Telekom-Liberalisierung: Der Schuß in den Ofen

Mehr Umsatz für die Unternehmen: Das ist eine Folge der sogenannten Liberalisierung des Telekom-Marktes 1998, womit die Unternehmen zu den strahlenden Gewinnern zählen. Wer hat sonst noch profitiert? Niemand.

Eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer zeigt: Seit 1998 ist die Gesamtanzahl der Beschäftigten im Telekom-Bereich gesunken, Tendenz weiter fallend. Parallel dazu gehen, und das ist besonders erschreckend, die Investitionen zurück. Wir erinnern uns: Man hatte uns versprochen, daß durch Liberalisierung und Privatisierung der Konkurrenzkampf entfacht würde. Dieser Konkurrenzkampf sollte, so die Politik damals, über Investitionen in neue Produkte und Technologien geführt werden und damit viele neue, bunte Arbeitsplätze schaffen.

Daß ein weiteres Versprechen bezüglich der Liberalisierung, nämlich sinkende Kosten, nicht eingehalten wurde, habe ich in diesem Blog bereits einmal erwähnt: Schon 2001 war einer Veröffentlichung der Statistik Austria zu entnehmen, daß die privaten Haushalte rund doppelt so viel für Telekommunikation ausgeben wie vor der Liberalisierung.

Im Ergebnis bedeutet das: Die Konsumenten zahlen deutlich mehr als früher, die dadurch steigenden Umsätze kommen aber ausschließlich den Unternehmen und ihren Aktionären zugute. Es gibt keinen Wettbewerb über Innovation und Qualität, die Investitionen (und damit auch die Servicequalität) gehen zurück und die Anzahl der Beschäftigten sinkt kontinuierlich.

Es war mir ein Bedürfnis, diesen Kurzüberblick am Tag des Börsegangs der gelben Post zu geben. Schließlich stehen wir ja auch in diesem Sektor vor einer „Liberalisierung des Marktes“.

Bosnien-Herzegowina gewinnt Song Contest

Nicht ganz, aber fast: Obwohl Lordi aus Finnland die Sieger des Song Contest 2006 waren und Bosnien-Herzegowina „nur“ auf Platz drei landete, kann sich der Balkan-Staat jetzt über einen Geheimsieg freuen:

Der Journalisten-Preis für die beste Komposition ging heuer an Željko Joksimović für den Song „Lejla“, gesungen von Hari Mata Hari. Mich freut das besonders, schließlich war „Lejla“ einer meiner beiden Top-Favoriten im heurigen Jahr und nach Meinung vieler Fans (siehe die einschlägigen Web-Foren) eine der besten Balladen in der Geschichte des Song Contest überhaupt.

Željko Joksimović gewinnt den Preis nicht zum ersten Mal: Schon 2004 erhielt er die gleiche Auszeichnung für das Lied „Lane moje“, das er damals selbst sang (allerdings für Serbien-Montenegro) und mit dem er hinter Ruslana den zweiten Platz belegen konnte.

Zilk-TV

Das gibt es einfach nicht: daß wiens ex-bürgermeister zilk zum friseur geht, ist dem ORF einen filmbericht in seiner hauptnachrichtensendung “zeit im bild” wert. Nachrichten sind eben doch die kernkompetenz öffentlich-rechtlichen fernsehens…

Schwulenfeindliche Gewalt in Moskau

Erst Anfang März gab es hier den Eintrag über die ABBA-Auktion zur Unterstützung von Schwulen und Lesben in Osteuropa.

Eine aktuelle Bestätigung für die Notwendigkeit einer solchen Unterstützung stellen die aktuellen Agenturmeldungen über einen brutalen Übergriff während der heutigen Schwulen-Demonstration in Moskau dar:

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im deutschen Bundestag, Volker Beck, hatte an der Demonstration teilgenommen und wurde vor laufenden Fernsehkameras von etwa 20 Jugendlichen verprügelt. Die Polizei schritt nicht ein. (Bericht unter anderm bei N24)

Der Demonstration kommt besondere Bedeutung zu, da sie von den russischen Behörden verboten worden war. Noch am Freitag hatte Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow erklärt, Schwulenparaden seien in Russland „absolut inakzeptabel“. Gegendemonstranten skandierten heute „Moskau ist nicht Sodom“ und „Ehre für Russland“.

Volker Beck hat das Verhalten der russischen Behörden öffentlich scharf kritisiert, die deutsche Bundesregierung in einer parlamentarischen Anfrage zur Stellungnahme aufgefordert und zur Unterstützung der russischen schwul-lesbischen Bürgerrechtsorganisationen an der nicht genehmigten Kundgebung teilgenommen.

Im Nachhinein tut es mir leid, daß ich bei der oben erwähnten Auktion nicht wirklich mitgeboten und etwas ersteigert habe. Offensichtlich ist das Thema heißer, als uns bewußt ist.

Handy als Webserver

Die spinnen, die Finnen - hätte ich fast gesagt, wie ich zum ersten Mal über den Handy-Webserver von Nokia gelesen habe. Aber eigentlich ist es doch eine interessante Sache:

Unter dem Namen Racoon hat Nokia eine Version des populären Apache-Webservers entwickelt, die auf S60-Handys läuft. Auf einer Seite mit dem schlichten Titel „Mobile Web Server“ steht der Quellcode zur Verfügung (Lizenz: Apache 2). Was man damit macht? Nokia hat eine Reihe von Concept Demos beigepackt. Unter anderem enthalten die Seiten Menüpunkte wie:

  • Sieh was ich sehe: Fordere mich auf, ein Foto zu machen!
  • Verwende mein Handy als Webcam (passwortgeschützt)
  • Suche mobile Websites in meiner Nähe
  • Info über meinen Aufenthaltsort
  • Mein Kalender / Meine Kontakte / Meine Nachrichten (passwortgeschützt)
  • Schick mir eine Nachricht

Weitere Anwendungsmöglichkeiten werden sich sicherlich finden lassen. Leider gibt es keine öffentlichen Testseiten. Ich würde zu gern das Handy irgendeines Nokia-Mitarbeiters als Webcam mißbrauchen.

Die Sache ist auch deshalb interessant, weil sie natürlich auch mir selbst ermöglichen würde, übers Netz auf mein zuhause vergessenes Handy zuzugreifen. Bin gespannt, ob sich daraus etwas entwickelt.

Unser Voting 2006

… und so sehen die Ergebnisse meiner kleinen, aber feinen Song-Contest-Party 2006 aus:

Rang Land Song Punkte
    Interpret  
1 Deutschland No No Never 24
    Texas Lightning  
2 Bosnien-Herzegowina Lejla 22
    Hari Mata Hari  
3 Rumänien Tornero 20
    Mihai Traistariu  
3 Russland Never Let You Go 20
    Dima Bilan  
5 Finnland Hard Rock Hallelujah 16
    Lordi  
5 Dänemark Twist Of Love 16
    Sidsel Ben Semmane  
7 Litauen We Are The Winners 15
    LT United  
7 Mazedonien Ninanajna 15
    Elena Risteska  
9 Irland Every Song Is A Cry For Love 14
    Brian Kennedy  
10 Griechenland Everything 13
    Anna Vissi  
10 Lettland I Hear Your Heart 13
    Cosmos  
12 Malta I Do 12
    Fabrizio Faniello  
13 Türkei Superstar 11
    Sibel Tüzün  
13 Norwegen Alvedansen 11
    Christine Guldbrandsen  
15 Armenien Without Your Love 10
    Andre  
15 Frankreich Il était temps 10
    Virginie Pouchain  
17 Schweden Invincible 9
    Carola  
18 Großbritannien Teenage Life 8
    Daz Sampson  
19 Moldau Loca 7
    Arsenium & Natalia Gordienko  
19 Spanien Bloody Mary 7
    Las Ketchup  
19 Ukraine Show Me Your Love 7
    Tina Karol  
22 Schweiz If We All Give A Little 5
    six4one  
22 Kroatien Moja štikla 5
    Severina  
24 Israel Together We Are One 4
    Eddie Butler  

Die großen Favoriten der Buchmacher und Online-Abstimmungen, Griechenland und Schweden, konnten unsere Herzen nicht so recht erwärmen. Umgekehrt hat das Siegerlied unseres Brötchen- und Sekt-Abends, „No No Never“ aus Deutschland, Europa nicht begeistern wollen. Was bleibt ist eine relativ hohe Trefferquote auf den oberen Rängen. Sogar die Sieger des Abends, Lordi, erreichen bei uns einen respektablen fünften Platz. Kein Wunder: Lead-Sänder Lordi schätzt ABBA. 😉

Grüner Parlamentsklub tot?

Genau heute vor einem Jahr habe ich eine Anfrage an Mitglieder des Parlamentsklubs der Grünen zu der von ihnen mitbeschlossenen Novelle des Mediengesetzes gestellt. - Ein Jahr und zwei Urgenzen später noch immer keine Reaktion, abgesehen von einem “Kollegin Stoisits wird sich der Sache annehmen” ganz zu Beginn.

Sind die seit einem Jahr im Dornröschenschlaf? Oder ist das die Vorstellung österreichischer Parlamentarier vom Dialog mit dem Wählervolk? Was muß man hierzulande tun, um Kontakt mit den Leuten aufzunehmen, die einen doch vertreten sollen?

Song Contest 2006: Voting Sheet

Wie jedes Jahr gibt es auch heuer wieder das kunterbunte Voting-Sheet zum Song Contest 2006 für meine kleine Song-Contest-Party.

Und weil ich mir denk, daß vielleicht der eine oder andere auch gern mitschreibt, wen er wie gern hat, stell ich das Ding als PDF zum Dowload hierher, in Farbe und bunt:

Eurovision Song Contest 2006 – Voting Sheet (PDF)

Wer das ganze selbst noch aufpeppen möchte oder einen Fehler ausbessern muß, bekommt es auch in bearbeitbarer Form als Open Document File:

Eurovision Song Contest 2006 – Voting Sheet (ODT)

Song Contest: Gut geraten

Selten haben meine persönliche Punktewertung und das Ergebnis des ESC-Semifinales so gut übereingestimmt: Meine Favoriten sind drin, die von mir mit weniger als 6 Punkten bedachten Länder sind raus.

Einzige Ausnahmen: Schweden und Polen. Ich hätte gerne Polen mit dabei gehabt und dafür auf die 150. Darbietung des immer gleichen schwedischen Songs verzichtet. Man kann ja aber bekanntlich nicht alles haben, und wer weiß, wie weit Carola mit ihrem Heuler am Samstag noch kommt. Jedenfalls sind Armenien, Irland, Mazedonien, Russland, die Türkei, die Ukraine, Finnland, Litauen, Schweden und vor allem Bosnien-Herzegowina im Finale.

Besonders amüsiert hat mich, daß Silvia Night aus Island doch glatt ausgebuht worden ist. So richtig ausgebuht, nicht nur vereinzelte Buh-Rufe unter den Applaus gemischt. So was gabs, so weit ich mich erinnern kann, noch nie. (So was wie ihren Auftritt allerdings auch nicht.)