ist die Gerüchtesuppe sehr dünn: Da ist jemand, der seinen Namen nicht nennt und behauptet, er würde bei einem Dubliner Finanzinstitut arbeiten. Im Zuge der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Nokia wären diese aus dem Unternehmen selbst gestreuten Gerüchte mit eingeflossen … Ja, sehr dünn. Trotzdem: Bisher gabs gar nichts dergleichen. Mal sehen.

Wirklich übel an der Situation ist ja: Elop hat die Firma so sehr ruiniert, daß auch ein Nachfolger ein schweres Stück Arbeit vor sich haben wird. Der Microsoft-Vertrag ist nun mal da und läuft bis 2016, da kommt Nokia nicht raus. Noch kann Nokia parallel verstärkt in die ursprüngliche Qt-Infrastruktur investieren. Grundsätzlich ist alles da, trotz Outsourcing hat Elop eine Unterstützung von Symbian bis ebenfalls mindestens 2016 angekündigt. Qt und die MeeGo-Basis laufen ohnehin nicht weg. Das große Problem beim Schwenk zurück: Elop hat die Marke nachhaltig beschädigt. Kein Entwickler glaubt ein zweites Mal daran, daß sich Investitionen in Qt lohnen. Kein Verkäufer dreht seinem Kunden jetzt das „tote“ Symbian an. Würde ein neuer CEO an die alte Strategie anknüpfen wollen, es hätte etwas von einer Exhumierung an sich. Nicht sexy.

Gibt es einen Plan B? Interessant finde ich ja zum Beispiel, daß Nokia munter neue Symbian-Modelle vorstellt, nachdem Elop das Betriebssystem vor über einem Jahr zunächst totgesagt hat. Interessant finde ich auch den mittlerweile fast ein Jahr alten Artikel von Nokias Maemo-Ikone Quim Gil, in dem er sinngemäß schreibt: „Auch wenn es heißt, daß MeeGo tot ist - hängt Euch nicht an Namen auf. Nokia arbeitet weiter am Linux Kernel, am WebKit-Browser, an Qt.“ Tatsächlich: Trotz des Abschieds von MeeGo und trotz der angeblich exklusiven Bindung an Windows Phone gehörte Nokia auch 2011 zu den 20 Firmen, die am meisten zum Linux-Kernel beigetragen haben. Was ich mir also durchaus vorstellen kann ist, daß die Namen sterben, der technische Unterbau und das Know-How sowohl von Symbian (das ja ohnehin schon „Nokia Belle“ heißt) und Maemo/MeeGo in ein altes/neues System mit einfließen, mit dem man das chronisch schwache Windows Phone ergänzt.

Mal sehen. Ich würd mich nur freuen, wenn Elop wirklich geht. Er hat die Entwicklung des Smartphone-Marktes um zwei Jahre zurück geworfen.

Paybox NFC: erste Einkäufe

Mein Brötchengeber bringt gemeinsam mit der Paybox Bank eine auf NFC basierende Zahlungsmethode auf den Markt. Wer ist da unter den ersten Testkunden? Genau. Moi, die kleine Technikhure. 🙂

Heut hab ich mir den NFC-Aufkleber (zur Technik mehr weiter unten) abgeholt und gleich darauf in der Kantine ein Packerl Lattella gekauft. Wow! Geht schnell und problemlos. Beweisfoto anbei. Weil man dabei einen Adrenalinschub bekommt wie ein wackerer Steinzeitmann, der sein erstes Mammutsteak in die Höhle schleppt, hab ich mit dem Shoppen gleich weitergemacht. Hier meine Erfahrungen vom ersten Tag:

Kantine

Wie erwähnt: Lattella kaufen kann ich jetzt. Die Kollegin findet meinen Enthusiasmus beim Geldausgeben beschmunzelnswert.

Merkur

Der schicke Merkur auf der Mariahilfer Straße hat NFC-Terminals im Restaurant und bei den Express-Kassen installiert. Letztere habe ich mit Taschentüchern und einem Mozzarella-Sandwich getestet. Geschmunzelt wurde nicht viel, die junge Dame an der Kasse hat mein nervöses Nachfragen (Kann ich eh mit NFC zahlen? - Hats eh funktioniert?) offenbar leicht irritierend gefunden. Sie ist wahrscheinlich schon eine „NFC Native“. Was immer sie sich über mich gedacht hat, es hatte was mit „altem Zausel“ zu tun, ihrem Gesichtsausdruck nach. 🙂

(Und: Ja, natürlich hat’s geklappt, schnell und problemlos.)

McDonald’s

Dunkle Wolken am NFC-Himmel: Eine einzige Kasse ist mit dem NFC-Lesegerät ausgestattet; genau diese Kasse ist zwar laut Willkommen-Laufschrift geöffnet, aber nicht besetzt. Da hat jemand Angst … mit gutem Grund, wie sich gleich herausstellen wird. Das heißt: Gleich stellt sich zunächst nichts heraus. Trotz meines bestimmten Auftretens (Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!) werde ich zunächst einige Minuten lang ignoriert.

Erst nachdem ich 2x ausdrücklich nach der NFC-Zahlungsmöglichkeit gefragt habe, zerrt man aufgeregt eine Dame aus dem hintersten Eck des Lokals. Sie nimmt ungewöhnlich nervös meine Bestellung entgegen, das NFC-Terminal zeigt mir zur Bestätigung der Zahlung ein grünes Hakerl, ich erhalte die SMS mit dem Zahlungsbeleg … aber keinen Burger. Die nervöse Dame sieht nämlich irgendetwas nicht auf ihrem Bildschirm, was sie angeblich sehen müßte. Daß ich ihr zum Beweis für den Transfer meine SMS unter die Nase halte, beeindruckt sie nicht weiter. Sie habe Anweisung (!), so sagt sie, in so einem Fall (!) nicht weiter zu machen. Aber Sie können ja gern bar oder mit Bankomat zahlen!, wiederholt sie mehrmals. Mein Hinweis, daß ich bereits € 3,19 bezahlt habe, dafür einen Beleg vorweisen kann und sicher nicht nochmals Geld rausrücken werde, läßt sie ungerührt. Sie können gern bar oder mit Bankomat zahlen! Eh. Eh jo.

Fazit

Ob es sich im Fall McDonald’s um einen technischen Fehler im neuen System handelt (denkbar) oder um mangelnde Schulung des Personals (wahrscheinlicher), kann ich nicht beurteilen. Sicher ist: Wenns klappt, verliebt man sich sofort in diese neue Art des Bezahlens von Kleinbeträgen. Paybox NFC ist das, was Quick ursprünglich hätte werden sollen, wofür es aber immer zu langsam war. Paybox NFC funktioniert wirklich fast im Vorbeigehen. Kein Einstecken der Karte, keine Auswahl der Zahlungsart, kein „Wollen Sie wirklich …?“, … stattdessen einfach hinhalten, einfach zahlen. Das Werbevideo entbehrt zwar nicht einer unfreiwilligen Komik, zeigt aber trotzdem, wie schnell das in der Praxis gehen kann.

Wie versprochen noch ein Ausflug in die Technik: NFC ist nicht gleich NFC, genausowenig wie Bluetooth gleich Bluetooth ist. So wie ein älteres Telefon trotz grundsätzlicher Bluetooth-Tauglichkeit vielleicht kein Musikstreaming via A2DP unterstützt, fehlt es vielen derzeit am Markt befindlichen NFC-Handys am nötigen Rüstzeug für den sicheren Zahlungsverkehr. A1 und die Paybox Bank geben daher derzeit einen eigenen Aufkleber mit NFC-Chip aus, der - so wünscht sich das das Marketing - am Handy befestigt werden soll. Technisch notwendig ist die Verbindung mit dem Handy nicht: Der Chip hat mit dem Telefon nichts zu tun und funktioniert auch, wenn man ihn ans Armband oder an den Schlüsselanhänger klebt. Ich hab ihn jetzt trotzdem am Nokia C7 befestigt (ich bin ja ein Fan von unserem Marketing *gg*) und habe zumindest noch keine Beeinträchtigung der von Nokia unterstützten NFC-Funktionen durch diesen Eindringling festgestellt. Ob umgekehrt die eingebaute NFC-Hardware beim Bezahlen stören kann, hab ich noch nicht getestet; NFC ist unterwegs aus Energiespargründen meist ausgeschaltet bei mir.

Der Typ mit der Zuckerwatte

Hats die Helena also wieder geschafft. Statt zum Christkindlmarkt zerrt sie uns diesmal spontan zum Altwiener Ostermarkt auf der Freyung. Was es da alles gibt! Honigbärlis, Biofischerl, Pizzabrezn, geheimnisvolle Gläser mit Banane und weißer Schokolade, Baumkuchen, … Unschlagbar allerdings die Zuckerwatte. Eigentlich: der große Blonde mit der Zuckerwatte. Noch genauer: die zwei begeistert quietschenden Mädels, die unbedingt Fotos von ihm machen wollten. Dabei bestand bei dem jungen Herrn trotz eher kühlen Wetters die akute Gefahr, daß ihm der Zucker vom Steckerl schmelzen könnt. Die armen zwei Girlies hätten sich besser jemand anderen zum Anhimmeln gesucht. 🙂

Anyway: Es war fein, es hat gut gerochen und einzukaufen gabs auch das eine oder andere. Also haben wir uns noch zum benachbarten Ostermarkt am Hof aufgemacht. Dort hab ich eine österliche Leberkässemmel verdrückt und einem Fußgängerzonen-Indianer beim Verhunzen von „Fernando“ zugehört. (Das hatten wir hier schon mal, richtig.)

Nice it was!