Nokia N900 Firmware Upgrade

Zum ersten Mal in der Geschichte von Maemo gibt Nokia ein geplantes Firmware Upgrade ausgewählten Kunden zum Vortesten frei. Gefordert wurde das seit Jahren, bisher hatten sich hier aber die „Anzüge“ gegen die „T-Shirts“ in der Firma durchgesetzt und dies aus rechtlichen und kommerziellen Gründe verhindert.

Seit gestern ist alles anders. Ausgewählte Kunden, die durch ihre bisherigen Bugreports im öffentlichen Bugzilla aufgefallen sind, haben eine Einladung zum Download der Firmware 1.1 erhalten. Das ist einerseits ein nettes Weihnachtsgeschenk, soll in erster Linie aber die Qualitätssicherung auf eine neue Ebene stellen. In der Vergangenheit haben Firmware-Updates immer wieder nicht nur zu neuen Bugs geführt. Besonders unangenehm war, daß vermeintlich vernachlässigbare Änderungen im Betriebssystem zu Problemen mit Programmen von Drittherstellern geführt haben. Solche Situationen will man vermeiden.

Ob das ein einmaliges Vorgehen bleibt oder zum fixen Bestandteil im Firmware-Releasezyklus wird, hängt nicht zuletzt auch vom Verhalten der ausgewählten Testuser ab. Nokia besteht nämlich nach wie vor darauf, daß über ungelegte Eier nicht gegackert werden soll. Die Firmware ist (noch) kein offizielles Produkt und soll deshalb auch nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. In der gestrigen Ankündigung zum Test-Release findet sich daher folgender Absatz:

Please keep yourselves in the task of bug reporting. We don’t really need you going through details about the unreleased software in Talk, mailing lists, blogs or anywhere out of bugs.maemo.org. We have decided that trust is better than an NDA in this situation so please don’t give us reasons to reconsider the NDA or the community testing itself. If you prefer to keep your freedom to especulate publicly about the content of the next release then we ask you to simply decline the invitation.

Die „T-Shirts“ haben sich also zwar durchgesetzt, haben aber offenbar noch ein bißchen Angst davor, daß die „Anzüge“ hinterher doch Recht behalten. 😉

Ich persönlich bin übrigens nicht unter den ausgewählten Testern, ich hab erst einige wenige Bugs gemeldet. Für mich persönlich bedeutet die ganze Geschichte nur (hoffentlich) bessere Software-Qualität und vor allem wieder einen Schritt mehr in Richtung Offenheit in einem altmodisch organisierten, von „Anzügen“ geführten weltweiten Konzern. Ach ja, und es bedeutet noch etwas: Nokia wird den angekündigten Termin für das Firmware-Update („vor Weihnachten“) nicht halten können.

Zehntausend Schilling

Im Zug nach Linz, irgendwo zwischen Neulengbach und St. Pölten. Das Ehepaar vor mir unterhält sich seit der Abfahrt in Wien leidenschaftlich über die Kosten dieser Bahnfahrt. Die tatsächlichen Kosten sowie alle möglichen Varianten mit Zuschlägen und Ermäßigungen. Dabei wird jeder Betrag von ihm exakt ausgerechnet und dann für sie in Schilling umgerechnet. Gerade eben hat eines der durchkalkulierten Arrangements ATS 10.000,- gekostet. Mir wird ganz schwindlig. Dabei sind beide (soviel hab ich mitbekommen) mit einem superbilligen Pensionistenticket unterwegs und zahlen eh nix.

Maemo auf Atom-Laptop gesichtet

Fast. Nicht wirklich das ganze Maemo-System, aber der Hildon-Desktop mit dem charakteristischen Task-Switcher, dem Startmenü und den scrollenden vier Desktops ist hier auf einem Beweisvideo zu bewundern. Laufen tut das System unter Kubuntu auf einem mit einer Intel Atom-CPU betriebenen Laptop.

Eine der völlig sinnfreien Spielereien, die mich so faszinieren. Schaut gleich ganz anders aus als auf dem 3,5″-Touchscreen des N900. 😉

Neues Ubuntu für alte PCs optimieren

Mit einem der letzten Updates von Karmic Koala ist mein alter Pentium 4 (1,4 GHz, 256 MB Hauptspeicher und eine sehr langsame Festplatte) plötzlich zur unerträglich lahmen Schnecke verkommmen. Hoppla? Eigentlich sollten die Dinge doch besser und schneller werden?

Auffällig war zunächst die ungewöhnlich lange Zeit vom Login bis zum kompletten Aufbau des fertig benutzbaren Desktops. Da vergingen schon mal 1-2 Minuten unter heftigem Rattern der Festplatte. Kaum lag Gnome dann fertig vor mir, war der Hauptspeicher auch schon zur Gänze belegt. Sogar die Swap-Partition war schon angeknabbert. Dabei hatte ich noch kein einziges Programm gestartet! Sobald dann auch nur ein bißchen Bewegung ins System kam (Firefox öffnen, im Terminal als root anmelden - egal was), gabs nur mehr Ein- und Auslagern auf der Platte. Ein vernünftiges Arbeiten war nicht mehr möglich.

Chaos. Verzweiflung. Tränen.

Dann sind mir zwei Dinge eingefallen:

  1. Bei einem der letzten Updates wurde das Paket ureadahead neu hinzugefügt.
  2. Ich habe hier vor etwas mehr als einem Jahr einmal etwas über das Beschleunigen des Login-Vorgangs durch Vorausladen oft benötigter Dateien durch GDM geschrieben.

Mein kleines blondes Hirn hat diese beiden Informationen mit dem sagenhaft vollgepferchten Hauptspeicher und der ständig ratternden Festplatte kombiniert und festgestellt: Daran liegts! Tatsächlich, daran lags auch.

Zwar meint ureadahead es gut und automatisiert den Trick des Vorausladens von Dateien, den ich selbst beschrieben habe. Allerdings wird ein System dadurch nur dann wirklich schneller, wenn nicht ein Flaschenhals auftaucht, mit dem die Ubuntu-Designer nicht gerechnet haben: eine langsame Festplatte und ungewöhnlich wenig Hauptspeicher. Genau das ist hier passiert. Wegen der langsamen Festplatte hat das Vorausladen der Dateien so lange gedauert, daß es jenseits jeder Schmerzgrenze lag. Gleichzeitig wurde damit der ohnehin knapp bemessene Hauptspeicher so sehr belastet, daß das System auf die Swap-Partition ausweichen mußte. Wer schon einmal erlebt hat was passiert, wenn Daten gelesen und gleichzeitig Swap-Speicher auf der gleichen Platte befüllt wird, der weiß, was ich mit „langsam“ meine.

Die Lösung ist ziemlich trivial. Verantwortlich für das Vorausladen sind folgende Dateien:

  • /etc/init/ureadahead.conf
  • /etc/init/ureadahead-other.conf
  • /var/lib/ureadahead/pack

Die ersten beiden starten das ureadahead-Service. Das verhindert man, indem man (als root) die Endung .conf in irgendetwas anderes ändert. Bei mir heißen die beiden Dateien jetzt ureadahead.disabled und ureadahead-other.disabled. Die letzte Datei, pack, enthält alles, was ureadahead so in den Speicher laden soll. Eigentlich sollte es nicht notwendig sein, aber sicherheitshalber habe ich diese Datei auch umbenannt.

Mein persönlicher Eindruck ist, daß Ubuntu auf diesem einen Rechner jetzt noch wesentlich schneller ist, als es vor dem unglückseligen Update mit ureadahead jemals war. Das ist durchaus möglich: Ureadahead hat den Dienst sreadahead ersetzt, der in etwa den gleichen Zweck hatte, technisch aber anders gearbeitet hat. Ich gehe davon aus, daß auch sreadahead auf diesem einen PC hier unschöne Nebenwirkungen hatte, die mir einfach nicht weiter aufgefallen sind. Immerhin ist der Rechner so alt, daß man sich über ein bißchen Ruckeln beim Hochfahren nicht wundert. Damit ist aber jetzt Schluß. Nur 70 Sekunden vom Einschalt-Knopf bis zum letzten Ruckeln der Festplatte nach dem Laden des Desktops, das ist für einen sieben Jahre alten Rechner nicht so schlecht. 😉

Nokia N900 – Erfahrungsbericht

Ich gebs zu, ich hab mir Zeit gelassen mit meinen ersten Eindrücken. Aber nach einem langen Wochenende und zwei extra-Tagen ist es nun soweit. Trommelwirbel: „Das N900 und mein Leben!“ 😉

Executive Summary¹

Uneingeschränkt begeistert bin ich nicht. Wer nicht den offenen Charakter der Plattform als Mehrwert schätzt, sollte die Finger davon lassen. Und nicht einmal ich wäre bereit, die vollen € 600,- Listenpreis dafür zu zahlen. Aber: Es gibt gelungene Aspekte, die Hoffnung machen.

Als Telefon

Als Telefon ist es schlicht unbrauchbar. Das fängt schon bei der Größe an (unbequem in der Jeans-Tasche), hat aber vor allem mit der langen Liste fehlender Features zu tun. Ich verwende auf meinem S60-Gerät Dinge wie Voice-Dial, MMS, Text2Speech, SyncML via http, Videotelefonie, Java-Programme, … regelmäßig. Darauf will ich nicht verzichten, nur weil das neue Spielzeug zu 80% mit freier Software betrieben wird.

Konsequenz: Im N900 steckt eine A1 Xtracard, die zwar parallel zu meiner Haupt-SIM-Karte läutet, in erster Linie aber nur zum mobilen Surfen da ist. Als Telefon (und damit: zum Surfen, Mailen, RSS-Lesen unterwegs …) verwende ich nach wie vor mein 6110 Navigator. Es ist dem N900 haushoch überlegen - nicht zuletzt auch in der Bedienung. Mit dem Daumen an den S60-typischen Navigationsknöpfen erreiche ich jede Funktion 10x schneller als beim zweihändigen Herumpatschen am Touch-Screen.

Als mobiler Computer / Internet Tablet

Nokia hat die Bezeichnung „Internet Tablet“ aufgegeben, trotzdem muß sich das N900 den direkten Vergleich mit seinen ebenfalls Maemo-basierenden drei Vorgängern gefallen lassen. Der fällt nicht immer positiv aus. So mußte das Gerät kleiner werden, um gerade noch als Telefon durchgehen zu können. Dadurch ist aber auch der Bildschirm geschrumpft. Die übrig gebliebenen 3,5 Zoll sind nun aber wirklich zu klein. Vor allem beim Surfen und beim Videoschauen wünsche ich mir das N810 zurück. Auch die Mini-Tastatur ist an der Grenze des Erträglichen.

Ebenfalls ärgerlich: Dem Markttrend zur Übersimplifizierung folgend hat man viele Funktionen (und vor allem Einstellungsmöglichkeiten) gestrichen. Es gibt keine (Unter-)Kategorien mehr im Programm-Menü (das sich darüber hinaus nicht mehr umsortieren läßt), keinen Status „beschäftigt“ im Instant Messaging Client, es gibt keine Hardware-Taste mehr, die zwischen Vollbild- und Fenstermodus hin- und herschaltet, Bluetooth-Tastaturen werden ebensowenig unterstützt wie die Koppelung an ein Telefon, das als Modem dient … Die Liste ist lang und doppelt ärgerlich. Immerhin waren diese Funktionen - im Gegensatz zu den fehlenden Telefonie-Features - in der Vorgängerversion ja bereits implementiert. Es scheitert hier also nicht am Können, sondern am Wollen.

Deutlich wird, daß Nokia die Zeit bei der Entwicklung von Maemo 5 in erster Linie dem User Interface gewidmet hat. Es unterscheidet sich in seiner bescheidenen Schlichtheit besonders stark von den mächtigen Vorgängern und hat wohl jede Menge Manntage verschlungen. Dafür finden sich unter der Oberfläche viele Kinderkrankheiten, mit denen man bei der Version 5 eines Betriebssystems einfach nicht mehr rechnet. Die zu beseitigen war offenbar nicht mehr Zeit genug vor dem Launch. (Wenigstens gibts keine spontanen Neustarts oder Abstürze.)

Das Gute zum Schluß

Wider Erwarten großteils gelungen ist die Gestaltung der Benutzeroberfläche. Ich habe bei den ersten Screenshots und Demo-Videos Gift und Galle gespuckt, weil mir viele neue Konzepte völlig unnachvollziehbar erschienen sind. Erst in der Praxis sieht man dann aber, wie gut sie eigentlich funktionieren. Nur ein Beispiel: Ich konnte absolut nicht verstehen, warum man aus einer laufenden Anwendung heraus nicht direkt zum Menü mit allen installierten Programmen wechseln kann. Der Weg dorthin führt zwingend über den Task Switcher, in dem alle derzeit laufenden Applikationen sichtbar sind. Nach einigen Tagen Praxis weiß ich: Man macht Programme am N900 sowieso nie zu. Deshalb enthält der Task Switcher in der Regel alles, was man so üblicherweise verwendet. Er ist eine Art personalisierter Anwendungs-Starter - mit dem Unterschied, daß die Anwendung eben schon läuft und wirklich sofort zur Verfügung steht.

Ebenfalls überzeugend: die Rechenleistung. Es ist einfach völlig wurscht, wie viele bunte Werbefilmchen die bösen Kerls von derstandard.at wieder in ihre Website eingebaut haben … das N900 schluckt alles. Und zwar auch dann, wenn gleichzeitig orf.at und maemo.org offen sind.

Überraschend auch die Energieeffizienz. Obwohl Nokia - ebenfalls der Größe wegen - einen schwächeren Akku verbauen mußte als noch beim N810, hält er beim Surfen, Chatten, Fotografieren und Mailen im „Ich probier jetzt alles aus“-Modus einen Tag durch. (Dabei war fast immer sowohl WLAN als auch UMTS aktiv.) Für Leute, die das Gerät vielleicht doch eher als Telefon nutzen und nur gelegentlich mal einen Begriff auf Wikipedia nachschlagen, sind das sehr erfreuliche Aussichten.

Erwartungen

Auch wenn ein Update des Betriebssystems noch vor Weihnachten kommen wird und Ovi Store und diverse Community-Applikationen erst in den Startlöchern stehen: Nokia wird aus dem N900 nicht das ideale Gerät machen. Es ist und bleibt ein Experiment, so wie das 770, das N800 und das N810. Vor etwa einem Monat schrieb Ari Jaaksi, der Maemo-Mann bei Nokia seit dem 770, in seinem Blog:

Maemo is rough on the edges. It is a bit dangerous. It is open to experiments. It is about community involvement. I want these to stay. I do not like boring cars, either.

So in etwa sehe ich mein N900: unvollständig, experimentell, … OK, vielleicht nicht wirklich gefährlich. Oder doch? Wer weiß. Es hat jedenfalls mehr Potential als alle anderen Geräte, die ich kenne - wobei der Großteil davon derzeit ungenutzt bleibt. Was fehlt, ist das Wow! Das geht auch!?. Es wird spannend zu sehen, wie die Entwicklung vorangetrieben wird … und von wem. Eines hat das N900 allen vorherigen Maemo-Geräten nämlich voraus: Breitenwirkung. Marketing. Mindshare¹. Mal sehen, wie sich das in einem so offenen Ökosystem auf die Entwicklung von Software auswirkt.

 

¹) Jo mei. Irgendwann bleibt sowas halt picken. Meine Eltern waren auch nicht erfreut, wie ich als kleiner Stöpsel die ersten Kraftausdrücke von der Volksschule heimgebracht hab. 😉

Offiziell: Maemo 6 schon 2010 am Markt

  • Deliver our first Maemo 6-powered mobile computer, with an iconic user experience, in the second half of 2010

Nur ein Punkt in einer elendslangen Presseaussendung anläßlich des Nokia Capital Markets Day 2009, aber er macht klar: Die Gangart wurde beschleunigt. Das von allen Bloggern und Community-Auguren eigentlich erst für 2011 erwartete Nokia-Modell mit dem Nachfolger des aktuellen Maemo 5-Betriebssystems wird schon Ende 2010 zu haben sein. Das ist dann - nach allem, was wir derzeit wissen - Step 5 of 5 auf dem Weg zu einem für den Massenmarkt tauglichen GNU/Linux-Taschencomputer. Das Ziel also. (Das N900 wurde als Step 4 of 5 vorgestellt. Step 1 war das 770, steps 2 und 3 die Modelle N800 und N810.)

Offen bleibt die Frage, ob wegen dieses kurzen Zyklus das für Mitte 2010 erwartete zweite Maemo-5-Gerät („RX-71“ oder N920) ausfällt oder unter Umständen sogar noch früher kommt als gedacht.

Maemo 6 (Codename „Harmattan“) bricht technisch einmal mehr mit allen Vorgängerversionen und setzt erstmals auf das Toolkit Qt, das Gtk+ ablöst. Nokia hat Anfang 2008 die Firma hinter Qt gekauft, zur Abwechlung mit einer klaren Strategie: Auch Symbian wird spätestens 2011 auf Qt umschwenken. Nokia macht Cross-Platform-Development damit relativ leicht. (Zur Erinnerung: Qt gibt’s auch für Windows, OS X und GNU/Linx am Desktop, darüber hinaus vor allem aber auch für Windows Mobile.) Um den Übergang für Entwickler zu erleichtern, kann das N900 schon jetzt mit Qt umgehen. Ebenso wird erwartet, daß die nächste Generation von Symbian-Geräten (geplant: Mitte 2010) optional mit Qt-Software aufgerüstet werden kann.

Rafe Blandford und Steve Litchfield haben für ihren Bericht „Nokia’s masterplan for 2010 and beyond“ auf allaboutmaemo.com die wichtigsten Folien aus der 51 MB großen Gesamtpräsentation herauskopiert. Für mich interessant: Die steigende Bedeutung von Maemo und Symbian im Produktportfolio (beide zu Lasten von Series 40, das heute noch mehr als 50% ausmacht) und die offenbar auch für die nächsten Jahre festzementierte Stellung von Maemo als hochpreisige Nische im Luxus-Segment.

Was heißt das jetzt alles für mich? Richtig: Sparen! Unter Umständen lasse ich ja ein Maemo 5-betriebenes „N920“ aus, aber spätestens bei Harmattan wird die Neugierde wieder größer sein als die Vernunft. 😉