Nationalratswahl 2008: Ich bin begeistert

Die Nationalratswahl 2008 ist vorüber. Das Ergebnis ist ein persönlicher Triumph für mich:

Statt der üblichen 80-100 Besucher pro Tag konnte ich gestern 1.198 unique visitors zählen. Angelockt wurden die durch die hier vor längerer Zeit verwendete Überschrift „Nationalratswahl 2008: Ergebnis in Prozent“. Ich bin nicht nur Reichweitenfetischist, das ganze schlägt sich auch in klingender Münze nieder: Exakt 0,99 US-Dollar zahlt Google mir für die Anzeigen, die gestern auf dieser Seite geschaltet wurden.

Tja. Das waren also die positiven Aspekte der gestrigen NR-Wahl …

Don Gil mit den grünen Hosen

Rainer entführt uns weit, weit weg: nach Guntersdorf bzw. Madrid, je nachdem. Im “Theater im Stadl” kommt es zu Verwechslungen, die trotz des an sich humorigen Stücks die Gehirnwindungen zum Rauchen bringt. Wichtigster Orientierungspunkt sind die grünen Hosen. Hoffentlich gehen die im 2. Akt jetzt nicht verloren. 🙂

Update: Be careful what you wish for! Am sehr turbulenten Ende standen vier Leute in grünen Hosen auf der Bühne. Rainer war einer davon. Lustig wars, hingehen!

Update 2: Details zum Stück, Fotos etc. gibts hier.

Wer bei uns lebt, muß unsere Sprache lernen!

Willi, ich wähl Dich! Endlich mal jemand, der ein bißchen unkonventionell agiert und auch den Mut dazu hat, sich über sich selbst lustig zu machen:

Auf der Straße hängen die Plakate mit dem Spruch Wer bei uns lebt, muß unsere Sprache lernen!, im Fernsehstudio hält Wilhelm Molterer ein Taferl mit der handgeschriebenen Quellenangabe „Standart“ hoch. Willi for Unterrichtsminister!

PS: Natürlich gibts auch ein Video dieses Stücks Fernsehgeschichte zum Immer-Wieder-Sehen.

Free As In Fre(e)mantle

In Berlin ging gestern das an die OSiM angeschlossene Maemo Summit zu Ende. Alles in allem waren rund 200 Maemo-Entwickler rund vier Tage zusammen, um Erfahrungen auszutauschen (und zu feiern *g*). Die wirklich entscheidenden Neuigkeiten kamen dabei von Nokia selbst: viele Details zu Maemo 5 (Codename „Fremantle“).

Der wichtigste Punkt aus meiner Sicht ist ein weitergehendes Bekenntnis zu freier Software. Quim Gil stellt seine Präsentation über Nokias Sicht der Dinge auf seinem Blog zur Verfügung, und erstmals klingt alles nach einem durchdachten Konzept: Niemand macht hier jemandem etwas vor, Maemo ist kein ideologisches Projekt und 100% freie Software sind kein Ziel per se. Aber Nokia hat die wirtschaftlichen und technischen Vorteile erkannt. Mehr (und systematischer) als bisher wird auf freie Software gesetzt. Wenn die entsprechenden Projekte noch nicht dort angekommen sind, wo man sie für den Einsatz auf Nokia-Geräten gerne hätte, wird das Projekt selbst unterstützt (mit Geld oder von Nokia beigesteuertem Code), statt wie bisher hausintern an proprietären Ersatzlösungen zu stricken (Upstream is where the stuff really happens). Nur bei den Komponenten der Benutzerschnittstelle, dort, wo man sich für den Konsumenten sichtbar vom Mitbewerb unterscheiden möchte, will und wird man weiterhin nicht ausschließlich freie Software verwenden.

Technisch nicht wirklich interessant, aber fürs Marketing gut: Das neue User Interface wird die Grafikmöglichkeiten, vor allem die Hardwarebeschleunigung der OMAP3-Prozessoren ausnutzen. OpenGL bildet die Grundlage, Clutter wird Teil der neuen Oberfläche sein. (Bisher waren solche Effekte nicht möglich, da der im N800/N810 verwendete Chip Hardwarebeschleunigung nur in VGA-Auflösung zusammengebracht hätte.) Zumindest für die unter 25jährigen wird das den Spaßfaktor erhöhen. - Clutter ist übrigens ein interessantes Beispiel für das Engagement Nokias bei „unfertigen“ Projekten: Es wird von der mittlerweile von Intel aufgekauften Firma OpenedHand entwickelt. Intel ist mit den MIDs und Moblin Nokias Hauptkonkurrent auf diesem Markt. Bei Moblin verwendet Intel Nokias Hildon-Framework, Nokia unterstützt die Weiterentwicklung der nun im Intel-Lager angesiedelten Clutter-Bibliothek. Schöne freie Software-Welt …

Auffallend ist der für ein Gerät in Smartphone-Größe ungewöhnliche Hang zu Desktop-Technologien: Clutter (3D-Effekte), GUPnP (UPnP-Framework), upstart (schnellerer Systemstart), Meta Tracker (Indizieren von Metainformationen zu Dateien, ersetzt den proprietären metalayer-crawler), PulseAudio (netzwerkfähiger Soundserver), OHM (Hardwaremanagement), … Alle diese Technologien wurden für den Desktop entwickelt und werden nun Teil von Fremantle. Nokia lehnt sich dabei teilweise sehr weit aus dem Fenster: Vieles davon ist unfertig oder kaum erprobt. Geld, das Nokia für die Optimierung und Fehlerbehebung in die Hand nimmt, kommt mir damit unmittelbar auch auf meinem Desktop-Rechner zugute.

Zur Theorie kommt die Praxis: Einige der bisher proprietären Systemteile hat Nokia bereits als freie Software nachprogrammiert und das Ergebnis während des Meetings online gestellt. Ja, der lang erwartete freie WLAN-Treiber ist auch mit dabei.

Der Zeitplan für Maemo 5 ist ernüchternd, muß also realistisch sein: Eine erste Alpha wird für November 2008, eine Beta erst im Mai 2009 erwatet. Wann dann ein fertiges System steht und mit neuen, OMAP3-basierenden Geräten ausgeliefert wird, möchte man sich gar nicht erst vorstellen. Überhaupt war die Frage nach neuer Hardware die am häufigsten gestellte - und am auffälligsten ignorierte. In diesem Punkt hat die Veranstaltung mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Unter Umständen ist in diesem Zusammenhang die Präsentation von Erkko Anttila & Quim Gil bedeutsam, die als Hauptziele vom Maemo Internet+Multimedia+Computer nennt - das ist zwar inhaltlich nichts Neues, in der Kommunikation aber doch ein Schritt weg vom bisherigen „Nur-Internet Tablet“. Vielleicht bastelt Nokia intern an der marketingmäßigen Neuerfindung dieses Gerätetyps.

Alles in allem: gut gemacht. Die gröbste Experimentierphase bei Maemo scheint vorüber, soweit das bei einem Projekt dieser Art überhaupt möglich ist. Es gibt klare Spielregeln und definierte Schnittstellen hinaus in die Welt der freien Software. Mein persönlicher Wunsch an Nokia: Markteinführung eines neuen Tablets bitte entweder rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft oder so kurz vor dem 18. Juni. OK?

GDM Prefetch: Schneller zum Desktop

Gerade das Hochfahren des Systems und das Starten der grafischen Benutzeroberfläche nach dem Einloggen dauern unter GNU/Linux meist deutlich länger als unter proprietären Systemen, die von einem einzigen Hersteller kommen. Das ist eine zwingende Folge der Wahlfreiheit, die GNU/Linux auszeichnet. Trotzdem kann man an einigen Stellen spürbar nachbessern.

Zum Hintergrund: Im Vergleich zu GNU/Linux haben es Windows und OS X leicht. Jeder Teil des Betriebssystems weiß genau über die anderen Komponenten Bescheid, weil alles aus einem Guß ist und es keine Alternativen gibt. Die Abläufe lassen sich so viel besser koordinieren. Ein gutes Beispiel ist der Login-Vorgang:

Während Windows auf meinen Benutzernamen und mein Kennwort wartet, rattert die Festplatte ununterbrochen weiter. Kein Wunder: Egal was ich beim Login eingebe, es ist ziemlich klar, welche Programme und Dateien nachher benötigt werden. Logischerweise werden diese Dateien daher gleich geladen und im Hintergrund gestartet, damit anschließend alles schneller geht.

Bei GNU/Linux ist das von Grund auf anders: Ich kann mich beim Login für Gnome, KDE, Fluxbox, Xfce oder irgendeine andere Desktop-Umgebung entscheiden; möglich ist auch, daß ein Systemadministrator pro Benutzer andere Desktop-Umgebungen eingerichtet hat. Im Ergebnis bedeutet das: Erst nachdem Benutzername und Kennwort eingetippt und bestätigt sind ist klar, welche Programme und Dateien benötigt werden. Vorher sitzen vier Prozessorkerne à 1,4 GHz gelangweilt rum und sind ausschließlich damit beschäftigt, die Tastatureingaben beim Login zu verarbeiten.

Gottseidank läßt sich dieses Verhalten anpassen: Das Login-Programm GDM zum Beispiel kann so eingerichtet werden, daß es schon während des Logins alle Dateien (Programme, Bibliotheken, Schriften,…) lädt, die man in der Datei /etc/X11/gdm/gdmprefetchlist angibt. Schöne Sache. Nur: Wie befüllt man diese Prefetch-Liste? Mit anderen Worten: Woher weiß ich, welche Systembibliotheken und Hilfsdateien geladen werden müssen? Zwar gibt es eine Voreinstellung, die von GDM mitinstalliert wird. Die ist allerdings nicht nur sehr rudimentär, sonder de facto nutzlos, weil eben kein GDM-Entwickler wissen kann, was nach meinem Login auf meinem Rechner passieren wird.

Lösung: selber basteln. Mit dem Befehl lsof -u name bekommt man eine Liste sämtlicher Dateien, die für Prozesse des Benutzers „name“ (muß eben durch den eigenen Login-Namen ersetzt werden) geöffnet sind. Ein bißchen awk-Zauberei bringt diese Liste in ein vernünftiges Format, sortiert sie und befreit sie von unnötigen Versionsangaben bei Bibliotheken:

lsof -u name | awk '$4 ~ "(mem|txt)" {sub(".so(.[0-9]+)+", ".so", $9); print $9}' | sort -uo /tmp/prefetch-files.lst

Dieses Wundermittel habe ich im gentoo-Forum gefunden. Man läßt es laufen, nachdem man den üblicherweise verwendeten Desktop ohne prefetch gestartet hat und verwendet das Ergebnis (/tmp/prefetch-files.lst) als neue gdmprefetchlist. Der Witz dabei: Wenn man z.B. schon mal Firefox und Evolution startet und die Befehlszeile erst dann laufen läßt, werden auch die für diese Programme benötigten Dateien mitgeladen und der Start entsprechend beschleunigt. Bei viel RAM (und das hab ich) kann sich das auszahlen, wenn man ohnehin fast immer die gleichen Applikationen verwendet.

Song Contest 2009 ohne ORF

Wenn die Quellen der Kleinen Zeitung verläßlich sind, gibt’s auch 2009 keinen Beitrag aus Österreich beim Song Contest. Die Regeländerung ganz im Sinne des ORF konnte die beleidigten Herren am Küniglberg nicht gnädig stimmen.

Kaum war die Meldung online, war Österreich in den einschlägigen internationalen Foren wieder die Lachnummer des Tages: Die machen erst wieder mit, wenn die Regel eingeführt wird, daß Österreich jedes Jahr gewinnt oder Gut so; drei Minuten unserer Zeit, die wir sinnvoll verbringen können! liest man da. - Also: Sollte irgendwann wieder einmal jemand für Österreich an den Start gehen, wird er von Anfang an mit hohen Sympathiewerten fertig werden müssen …

HSDPA, OMAP3, hochauflösende Kamera

Diese Gemeinheit bringt nur Nokia auf die Reihe: Ari Jaaksi beginnt seine heutige Präsentation mit den Worten No product presentation today - um dann im Detail darzulegen, welche Hardwarefeatures die neue Softwaregeneration Maemo 5 unterstützen wird … Den Mund wässrig machen dabei vor allem:

  • HSDPA als weitere Verbindungsmöglichkeit neben Bluetooth, WLAN und WiMAX; allerdings: nur Datenverbindungen, keine Voice-Calls („It’s not a phone“)
  • ein OMAP3430 Prozessor mit einem ARM-Cortex-A8-Kern. (Die ARM-Cortex-Reihe bringt die Augen der Geeks zum Glitzern: noch gibt es kein serienreifes Gerät mit dieser Technologie, die technischen Daten und Prototypen sind aber beeindruckend.)
  • eine hochauflösende Kamera

Kein Einführungsdatum, kein Preis, kein Produktname … Nur ein verwirrter Nokia-Angestellter, der seinen Chef nach dem Vortrag im Foyer fragt, ob er den Prototyp am Freitag jetzt herzeigen darf oder nicht. Aaaaahhhhh!

Wohltuend die Betonung, die Jaaksi auf die Arbeit mit Upstream-Projekten legt: Den gesamten Code für 3G/HSDPA hat Nokia noch heute dem offiziellen Linux-Kernel zur Verfügung gestellt. Weitere Code-Teile für den OMAP3430 sollen in den nächsten Wochen folgen. Texas Instruments hat (auf wessen Druck auch immer …) seine Politik geändert und legt die Spezifikationen für Chips der OMAP3-Reihe nun offen, was eine wesentlich bessere Unterstützung der Hardware ermöglicht. (Viele der Möglichkeiten des im N800/N810 verbauten OMAP2420 können am Internet Tablet nicht genutzt werden, weil es keine Dokumentation darüber gibt, die den Zugriff mit freier Software erlauben würde.)

Ich weiß also jetzt, was kommt … aber ich habs noch nicht gesehen. Und wenn die am Freitag tatsächlich nur den zum Maemo Summit eingeladenen Entwicklern hinter verschlossenen Türen einen Prototypen zeigen, dann krieg ich die Krise: Ich wollt ein Foto neben diesen Eintrag stellen, verflucht noch mal! 😉

Meeting statt neuem Nokia Internet Tablet?

Ausgerechnet heute! Ich bin ganztägig zugepflastert mit Meetings, und in Berlin findet die OSiM-World 2008 statt. Daß diese Veranstaltung von Nokia dazu genutzt werden wird, um Neuigkeiten über die Internet Tablets bekannt zu geben, habe ich ja bereits vermutet. Die entsprechenden Gerüchte haben sich in letzter Zeit auch verdichtet.

Jetzt gerade lese ich im Blog von ThoughtFix (der in der Regel über Insider-Information verfügt und durch NDAs gebunden ist) unter dem Titel The Last Internet Tablet:

Major changes are on the way for the Nokia Internet Tablet line. Here’s the partial scoop: The “Internet Tablet” line may be ending in name but the maemo platform is going strong. Wait a few hours, watch this space, and there will be more.

Um 11:55 Uhr ist eine Rede von Ari Jaaksi, dem Produktverantwortlichen bei Nokia, angesetzt. Wahrscheinlich wissen wir dann schon mehr. 11:55 Uhr - da bin ich grad in einem der ungemütlichsten Besprechungsräume und soll mich bis 16:00 Uhr auf Dinge konzentrieren, die mit den Tablets aber auch gar nichts zu tun haben. Aaaahhh!

ESC 2009: The Juries Strike Back

Seit gestern wissen wir: Beim Finale des Song Contest 2009 wird die Punktevergabe zusätzlich zum Televoting auch wieder von Juries beeinflußt.

Nothing is more democratic than the vote of the public. But a jury takes the opportunity to listen to the songs several times, before they make up their minds. In Belgrade, we saw a difference in judgment of the public and the back-up juries, and we believe a combination will make the show more interesting

Dieses Zitat stammt von Svante Stockselius, seit Jahren Herr und Meister über den Song Contest. Noch gibt es keine genaue Information darüber, in welchem Verhältnis Jury und Televoting gewichtet werden. Interessant kann es aber werden: Genau diese Kombination hat in den späten 1990ern, in der Übergangsphase zwischen Jury- und Televoting-System, für gute Resultate gesorgt.