ich bin nicht herrschsüchtig!

so. Wär das auch klargestellt.

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Christian! – Das Musical

Ulf Wildner hat es geschafft: ORF, Krone und alle anderen Qualitätsmedien des deutschen Sprachraums peitschen das Publikum in wildem Stakkato von einem Schrei der Empörung zum nächsten. Zu schön sind die Tränen, zu tief die Gefühle, als daß man auf diese Geschichte verzichten könnte:
Entmenschte, prügelnde Mutter. Sadistische Gerichtsvollzieher. Weltfremde, gefühllose Behörden. Ein verlassener, liebender Vater. Und mittendrin das schreiende Kind, dem – vor laufenden Kameras mißhandelt – das Herz zerbricht. Das sind die klar verteilten Rollen, aus denen die großen Gefühle gemacht sind. Verfilmung folgt, in zwei Jahren steht “Christian! – Das Musical” vor der Premiere im Raimund-Theater.
Abseits der gefilmten Bilder und der Krone-Stories stellen sich im Zusammenhang mit dem Fall allerdings andere Fragen – Fragen, die das Musical stilistisch weg vom tränenreichen “Les Misérables” hin zur Bitterkeit von “Evita” oder “Chess” bringen würden:

  • Was ist das für ein Vater, der sein 8jähriges Kind in einer solchen Situation dem Licht der Kameras aussetzt? Die Medien waren ja nicht zufällig vor Ort, Ulf Wildner hatte sie zum Abtransport seines Sohnes eingeladen.
  • Wie wäre die ganze Aktion verlaufen, wenn weder Christian noch die Gerichtsvollzieher dem Stress durch die sie umgebenden Kameraleute und Fotografen ausgesetzt gewesen wären? Wäre Christian am Ende wesentlich ruhiger gewesen? Wären die Gerichtsvollzieher vielleicht eher in der Lage gewesen, die Situation einzuschätzen und – wie bereits einmal geschehen – die Aktion abzubrechen?
  • Wenn Vater Ulf berechnend genug war, die Journalisten einzuladen – welche Verhaltensregeln hat er seinem Sohn Christian mitgegeben für den Fall, daß die Kameras zu filmen beginnen?
  • Ganz abseits vom aktuellen Fall: Wäre die öffentliche Empörung vergleichbar groß, wenn nicht der kleine Christian so herzzerreißend gebrüllt hätte, sondern der 8jährige Sohn illegaler Einwanderer, der wieder in sein Herkunftsland verbracht werden soll? Wären ORF und Krone in diesem Fall überhaupt angereist?

Je mehr ich über diese Fragen nachdenke, desto mehr ekelt mich die Sache an. Ich kann die Geschichte nicht mehr sehen, will davon nichts mehr lesen. Weil die Journalisten niemals anwesend sein hätten dürfen. Weil wir es nie erfahren hätten dürfen. Dann wäre es nämlich auch nie passiert.

“Ich persönlich bin ein Mensch”

Es ist unglaublich, aber wahr: Unser aller Benito outet sich anläßlich ihrer Nominierung nach dem Bundesparteivorstand der ÖVP mit den hintergründigen Worten “Ich persönlich bin ein Mensch”. Nachzuhören im Originalton (ab Sekunde 56).
Wenn der Wahlkampf gleich so beginnt – wie tiefschürfend kann er dann in seiner ‘heißen’ Phase werden?