Note To Self: Nie wieder Cherry-Funktastaturen

Nur zur Erinnerung: Für das von mir im November zusammengestellte Komplettsystem hab ich auf die Tastatur Cherry B.UNLIMITED Home – Rechargeable Wireless Desktop gesetzt. Tastatur und Maus, drahtlos, schnörkelloses Design, sah gut aus.

In der Praxis tat dieser „Wireless Desktop“ auch genau das: gut aussehen. Die Maus bewegte den Mauzeiger mal, mal nicht. Mal langsam, mal schnell. Klicks wurden erkannt oder auch nicht, wurden zu Doppelklicks etc.

Die Tastatur war nicht ganz so dramatisch, verschluckte aber hin und wieder Buchstaben.

Gestern, 79 Tage nach dem Kauf, gab das ganze Zeug den Geist auf. Endgültig. Offenbar ist das Empfängerteil kaputt, weil weder Tastatur noch Maus irgendeinen Mucks von sich geben. Qualität vom Feinsten. Gschickterweise hab ich erst nachträglich im Internet nach den Erfahrungsberichten anderer User gesucht: Dieses eine Modell ist besonders katastrophal, aber auch ansonsten dürfte Cherry im drahtlosen Segment nicht recht hochwertig arbeiten. Daher „Note to Self“: Finger weg von drahtlosem Cherry-Spielzeug in Zukunft.

ESC 2011: Österreichs Vorausscheidung, meine Top 10

Am 25. Februar geht um 20:15 Uhr die österreichische Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2011 über die Bühne. Wer daran teilnehmen darf (und wie genau die Entscheidungsfindung am 25. abläuft), läßt sich der ORF nicht so recht aus der Nase ziehen. Fix ist: Von ursprünglich über 200 Einsendungen hat Ö3 30 ausgewählt, die noch bis 31. Jänner im Rennen sind. Bis dahin kann man per SMS an die Nummer 0820 600 300 einen dieser Kandidaten unterstützen. (Die vollständige Übersicht findet sich bei Ö3).

Zusätzlich wird eine „Ö3-Jury“ mitreden, und zwar im Verhältnis 50:50 wie beim Song Contest selbst. Ob diese Jury nur die Ergebnisse des laufenden SMS-Votings korrigiert (was eher fad wäre) oder vernünftigrweise auch während der TV-Show am 25. selbst mitentscheidet, läßt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Im Moment schauts eher danach aus, daß die Jury-Ergebnisse nur am 31.1. mit berücksichtigt werden. Leider.

Wie sind die Songs? Insgesamt erschreckend schlecht. Wenn die 30 Titel auf der Website Guten Morgen Düsseldorf! schon das Beste aus ursprünglich über 200 Kandidaten sind … uiuiui. Trotzdem hab ich mich für meine Leserschaft aufgeopfert und alle mehrmals durchgehört und bewertet. Ich erspar mir allerdings ein vollständiges Ranking. Schon bei den hier angeführten „Top 10“ sind Geräuschexperimente dabei, die eigentlich ex aequo mit dem traurigen Rest auf dem letzten Platz liegen müßten.

Also, hier ist - Trommelwirbel! - Österreichs Pop-Elite:

SMS Nr. Meine Wertung Interpret
Voting* Song
4 1 Oliver Wimmer
14 Let Love Kick In
26 2 Trackshittaz/Lukas Plöchl
5 Oida Taunz!
2 3 Nadine Beiler
8 The Secret Is Love
9 4 Heinz aus Wien
30 È Cosi
19 5 Lana Gordon
28 Ask The Universe
16 6 Charlee
12 Good To Be Bad
23 7 Luttenberger-Klug
10 Sternenlichter
28 8 Freddy Sahin-Scholl
23 Butterfly
13 9 Matara
19 Why Do I
29 10 Band WG
3 10 Sekunden Glück
*) Zwischenstand vom 22.1.2011

Nach all der Meckerei ein paar nette Worte zum Schluß:

Ich hatte Oliver Wimmer (Olliiiiii!!!) völlig vergessen. Das bereue ich. Die Natur hat Oliver Wimmer schwer geschlagen und ihm ein Aussehen verpaßt, das so sehr im Gegensatz zu seinen musikalischen Ambitionen steht, daß er voraussichtlich erst in 20 Jahren Erfolg haben kann. Bis dahin werden die Starmania-Fans seine Musik nicht mögen. Bis dahin werden die, die seine Musik mögen, niemals eine CD mit einem blonden Milchbubi am Cover kaufen. (Ich jedenfalls tät mich z’Tod genieren beim Libro an der Kasse). Sein Song Let Love Kick In wird/würde wahrscheinlich auch beim Song Contest im Semi ausscheiden, trotzdem reihe ich ihn hier auf Platz 1: Nicht weil ich ihm große Chancen einräume, sondern weil er der einzige ist, für den ich beim Song Contest selbst anrufen würde (hätte ihn ein anderes Land ins Rennen geschickt).

Oida Taunz! und The Secret is Love klingen professionell genug, um nicht völlig chancenlos zu sein. (Auch wenn Nadine Beilers Ballade erst etwas zu spät in die Gänge kommt. Wenn sie dann loslegt, ist halb Europa schon beim Kühlschrank und holt frischen Prosecco).

Übrigens: Meine persönliche Top-10-Liste hier steht in ziemlich offensichtlichem Gegensatz zum momentanen Abstimmungsstand, der doch sehr durch Fanclubs sowie klassische Party-Pooper und ESC-Hasser geprägt ist. (Ich bezweifle stark, daß auch nur 5% der Leute, die da die Handyrechnungen ihrer Eltern belasten, vorher alle Songs durchgehört und sich eine Meinung gebildet haben. Daher: Demokratie abschaffen! Jetzt! *g*) In der Tabelle sind die Einträge rot gekennzeichnet, die laut heutigem Stand nicht unter den Top 10 wären. Die gilt es also zu unterstützen. (Mit Hinblick auf den Jury-Anteil wahrscheinlich sogar alle, die nicht unter den ersten fünf sind.) Das tut man mit einer SMS mit der Startnummer aus der ersten Spalte der Tabelle an 0820 600 300.

(Meine Entschuldigung an dieser Stelle an die doch rund 6% meiner Leser, die das Blog von ihrem Mobiltelefon aus verfolgen: Ich wollte die Startnummern als anklickbare Links reinschreiben, sodaß eine vorausgefüllte SMS automatisch erscheint und nur mehr abgeschickt werden muß. Leider haut der twoday-Server solche Hyperlinks gnadenlos raus. Da gibts Verbesserungspotential. 🙁 …)

Erster Song-Contest-Content!

Kinder! Wie die Zeit vergeht! Eben erst war noch Finale - und schon sind wieder die ersten spannenden News und Gerüchte im Netz! Italien ist zum ersten Mal seit 1997 (!) wieder mit dabei. Der ORF macht auch wieder mit. Selbstverständlich brodelt auch die Gerüchtebörse und verspricht einen Favoriten, dessen Lied bzw. Teilnahme noch nicht einmal fest steht.

Drei Länder haben ihre Songs bereits ausgewählt. Es ist Mitte Jänner und ich kann die erste Hitliste des Eurovision Song Contest 2011 veröffentlichen:

Rang Land Song Interpret
  Kommentar
1 Rumänien Change Hotel FM
  Gabriel Băruţă, der Herr am weißen Flügel, hat den Song geschrieben. Geht ins Ohr, nimmt leichte Anleihen beim „Schwedischen Lied“ und wartet mit einem schicken Sänger auf (der sicher jeden Song Contest gesehen hat bisher). Ein bißchen 1970er und nicht grad zum Immer-Wieder-Hören, aber nicht so übel.
2 Schweiz In Love for a While Anna Rossinelli
  Na na na naaa na na na … schnipp, schnipp. Fad irgendwie. Nicht unerträglich, aber fad. Das Auf-Der-Stelle-Treten machts auch nicht besser. Vorletzter Platz für den von David Klein komponierten Song.
3 Albanien Kënga ime Aurela Gaçe
  Ich mag die südosteuropäischen Ethno-Pop-Nummern beim ESC. Shpëtim Saraci hat einen Song geschrieben, ders auf die Masche probiert. Zu wenig Ethno allerdings - und zu wenig Pop.

Wer ist also der oben erwähnte Favorit der Gerüchteküche? Keines der drei Länder. Weißrussland ist gut im Rennen: Angeblich soll nämlich ESC-Superstar Željko Joksimović (der Komponist von Legenden wie Lejla und vor allem Lane moje) den Beitrag für dieses Land schreiben. Damit hätte er höchstwahrscheinlich nicht nur den Commonwealth der diversen „Former Yugoslav Republics of“ hinter sich, sondern auch halb Osteuropa. Verdienterweise: Allein für seine oben verlinkten zwei Songs sollte die Trophäe längst bei ihm stehen, egal was er heuer auf die Bühne bringt bzw. ob er wirklich mitmacht.

Und Österreich? Das wird wohl ein eigener Beitrag werden müssen. Die Qualität reicht von überraschend bis kopfschüttel. Mal sehen. 😉

Nokia C7-00: Erfahrungsbericht

Ich bin ja nicht der talentierteste Praxistester. Mein erster „Erfahrungsbericht“ nach ca. einer Woche mit dem N900 war z.B. vorsichtig durchwachsen - dabei hab ich damals noch bewußt freundlich formuliert. Wenn ich mir das, was ich damals geschrieben habe, nach einem Jahr wirklicher Praxis mit dem N900 durchlese, muß ich mich schon wundern. Die einstige Distanz ist in wild-romantische Zärtlichkeit umgeschlagen. Warum ist das wichtig? Weils mir mit dem C7-00 im Moment genauso geht. Weil man aber aus Erfahrung klüger wird und sich denkt: Eigentlich sollte jemand wie ich nicht schon nach weniger als einem halben Jahr Praxistests schreiben. Aber was solls? Die jugendlich-ungeduldige Leserschaft verlangts. Wir geben also gnädig zu Protokoll, was uns beim C7-00 beeindruckt (oder auch nicht). Am Foto zu diesem Artikel finden sich übrigens nicht zufällig das 6110 Navigator und das N900: In meiner Wahrnehmung muß das C7-00 genau gegen diese zwei Geräte bestehen. Das N900 verwende ich parallel, das 6110 wurde vom C7-00 abgelöst.

Executive Summary¹

Ein schönes, ausgewogenes Gerät für Freunde des Touch-Screens (also nicht unbedingt für mich). Alles drin, alles dran. Allerdings hält die praktische Handhabung im Detail unangenehme Überraschungen bereit, die mich manchmal dazu bringen, mir mein N900 oder das 6110 Navigator zurück zu wünschen.

  6110 Navigator N900 C7-00
Telefon + +
Computer + o
Multimedia o o +
Qualität + o o
User Interface + + o

Als Telefon

Symbian eben. Da kann nichts schief gehen. Alles, was man auch nur irgendwann von einem Mobiltelefon brauchen könnte, ist mit dabei: hervorragende Sprachqualität, Videotelefonie, Voice over IP (automatisches Setup von A1 over IP), MMS, Sprachwahl, SyncML-Support für Kontakte, Text-2-Speech für das Vorlesen von Mails und SMS-Nachrichten, Hochgeschwindigkeits-Internet via HSPA usw. usw.

Da kann eigentlich kaum jemand mit, mein heiß und innig geliebtes N900 schon gar nicht. Allerdings: Auch das uralt-Gerät 6110 Navigator hatte fast alle dieser Features bereits integriert - 2007. Dafür bringt das 6110 Navigator diese geballte Telefonie-Funktion in einer wesentlich angenehmeren Größe unter. Auch läßt sich das 6110 aufgrund der numerischen Tastatur und der Softkeys besser als Telefon bedienen.

Fazit: Das C7-00 hat als reines Telefon nur wenig mehr zu bieten als ein fast vier Jahre altes Vorgängermodell, das dafür aber handlicher und benutzerfreundlicher ist. Nicht schlecht, aber eben auch nicht überragend.

Als mobiler Computer

Bei allem, was über die klassischen Telefonfunktionen hinausgeht, ist das N900 der direkte Konkurrent des C7. Und siehe da: Abgesehen von einigen No-Na-Schwächen schlägt sich das C7-00 recht wacker. Natürlich: Ich kann nicht per SSH ins Dateisystem einsteigen und Dateien im Verzeichnis /etc/ ändern. Symbian ist eben im Gegensatz zu Maemo nicht auf einem Desktop-Betriebssystem aufgebaut. Aber ansonsten ist alles da, was man sich von einem Computer in der Hosentasche erwartet: Echtes Multitasking mit gelungenem Task-Manager, anwendungsübergreifendes Copy&Paste, freier Datenaustausch in alle Richtungen via USB oder Bluetooth direkt mit dem Dateisystem des Geräts, uneingeschränkte Installation von nativer Software aus den Tiefen des Internets, vor allem aber: Leistung, Leistung, Leistung ohne nennenswerten Akku-Verbrauch. Es ist erstaunlich, wie scheinbar mühelos das C7-00 mit dem N900 in Sachen Geschwindigkeit gleich zieht, obwohl es auf der gleichen alten CPU-Generation aufbaut wie das deutlich lahmere 6110. Die etwas geringeren „Hacker-Möglichkeiten“, die ich am Anfang dieses Abschnitts erwähnt habe, werden durch das für Symbian doch wesentlich größere Software-Angebot kompensiert. Hier spürt man die Macht des Marktführers. Ich habe Tage damit verbracht, Programme zu installieren und auszuprobieren. Nicht zuletzt (aber wahrscheinlich nur für mich wichtig): Das Ding läßt sich auch programmieren wie ein normaler PC. Mein Primzahlen-Programm, das ich schon auf dem N900 und dem 6110 installiert hatte, läuft auch am C7-00 prächtig. (Kennt eigentlich jemand das Video dazu noch nicht?)

Ist das C7-00 dem N900 also als Computer in der Hosentasche überlegen? Nein. Das liegt an der Bedienung; doch dazu später.

Multimedia

Kamera, Musik, Radio, … das alles gehört auch bei den Geräten unter € 100,- längst zum Standard. Wie schauts beim C7-00 aus? Die Kamera mit 8MP bietet eine ganze Reihe fortgeschrittener Einstellungen, die ich sowohl beim 6110 als auch beim N900 vermisse und die ich bisher nur von meiner (ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen) Canon IXUS kenne. Dafür fordert das extra-dünne Gerätedesign sein Opfer bei der Fotoqualität: 8 Megapixel sind sehr schnell acht stark verrauschte Megapixel. Von der legendären Bildqualität des N8 ist mein C7-00 weit, weit weg. Dafür kann man den Blitz benutzen, ohne einen Blaustich ins Bild zu kriegen: ein Vorteil gegenüber dem N900 und dem 6110.

Ähnliches gilt für Videos: Hohe Auflösung (720p), im Gegesatz zu N900 und 6110 kann sogar mit „Scheinwerfer“ (=Blitz) gefilmt werden … trotzdem: Ist die Sonne erst mal weg, ist auch hier die Qualität eher mau.

Erfreulich die Editor-Programme sowohl für Video als auch Bilder. Bei Symbian war das ja an sich schon immer Standard, beim N900 mußte ich aber auf das Schneiden von Videos direkt am Gerät verzichten.

Was das Abspielen von Inhalten betrifft, gibts eigentlich wenig zu meckern: Video wie man es erwartet, Radio mit RDS und und Radiotext (für Titel/Interpret), eine sinnvolle Einbindung des Ovi Music Store in den Music Player, Web-TV, Ausgabe nicht nur am Gerät selbst, sondern auch am TV-Gerät oder via UKW auf jedem x-beliebigen Radio, hervorragende Qualität beim Abspielen z.B. über den BH-905 Bluetooth Kopfhörer … paßt schon. Trotzdem: Hier ist der Wurm drin. Es sind Kleinigkeiten, die unrund wirken. Die vom N900 gewohnte Funktion „zur aktuellen Playlist hinzufügen“ fehlt. Web-TV ist manchmal einfach nicht verfügbar. Der Radio-Empfänger hat den einzigen echten Bug aufzuweisen, den ich bisher überhaupt am Gerät entdeckt habe: Er stürzt manchmal beim Senderwechsel ab. Hier wird deutlich, daß zu viel Energie in die von den Billigmedien geforderte Behübschung der Oberfläche gesteckt wurde. Schade: An sich ergibt die Kombination von Symbian-Stärken und einigen neuen N900-Features ein fast perfektes Paket. (Da sieht man dann auch über die gerade im Vergleich zum satten Sound des N900 klägliche Leistung der Lautsprecher gnädig hinweg: Die sind ganz eindeutig nur zum Lautschalten eines Telefonats gedacht, nicht für Musik.)

Fazit: eine Multimedia-Maschine, die wirklich alles kann. Deutlich besser sowohl als das N900 oder das 6110. Was fehlt ist nur mehr ein bißchen Liebe zur Abrundung des Gesamtpakets.

Hardware, Verarbeitung, Qualität

Das C7-00 erntet im Web großes Lob bzgl. Verarbeitung und Design. Das ist großteils auch berechtigt. Es ist auffallend dünn (10.5mm) und tatsächlich schick. Stabiler Rahmen, kratzfester Touch-Screen … daß der Akku-Deckel extrem locker und wackelig sitzt, trübt das Bild. Das hätte nicht sein müssen. Interessant auch, daß es gerade die allseits gelobten physischen Eigenschaften sind, die mir in der Praxis Probleme bereiten: So sehr ich vor einem Jahr auch über die Dicke des ziegelförmigen N900 geschimpft habe, so wenig kann ich mich derzeit mit dem dünnen C7-00 anfreunden. Dünn, groß, abgerundete Ecken, glatt … in meinem Gehirn läutet ununterbrochen der „Das rutscht dir jetzt aus der Hand!“-Alarm, wenn ich das C7-00 halte. Ein bißchen Speck an den Hüften ist auch bei Mobiltelefonen eine recht positive Sache. (Größenvergleich auf Sizeasy.)

Der Bildschirm wirkt, trotz der eigentlich vergleichsweise geringen Auflösung von 360×640 (N900: 800×480), überraschend scharf und klar. Im direkten Vergleich zum N900 sieht man Unterschiede, bei der täglichen Verwendung des C7-00 gibt es aber nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil.

Ein Kritikpunkt noch: Aus irgendeinem unerfindlichen Grund landet mein Finger beim Halten des Geräts immer genau auf der Kamera-Linse. Die ist nicht abgedeckt (wie noch beim N900 und bei 6110) und sammelt so alles Fett ein, was ich so von Schnittlauchbroten und Big Macs mit mir herumtrage. Eine Abdeckung hätts hier durchaus vertragen. Zu dick ist das Gerät, wie schon erwähnt, ja sowieso nicht.

Zum Thema Qualität gehört auch die Stabilität der Software, die mich ehrlich überrascht hat. Ich habe, wie gesagt, erst einen einzigen ernsthaften Bug entdeckt. Der allerdings lebt in der Radio-Applikation, die ich ohnehin sehr selten verwende. Außerdem läßt er sich umgehen, wenn man ihn kennt. Zwei, drei weitere Unschönheiten noch, ja, aber nichts wirklich Gravierendes. Das ist bei Nokia eine Erwähnung wert. Die Finnen sind für softwaretechnische Schlampigkeit ja allgemein berühmt.

User Inteface: Das neue Symbian und ein Touch Screen

Man weiß ja nicht, ob man jetzt noch „Symbian^3“ schreiben darf oder ob es tatsächlich nur noch „Symbian“ heißt. Wie auch immer: Die Neugier auf Nokias Zwischenschritt vor dem wirklich neuen Symbian war ja der eigentliche Grund, warum ich mir das Ding gekauft hab.

Am Anfang hatte ich meine Probleme. Die waren aber subjektiv und einfach erklärt: Nokia verwendet vom 6110 über das N900 bis hin zum C7-00 einen ähnlichen Look, teilweise identische Icons. In manchen Fällen ist Bedienung auch die gleiche … in vielen aber auch nicht, gerade wenn man vom N900 kommt. Das verwirrt dann doch, gibt sich aber mit der Zeit.

Ich mag Symbian. Ich mochte es auf dem 6110 und ich mag es am C7. Es gibt aber Aufgabenstellungen, die Nokia am mittlerweile fast 1½ Jahre alten N900 mit Maemo deutlich besser gemeistert hat als mit der taufrischen Symbian-Variante. (Ironie des Schicksals: Was mir heute am N900 besser gefällt sind großteils ausgerechnet die Dinge, die ich bei der Markteinführung des N900 als völlige Fehlentwicklungen verteufelt habe.) Dazu gehören vor allem das Umschalten zwischen laufenden Anwendungen, das Fenster-Management im Allgemeinen, der Browser (viel zu simpel!), die Homescreens und der Umgang mit Menüs und modalen Dialogen. Auch nach mehr als zwei Wochen mit dem C7-00 kann ich mich nicht daran gewöhnen, daß es einen extra Button für „Abbrechen“ in den Dialogen gibt. Die N900-Lösung (einfach auf den unscharf dargestellten Hintergrund tappsen) scheint mir viel naheliegender.

Trotzdem wirkt Symbian auf mich in Summe gelungen, leistungsfähig und frisch. Gegenüber Maemo, das von Grund auf neu entwickelt wurde, gibt es vielleicht Nachholbedarf (v.a. wirkt Maemo klarer, fast minimalistisch) - im Gegensatz zu anderen Betriebssystemen, die nicht einmal einen RSS-Feed am Homescreen darstellen können, ist es der Himmel auf Erden. Auch gegenüber dem 6110 hat sich das System deutlich verbessert. Es ist stabiler, schneller und bietet mehr Möglichkeiten (wie eben die vielen Widgets am Desktop).

Zufrieden bin ich mit der Bedienung dennoch nicht. Das liegt nicht (oder nur indirekt) an Symbian, es liegt an der Hardware. Es liegt am kapazitiven Touchscreen und am Fehlen einer echten Hardware-Tastatur. Bis zum Kauf des C7-00 war ich ja mehr oder weniger der Ansicht, die Entscheidung kapazitiver/resistiver Touchscreen sei eine reine Glaubensfrage und in der Diskussion überbewertet. Stimmt nicht. Der kapazitive Bildschirm des C7-00 macht eine rasche, fehlerfreie Bedienung sehr schwierig bis unmöglich. Er reagiert eben wirklich auf jede noch so leichte Berührung - in erster Linie auf unbeabsichtigte. Wenn ich den Zeigefinger von „Feed aktualisieren“ zu „Ovi Store“ bewege und der Taxler gerade in dem Moment ein bißchen gröber schaltet, hab ich schon den Browser offen und gleichzeitig den Eintrag meiner Mutter aus den Kontakten aktiviert. Ich habe noch auf keinem anderen Gerät so oft „Zurück“, „Halt!“, „Abbrechen“, „Holt mich hier raus!“ gedrückt wie am C7. Das ist ein unschlagbarer Vorteil des 6110 mit seinen physischen Tasten und auch des N900: Bei beiden muß man drücken, nicht zufälig ankommen.

Das ganze wird dann richtig schlimm in Verbindung mit der fehlenden Tastatur. Texteingabe am kapazitiven Screen ist nur möglich, wenn sich nichts bewegt (und selbst dann ist es schwierig). Das bedeutet: Keine SMS im Gehen, kein Forum-Eintrag im Taxi, kein Bloggen in der Straßenbahn. Deshalb habe ich oben auch geschrieben, daß das C7-00 dem N900 als Hosentaschen-Computer unterlegen ist. Ohne komfortable Texteingabe wird das einfach nichts.

Unterm Strich: An sich ein gutes Betriebssystem, das in der Gesamtbedienung aber am Touchscreen scheitert. Ich könnte mir vorstellen, daß das E7 mit seiner Hardware-Tastatur schon viel, viel angenehmer zu bedienen ist. Würde Nokia dann noch den genialen Touchscreen des N900 dazu verbauen, wäre das ideale Symbian-Handy perfekt.

Erwartungen

Es geistern Gerüchte durchs Netz, wonach ein größeres Systemupdate noch im Jänner erfolgen soll. Jedenfalls, so heißt es, wird damit der Browser und die Texteingabe verbessert (letztere mittels Swype, das derzeit nur als Extra-Download aus dem Ovi Store zur Verfügung steht). Davon wird der Touchscreen nicht besser, aber vielleicht hilft es, ihn auszuhalten.

Abgesehen davon gibt es wenig, wo ich mir softwareseitig eine Verbesserung wirklich wünsche. Das C7-00 „flutscht“. Die wirklichen Mängel sind hardwareseitig (Akkudeckel, fehlende Kamera-Abdeckung) und werden daher auch nicht durch Updates beseitigt. Andererseits: Ich warte ja eigentlich eh aufs N9 … 😉

 

¹) Jo mei. Siehe dieser Artikel. 😉

Bullshit! Von Business-English und Kindern

Es gibt so Fragen im Leben, die man sich einfach nicht stellen sollte. Dazu gehört die, warum in manchen Kreisen der Geschäftswelt die banalsten Ausdrücke des täglichen Lebens durch englische, viel öfter noch pseudo-englische Konstruktionen ersetzt werden. Die Wortliste des Programms Bullshit-Bingo auf meinem Handy Telefon umfaßt Begriffe wie Meeting, Timeline, Challenge, Enabler, Sales, Feature, Complaint, Launch, Impact, Key Findings, Mindset, Next Steps, Pain Point, Re-Scoping, Milestones, Quick and Dirty, Solution, Issues, Mission Statement, Stream, Go Live, Wording, Deep Dive, … und wächst täglich. Schlimmer noch: Dieser Unfug breitet sich auch in meinem Gehirn aus und wandert vom passiven in den aktiven Wortschatz. Am Ende des Tages kommuniziere auch ich Pain Points in Meetings an das Management. Wieso? Weshalb? Warum?

Die Frage wird sich nicht einfach beantworten lassen. Da gibts wohl verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen … und Vieles dürfte sich auf die einfache Erklärung Gewohnheit zurückführen lassen. Einen anderen Aspekt beleuchtet Jens Jessen in einem Artikel, der schon 2007 auf Zeit Online erschienen ist. Ihm gehts um Anglizismen und den Einfluß des Englischen im Allgemeinen. Aber auch dem Pänomen Business-English widmet er ein paar Gedanken:

Es lohnt sich, bei der Psychologie des Sprachimporteurs zu verweilen. […] Der Sprachimporteur ist vor allem ein Marketingexperte in eigener Sache. Er will angeben mit der frisch erworbenen Kenntnis, er kehrt ins verschnarchte Dorf seines Ursprungs zurück und brilliert dort im Glanze seiner Glasperlen, die er den zurückgebliebenen Landsleuten andrehen will. Die Undeutlichkeit und die Euphemismen des Business-Englisch sind kein Mangel, sie sind die Voraussetzung des betrügerischen Tuns. So werden dem „Trainee“ (deutsch: Lehrling) die „Karriere-Optionen eröffnet“ (deutsch: Hoffnungen gemacht), zum „Asset Manager“ (deutsch: Kaffeekocher) aufzusteigen.

[…] In den allermeisten Fällen ist, was uns ärgert, auch beabsichtigt. Der Business-Schwafler will uns ein X für ein U vormachen. Der Vergleich mit den Glasperlen ist nicht zufällig gewählt. Der Sprachimporteur handelt mit Waren, die in ihrem Herkunftsland bereits als wertlos gelten. Über die Ausdrucksweise der PowerPoint-Präsentationen wird in den USA längst gespottet.

Der Geist eines ridikülen Marketings, der in der Managersprache steckt, will Exklusivität, die elitäre Anmutung eines arkanen Wissensvorsprungs. Den Zweck der Ausschließung teilt sie mit der Jugendsprache, der es seit alters darum geht, sich von der Erwachsenenwelt abzuschotten. Töricht wäre es, sich über Kürzel aufzuregen, die von den Eltern nicht verstanden werden – denn das ist ihr Sinn. Es fragt sich allerdings, was von Geschäftsleuten zu halten ist, die sich wie Kinder gebärden, die Erwachsene verblüffen und ärgern wollen.

Vor allem der letzte Satz gefällt mir: Es fragt sich, was von Geschäftsleuten zu halten ist, die sich wie Kinder gebärden. In mir wächst der Verdacht, allzu üppige Verwendung englischer Wendungen im Berufsleben kann ein Indikator für die Notwendigkeit sein, inhaltliche Schwächen, mangelnde Kompetenz zu kaschieren. Die sprachliche Krawatte sozusagen. Das hat durchaus auch eine Parallele zur Jugendkultur, die sich ja unter anderem deshalb so dringend von der Erwachsenenwelt abgrenzen muß, weil sie mit ihr im direkten Wettbewerb nicht bestehen kann.

Wie gesagt - gewisse Fragen sollte man sich nicht stellen. Gerade bei diesem Thema geht es mir so, daß ich tagtäglich Menschen gegenübersitze und mir denke: „Wie ist das jetzt bei dem? Wieso sagt der das so?“ - Vielleicht sollte mans aber auch gar nicht weiter hinterfragen, sondern sich einfach nur laut lachend drüber lustig machen. Via Deep Blue kommt hier ein schönes Video zu diesem Thema als Abschluß und Belohnung für alle, die durchgehalten haben:

Wir leben im Plem-Plem-Land!

Qt 4.6: Wird das Palm Web OS auch „cute“?

Mhm. Ob das was mit dem Wechsel des früheren Maemo-Chefs Ari Jaaksi von Nokia zu HP/Palm zu tun hat? Ob es überhaupt was zu bedeuten hat?

Jedenfalls: In der Liste der für Palm WebOS 2.0 verwendeten Open Source Komponenten findet sich seit einigen Tagen auch das Nokia-Framework Qt in einer halbwegs aktuellen Version. (Genauer gesagt ungefähr in der Version, die auch auf dem N8 zum Einsatz kam.)

Draufgekommen sind einige wenige interessierte Entwickler, die die Änderungen an dieser Liste verfolgt haben. Ich hab keine offizielle Stellungnahme von HP gefunden, welche Rolle sie im neuen WebOS für Qt sehen. Die Interpretationen im Netz reichen von „wird nur für ausgesuchte Sonderfunktionen gebraucht“ bis hin zu „ist Teil der offiziellen API für WebOS-Entwickler“. Spannend auf jeden Fall: Wenn WebOS Qt offiziell unterstützt und weiterhin mit aktuellen Versionen nachzieht, ist das für Entwickler ein hochinteressantes Angebot. Maemo, MeeGo, Symbian in allen Varianten, Windows Mobile bis Version 6.5 … und schließlich WebOS. Da kommt schon einiges an bequem erreichbaren Zielplattformen zusammen.