Gate Net!

Stammleser können sich noch an diesen Eintrag anläßlich meines Flugs mit Coconut Airlines erinnern. Ein Teil des Programms wurde bei der gestrigen Aufführung live via Qik gestreamt. Unter anderem folgende Szene:

Mohn:

Das kenn ich. Ich war einmal in einem Unternehmen, die hatten ein Produktentwicklungsverfahren, da mußten alle 30 Abteilungsleiter 90 Mal ihre uneingeschränkte Unterstützung zusagen. Das war sehr effizient bei der Verhinderung von Projekten.

Machaczek:

Jaja. Sie sprechen von der sogenannten „Gate Net“ Methode.

Mohn:

Ja!

Machaczek:

Ja aber die geht net.

Sabine Kunz und Rainer Obkircher stehen nicht nur in 14 (stimmts?) Rollen auf der Bühne, sie haben das Ding auch selbst geschrieben. Ich kann mich erinnern, damals im Jänner gehört zu haben: Wir wissen an dieser Stelle immer, wie viele Ex-Kollegen aus Sabines Zeit bei der Telekom im Publikum sitzen. Von denen kommen die Lacher.

Geh. Echt? 😉

In die Firmenfeier-Falle getappt

Ich melde mich live aus dem Ferry-Dusika-Stadion … von einer Veranstaltung, die trotz anderslautender Benamsung heftig an eine Weihnachtsfeier erinnert. Mit dem Unterschied, daß die freundlichen Worte zur Eröffnung diesmal nicht ich sprechen muß. Diese Aufgabe nimmt mir Tom Walek ab (ich konnte leider nicht auf seine eigene Homepage verlinken, die ist so gräßlich, die macht Augenkrebs). Ansonsten: Viele Kollegen, zerscht Fingerfood, dann was Warmes, und natürlich reichlich zu trinken. (Ich hatte Bier. Wat mutt, dat mutt.)

Hams mich doch tatsächlich noch zu sowas hinlocken können in der Vorweihnachtszeit, die Schlawiner. Weil das ganze in der Einladung aber auch so dienstlich und wichtig geklungen hat. 😉

Nokia 6110 Navigator, Firmware 6.02: Besser, als A1 erlaubt

Nichts macht mehr Spaß, als Betriebssysteme auf dem aktuellsten Stand zu halten. Das gilt für PCs und Laptops genauso wie für Mobiltelefone. Pech, wenn der Spaß durch das unselige Zusammenwirken von Hersteller und Mobilfunkanbieter unterbunden wird … so wie bei Nokia und A1. Ich hab die beiden aber ausgetrickst. Wie, verrate ich später, zuerst etwas zum Hintergrund:

Das Telefon hat eine interne Nummer, den „Product Code“, der nicht nur das Modell bezeichnet, sondern auch die Region und/oder den Mobilfunkanbieter, der das Gerät als Vertragshandy verkauft hat. (Genauere Infos dazu gibt es in diesem Artikel.) Wenn der Hersteller eine neue Firmware herausgibt, muß diese vom Carrier freigegeben werden. Erst wenn der Carrier die Version absegnet (oder eben Änderungen hineinreklamiert, was meist der Fall ist), steht sie für Besitzer von Vertragshandys zum Download zur Verfügung. Bei meinem Nokia 6110 Navigator bedeutet das: Ich bekomme Firmwareupdates erst dann, wenn die Mobilkom ihr lustiges Vodafone-Bildchen durchgesetzt und das A1 Navi draufgespielt hat. Das allein ist schon lästig, weil es zu Verzögerungen führt.

Noch lästiger wirds, wenn die Mobilkom beschließt, das eben erst erschienene Handy (immerhin erst seit 2007 am Markt) sei „EOLed“ (EOL steht für End Of Life). Dann macht sie sich nämlich die Mühe gar nicht mehr, Firmwareversionen von Nokia zu überprüfen, zu ändern und freizugeben. Man könnte nun annehmen, daß ab diesem Zeitpunkt die Originalfirmware des Herstellers direkt und unverändert auf den betroffenen Telefonen landet. Irrtum. Es gibt dann einfach gar keine Updates mehr. Mein 6110 Navigator dümpelt also seit Monaten mit der Firmware 4.22 vor sich hin, obwohl draußen im Netz längst Version 6.02 auf mich warten würde. Fast hätte ich mich damit abgefunden. Fast.

Der Herr Schlosser hat nämlich heute ein größeres Update auf seinem N97 vorgenommen. Da wollt ichs wissen. Irgendwie muß man diese Knebelung doch aushebeln können? Man kann. Der Product Code, die Wurzel allen Übels, läßt sich nämlich relativ einfach überschreiben. Alles, was man benötigt, ist die Windows-Software Nemesis Service Suite (NSS). Außerdem natürlich: ein gültiger Product Code für das gleiche Modell, für die gleiche Region, aber ohne Carrier-Branding. Den zu finden ist eine Aufgabe für Google. (Mir vorgeschlagen wurde unter anderem 0526068, der hat auch gepaßt.) Handy via USB-Kabel anschließen, NSS starten, Product Code auslesen, Product Code überschreiben, Daten aufs Handy zurückschreiben … fertig. Die nächste Suche nach neuer Firmware ist dann bereits erfolgreich. (Übrigens: Ein eventuell bestehender SIM-Lock bleibt von der ganzen Aktion unberührt, das ist ein ganz anderes Thema.)

Tatsächlich sind nun einige bekannte Bugs behoben. Noch besser aber: Es funktionieren Sachen, die in den diversen internationalen Userforen nie als Bug bestätigt wurden, die also auch schon mit der alten 4.22er-Firmware keine Probleme bereiten hätten dürfen. Die Vermutung liegt nahe, daß das nun entfernte Carrier-Branding die Fehlerursache war. (Ich kann mich tatsächlich dunkel an ein Problem erinnern, das außer mir nur noch ein zweiter User hatte - und auch der war aus Österreich. Ich hätt ihn damals fragen sollen, ob er sein Gerät von A1 hatte.)

Heute gelernt: Telefone direkt vom Hersteller zu kaufen hat weit mehr Vorteile, als man gemeinhin annimmt. Da gehts nicht nur um einen möglichen SIM-Lock. Es geht darum, ob man das Gerät mit dem unverfälschten, voll funktionsfähigen Betriebssystem erhält - und ob auch 2 Jahre nach der Markeinführung noch Fehlerkorrekturen per Firmware-Update möglich sind.

gruenvorwahlen.at: Ist da jemand?

Die Landesversammlung der Wiener Grün_innen geht ihrem Ende entgegen. Demokratische 99% für den/die Spitzenkandidat_in (der/die leider ohne Gegenkandidat_in ins Rennen gehen mußte), dahinter eben alles andere. Bekannte Namen? Natürlich. Chorherr, Ellensohn … Chorherr … Ach ja, den hatten wir schon.

Spannend war, wie die „Unterstützer_innen“ aus den Reihen der „Grünen Vorwahlen“ das Geschehen beeinflussen würden. Immerhin war es ja monatelang deren Lebenszweck, heute dabei sein und die Grün_innen retten zu dürfen. Für dieses Vorrecht wurde mit harten Bandagen gekämpft, da wurde kein Schmutzkübel ausgelassen. Vor allem als sich abzeichnete, daß die Grün_innen die plötzliche Unterstützung durch politische Last-Minute-Touristen nicht unbedingt bedingungslos akzeptieren würden, entwickelten die Vorwähler_innen einen ganz eigenen Diskussionsstil. Dieser erweckte streckenweise fast den Eindruck, man hätte es mit politischen Gegnern und nicht mit „Unterstützer_innen“ zu tun. Nun, sowas passiert, wenn einem die Dinge wirklich am Herzen liegen und Emotionen hochkochen. Was also sagen die Vorwähler_innen heute? Ich zitiere einen davon aus dem Forum auf derstandard.at:

… daß ich schon wieder ganz vergessen hatte, daß heute diese abstimmung war, ist vielleicht peinlich, andererseits hatte ich aber von vornherein gar nicht vor, mich daran zu beteiligen.

Schönes Wetter war ja auch, nicht?

Nur ca. 40% der möglichen Teilnehmer aus dem Kreis von gruenevorwahlen.at waren dort. So genau weiß mans nicht, weil man nur die Zahl der anwesenden „Unterstützer_innen“ insgesamt kennt. Ob einzelne davon u.U. schon lange vor gruenevorwahlen.at diesen Status hatten oder wirklich erst von dieser Plattform motiviert wurden, kann man nur raten.

Ums mal offen auszusprechen: Das ist erbärmlich. Im Juni hab ich zum Thema gruenevorwahlen.at geschrieben, sie seien so etwas wie der schnelle Fick in der Politik. Zum schnellen Fick paßt keine lange Verlobungszeit. Wer sich irgendwann im Sommer noch als „Unterstützer_in“ fühlte, war heute vielleicht längst schon wieder rot, schwarz oder einfach nur im Museumsquartier.

Ich habe keine offiziellen Angaben über die Anzahl der stimmberechtigten Mitglieder (im Gegensatz zu stimmberechtigten „Unterstützer_innen“) gefunden, aber die meisten Zahlen im Netz pendeln so um die 1.500. Davon waren heute ca. 500 mit dabei - etwas über 30%.

Um das Verhältnis zu verdeutlichen: Zum einen die Vorwähler_innen. Sie sind extra zum Zweck der heutigen Stimmabgabe zu solchen geworden, haben die Grün_innen heftigst beschimpft, weil die sie nicht alle haben wollten, sind laut Selbstdarstellung hoch motiviert und die Rettung der Partei … Anwesenheitsquote: 40%. Zum anderen die Mitglieder. Sie sind teilweise seit langer Zeit dabei, manchmal vielleicht auch nur mehr aus Gewohnheit, unter Umständen nie an Dingen wie der Listenerstellung interessiert gewesen … Anwesenheitsquote: 30%.

Wo werden die wackeren „Unterstützer_innen“ von heute bei der Erstellung der nächsten Kandidatenliste in fünf Jahren sein? Wie viel Prozent von ihnen werden sich noch daran erinnern, daß sie einmal die Grün_innen retten wollten?

Das alles kommt ja nicht unerwartet. Aber es bestätigt meine Angst vor einer substanzlosen, schnell zusammengeklickten Spaßdemokratie, in der schnelle Mobilisierbarkeit mehr zählt als lange Diskussion. Ich möchte das nicht. Ich wünsche mir, daß Politik nicht noch mehr zum Spielfeld für lustige Spontanaktionen wird. Politik braucht mehr Seriosität, mehr Ernsthaftigkeit, ganz sicher aber keine spontan zwischen twitter und YouTube organisierten Flashmobs.

ZDF-Doku über digitale Entmündigung

Ausgerechnet in einem amerikanischen Forum läuft mir ein Link zu einer ZDF-Dokumentation über den Weg, die sich mit den Gefahren der digitalen Entmündigung auseinandersetzt. Am Beispiel von Amazons Kindle und Apples iPhone wird verständlich gemacht, was hier eigentlich vor sich geht - und warum Menschen es sich gefallen lassen.

Die Doku (in sechs verschiedenen Formaten; vorbildlich!) gibt es unter anderem auf der Website des elektrischen Reporters zu sehen:

Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht

Ergänzend dazu fällt mir wieder Marie von Ebner-Eschenbach ein: Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.

N900 YouTube-Werbung

Die bisherigen Nokia-Werbespots zum N900 unter dem Titel „Offline as it happens“ waren ja - ja, eh lieb und bemüht (siehe z.B. Wedding catastrophe! oder Greatest fish story ever). Ein Chat oder das Hochladen von Fotos als USP für ein ~€ 600,- teures Gerät … ja. Wenigstens nette Musik.

Das neueste Video kommt in einer gänzlich anderen Tonlage daher und trifft erstmals auch meinen Nerv: Es wurde zuerst in neun Teilen an verschiedene Blogger verschickt, die es mühsam zusammeneditiert haben. Erst seit gestern steht die vollständige Fassung bereit: Das Nokia N900 - die Reise beginnt hier.

Da fühl ich mich doch gleich angesprochen und zum Kauf animiert. Die Reise beginnt. 😉

Studenten: Die wollen nur nicht arbeiten!

Politische Diskussion findet überall statt. Es freut mich vor allem immer, wenn Jugendliche sich intensiv und differenziert mit grundlegenden Fragen des Zusammenlebens beschäftigen: Bildungssystem, Umverteilung, Arbeitsmarkt, …

Neulich erst wurde ich Zeuge einer solchen Unterhaltung zwischen zwei Jugendlichen:

Scheiß Studenten, Oida, die wolln nur nix hackln. Wer braucht die, Oida? Und der Staat soll zahlen, Oida. Wieso soll ich zahlen für die? Die wollen nix hackln, Oida, die san nur faul.

Na also. Geht doch. Umverteilungsdebatte, Bildungsdebatte, … von wegen „die Jugend interessiert sich nicht für Politik“! Nur am Argumentationsstil muß noch gefeilt werden:

Die wollen nix hackln, Oida, die san nur faul. - Ich tät ja hackln wolln, Oida, wann mi des AMS net zu so scheiß Jobs schicken tät, Oida, echt, des is so oasch!

Warum Android kein Linux-System ist

Googles Android wird vom Mythos begleitet, es sei ein „Linux-System für Mobiltelefone“. Mehr noch: „freie Software“ am Handy. Tatsächlich ist Android in der Regel keine freie Software, ganz sicher aber nicht das, was Anwender und Programmierer sich unter „Linux“ vorstellen.

Harald Welte hat mich in seinem Blog auf eine interessante Präsentation von Matt Porter aufmerksam gemacht. „Mythbusters: Android“ heißt sie, und Harald Welte schreibt darüber:

The presentation explains in detail why Android is not what most people refer to when they say Linux. What most people mean when they say Linux is the GNU/Linux system with it’s standard userspace tools, not only the kernel.

The presentation shows how Google has simply thrown 5-10 years of Linux userspace evolution into the trashcan and re-implemented it partially for no reason. Things like hard-coded device lists/permissions in object code rather than config files, the lack of support for hot-plugging devices (udev), the lack of kernel headers. […]

Executive summary: Android is a screwed, hard-coded, non-portable abomination.

Gut zusammengestelltes Futter für Flame-Wars mit Android-Fans. 😉

Karmic Koala: Mein erstes GNU/Linux Update

Seit ich GNU/Linux verwende (und das sind nun 5 ½ Jahre), habe ich noch nie ein echtes „Versionsupdate“ durchgeführt … Die von mir verwendete Distribution Gentoo schummelt mir die aktualisierten Pakete laufend unter und bleibt damit immer aktuell. Da gibt es so etwas wie eine „Version X“ nicht.

Anders bei Ubuntu, das ich seit Juni auf meinem Laptop und seit kurzer Zeit auf einem Zweitrechner installiert habe. Ubuntu kennt Versionsupdates, und dieses Wochenende war das erste fällig. Aus Jaunty Jackalope (9.04) wurde Karmic Koala (9.10) - und das ganz einfach und simpel. Ein Klick auf „Installieren“ hat tatsächlich gereicht. (OK, da war gegen Ende hin noch eine Sicherheitsabfrage, ob ich 244 veraltete Pakete wirklich löschen will. Unnötig, weil kein Mensch eine Liste mit 244 Paketen durchblättert.)

Ich gebe zu, ich bin positiv überrascht. Alles funktioniert wie vorher, Netzwerkeinstellungen, gekoppelte Bluetooth-Geräte, Chat-Accounts … nichts ging verloren. Apropos Bluetooth und Chat:

Erik hat mich vor kurzem auf die Software launch2net zur einfachen Installation von UMTS-Verbindungen am Laptop aufmerksam gemacht. Schon damals wollte ich wissen, ob die gebotene Funktionalität nicht doch schon vom systemeigenen Network Manager abgedeckt wird. Wird sie: Land „Österreich“ auswählen, Carrier „A1“ anklicken, fertig. Einzig das Zusammenspiel zwischen Bluetooth-Applet und Network Manager gestaltet sich sperrig, hier hilft aber angeblicht die Software Blueman. Ich habs nicht ausprobiert: sperrig war mir nicht zu sperrig. 😉

Beim Chat gabs die nächste positive Überraschung: Eigentlich wollte ich ja nur ausprobieren, obs irgendwelche Probleme an der Firewall bzw. mit dem NAT am Router gibt. Ich habe also einen meiner Accounts auf Ubuntu mit einem anderen auf meinem Nokia N810 chatten lassen, das via UMTS online war. Was passiert? Statt eines Chats gibts einen Video-Anruf. Das klingt an sich weiter nicht so erwähnenswert, bedeutet aber, daß ich wieder einmal Recht gehabt habe: Schon im September 2008 habe ich hier vorhergesagt, daß auch meine Desktop-Rechner irgendwann von Nokias für Maemo getätigten Investitionen in freie Software profitieren werden. Das ist nun der Fall: Das von Ubuntu seit Karmic Koala verwendete Instant Messaging Framework Telepathy wird in Maemo bereits seit Jahren eingesetzt. Durch die von Nokia beigesteuerten Ressourcen kann Ubuntu ein ausgereiftes Instant Messaging Programm anbieten, das auch bei Funktionen wie Video und Audio kompatibel zu offenen Standards und damit eben auch zu den Maemo-Geräten ist.

Alles in allem: Ich verstehe, was die Leute an Ubuntu finden. Mein Hauptrechner wird zwar wohl auch weiterhin noch unter Gentoo laufen, weil ich die Dinge gerne ein bißchen mehr unter Kontrolle habe. Für einen nebenbei installierten Laptop oder Zweitrechner, in den man nicht viel Zeit investieren will, ist Ubuntu aber offenbar wirklich das zu 100% geeignete Betriebssystem. Die Südafrikaner haben einen Fan mehr.