Menschen im zug

Ich darf diesen ÖBB EC um 17:30 nicht mehr nehmen. Sogar das business-abteil bis auf den letzten platz belegt. Neben mir reden ein salzburger und ein bayer seit 1 stunde über volksmusik. Total auf übergscheit (“ich bin in der medienbranche” – “ich auch, ich produziere eine arztserie”), aber peinlich dumm (“privat- oder lokal-TV haben wir in österreich ja nicht.”). Ich schaue videos auf meinem handy. Kopfhörer. Volle lautstärke.

Ist das meine Scheiße hier?

Öffentlicher Verkehr ist etwas Einzigartiges. Die Dame in der Straßenbahnlinie 9 plaudert ausführlich und vor allem laut mit ihrer Nachbarin über die Tücken der Hundehaltung, zunächst nur bezüglich der Maulkorbpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, dann so insgesamt und allgemein: mein Hund und ich in der Großstadt eben.

Spannend wird es, wie sie sich dem Thema „mein Hund muß mal“ nähert. Wörtlich sagt sie da: Er geht dazu ja immer in die Büsche, und da muß ich ihm dann nach, zum Wegräumen. Und immer muß ich mich dabei ärgern: Da liegen dann schon so viele Hauferl, und ich weiß nie sofort, welches meins ist.

Etwa drei Sitzreihen vor und drei Sitzreihen hinter ihr haben zahlende Fahrgäste atemlos darauf gewartet, wie sie es am Ende dann doch rauskriegt. (Immerhin weiß sie es ja nur nicht „sofort“, was bedeutet: irgendwann doch.) Ist es der Geruch? Die Temperatur? Die Größe? Die Konsistenz? …?

Wir haben es nicht erfahren: Dem Hund selbst wurde das Ausbreiten seiner intimsten Momente in aller Öffentlichkeit zu viel. Er hat mit einem kräftigen Ruck an der Leine und einem Kläffen in Richtung eines (wie wir alle wußten nur vorgetäuschten) Feindes sein Frauchen gerade so lange abgelenkt, daß sie den Faden verloren hat und mit einem neuen Thema („Futter“) beginnen mußte.

Ich stell mir jetzt die ganze Zeit diese 25-30jährige Frau vor, wie sie beim nächtlichen Gassi-Gehen, gebückt unter dem Gebüsch, mit aller ihr zur Verfügung stehenden Sorgfalt die Ausscheidungen ihres Lieblings von denen der anderen Hunde zu unterscheiden versucht. Ich muß diesen Gedanken wieder los werden. Unbedingt.

Zuerst Verbrechen, dann Gefängnis? Lächerlich!

Die regierende US-Junta wird immer spaßiger. In einem Interview mit USA Today sagt die Außenministerin Condoleezza Rice wörtlich: You can’t allow somebody to commit the crime before you detain them.

Man kann also nicht erst warten, bis jemand ein Verbrechen begeht. Ach was! Alt-Europäischer Firlefanz! Rechtsstaatlicher Humbug! Man muß die Kerle einbuchten, noch bevor sie was anstellen!

Beängstigend, daß man sich so etwas mittlerweile öffentlich zu sagen traut. Obwohl: Ich stell’ mir grad vor, sie hätten auch George W. Bush eingesperrt, bevor er losgeschlagen konnte … Vielleicht ist die Idee von Frau Rice doch nicht so ganz daneben?

Schweizer Sonntagsöffnung: „Chasing a Spurious Starlight“

Die Schweizer haben gestern, 27.11.2005, in einem Referendum (knapp, aber doch) für die Öffnung der Geschäfte auf großen Bahnhöfen und Flughäfen auch an Sonn- und Feiertagen gestimmt (50,6% Ja-Stimmen).

Mir fällt dazu der Vers aus der Originalfassung des Musicals Chess ein, in dem es heißt:

It’s the weak who accept
Tawdry untruths about freedom
Prostituting themselves
Chasing a spurious starlight
Trinkets in airports sufficient to lead them astray

Buy Nothing Day

Heute ist der internationale Kauf Nix Tag („Buy Nothing Day“). Ich finde die Idee kurz vor Weihnachten bestechend. Ein Auszug aus der deutschsprachigen Homepage:

15 Prozent der Weltbevölkerung beanspruchen 79 Prozent aller Reichtümer, während sich die große Mehrheit mit dem Rest bescheiden muss. Speziell der Stress und der Einkaufswahn in der Vorweihnachtszeit wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die ungerechte Verteilung in unserer Welt.

Doch man kann etwas dagegen tun: Der „Kauf-Nix-Tag“ zeigt es vor! 24 Stunden Einkaufsmoratorium, 24 Stunden kein Geldausgeben.

Ich bin edel und gut und unterstütze diese Aktion. Außerdem nimmt es mir das schlechte Gewissen, das sich langsam aufbaut: Nicht mal mehr ein Monat bis Weihnachten, und ich hab noch nicht mal über Päckchen nachgedacht.

Hairstyling-Code Applied by Young Creative

Die Überschrift bedeutet so viel wie: Ich hab mir die Haare schneiden lassen. Der Friseur meines Vertrauens hat nämlich (wieder einmal) den Salon gewechselt (also er arbeitet halt jetzt woanders).

Dort, wo er früher war, ging man rein, ließ sich die Haare schneiden und zahlte. Jetzt muß man zwischen Sekt und Orangensaft wählen und schaut dabei irritiert auf die androgynen Figuren des „creative teams“, die mit einheitlich rostfarbenen Gesichtern, schwarzer Bekleidung und zerfetzten Turnschuhen nicht etwa schneiden oder frisieren, sondern „Stylings verwandeln“ - trendy, wie sie nun mal sind, können sie wohl gar nicht anders.

Zu allem Überfluß paßt auch die Kundschaft optisch so perfekt dazu, als wäre sie von einem Innenarchitekten im Raum verteilt worden. Nein, von denen will keiner einfach nur einen Haarschnitt. Die wollen alle den „Hairstyling-Code“ für den nachfolgenden Event. Gottseidank sind sie hier keinem planlosen Friseur ausgeliefert, sondern werden mit einem „Stylingkonzept“ verwöhnt.

Warum kann ich nicht einfach zum Friseur ums Eck gehen? Dort müßte ich auch nicht zwei Wochen auf einen Termin warten … Liegt wohl am Friseur meines Vertrauens. Tom, Du schuldest mir was.

Ich bin ein warmherziger, eigensinniger Individualist

Das Internet gibt mir meine Identität. Nachdem ich nun schon weiß, daß ich eigentlich Moslem bin (siehe dieser Eintrag) und meine politische Einstellung der von Mahatma Gandhi gleicht, kann ich nun durch www.graphologies.de auch in die Tiefen meiner Seele blicken:

Ossi1967 ist ein impulsiver, unsteter, vielseitiger und unkonventioneller Typ. Es fällt ihm nicht leicht, sich anzupassen.

Ossi1967 ist ein Individualist. Er ist eher introvertiert mit relativ wenig Kontakt zu anderen Menschen. Trotzdem kann er sehr spontan werden, manchmal wirkt er etwas sprunghaft.

Er ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll. Im Großen und Ganzen wirkt er gelassen bis uninteressiert, wenn er aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht er seine Umwelt durch sein überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten.

Er ist lebhaft und kontaktfreudig, mit viel Verständnis für die Belange anderer.

Ossi1967 ist ein vernunftgesteuerter Mensch. Er versucht, seine Gefühle zu verbergen und sich bei Entscheidungen nur vom Verstand leiten zu lassen.

Ossi1967 ist eigensinnig, geradlinig, konsequent und widerstandsfähig. Die eigene Meinung wird durchgesetzt, er ist durch andere nur schwer zu beeinflussen.

Er arbeitet sehr genau und zeichnet sich durch rationales, analytisches Denken aus.

Er hat seine eigene Meinung, die auch gegen äußere Widerstände durchgesetzt werden, unabhängig von der Meinung anderer.

Schon spannend, was herauskommt, wenn ich 20 Schriftproben am Monitor anklicke und meine Schrift als „groß, klein oder normal“ einstufe.

Bin ich Moslem?

Laut diesem Test auf quizfarm.com ist der Islam die passendste Religion für mich. Ob ich dem irgendeine Bedeutung beimessen soll? Was mach ich jetzt?
Das Ergebnis im Detail:

Religion Prozent
Islam 63%
Buddhism 50%
Agnosticism 50%
Atheism 42%
Paganism 42%
Satanism 42%
Christianity 33%
Judaism 13%
Hinduism 8%

Die 42% beim Satanismus allerdings beunruhigen mich etwas. Vielleicht sollte ich den Test ein zweites Mal machen? 😉