Ein guter Tag beginnt mit dem besseren Handy: N8, Swype, Kipferl

Stolper ich doch heut in der Früh ganz zufällig über den Haus- und Hofschlosser meines Brötchengebers. Gut so: Er kauft mir ein Schokokipferl und läßt mich an seinem Ding rubbeln. Der Schlosser ist nämlich stolzes Herrchen eines Nokia N8 und hat mich unbeaufsichtigt dran rumspielen lassen, während er um Kaffee und Kipferl angestanden ist. (Das mit unbeaufsichtigt war ein Fehler: Ich weiß jetzt, daß er als wahrscheinlich einziger Mensch auf diesem Planeten seinen Hund unter den Kontakten im Telefonbuch gespeichert hat.)

Es is schon ein geiles Teil. Allein wie’s in der Hand liegt - sehr schick! Swype zur Texteingabe ist faszinierend. Man muß zwar umschalten im Hirn (ich hab Schwierigkeiten den nächten Buchstaben zu lokalisieren, wenn ich dazwischen nicht absetze), aber nach kurzem Üben machts Spaß und geht sehr flott.

Für intensives Spielen mit Kamera und Browser war leider die Zeit zu kurz: Ich mußte gleich anschließend zu einem Meeting, außerdem wollten eine ganze Menge Freunde und vor allem vorbeieilende Kollegen ausgerichtet werden. Aber macht ja nix, andern Tag ist auch noch ein Tag. Ich werd schon nochmal zu Ende rubbeln dürfen an dem Ding. 🙂

Ja. Danke fürs Kipferl, für den Einblick ins Telefonbuch und für die bösen Gschichtln. Gerne wieder.

Open Data in Wien: Bald doch Fahrplandaten am N900?

Im heute veröffentlichten rot-grünen Regierungsübereinkommen für Wien steht auf Seite 65 ganz unten:

„Open Data“, „Open Government“

Nach internationalen Vorbildern zur Modernisierung der Stadtverwaltung wird ein Symposium veranstaltet und in weiterer Folge von einer Experten-Gruppe ein Konzept erstellt, das die Möglichkeiten und etwaige Risiken von „Open Data“ und „Open Government“ - also der freie Zugang zu bestimmten öffentlichen (nicht personenbezogenen) Daten in für Menschen und Maschinen lesbarer Form - für Wien erörtert.

Open Source - Strategie

Basierend auf der bisherigen Strategie zur Minimierung der Abhängigkeiten von einzelnen Software-Produzenten wird eine Weiterführung der Nutzung von Open Source Software in allen Bereichen der Stadt Wien, ein verstärkter Fokus auf die internen Beschaffungsrichtlinien im Hinblick auf Open Source sowie auf eine aktive und innovationsfördernde Beschaffung
gelegt.

ITS Vienna

Das Informations- und Steuerungsinstrument für die Verkehrslage in Wien wird weiterentwickelt und das Modul „AnachB.at“ verstärkt in Richtung plattformunabhängige Applikationen forciert.

(Beistrich- und Rechtschreibfehler hab ich korrigiert diesmal. *g*)

In Bezug auf Open Data sind das zwar nur schöne Worte und Absichtserklärungen: Symposium, Experten-Gruppe, erörtert … Aber: Das ist ein Fortschritt! Am 17.9. noch hat die Wiener SPÖ den „Open Data“-Antrag des Grünen Gemeinderats Marco Schreuder abgelehnt (siehe dieser Eintrag). Jetzt wollen sie zumindest erörtern. Wichtiger noch: Das Thema bleibt am Leben.

Was das alles mit einer guten Fahrplanabfrage am Nokia N900 zu tun hat? Die Fahrplandaten der Wiener Linien sind öffentliche Daten, die daher auch als „Open Data“ für jedermann in maschinenlesbarer und daher per Software weiterverarbeitbarer Form zugänglich gemacht werden müßten. Das sehen eigentlich alle so, nur die Wiener Linien bisher nicht. Sie haben die Löschung einer bereits verfügbaren Software erzwungen und argumentieren unnachvollziehbar gegen die Zugänglichmachung ihres Datenbestandes für die Öffentlichkeit. Datenschutz für Straßenbahnen also - selbst um den Preis der Verstümmelung des eigenen Web-Angebots.

Open Data als Grundprinzip der Stadt könnte dem ein Ende bereiten. Wie in anderen Städten auch wären die Daten der öffentlichen Verkehrsmittel (Fahrplan, aktuelle Verspätungen usw.) dann in maschinenlesbarer Form im Netz verfügbar. Jeder Programmierer kann darauf zugreifen und schicke kleine Programme schreiben … mit Ideen, auf die die Wiener Linien und ihre ihr Partnerunternehmen nie gekommen wären; für Geräte und Betriebssysteme, von denen sie noch nie gehört haben; für Menschen, die ihnen bisher einfach wurscht waren.

Aufgrund des Abstimmungsverhaltens am 17.9. geh ich mal davon aus, daß dieser Open-Data-Passus nicht auf Initiative der SPÖ im Regierungsübereinkommen steht. Danke also an die, die drauf bestanden haben.

Cross-Platform-Development: Brainfuck am N900

Während Nokia noch von der Cross-Platform-Strategie mit auf Basis von Qt träumt, hat Adrian Chiang die plattformunabhängige Entwicklungsumgebung schlechthin auf N900 portiert: Brainfuck.

Brainfuck ist für Maemo, für so gut wie alle Desktop-Betriebssysteme, iPhone, Android und natürlich als J2ME-Applikation auch für Symbian und S40 verfügbar. Brainfuck ist extrem leicht zu lernen, weil es nur aus insgesamt acht (!) Befehlen besteht. Das klassische „Hello World“ schaut in Brainfuck so aus:

>+++++++++[<++++++++>-]<.>+++++++[<++++>-]<+.+++++++..+++.[-]>++++++++[<++++>-] <.>+++++++++++[<++++++++>-]<-.——–.+++.——.——–.[-]>++++++++[<++++>- ]<+.[-]++++++++++.

Noch gibts nicht mal ein Debian-Paket fürs N900, Brainfuck ist daher auch nicht im Extras-Devil oder sonstwo. Man kann sich aber den Tarball hier runterladen, die Datei ./brainfuck/bin/linux-arm/bf aufs N900 kopieren, ausführbar machen und dann mit einem beliebigen Brainfuck-Programm als Argument starten. Ich z.B. hab gleich als erstes mal das Abenteuerspiel The Lost Kingdom Brainfuck Edition gespielt - man muß nur die Schriftgröße im Terminal auf 10pt reduzieren, dann läufts perfekt. 😉

Übrigens: Manche Leute finden, Brainfuck habe zu wenige Vokale. Es gibt daher auch eine schönere Version davon. Sie heißt Ook! und funktioniert (bis auf die Notation) absolut gleich. Auch Ook! wurde bewußt als Sprache mit sehr einfacher Syntax entwickelt, die darüber hinaus das Wort „Affe“ vermeidet. „Hello World!“ in Ook! sieht so aus:

Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook. Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook! Ook.

Ich finds aufregend, was sich da so tut. Da basteln Trolltech bzw. Nokia jahrelang an einem Megapaket wie Qt zur Cross-Platform-Entwicklung … und dann kommt so ein rund 110kB großer Brainfuck-Interpreter und erreicht mit iOS und Android auch Systeme, die Qt bisher verschlossen geblieben sind. Was da wohl sonst noch kommt? 😉

Wiener Linien: Kleinkrieg um Echtzeitdaten, Runde II

Die Wiener Linien haben in ihrem bizarren Kleinkrieg rund um die online-Abfrage der dynamischen Fahrgastinformation i.tip eine neue Runde eingeläutet: Man kann die Abfrage nun auch in einem ganz normalen Internet-Browser nur mehr eingeschränkt nutzen. Eine Session-ID verhindert, daß man sich Lesezeichen für häufig benötigte Stationen anlegt.

Aber der Reihe nach: Die Wiener Linien stellen die (meinem Verständnis nach aufgrund ihres Zustandekommens und ihrer Finanzierung ohnehin öffentlichen) Daten über die aktuellen Abfahrtszeiten von Bus und Bim auf der i.tip-Seite zur Verfügung. Eine Abfrage dieses Datenbestandes durch Drittsoftware, so hat man mir auf ausdrückliche Nachfrage erklärt, ist aber unerwünscht - es sein denn, die Software wäre ein Web-Browser. Ein für das N900 entwickeltes Programm, das die Abfrage wesentlich besser beherrschte, wollte man nicht zulassen und zwang den Autor zur Löschung der Applikation.

Sinn der Sache: Die in Zusammenarbeit mit der Fluidtime GmbH entwickelte Software Qando soll offenbar ihre diesbezügliche Monopolstellung behalten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Die ganze Geschichte wurde nicht nur auf meinem eigenen Weblog hier und hier diskutiert. Auch Marco Schreuder fand die Sache uncool. Er hat darüber geschrieben, zusätzlich und vor allem aber einen Antrag im Wiener Gemeinderat eingebracht. „Open Data“ als gefordertes Grundprinzip der Stadt hätte auch den Wiener Linien die Möglichkeit genommen, ihre Blockadetaktik weiter zu verfolgen. Die SPÖ, damals mit absoluter Mehrheit ausgestattet, lehnte ab.

In den letzten Wochen habe ich vermehrte Suchanfragen über Google registriert, mit denen sehr konkret nach „Welzl Qando“ oder „Oskar Welzl Wiener Linien“ geforscht wurde - ein halbes Jahr, nachdem ich das Thema ursprünglich aufgeworfen hatte, aber in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Anfrage im Gemeinderat. Seit ein paar Tagen nun funktionieren die Lesezeichen nicht mehr, die ich mir am Handy direkt auf die Abfahrtszeiten des 43ers am Schottentor gesetzt habe. Ich sehe nichts anderes als:

Auf Grund einer technischen Störung, ist eine Abfrage derzeit leider nicht möglich.

Wir ersuchen um Ihr Verständnis.

(Den Beistrichfehler hab ich 1:1 übernommen, man verzeihe mir diese lächerliche kleine Bösartigkeit.)

Die technische Störung allerdings ist gar keine. Es ist eine absichtliche Blockade: Anders als früher vergibt der i.tip-Server jetzt bei jedem Aufruf der Linienübersicht (damit steigt man normalerweise ein) eine Session-ID für die laufende Abfrage. Der Trick dabei: Die Session-ID ist zeitlich befristet. Eine Seite, die ich jetzt mit ihrer Session-ID als Lesezeichen abspeichere, ist in wenigen Minuten schon nicht mehr gültig. Ohne Session-ID läßt sich die Seite gleich gar nicht aufrufen.

Was die Wiener Linien damit bezwecken? Man kann nur spekulieren. Vielleicht sind sie draufgekommen, daß der Welzl ihr Service immer noch nützt und wolltens mir endgültig verleiden. (Man sollte mich nicht unterschätzen; wget for the rescue?) Vielleicht wollten sie auch die Argumentationslinie schwächen, wonach sie durch die öffentliche Zurverfügungstellung der Daten auf i.tip schon wegen des Informationsweitergabegesetzes gezwungen sind, auch anderen die Nutzung der Daten zu gestatten. Ich weiß es nicht. Ich finde es nur in höchstem Maße affig, den Zugang auf die eigene Website (!) in dieser Form zu blockieren. Ich hoff es freut sich jetzt jemand einen Haxn aus drüber. Und jetzt schau ich, wie das geht: mit wget die erste Seite auslesen; Session-ID in einem der Links suchen; URL mit Liniennummer und Session-ID zusammensetzen; Browser starten … ob das funktioniert? 😉