Google schließt mein Konto: Pornographie

Irgendwann im Jahr 2006 habe ich beschlossen, unterhalb der Beiträge in diesem Blog Werbeanzeigen von Google schalten zu lassen. Reich hats mich nie gemacht, aber eine Pizza pro Jahr war drin.

Heute bekomme ich Post vom amerikanischen Bruder: Dieses Blog verstößt wegen seiner pornographischen Ausrichtung gegen die Benutzungsrichtlinien. Ich habe drei Tage Zeit, die problematischen Textstellen zu löschen. Ansonsten wird mein Google-Account gesperrt. Eine Antwort auf die Mail ist nicht möglich.

Liebe Kinder drüben überm großen Teich, ich schreibt Euch hier jetzt mal was wirklich Pornographisches rein: Ihr könnt Euch mit ████████ ██████████ die ███ █████████, bis ████████████ ████ █████████ mit Nägeln ██████████ ████ hat. 😉

Allen anderen Lesern: Schämt Euch! Schämt Euch dafür, daß Ihr Euch jahrelang an meinen perversen Texten hier aufgegeilt habt!

ESC 2012: !DelaDap disqualifiziert

Schau an: Der ORF hat sich sehr bemüht, nur schlechte Songs zur nationalen Vorausscheidung für den Eurovision Song Contest 2012 zu schicken (siehe dieser Bericht). Nur zwei Beiträge erreichten Mittelmaß: der von !DelaDap und der von Fräulein Wurst.

Nun, auch zwei nicht-ganz-so-miserable Songs waren dem Küniglberg noch einer zu viel: Seit heute wissen wir, daß !DelaDap gegen die Regeln der EBU verstoßen hat und daher aus dem Rennen genommen werden muß. Dazu muß man sagen: Die Regeln sind jetzt nicht so wahnsinnig kompliziert, daß einem das einfach so „passieren“ kann. Konkret gehts darum, daß ein ESC-Song nicht vor dem Stichtag 1.9.2011 veröffentlicht werden darf. Man kann einem Interpreten durchaus zumuten zu wissen, wann er ein bestimmtest Lied zu ersten Mal auf der Bühne gesungen oder auf YouTube hochgeladen hat. Tja. Scheinbar sind manche eben doch selbst mit den einfachsten Regeln überfordert.

Typisch ORF auch die Reaktion: Offenbar hat man keinen Plan, wie man mit der Situation umgehen soll. Einen Ersatzkandidaten nominieren? Einfach nur mit neun statt zehn Songs in die nationale Vorentscheidung gehen? Es wird sogar die völlig hirnrissige Variante diskutiert, aus !DelaDap kurzfristig noch einen neuen Song herauszukitzeln bis zum 24. Februar. Sa-gen-haft.

Spark: Der Funke für neue Generation von Tablets?

Heute präsentiert Aaron J. Seigo in einem unscheinbaren Blog-Eintrag etwas, was durchaus Hoffnung gibt für ein Weiterexistieren offener, freier Software auf Tablets:

„Spark“ soll das Gerät heißen, das man schon bald (?) mit einem freien GNU/Linux Stack und der Plasma Active Oberfläche vorinstalliert um € 200,- kaufen können soll. Die Hardware-Ausstattung ist nicht aufregend, aber anständig: ein 1 GHz ARM Prozessor mit eigener GPU, 512 MB RAM, 4 GB Massenspeicher, SD-Slot, ein 7″-Display (kapazitiv, multi-touch), Wifi, … Das ist im Grunde das, was die früheren Nokia Internet Tablets heute sein könnten, hätte Nokia die Reihe nicht nach dem N810 eingestellt.

Tatsächlich endet die Verbindung mit den Nokia Internet Tablets nicht bei der Funktionalität und der Tatsache, daß der Linux-Kernel zum Einsatz kommt: Aaron Seigo erwähnt ausdrücklich die enge Zusammenarbeit mit dem Mer-Projekt. Mer ist die Weiterentwicklung von Nokias Maemo/MeeGo-Betriebssystem ohne Nokia. Schon im Oktober hab ich ja darüber geschrieben:

Ähnlich wie MeeGo sieht sich Mer nicht als Produkt für Enduser. Es soll eine Infrastruktur entstehen, auf deren Basis marktreife Produkte schnell und ohne Aufwand realisiert werden können.

Wenn Spark als Consumer-Produkt in den Handel kommt, ist dieses Ziel von Mer erreicht - und Spark der legitime Nachfolger der Tablet-Dynastie, die das unvergeßliche Nokia 770 im Jahr 2005 begründet hat. Außerdem will ichs dann sofort haben. Selbst wenn es sich als der billigste Dreck herausstellen sollte: It runs GNU/Linux, based on Mer! 🙂

(Daß es tatsächlich nur billiger Dreck ist, ist unwahrscheinlich: Gerüchteweise steckt hinter Spark die gleiche OEM-Hardware, die auch im Android-Tablet Zenithink C71 verwendet wird - und die kommt in Tests durchwegs gut weg.)

ORF @ ESC 2012: Es muaß seyn

2011 hat der ORF unter dem Titel „Der Ö3-Wecker rockt den Song Contest“ einige für österreichische Verhältnisse erstaunlich unpeinliche Songs zur nationalen Vorausscheidung auf die Bühne gebracht. Das ist heuer nicht gelungen. Die Auswahl hat wieder langjährigen ORF-Durchschnitt erreicht. Schlimmer: Der eine eingereichte Song mit echten Siegerchancen wurde gar nicht erst zur nationalen Vorentscheidung zugelassen.

Was hat sich verändert? In erster Linie der Auswahlmodus. Für den ESC 2011 wurde der Fokus (so wie beim Song Contest selbst) auf die Songs gelegt. Fertige Kompositionen mußten eine Vorauswahl per Publikumsvoting durchlaufen, nur die erfolgreichsten 10 wurden schließlich in der TV-Show präsentiert. In diesem Jahr hat der ORF zuerst die Interpreten ausgewählt, die teilweise bis heute keine fertigen Songs vorgestellt haben. Das solcherart zum Handkuß gekommene Musikervolk hatte dann nach dem Motto Es muaß seyn! schnell, schnell 3minütige Songs zusammenzuschustern, die den Regeln der EBU entsprechen. Das merkt man dem Ergebnis auch deutlich an.

Der ESC ist ein Komponistenwettkampf. Es gewinnt der Komponist des besten Songs, nicht der Interpret. Die ORF-Taktik, Interpreten statt Songs auszusuchen, entspricht der Auswahl von Büchern nach der Farbe des Einbands.

Genug gejammert. Schauen wir uns an, was rausgekommen ist:

!Deladap („Crazy Swing“) und (ausgerechnet!) Conchita Wurst („That’s What I Am”) fallen aus der Reihe. Sie lassen den Finger nicht sofort zur Skip-Taste wandern, ein bißchen gehen die Songs sogar ins Ohr. Tatsächlich kommen die beiden auch in den internationalen Foren nicht schlecht an.

James Cottriall („Stand Up“), die Trackshittaz („Woki mit deim Popo“), Valerie („Comme ça“) und Papermoon („Vater, Father, mon père“) mühen sich redlich (ich sag ja: Es muaß seyn!), kriegens aber einfach nicht gebacken. Vor allem um die Trackshittaz tut’s einem dabei aufrichtig leid: Die hatten letztes Jahr mit „Oida Taunz!“ auch international alle Sympathien auf ihrer Seite. Viele Fans in den Webforen wünschen ihnen für 2012 eine zweite Chance. Leider: nicht mit diesem Song. (Und, bzgl. Valerie und Papermoon: Mehrere Sprachen in einem ESC-Song zu benutzen ist einfach nur nuttig. Das tut man nicht - oder nur, wenn man es sich leisten kann.)

Was bleibt? Auf dem vorläufig vorletzten Platz liegt Norbert Schneider mit „Medicate My Blues Away“. Mit großem Abstand die schlechtesten Lieder präsentieren Krautschädl („Einsturzgefohr“) und die „Wildcard“-Gewinner Mary Broadcast Band, die angeblich tatsächlich wegen ihres Songs „How Can You Ask Me“ ausgesucht wurden und nicht von vornherein fest standen. Dabei hätte man ganz andere Kaliber haben können: Ebenfalls um den Finalplatz per Wildcard beworben hatte sich z.b. Sankil Jones mit „Fire“. Wer „Fire“ und „How Can You Ask Me“ vergleicht wird daran zweifeln, daß die Entscheidung tatsächlich auf Basis der Songs fiel. Schließlich wollte der ORF die farblose Mary Broadcast Band schon 2011 mit „Who´s Gonna Stop Me“ in die Finalshow pushen, was damals aber am Widerstand des abstimmenden Publikums scheiterte.

In diesem Artikel fehlt noch die Band Blockstars, von der noch nicht mal die Mitglieder bekannt sind. Dennoch sind sie Fixstarter am 24. Februar. Sympathien schafft man sich auf diese Weise nicht.

RDFa à la twoday, Teil II

2008 habe ich zum ersten Mal versucht, maschinenlesbare Zusatzinformationen nach der (damaligen) RDFa-Spezifikation in ein twoday.net-Blog einzubauen - und bin kläglich gescheitert. In den letzten Monaten hat sich aber einiges getan: RDFa 1.1 wird sich, das ist abzusehen, wesentlich von der 2008 gültigen Version 1.0 unterscheiden und dadurch technische Probleme aus dem Weg räumen. Außerdem gibt es neue Antworten auf die Frage nach dem „Warum?“. Wo also stehen wir 2012? Und was könnte ich für mein Blog hier verwenden?

Ich habs im RDFa-Testblog von 2008 ausprobiert. Was eine Maschine daraus lesen kann, wird in diesem Diagramm sichtbar. Ziemlich beeindruckend, finde ich. Aber sehen wir mal im Detail, was für mich neu war:

Vorweg: Alle folgenden Aussagen zum „neuen“ RDFa beziehen sich auf eine Version 1.1, die noch nicht als offizielle W3C-Empfehlung vorliegt. Noch wird daran gefeilt - sehr heftig sogar. Ich gehe aber davon aus, daß der Editor’s Draft vom 15.12.2011 dem Ergebnis sehr nahe kommen wird … sofern es überhaupt ein Ergebnis gibt, doch dazu später.

  • RDFa verläßt sich nicht mehr auf den XML-spezifischen Mechanismus der Namensraum-Deklaration, um ein Vokabular einzuführen. Das ist zwar deutlich weniger elegant, ermöglicht aber die Nutzung in Dokumenten, die kein XML sind - wie z.B. in twoday.net-Blogs. Heißt: Ich konnte im Testblog RDFa einbauen ohne mich darum zu kümmern, ob die ganze Tagsoup drumherum irgendeinem (X)HTML-Standard entspricht. Tatsächlich habe ich das Ergebnis von neuen RDFa-Parsern lesen lassen, es funktioniert.
  • Die Autoren von RDFa haben unter dem Namen „RDFa Lite“ ein Subset definiert, das in seiner Funktionalität sehr stark an das von der Industrie bevorzugte Microdata-Modell erinnert. Microdata ist simpler, aber zentralistischer, weniger leistungsfähig und vor allem weniger flexibel als RDFa. Wahrscheinlich wird es aber für RDFa wichtig werden, eine Microdata-ähnliche, allgemein anerkannte Mindestvariante anbieten zu können. Im Testblog habe ich einfach versucht, möglichst konform zu RDFa Lite zu bleiben (und somit implizit auch „in Microdata zu denken“). Das ist mühsam und umständlich, wenn man RDF gewöhnt ist. Außerdem schränkt es die Möglichkeiten doch sehr ein: Die Einfachheit kommt nicht ohne Preis, manches läßt sich in „Lite“ einfach nicht mehr ausdrücken.
  • Im Juni 2011 mußten die um ein semantisches Web bemühten Personen und Organisationen zunächst einen herben Rückschlag einstecken: Mit schema.org haben Google und andere Suchmaschinenbetreiber das Rad neu erfunden und ein auf Microdata basierendes Vokabular vorgestellt, das alle bestehenden völlig ignoriert. Ein Licht am Horizont gibt es erst wieder seit November: RDFa Lite soll von den Suchmaschinenbetreibern gleichberechtigt mit Microdata als Syntax anerkannt werden - solange das schema.org-Vokabular verwendet wird. In der Praxis könnte das bedeuten: Eine Website verwendet volles RDFa 1.1 (also nicht nur die lite-Version) mit etablierten Vokabularen (SIOC, Dublin Core, FOAF, …) und den Ausdrücken aus schema.org. Die großen Suchmaschinen lesen nur, was als RDFa Lite gültig ist und schema.org-Vokabeln enthält, während alle zusätzlichen Informationen für fortgeschrittene RDF-Anwendungen unverändert erhalten bleiben. Ob Google tatsächlich schon RDFa 1.1 Daten aus meinem Testblog liest, bezweifle ich erst mal. Wahrscheinlich warten die, bis die Spezifikation engültig fest steht.

Apropos bis die Spezifikation engültig fest steht: Spannend wird, wie sich das W3C aus der Sache mit den konkurrierenden Standards RDFa und Microdata herauswindet. Es gibt Bestrebungen, die Veröffentlichung beider Spezifikationen zu unterbinden und darauf zu warten, daß die beiden Gruppen sich einigen. Andererseits wäre es nicht das erste Mal, daß zwei Standards parallel existieren, die mehr oder weniger dem gleichen Zweck dienen.

Wenn sich die Geschichte wiederholt, wird der schlechtere Ansatz (Microdata) sich gegen den überlegenen (RDFa) durchsetzen … so wie sich „HTML“ 5 durch die Macht der Konzerne gegen das wesentlich brilliantere XHTML 2 durchsetzen konnte. Noch ist aber nicht alles verloren. Der Kunstgriff mit „RDFa Lite“ könnte noch einiges ändern. Mal sehen.

Einen guten Überblick über den aktuellen Status von RDFa bietet Ivan Herman im Artikel Where we are with RDFa 1.1?. Eine Gegenüberstellung von RDFa, Microdata und den etwas in Vergessenheit geratenen Microformats hat Manu Sporny unter dem Titel An Uber-comparison of RDFa, Microdata and Microformats veröffentlicht.