Apple ist wie Microsoft, nur …

Matthias Standfest heißt wahrscheinlich im wirklichen Leben anders. Auf derstandard.at nennt er sich aber so. Er ist mir gestern durch einen genialischen Kommentar im Userforum aufgefallen:

Matthias Standfest | 29.04.2005 12:45

apple ist ja doch wie m$.
nur schöner angezogen.

Anlaß dieser wenig schmeichelhaften, aber sehr treffenden Analyse war ein Bericht über die von Zack Rusin in seinem Blog formulierte Kritik an Apple’s Entwicklungszusammenarbeit (bzw. am Fehlen eben dieser) mit dem KHTML-Projekt.
Rusin’s Text deckt sich inhaltlich mit vielen anderen. Am besten hat es wohl Richard Stallman himself schon 1999 in seinem Statement zu Apple’s Lizenz APSL auf den Punkt gebracht:

Aside from this, we must remember that only part of MacOS is being released under the APSL–and it is the lowest level part. The only practical use for this code is to run the non-free part of MacOS. It will not help free operating systems, because they already have the low-level drivers for the PowerPC Mac.

Overall, I think that Apple’s action is an example of the effects of the year-old “open source” movement: of its plan to appeal to business with the purely materialistic goal of faster development, while putting aside the deeper issues of freedom, community, cooperation, and what kind of society we want to live in.

Apple has grasped perfectly the concept with which “open source” is promoted, which is “show users the source and they will help you fix bugs”. What Apple has not grasped–or has dismissed–is the spirit of free software, which is that we form a community to cooperate on the commons of software.

37.000 Kbps per Schneckenpost

RFC 1149 beschreibt meinen Lieblingsstandard im Internet: den Transport von IP-Datenpaketen via Brieftauben. Das Protokoll wurde für Linux implementiert und 2001 in einer beeindruckenden Weise in die Praxis umgesetzt. Die damals noch bescheidene Datenrate von 0,15 Bits/Sekunde wurde im Lauf der Zeit erhöht, das Protokoll durch RFC 2549 ersetzt und die Technik so weit perfektioniert, daß 2004 bereits eine Übertragungsrate von 2270 Kbps erreicht wurde.
Im April 2005 wurde nun durch einige doch bedeutsame Änderungen eine Vervielfachung der Geschwindigkeit erreicht: In dem hier beschriebenen Experiment kamen statt Brieftauben Schnecken zum Einsatz – die Übertragungsrate betrug unglaubliche 37.000 Kbps. (Zum Vergleich: Der durchschnittliche ADSL-Anschluß bringt es auf müde 1.024 Kbps.)
Der erwähnte Artikel zeigt aber auch auf, wie der weltweite Patent-Wahnsinn die praktische Nutzung der revolutionären Technologie hemmt: Der australische Anwalt John Keogh erhielt 2001 ein Patent mit der Nummer 2001100012 auf “einen kreisförmigen Transportmechanismus”, auch Rad genannt. Da dieser Mechanismus im Schnecken-Experiment Verwendung findet, ist die Zukunft der Technologie ungewiß.

Schönborn und die Physiologie der Spanier

Seltsam oft, wie Schlagzeilen einander ergänzen, wenn sie am gleichen Tag durch die Medien gehen:

So zitiert die APA heute den Wiener Erzbischof Schönborn mit der Aussage:

Zwischen Menschen gleichen Geschlechts gibt es keine Ehe. Das ist nicht eine Frage von Religion, das ist eine Frage – pardon – von Physiologie, von Psychologie, das ist eine Frage dessen, was wir Natur nennen. Das gehört nicht nur zum klassischen christlichen Erbe, sondern auch zum klassischen antiken Erbe, dass es so etwas wie die menschliche Natur gibt, und dass die dauerhafte Beziehung zwischen Mann und Frau Ehe genannt wird und die Fruchtbarkeit dieser Beziehung Familie genannt wird. Das nicht in dieser Klarheit zu sagen, ist die Feigheit der Political correctness.

Nachzulesen ist der gesamte Text auf derstandard.at.

Am gleichen Tag beschließt das spanische Parlament ein Gesetz, das gleichgeschlechtlichen Paaren nicht nur die Eheschließung, sondern auch die Adoption von Kindern ermöglicht (auch hier der Verweis auf derstandard.at). Das Gesetz wird von zwei Drittel der Bevölkerung unterstützt. Spanien reiht sich damit in die mittlerweile große Gruppe europäischer Staaten, die entsprechende Rechtsinstitute geschaffen bzw. die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet hat (siehe Grafik).

Was sagt uns das, Herr Schönborn, über die Physiologie der Spanier?